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Ausland, Russland

Ist Russland imperialistisch?

von Stansfield Smith – https://mronline.orghttps://cooptv.wordpress.com

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat zu einer kontroversen Debatte über die Natur und Charakter des russischen Staates in der internationalen Linken geführt. Viele Linke auch in der Partei DIE Linke meinen dass Russland imperialistisch sei und es sich deshalb um einen Konflikt zweier imperialistischer Blöcke handelt. Die uns hier vorliegende Annalyse, ist eine Analyse des Phänomens «Imperialismus» aus leninistischer Perspektive.

von Stansfield Smith (*), aus der linken US Publikation Monthly Review / Übersetzung aus dem Spanischen: Harri Grünberg. Redaktionelle Überarbeitung Nastja Liedtke

Ist Russland heute eine imperialistische Weltmacht, die in einem offenen Interessenkonflikt mit der anderen imperialistischen Supermacht steht? In dieser interessanten, vergleichenden Analyse von Stansfield Smith wird rigoros analysiert, ob der Begriff „imperialistisch“ auf das heutige Russland angewandt werden sollte. Smiths Definition des Imperialismus beruht auf dem leninistischen Verständnis, welches das Phänomen „Imperialismus“ als die unvermeidliche höhere Stufe der kapitalistischen Entwicklung beschreibt.

Russland wird als imperialistische Weltmacht charakterisiert, die im Konflikt mit der imperialistischen Supermacht USA steht. Diese Annahme gilt sowohl für die Zeit der Sowjetunion als auch nach deren Zusammenbruch. Russland ist demnach als sozialistischer- ebenso wie als kapitalistischer Staat imperialistisch.

Russland soll auch ein nicht-imperialer kapitalistischer Staat sein, der immer noch darum kämpft, sich von der Krise des sowjetischen Zusammenbruchs und der politischen und wirtschaftlichen Katastrophe der Jelzin-Jahre zu erholen. In dieser Periode degenerierte das Land zu einem quasi-neokolonialen Klienten, der von den Vereinigten Staaten geplündert wurde. [1]

Lenin erkannte diesen modernen Kapitalismus, wie im Folgenden deutlich wird:

„überall verwandelt er sich in Monopolkapitalismus“[2]. „Der Kapitalismus ist zu einem weltweiten System der kolonialen Unterdrückung und der ‚finanziellen Strangulierung der überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung durch eine Handvoll ‚fortgeschrittener‘ Länder geworden.“[3]

Diese Beherrschung der Welt durch wenige imperialistische Mächte ist nicht nur das größte Hindernis für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt anderer Länder, sondern auch für die Lösung der dringenden Probleme, die die Menschheit als Ganzes und jetzt den Planeten selbst heimsuchen.

Lenin hat den modernen kapitalistischen Imperialismus definiert, ohne den bedingten und relativen Wert aller Definitionen im Allgemeinen zu vergessen: Sie kann niemals alle Verkettungen eines Phänomens in seiner vollen Entwicklung abdecken.

Wir müssen eine Definition des Imperialismus geben, die die folgenden seiner fünf Grundzüge umfasst:

(1) Die Konzentration von Produktion und Kapital hat sich so weit entwickelt, dass sie Monopole geschaffen hat, die eine entscheidende Rolle im Wirtschaftsleben spielen; (2) es besteht eine Verschmelzung von Bankkapital mit Industriekapital und die Schaffung einer Finanzoligarchie auf der Grundlage dieses „Finanzkapitals“; (3) der Kapitalexport erhält im Gegensatz zum Warenexport eine außerordentliche Bedeutung; (4) internationale monopolkapitalistische Vereinigungen werden gebildet (die ihrerseits die Welt untereinander aufteilen) und (5) die territoriale Aufteilung der gesamten Welt unter den kapitalistischen Großmächten ist abgeschlossen [4].

Der Imperialismus ist demzufolge ein Kapitalismus, der eine bestimmte Entwicklungsstufe erreicht hat: Die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals ist etabliert, der Kapitalexport hat eine ausgeprägte Bedeutung erlangt und die Aufteilung der Welt unter den internationalen Trusts kann begonnen werden, da die Aufteilung aller Territorien der Erde unter den größten kapitalistischen Mächten abgeschlossen ist [5].

