//
du liest...
Ausland, Europa

Die Ideologie der Banderisten

von Thierry Meyssan – http://www.voltairenet.org

Bild: Dmytro Dontsov, Vordenker des „integralen ukrainischen Nationalismus“. Die Lektüre seiner Werke ist Pflicht für alle ukrainischen nationalistischen Soldaten, insbesondere für die des Regiments Asow

Während Stepan Bandera ein Gestapo-Agent war, der nur durch die von ihm organisierten Massaker und Folterungen in (für manche positiver) Erinnerung blieb, war – und ist – Dmytro Dontsov der maßgebliche Vordenker der ukrainischen Nationalisten. Er war es, der den ukrainischen Rassismus erfand und sich den Fanatismus seiner Kämpfer als Waffe vorstellte.

Dieser Artikel folgt auf:
1. „Russland will die USA zwingen, die UN-Charta zu respektieren“, 4. Januar 2022.
2. „Washington setzt den RAND-Plan in Kasachstan fort, dann in Transnistrien“, 11. Januar 2022.
3. „Washington weigert sich, auf Russland und China zu hören“, 18. Januar 2022.
4. „Washington und London, von Taubheit getroffen“, 1. Februar 2022,
5. „Washington und London versuchen, ihre Dominanz über Europa zu bewahren“, 8. Februar 2022.
6. „Zwei Interpretationen des ukrainischen Falles“, 16. Februar 2022.
7. „Washington läutet die Kriegsglocke, während die Alliierten sich zurückziehen“, 22. Februar 2022.
8. „Russland erklärt den Straussianern den Krieg“, 1. März 2022.
9. „Ein Haufen Rauschgiftsüchtiger und Neonazis
10. „Israel fassungslos über ukrainische Neonazis“, 8. März 2022.
11. „Ukraine: die große Manipulation“, 22. März 2022.
12. „Die Neue Weltordnung, die unter dem Vorwand eines Krieges in der Ukraine vorbereitet wird“, 29. März 2022
13. „Die Kriegspropaganda ändert ihre Form“ , 5. April 2022.
14. „Das Bündnis des MI6, der CIA und der Bandera-Anhänger“, 12. April 2022.
15. „Das Ende der westlichen Vorherrschaft„, 19. April 2022.
16. „Ukraine: Der Zweite Weltkrieg geht weiter“, 26. April 2022.
17. „Washington hofft, seine Hypermacht durch den Krieg in der Ukraine wiederherzustellen“, 3. Mai 2022.
18. „Kanada und die Bandera-Anhänger“, 10. Mai 2022.
19. „Ein neuer Krieg bereitet sich für die kommende Niederlage gegen Russland vor“, 24. Mai 2022.
20. „Die geheimen Militärprogramme der Ukraine“, 31. Mai 2022.
21. „Ukraine: Missverständnisse, Irrtümer und Unverständlichkeiten“, 7. Juni 2022.
22. „Polen und Ukraine“, 14. Juni 2022.

In der skandinavischen Mythologie sind die Walküren Diener des Gottes Odin. Sie reiten auf Wölfen. Aber die Germanen repräsentieren sie auf Pferden. Der von Richard Wagner vertonte „Ritt der Walküren“ kündigt sowohl den Tod der Helden als auch ihr glorreiches Schicksal in der kommenden Schlacht der Endzeit an.

Wenn ich in früheren Artikeln die Geschichte der Banderisten-Bewegung seit der Zwischenkriegszeit bis heute dargestellt habe, möchte ich hier über ihre Ideologie sprechen.

Ihr Referenzintellektueller, damals wie heute, ist Dmytro Dontsov (1883–1973). Obwohl er in Kanada starb und in den Vereinigten Staaten begraben wurde, wurden seine Werke nicht übersetzt, aber seine Anhänger haben sie uns bekannt gemacht. Diese Abwesenheit in Buchhandlungen anderer Länder erklärt, warum er im Ausland unbekannt ist. Er war jedoch nach langer Abwesenheit einer der Bestsellerautoren der letzten Jahre in der Ukraine.

Dmytro Dontsov nährte sich wie die Nazis von seiner Interpretation von Nietzsche und forderte die Geburt eines „neuen Menschen“ mit „einem brennenden Glauben und einem Herzen aus Stein“, der keine Angst haben würde, die Feinde der Ukraine rücksichtslos zu vernichten. Als Denker des „integralen ukrainischen Nationalismus“ hat er eine Philosophie aufgebaut, in der alles, was nationalistisch ist, gegen Russland und gegen die Juden gerichtet ist.

