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Ausland, Europa

Russland ist im Donbass auf dem Vormarsch

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Nachdem sich die Frontlinie im Donbass lange Zeit kaum verändert hat, ist sie nun in Bewegung gekommen. Russland rückt vor und kesselt die ukrainische Armee an mehreren Stellen ein.

Im Westen wird behauptet, Russland habe einen Blitzkrieg gegen die Ukraine führen wollen, der gescheitert sei. Oft konnte man in westlichen Medien sogar lesen, dass Russland geschlagen sei. Das scheint sich nun als unwahr herauszustellen, vielmehr scheint die russische Strategie eine andere zu sein und sie scheint Erfolg zu haben.

Die russische Strategie

Ich habe vor knapp zwei Wochen bereits eine Analyse über die wahrscheinliche russische Strategie veröffentlicht. Ich werde das jetzt nur kurz zusammenfassen, die ausführliche Analyse können Sie hier nachlesen.

Wenn meine Analyse richtig ist, dann hatte Russland nie vor, einen schnellen Sieg zu erringen. Russland möchte die Ukraine als neutralen, nicht als anti-russischen Staat, sehen, wofür ein schneller Vormarsch mit zwangsläufig vielen zivilen Opfern kontraproduktiv wäre. Russland hat daher darauf gesetzt, von Anfang an militärische Ziele zu zerstören, um die ukrainische Armee mittelfristig vom Nachschub abzuschneiden und „auszuhungern“.

Das zeigt inzwischen Wirkung. Die ukrainische Armee, die mit fast ihrer gesamten Stärke im Donbass versammelt ist, leidet unter massiven Nachschubproblemen. Es gibt kaum noch Berzin für Fahrzeuge und Panzer und auch die Versorgung mit Munition scheint bereits ein Problem zu sein. Die vom Westen gelieferten Waffen kommen an der Front nicht an, weil inzwischen auch Eisenbahnknotenpunkte zerstört sind, weshalb der Großteil der vom Westen gelieferten Waffen nutzlos in der Westukraine herumliegt und die dortigen Waffenlager von russischen Raketen zerstört werden können.

Ein Problem, mit dem die russische Führung anscheinend nicht in dieser Form gerechnet hat, ist, dass sich die ukrainischen Streitkräfte sich konsequent in Wohngebieten verschanzen und Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchen, was man in Mariupol so deutlich gesehen hat, dass es sogar im Spiegel zwischen den Zeilen zu lesen war. Das macht den Vormarsch für die russische Armee schwierig, was auch der russische Verteidigungsminister gerade erst offen gesagt hat. Und auch der Chef des russischen Geheimdienstes erklärte nun, dass es Russland nicht um Zeitpläne gehe, sondern um die Erreichung der militärischen Ziele unter größtmöglicher Schonung der Zivilbevölkerung.

Das könnte man natürlich für russische Propaganda und das Schönreden von Misserfolgen halten, aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Die russische Armee hat in den letzten Wochen exakt nach diesem Muster gehandelt, denn sie hat auf einen schnellen Vormarsch verzichtet und stattdessen die ukrainische Armee im Donbass weitgehend vom Nachschub abgeschnitten.

Dürfen ukrainische Offiziere bald eigene Soldaten erschießen?

Dass die russische Strategie nun Wirkung zeigt, sieht man daran, dass im Netz immer mehr Videos auftauchen, in denen ukrainische Einheiten ihren Präsidenten bitten, sie endlich zu versorgen. Ihnen gehe der Nachschub aus, sie würden ja kämpfen, wenn sie wüssten, womit. Aber so seien sie reines Kanonenfutter. Entsprechend ergeben sich den Russen auch immer mehr zwangsrekrutierte ukrainische Soldaten.

Dass auch das keine russische Propaganda ist, zeigen Meldungen aus Kiew. Dort hat die Fraktion der Partei von Präsident Selensky eine Gesetzesänderung eingebracht, die Paragraph 221 des Statutes der ukrainischen Streitkräfte dahingehend ändern soll, dass es ukrainischen Kommandeuren künftig erlaubt ist, ihre Untergebenen bei Befehlsverweigerung oder Desertieren ohne Federlesen zu erschießen. Das Gesetz ist im ukrainischen Parlament zwar (noch) umstritten, aber alleine die Tatsache, dass es von der Präsidentenpartei eingebracht wurde, zeigt, dass es um die Moral der ukrainischen Truppen sehr schlecht stehen muss.