Im Folgenden werden wir sehen, ob und inwiefern das heutige kapitalistische Russland diese Merkmale erfüllt. Hierbei wird berücksichtigt, welche Rolle die russischen kapitalistischen Monopole im imperialistischen Weltsystem spielen. Auch die Natur des russischen Exporthandels, der Export von russischem Kapital und deren weltweite Bedeutung werden mit betrachtet.

Russische Finanz- und Militärmacht

1. Die Stärke Russlands unter den internationalen kapitalistischen Monopolen:

Russlands Rolle bei der „Bildung internationaler monopolkapitalistischer Vereinigungen, die die Welt unter sich aufteilen“, lässt sich an der Position der Konzerne des Landes unter den 2.000 größten internationalen Konzernen messen.

Forbes listete die 2.000 größten Unternehmen der Welt, basierend auf Gesamtumsatz, Gewinn, Vermögen und Marktwert auf. Die Top-10-Unternehmen sind in chinesischer- und amerikanischer Hand. In China waren im Jahr 2000 291 der Global-Unternehmen ansässig (im Jahr 2003 dagegen nur 43), die Vereinigten Staaten führen mit 560 Unternehmen (Kanada 50, Australien 39 und Indien 58).

Im Vergleich dazu besitzt Russland nur 4 der 100 größten Unternehmen (nämlich die auf Rang 43, 47, 73 und 98). Daneben hat es nur 6 in den Top 500 und 25 in den Top 2.000. Ihr Gesamtunternehmensanteil zeigt einen leichten Abwärtstrend, keinen Aufwärtstrend: Im Zeitraum von 2008 bis 2013 wurden zwischen 29 und 30 russische Unternehmen in die Global-2000-Liste aufgenommen.

Die 2.000 Unternehmen auf dieser Liste weisen einen Umsatz von 39,1 Billionen US-Dollar und einen Gewinn von 3,2 Billionen US-Dollar sowie ein Vermögen von 189 Billionen US-Dollar und einen Marktwert von 56,8 Billionen US-Dollar auf. Der Umsatz der 25 russischen Unternehmen beläuft sich auf 568.000 Millionen Dollar. Dies entspricht nur 1,45 % des Gesamtumsatzes. Ihr Gesamtvermögen beträgt 1.757,3 Milliarden US-Dollar, was knapp 1 % der Gesamtsumme ausmacht. Unter den internationalen Monopolen spielt Russland also offensichtlich eine untergeordnete Rolle.

Russlands Arbeitsproduktivität im Vergleich zur Europäischen Union und den Vereinigten Staaten

Die Aussicht einer signifikanten Veränderung dieser Zahlen ist durch das Problem der geringen Produktivität der russischen Arbeitskräfte wenig wahrscheinlich. Die Arbeitsproduktivität, hier gemessen durch das in US-Dollar bewertete Bruttoinlandsprodukt geteilt durch die Gesamtzahl der von den Erwerbstätigen des Landes geleisteten Arbeitsstunden, lag für Russland im Jahr 2016 bei 25,4. Dies ist die niedrigste Rate aller europäischen Länder und so gering, dass sie weniger als die Hälfte der Durchschnittsrate in der Europäischen Union (53,4) beträgt. Russlands Arbeitsproduktivität beträgt 36 % des US-Niveaus (69,9), das von Deutschland liegt bei 68,1. Russland bleibt demzufolge in einem rückständigeren Produktivitätsniveau versunken, das weit davon entfernt ist, mit dem der fortgeschrittenen kapitalistischen Machtzentren konkurrieren zu können.

Der Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums platziert Russland in den Jahren 2017/2018, noch vor einigen anderen osteuropäischen Ländern, auf Platz 38 seines Rankings. 2012 und 2013 belegte Russland noch den 67. Platz [6].

Russische Fertigungsproduktion

Die Rolle Russlands im Weltwirtschaftssystem lässt sich besser verstehen, wenn man die Produktionsleistung der einzelnen Länder in Dollar vergleicht. Im Jahr 2015 lag China mit 2,01 Milliarden US-Dollar an Industriegütern und 20 % der Weltproduktion an erster Stelle. Die Vereinigten Staaten folgten mit 1,867 Milliarden US-Dollar (18 %). Russland belegte hinter Indien, Taiwan, Mexiko und Brasilien mit einer Produktion von Industriegütern im Wert von 139 Milliarden US-Dollar den 15. Platz und ist dementsprechend erneut ein marginaler Akteur, der nur 1 % der Weltproduktion hervorbringt.