Er beabsichtigte, ein Elite-Volk zu schaffen, weit weg vom „Egalitarismus der Sklaven“ der Russischen Oktoberrevolution und den „universellen Idealen“ der Französischen Revolution.

Er behauptete, dass die Vorstellungskraft der echten Ukrainer „genährt werden muss mit der Legende der letzten Schlacht“, der „Leugnung dessen, was ist“ und „dem faszinierenden Bild der Katastrophe, die etwas Neues bringen wird“. Sie müssen „einer kategorischen Ordnung“ mit „rücksichtslosem Gehorsam“ dienen.

Ihm zufolge ist der „ukrainische Nationalismus“ gekennzeichnet durch:
„die Bekräftigung des Willens zu leben, der Macht, Expansion“ (er fördert „Das Recht starker Rassen, Völker und Nationen zu organisieren, um die bestehende Kultur und Zivilisation zu stärken“)
„der Wunsch zu kämpfen und das Bewusstsein seiner Extremität“ (er lobt die „kreative Gewalt der Minderheit, die die Initiative ergreift“)

Seine Qualitäten sind:
„Fanatismus“;
„Unmoral“.

Fanatismus bezieht sich auf den religiösen Charakter seiner Lehre. Dontsov stellt fest, dass dies Krieger unbesiegbar macht. Es ist daher völlig logisch, dass Stepan Bandera und Jaroslav Stetsko nach dem Weltkrieg vereinbarten, in München mit dem Geheimbund der Muslimbruderschaft zusammenzuarbeiten, oder dass ihre Anhänger 2007 eine antirussische Front mit den tschetschenischen Dschihadisten bilden konnten.

Zu Beginn seiner Arbeit ließ sich Dontsov nicht vom italienischen Faschismus oder deutschen Nationalsozialismus inspirieren, sondern scheint von der gleichen Argumentation geprägt zu sein wie die kroatische Ustascha, die rumänische Eiserne Garde, die slowakische Glinka, die polnische Oboz Narodowo-Radykalny.

Im Kontakt mit den Nazis begann Dontsov, eine mythische Geographie und Geschichte zu beanspruchen. Die „wahren Ukrainer“ wären skandinavischen oder protogermanischen Ursprungs, von den Warägern, einem Wikingerstamm in Schweden, abstammend. Ihre Vorfahren hätten die Stadt Nowgorod in Russland gegründet und die russischen Slawen unterworfen.

In dieser Mythologie sind die „ukrainischen Nationalisten“ die Guten, während die „Moskauer“ das Böse verkörpern. Es ist daher ganz normal, dass die Muse der Swoboda-Partei (Freiheit), die Abgeordnete Irina Farion, lange vor der russischen Militärintervention erklärt: „Wir sind auf diese Welt gekommen, um Moskau zu zerstören.“

Im Jahr 2015 verabschiedeten Präsident Petro Poroschenko und sein Premierminister Arsenij Jazenjuk eine Reihe von Gesetzen, die einerseits kommunistische und nationalsozialistische Symbole verboten und andererseits Banderisten-Symbole rehabilitierten. Da niemand behauptete, Nazi zu sein, ging es in der Praxis darum, die Denkmäler des Sieges der Roten Armee über die Nazis zu zerstören und sie durch andere zum Ruhm von Stepan Bandera – der dennoch für die Ermordung von 1,6 Millionen seiner Landsleute verantwortlich war – und seines Meisterdenkers Dmytro Dontsov zu ersetzen.

Der Europarat kritisierte damals diese „Entkommunisierungs“-Gesetze, die Regime im Allgemeinen an den Pranger stellen, ohne die Taten zu nennen, die sie verurteilen.

Aufgrund dieser Gesetze trat das Motto der „Banderisten“ in den offiziellen Diskurs ein: „Ehre der Ukraine!“ Ich habe natürlich nichts gegen diesen Slogan, auch nichts gegen den Schrei der Muslime „Allah Akbar!“, aber nachdem ich ihn bei den Dschihadisten gehört habe, die mir die Kehle durchschneiden wollten, kann ich wirklich nicht mehr denken, „Gott ist groß!“ und ich werde immer noch von dem verfolgt, was die Dschihadisten damit meinen.

