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Ausland, Europa

Tag 1 meiner dritten Reise in den Donbass: Mariupol

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Am ersten Tag meiner neuen Reise in den Donbass habe ich Mariupol besucht. Das Stadtbild hat sich seit meiner ersten Reise vor einem Monat sehr verändert.

Die Reisen in die Konfliktregion sind immer sehr zeitaufwändig, weil die Flughäfen in Südrussland noch immer geschlossen sind. Daher mussten wir wieder mit dem Zug zum Sammelpunkt der Journalisten in Rostow am Don fahren. Die Zufahrt von Moskau dauerte 24 Stunden.

Das Ilijtsch-Werk

Nach der Ankunft in Rostow haben wir Journalisten uns in einem Hotel getroffen, von wo unser Bus gegen zwei Uhr nachts abgefahren ist. Über das Reiseziel haben wir aus Sicherheitsgründen zunächst nichts erfahren. Erst als wir die Grenze in den Donbass überquert hatten, erfuhren wir, dass wir, nicht wie sonst, zunächst ins Hotel in Donezk fahren würden, sondern direkt nach Mariupol.

Unser erster Stopp war das Ilijtsch-Werk, in dem sich ukrainische Einheiten verschanzt hatten, nachdem die russische Armee sie aus den Wohngebieten der Stadt vertrieben hatte. Im Gegensatz zu Asowstal haben sich die Kämpfer im Ilijtsch-Werk aber schon Mitte April ergeben.

Wir wurden durch das Werk geführt und uns wurde die Zerstörung gezeigt.

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Der Zoo

Der nächste Stopp war ungewöhnlich, denn wir haben uns den Zoo der Stadt angeschaut. Der hat in Russland einige Schlagzeilen gemacht, weil der Zoodirektor buchstäblich wie ein Löwe für seine Tiere gekämpft und es geschafft hat, alle Tiere, die nicht durch Granaten getötet wurden, vor dem Verhungern oder der Schlachtung durch Plünderer zu retten. Er hat uns erzählt, dass zwei Kamele und einige Lamas dem Beschuss zum Opfer gefallen sind, deren Fleisch er an die Anwohner der Umgebung verteilt hat. Lama sei ja wie Rindfleisch, wie er sagte.

Der Zodirektor ist eine bemerkens- und bewundernswerte Person. Er hat einen Optimismus ausgestrahlt, wie man nur selten trifft. Schwierigkeiten ist er gewöhnt, denn ursprünglich war sein Zoo außerhalb der Stadt, aber nachdem Asow nach dem Maidan 2014 Mariupol und das Umland angegriffen hatte, musste er mit seinem Zoo in die Stadt umziehen. Er hat viel von den damaligen Schwierigkeiten erzählt und davon, dass er auch die heutigen Probleme lösen werde. Das größte Problem sei derzeit, dass seine Autos zerstört wurden und er Probleme hat, Futter für die Tiere in den Zoo zu transportieren.

In dem Zoo veranstaltet er nun Kinderfeste, um die Kinder von dem Schrecken abzulenken, den sie durchleben mussten. Leider konnten wir nicht bleiben, um uns das am Mittag stattfindende Fest anzuschauen, denn wir mussten auf unserer Tour zu den nächsten Terminen.

Die Zukunft von Mariupol

Der nächste Termin war eine improvisierte Pressekonferenz des Chefs der Donezker Volksrepublik Denis Puschilin. Dabei sagte er uns über den Zustand der Stadt und ihrer Infrastruktur:

„Nach einer groben Schätzung müssen mehr als 60 Prozent der Häuser abgerissen und neu gebaut werden. Was die Infrastruktur betrifft, so ist die Lage nicht so düster. Die Fachleute, die jetzt die Wasserversorgung und andere Bereiche wiederherstellen, sind nicht mehr so pessimistisch, wie es schien, als wir die Stadt zum ersten Mal frei betreten konnten.“

Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Versorgung mit Strom und Wasser werden unter anderem dadurch behindert, dass viele Einrichtungen von der ukrainischen Armee vermint wurden. Aber die Infrastruktur selbst sei in einem besseren Zustand als erwartet und nach der Räumung der Minen werde die Wiederherstellung schneller gehen, als zunächst befürchtet.

Über die Zukunft der Stadt sagte er außerdem, dass es nicht geplant sei, Asowstahl wieder zu reparieren und in Betrieb zu nehmen, denn die Anlage habe die Stadt sehr verschmutzt:

„Was die Unternehmen betrifft, so ist geplant: Alles, was lebt, muss wiederhergestellt werden. Was das Iljitsch-Werk betrifft, so wurde fast einstimmig beschlossen, dass es repariert werden sollte. Was Asowstal betrifft, so wurde die Meinung der Einwohner von Mariupol berücksichtigt, dass das Werk seit seinem Bestehen die Umwelt stark verschmutzt hat. Anstelle von Asowstal sind andere Projekte geplant. Bisher kann ich nur die Vorschläge nennen, die diskutiert werden. Dort kann sein Technopark, ein Wohngebiet oder ein Erholungsgebiet entstehen.“

Was den Aufbau nicht nur der Stadt Mariupol, sondern des Donbass insgesamt angeht, ist Puschilin sehr zuversichtlich, denn in Russland hat jede russische Region eine Art Patenschaft für eine Stadt im Donbass übernommen und wird beim Wiederaufbau helfen. Für Mariupol gibt es mehrere solcher Patenschaften, weil die Stadt so groß ist, dass eine russische Region alleine damit überfordert wäre. Auf diese Weise werden die Kosten für den Wiederaufbau auf ganz Russland verteilt und bezahlbar.

Der Asow-Stab

Unsere letzte Station war ein ehemaliges Sanatorium, das vom Asow-Bataillon nach 2014 als Stab genutzt wurde. In einer Etage hat die russische Armee zusammengetragen, was sie in den Büros der Offiziere gefunden hat und ausgestellt. Der größte Raum war vorher schon mit den schwarzen Schilden dekoriert, die zu Ehren der gefallenen Asow-Kämpfer angefertigt worden sind. Sie zeigen die „schwarze Sonne“, ein Symbol der Waffen-SS, und den Kampfnamen des Gefallenen.

schwarze sonne

Auf diesem Tisch war die Hitler-Ikone, die im Büro eines hohen Offiziers stammt interessant. Und auch die Visitenkarte eines Mitarbeiters der deutschen Botschaft in Kiew. Ob der hier gewesen ist, ist nicht bewiesen, aber sollte er hier gewesen sein, würde ich ihn gerne zu dem Gesehenen befragen…

asow ikona

Das eine Art Glaubensbekenntnis des Asow-Bataillons

Die 10 Gebote des Asow, ohne Gott, dafür aber mit allem, was der SS „heilig“ war.

Diese Flagge trägt die Aufschrift:

Töte die russischen Schweine!
Heil Ukraine!
Das russische Volk ist ein Hundevolk, dass ohne nachzudenken sich selbst, andere und die Natur opfert!“

Ein Teil einer Aufklebersammlung an einem Brett.

Das war nur eine kleine Auswahl der „Ausstellung“, ich möchte nicht alles öffentlich zeigen, es ging mir nur darum, einen Eindruck von dem zu vermitteln, was für ein Gedankengut bei Asow vorherrscht.

Aber denken Sie immer daran, was die deutschen „Qualitätsmedien“ Ihnen erzählen: In der Ukraine gibt es keine Nazis und das Asow-Bataillon ist keine Neonazi-Truppe! Man muss nur ganz fest daran glauben…

Tag 1 meiner dritten Reise in den Donbass: Mariupol

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Tag 1 meiner dritten Reise in den Donbass: Mariupol

  1. Sehr schön, dass es vorangeht mit der Entnazifizierung, aber leider werden westliche Medien das wieder mal konsequent verschweigen bzw. herunterspielen oder als russische Fälschung hinstellen.
    Solange die Masse sich verarschen lässt, wird sich nichts ändern.

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    Verfasst von V wie Vendetta | 20. Mai 2022, 13:00

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