Russische Rohstoffexporte versus Hightech-Güter:

Die imperialistischen Länder zeigen in ihrem Exporthandel tendenziell eine ausgeprägte Tendenz zum Verkauf hochwertiger Fertigprodukte, wissensintensiver technischer Dienstleistungen sowie Finanzdienstleistungen. Die vom Imperialismus unterdrückten Nationen sind oft auf den Export von Rohstoffen angewiesen, deren Preise vom imperialistischen Markt bestimmt werden. Darüber hinaus befinden sich die Konzerngesellschaften in den unterdrückten Ländern im Besitz der imperialistischen Staaten, die somit die Hoheit über die Produktion von Fertigwaren innehaben.

2017 belegte Russland unter den weltweit führenden Exportländern Platz 17 und liegt damit hinter Mexiko, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Singapur. China wies einen Exportwert von 2,263 Mrd. auf.

Die Weltbank berichtete 2017, dass Öl und Gas 58 % der Exporte in Russland ausmachen. Metalle kommen auf 11 %, Lebensmittelrohstoffe auf 6 % und Holz, Zellstoff und Papier auf 3 %. Edelsteine und andere Mineralien belaufen sich auf 4%. Mehr als 82 % der russischen Exporte sind Rohstoffe, während tatsächlich fertige, technologische Produkte (einschließlich militärische) nur 8 % der Exporte darstellen [7].

Russlands Top 10 der exportierten und importierten Artikel im Jahr 2017 zeigen, dass sich Maschinengüter auf 12,8 Milliarden US-Dollar an Exporten gegenüber 106,2 Milliarden US-Dollar an Importen beliefen.

Russische Exporte (und Importe) passen folglich nicht in das Muster eines imperialistischen Staates, sondern eher in das eines „halbentwickelten Dritte-Welt-Staates“, der hauptsächlich Rohstoffe exportiert und auf ausländische Importe fortschrittlicher Güter angewiesen ist.

Russlands Ranking beim Export von Hightech-Gütern [8].

Die imperialen Mächte sind führend im Export von Hightech-Gütern. Was die Weltrangliste beim Export dieser Waren betrifft, so lag China mit 496.000 Millionen Dollar an Hightech-Exporten erneut an erster Stelle und die Vereinigten Staaten nach Deutschland mit 153.200 Millionen Dollar an dritter Stelle. Mexiko exportierte 46.800 Millionen Dollar. Russland belegte in dieser Export-Kategorie den 31. Platz mit einem Exportvolumen von nur 6,64 Milliarden Dollar. Diese Zahlen zeigen auch, dass Russland weit davon entfernt ist, ein imperialer Akteur auf der Weltbühne zu werden.

Die Rolle Russlands im internationalen Bank- und Finanzkapital

In Lenins Liste der Merkmale der imperialistischen Länder seiner Zeit, sind die Großbanken die wichtigsten Organisationszentren des Finanzkapitals. Von einem imperialistischen Staat ist zu erwarten, dass er unter den Großbanken gut vertreten ist. Von den 100 größten Banken der Welt, geordnet nach Bilanzsumme, besitzt China 5 der 10 größten Banken, die Vereinigten Staaten 6 der Top 40. Unter den 100 größten Banken sind 20 chinesische, 10 amerikanische, 9 japanische, 6 französische, 6 deutsche, 6 britische, 5 kanadische, 5 südkoreanische, 5 brasilianische, 4 australische, 3 schwedische, 3 italienische, 3 spanische, 3 niederländische, 2 aus Singapur und 2 Schweizer Banken. Russland hat dagegen nur eine (Nummer 66).