Ebenso ist es logisch, dass sich die Ukraine mit einem Rechtsrahmen ausgestattet hat, der eine Form der Rassendiskriminierung legalisiert. Am 21. Juli 2021 unterzeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj ein auf seine Initiative hin vorgelegtes Gesetz über die „Indigenen Völker der Ukraine“. Es fordert, dass Tataren und karäische Juden „das Recht haben, alle Menschenrechte und Grundfreiheiten uneingeschränkt zu genießen“ (sic). Dieser Text, der sehr großzügig erscheint, ist überhaupt nicht großzügig, weil er abgerundet interpretiert wird. Er ergänzt die Texte, die die Rechte von Ukrainern skandinavischer oder protogermanischer Herkunft anerkennen. In der Tat wird es von den Gerichten benutzt, um die Rechte der Ukrainer zu leugnen, die sich weder in der allgemeinen Definition, noch in einer dieser Minderheiten wiedererkennen, mit anderen Worten in denen, die behaupten, Slawen slawischer Herkunft zu sein. Letztere können sich vor Gericht nicht auf ihr „Recht auf uneingeschränkte Ausübung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten“ berufen.

Am 20. März 2022 sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem auf seinem Telegramm-Account veröffentlichten Video: „Jede Aktivität von Politikern, die sich an der Spaltung der Gesellschaft oder der Zusammenarbeit mit dem Feind beteiligen, wird keinen Erfolg haben und eine harte Antwort erhalten.“ Darauf verbot er 11 politische Parteien (« Oppositionsplattform – Für das Leben »: Charij-Partei, Nachi, Oppositionsblock, Linke Opposition, Union der Linken Kräfte, Derjava, Progressive Sozialistische Partei der Ukraine, Sozialistische Partei der Ukraine, Sozialisten, Wolodymyr Saldo Block). Wenn die meisten von ihnen auch nicht in der einzigen Kammer, der Werchowna Rada, vertreten waren, war die „Oppositionsplattform – Für das Leben“ die zweite Partei im Land. Sie erhielt 13% der Stimmen und 43 Abgeordnete von den 450.

Ebenfalls am 20. März unterzeichnete Präsident Selenskyj Erlasse, die drei oppositionelle Kanäle, die für mehrere Monate „suspendiert“ wurden, für fünf Jahre sperrten. Darüber hinaus wurden alle verbleibenden Kanäle unter der Kontrolle des Sicherheits- und Verteidigungsrates zusammengeführt.

Es gibt also keine Meinungsfreiheit mehr, weder für Politiker, noch für Journalisten. Die ukrainische Demokratie ist tot, nicht durch eine russische Militärintervention, sondern durch den Willen ihrer eigenen Regierung.

Am 5. Mai 2022 wurde ein Rat für die Entwicklung von Bibliotheken eingerichtet. Er soll unter anderem über russische Bücher entscheiden, die die Regale überfüllen. Der Minister für Kultur und Informationspolitik, der Journalist Oleksandr Tkachenko, sagte, sie könnten ein Rohstoff für den Druck ukrainischer Bücher auf Recyclingpapier werden.

Autodafés sind ein großer Klassiker der Diktaturen. Diesmal wird man nichts in der Öffentlichkeit verbrennen, aber man wird das Papier recyceln. Es ist weniger auffällig und umweltfreundlicher.

Wenden wir uns nun der Art der Kriegsführung zu. Eine Besonderheit der ukrainischen Armee verdient Aufmerksamkeit: Sie nimmt die Leichen ihrer Soldaten, die im Kampf gefallen sind, nicht auf. Alle anderen Armeen der Welt zögern nicht, sich dafür in Gefahr zu bringen. Ihren Toten ein würdiges Grab zu geben, ist in ihren Augen unverzichtbar. Andernfalls hätte dies katastrophale Folgen für die Moral ihrer Gefährten. Warum also verhält sich die ukrainische Armee anders?

Wenn ich die Gedanken von Dmytro Dontsov verstehe, handelt es sich hierbei um die Vorbereitung des eschatologischen Kampfes zwischen Gut und Böse. Der skandinavischen Mythologie zufolge stiegen bei einer Schlacht, die von den Warägern ausgetragen wurde, die Walküren auf Wölfen reitend auf das Schlachtfeld hinab. Sie entschieden, welcher der tapferen Wikinger sterben würde. Dann brachten sie ihre Seelen nach Walhalla, um mit ihnen die zukünftige Armee der „letzten Schlacht“ zu bilden. So waren die Männer, die auf dem Schlachtfeld fielen, keine Opfer des Schicksals, sondern wurden für ein glorreiches Schicksal ausgewählt.

Diese heilige Ideologie bezieht sich auf das „Gebet der ukrainischen Nationalisten“, geschrieben von Josef Maschtschak im Jahr 1922. Sie wird in den Jugendlagern der „Banderisten“ gelehrt und rezitiert. Sie steht im Mittelpunkt der Zeremonien des Geheimordens Centuria, den die Banderisten in die Armeen der NATO eingeführt haben.

Der Krieg der „ukrainischen Nationalisten“ gegen die Slawen hat also gerade erst begonnen.

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

https://www.voltairenet.org/article217366.html

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: