Während Europa in der Energiekrise steckt, sind die Ölquellen in Libyen seit Februar letzten Jahres geschlossen. In Italien und in Europa spricht man nicht darüber, um nicht auf die Einzelheiten eines Krieges eingehen zu müssen, dessen Förderer wir sind, den aber, zum Glück für die italienische Regierung, niemand bemerkt hat. Bisher.

Aber wie sind wir zu dieser Situation gekommen?

Im vergangenen Dezember wurden die Wahlen in Libyen eine Woche vor dem Wahltag auf mysteriöse Weise annulliert. Warum? Saif Gaddafi, Sohn des Obersts, erhielt in den Umfragen mehr als 50% und wäre Präsident von Libyen geworden.

Als Reaktion auf diese brutale Einmischung in das politische Leben Libyens stimmte das libysche Parlament im vergangenen Februar für Fathi Bashagha, nachdem er seinerseits die Autorität von Khalifa Haftars Libyscher Nationalarmee anerkannt hatte.

Aber der scheidende Premierminister Abdulhamid Dabaiba, der vom Westen unterstützt wird und nun keine politische Legitimität mehr hat, bleibt auf seinem Posten in Tripolis, geschützt von den Milizen, die sich kürzlich auch Daesch angeschlossen haben.

Dies drängte das libysche Volk zusammen mit den Gewerkschaften, die Ölquellen zu schließen, die fast vollständig in drei Vierteln Libyens von Haftars Libyscher Nationalarmee kontrolliert werden. Diese extreme Entscheidung ist motiviert durch die begründete Befürchtung, dass die Öleinnahmen zur Finanzierung eines neuen repressiven, von der NATO gegen den Willen der Bevölkerung gesponserten Militärapparats, in Tripolis verwendet werden.

In einer Zeit, in der sich die Debatte in Italien auf Krieg und die hohen Lebenshaltungskosten konzentriert, könnte die Freistellung des libyschen Öls durch die volle Anerkennung der libyschen Souveränität, statt der Finanzierung von Milizen und die Unterstützung eines „illegalen“ Premierministers, Italien und anderen europäischen Ländern helfen, wo diese Ressourcen werden benötigt, um die hohen Lebenshaltungskosten zu bekämpfen.

Wer ist bereit, die Draghi-Regierung für diesen Kampf herauszufordern?

Übersetzung
Horst Frohlich
Quelle
Grandangolo