Lenin erklärte, dass in der imperialistischen Epoche „die Aufteilung der Welt unter die internationalen Trusts“ stattgefunden hat. Die Aufteilung der Welt in der imperialistischen Epoche zwischen diesen Trusts ändert sich mit dem Aufstieg und Fall der imperialistischen Staaten. In der aktuellen Verteilung der Welt unter diesen Trusts finden wir Russland als viel kleineren Player: 4 Unternehmen in den Top 100, 25 in den Top 2000 (mit 1,45 % des Weltmarktanteils), kein Unternehmen in den Top 100 in Bezug auf Auslandsvermögen und eine Bank unter den Top 100 der internationalen Banken.

Der russische Kapitalexport

Lenin erklärte, dass „(3) der Export von Kapital im Gegensatz zum Export von Waren eine außergewöhnliche Bedeutung erlangt“. Russland exportiert in erheblichem Umfang Kapital, allerdings in Form von Kapitalflucht in Steueroasen wie Zypern und die Britischen Jungferninseln. Die russische Zentralbank bezifferte die Nettokapitalflucht aus dem Land im Jahr 2014 auf 154,1 Milliarden US-Dollar und die Gesamtsumme seit Putins Machtantritt 1999 bis 2014 auf etwa 550 Milliarden US-Dollar. Die tatsächliche Gesamtsumme bis 2014 könnte mehr als 1 Billion US-Dollar betragen. Die Zentralbank schätzte die Flucht russischen Kapitals im Jahr 2018 auf 66.000 Millionen Dollar.

Auslandsvermögen russischer Multis

Eine Studie listet die 100 größten nichtfinanziellen und multinationalen Unternehmen auf, geordnet nach ihrem Auslandsvermögen und ihren Investitionen in anderen Ländern. In dieser Schlüsselgröße des Finanzkapitalexports sind 20 der Unternehmen amerikanisch, 14 britisch, 12 französisch, 11 deutsch, 11 japanisch, 5 chinesisch (einschließlich Hongkong) und 5 aus der Schweiz. Man sieht: Kein einziges russisches Unternehmen ist aufgrund seiner Auslandsinvestitionen unter den Top 100 Unternehmen gelistet.

Die Top 10 der russischen Multis außerhalb des Finanzsektors verfügen über ein Gesamtvermögen von 188,3 Milliarden US-Dollar im Ausland, was ein Drittel der Gesamtsumme Russlands ausmacht. Das gesamte Auslandsvermögen russischer Unternehmen ist nach wie vor geringer als das der beiden führenden Unternehmen in der Liste der 100 nichtfinanziellen multinationalen Unternehmen der Welt [9].

Russisches Finanzkapital im Vergleich zu imperialistischen Staaten

Ein weiterer Maßstab für den weltweiten Finanzkapitalbestand wird jährlich von der Credit Suisse erstellt. Das Global Wealth Databook 2018 stellt das nationale Finanzvermögen (Aktien, Anleihen, Geldmarktfonds und Bankkonten) dar, indem es das nationale Finanzvermögen durch die erwachsene Gesamtbevölkerung jedes Landes dividiert. Die Spitzengruppe mit einem Durchschnittsvermögen von mehr als 100.000 US-Dollar pro Person bilden westeuropäische Länder sowie Nordamerika, Australien, Neuseeland, Japan, Israel, Singapur und Taiwan. Die Vereinigten Staaten (336.528 $) stehen an zweiter Stelle hinter der Schweiz (372.336 $).

Alle Länder dieser Gruppe sind entweder imperialistische Länder oder Schlüsselsatelliten des imperialen Zentrums, der Vereinigten Staaten. Das weltweit durchschnittliche finanzielle Vermögen pro Person beträgt 38.110 $; Das geplünderte Griechenland liegt bei 33.969 $. China liegt mit 19.862 $ weit zurück. Russland bewegt sich mit 8.843 $ in einem sehr niedrigen Bereich. Diese Summe entspricht 2,6 % des durchschnittlichen Finanzvermögens pro Erwachsenem in den Vereinigten Staaten.

Russland bleibt somit eindeutig davon entfernt, den finanziellen Reichtum eines imperialistischen Landes zu besitzen. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten haben einen Anteil von 31% am finanziellen und nichtfinanziellen Vermögen der Welt. Russland hat lediglich 0,7 %.

Lenin schrieb: „Der Imperialismus ist das Zeitalter des Finanzkapitals und der Monopole (…), in dem der Kapitalexport eine ausgesprochene Bedeutung erlangt hat“ [10]. Im Bereich des Exports von Finanzkapital für produktive Zwecke durch russische Multis spielt Russland ebenfalls eine sehr untergeordnete Rolle.