Der russische Vormarsch

In den letzten Tagen wurde von der russischen Armee gemeldet (und in den meisten Fällen von ukrainischer Seite bestätigt), dass viele Ortschaften im Donbass unter russische Kontrolle gekommen sind, dass die ukrainischen Streitkräfte also zurückgedrängt werden. An mehreren Stellen scheint die russischen Armee im Begriff zu sein, ukrainische Streitkräfte einzukesseln. Insgesamt sind an verschiedenen Stellen weit über 10.000 ukrainische Soldaten in Gefahr, eingekesselt zu werden.

Besonders wichtig ist dabei die Stadt Avdievka, die nur wenige Kilometer vor Donezk liegt und wo sich die ukrainischen Kräfte sehr gut verschanzt haben. Von dort aus werden auch Wohngebiete in Donezk bis heute heftig beschossen. Aus dieser Gegend werden nun heftige Kämpfe gemeldet und durch das Vorrücken auf wichtige Straßenverbindungen soll Avdievka praktisch vom Nachschub abgeschnitten und fast eingekesselt sein.

Und auch hier zeigt sich, wie die russische Strategie aussieht, denn der Pressesprecher der Donezker Streitkräfte hat einen direkten Angriff auf die Stadt vorerst ausgeschlossen. Er sagte:

„Wir rücken nicht in Avdievka ein und planen das auch nicht. Wenn die Stadt vollständig blockiert ist, sehen wir weiter.“

Auch in Avdievka verschanzen sich die ukrainischen Truppen in Wohngebieten und haben ihre Stellungen sogar in einem Chemiewerk aufgestellt, was bei einem Angriff besonders gefährlich wäre und bei Beschuss eine chemische Verseuchung der Stadt nach sich ziehen könnte. Daher will man die Stadt nicht im Kampf erobern, sondern, das wurde auch in Moskau deutlich gesagt, man will die Lehren aus Mariupol ziehen, wo die Asow-Kämpfer in dem Stahlwerk blockiert und ausgehungert wurden, bis sie sich freiwillig ergeben haben. Das rettet Menschenleben sowohl russischer als auch ukrainischer Soldaten und schützt die Zivilisten, die unter einer gewaltsamen Einnahme der Stadt inklusive Häuserkämpfen am meisten leiden würden.

Russland ist im Donbass auf dem Vormarsch

Diskussionen

3 Gedanken zu “Russland ist im Donbass auf dem Vormarsch

  1. s.a. Meldung vom 4.06. (kein Wort in Westlichen Medien)
    das Blut der Donbass Kinder klebt an amerikanischen Händen

    https://friedliche-loesungen.org/en/feeds/ukraine-krieg-zensierte-fakten-update-0906-soll-serbien-mit-bombendrohungen-zu-russland

    Gefällt mir

    Verfasst von Bettina | 9. Juni 2022, 14:15
  2. Russland denkt vom Ende her, hat es in Syrien auch schon gezeigt. Man will in einem bestimmten Gebiet eine funktionierende Zivilverwaltung, eben einen funktionierenden Staat und dafür werden Schritt für Schritt die militärischen Maßnahmen ergriffen.

    Die US Strategie, einen Staat militärisch zu überrennen, zu zertrampeln, um dann zu überlegen, was man denn mit dem Scherbenhaufen anfängt, also der Ausplünderung der Ressourcen eine demokratische Maske verpaßt, kommt nicht in Frage.

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    Verfasst von zivilistin | 26. Mai 2022, 19:37
  3. „Dürfen ukrainische Offiziere bald eigene Soldaten erschießen?“

    Ja, das würde für die Russen so manches Problem lösen. Ich nehme an, die ukrainische Kleinmunition wäre dann nach kurzer Zeit schon komplett verschossen – und es gäbe keine Mannschaften mehr.

    Das wäre übrigens eine Lösung, die in „bester“ Bandera-Tradition stünde.

    Gefällt mir

    Verfasst von Sören Haber | 26. Mai 2022, 16:08

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