Russlands militärisches Gewicht

Schließlich verweist Lenin auf die „(5) territoriale Verteilung der ganzen Welt unter den kapitalistischen Großmächten“. Grundlegend für die Beherrschung der weltwirtschaftlichen Strukturen durch die imperialistischen Länder ist ihre

Rolle bei der Überwachung und Aufrechterhaltung der Weltordnung, die sie uns auferlegen. Die wichtigsten imperialistischen Mächte haben einflussreiche Rüstungsindustrien und beteiligen sich als Verkäufer am weltweiten Waffenhandel.

Russische Militärexporte:

Russland zeigt seine Macht nur in militärischer Hinsicht, aber das allein macht es laut Lenin noch nicht imperialistisch. Während Russland es den Imperialisten durch seine beträchtliche militärische Macht (insbesondere durch sein Nukleararsenal) erschwert, das eigene Land unter Druck zu setzen, marschiert es nicht in Länder auf der ganzen Welt ein und bombardiert sie wie die Vereinigten Staaten oder zweitrangige imperiale Mächte wie Großbritannien und Frankreich.

Darüber hinaus hat das kapitalistische Russland im Gegensatz zu den imperialen Militärmächten keine eigene militärische Macht entwickelt, sondern diese samt der Waffenindustrie von der UdSSR geerbt. Russland ist auch insofern einzigartig, als dass es das einzige Land im ehemaligen Sowjetblock ist, das weiterhin vom imperialistischen Westen umzingelt und von militärischen Angriffen bedroht ist.

Russland ist jedoch einer der weltweit führenden Waffenexporteure. Kein Zweig der russischen Industrie ist auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig, mit Ausnahme der Rüstungsindustrie. Die weltweiten Waffenexporte beliefen sich 2016 auf 32.262 Millionen Dollar und 2017 auf 31.106 Millionen Dollar. Das Stockholm International Peace Research Institute beziffert Russlands Waffenexporte auf 6.148 Millionen Dollar im Jahr 2017 gegenüber 6.937 Millionen im Jahr 2016. Der größte Waffenexporteur der Welt sind die Vereinigten Staaten Staaten mit Waffenverkäufen von 10.304 Millionen Dollar im Jahr 2016 und 12.394 Millionen im Jahr 2017. Die Vereinigten Staaten repräsentieren 34 % der weltweiten Militärverkäufe und Russland 22 %.

Die Waffenexporte der USA sind etwas mehr als doppelt so hoch wie die Russlands. In dieser Hinsicht hinkt Russland hinterher: Während die US-Waffenexporte von 2013 bis 2017 um 25 % gegenüber dem Zeitraum von 2008 bis 2012 anstiegen, gingen die Exporte Russlands im gleichen Zeitraum um 7,1 % zurück.

Laut SIPRI haben die 100 größten Waffenproduzenten der Welt im Jahr 2017 militärische Verkäufe und Dienstleistungen im Wert von 398,2 Milliarden US-Dollar getätigt. (Defense News gibt etwas andere Zahlen an.) Die Hälfte dieser Summe ging an die Top-10-Produzenten, von denen fünf amerikanische

Unternehmen sind, während einer russisch ist. Von den Top 100 sind 42 amerikanische Unternehmen, 10 russische.

Russische Militärstützpunkte im Ausland und Militärhaushalt:

Russland hat 15 Militärbasen in 9 anderen Ländern. Nur zwei von ihnen befinden sich außerhalb der ehemaligen Sowjetunion, in Vietnam und Syrien. China hat eine Basis außerhalb Chinas, in Djbouti. Die Vereinigten Staaten haben mehr als 800 Stützpunkte im Ausland.

Verglichen mit dem US-Militärbudget, dass das SIPRI auf 610 Milliarden US-Dollar beziffert, ist allein die Budgeterhöhung des Pentagon in diesem Jahr höher als das gesamte russische Militärbudget, das 2017 66 Milliarden US-Dollar betrug (an vierter Stelle nach China und Saudi-Arabien).

Russische Interventionen in anderen Ländern:

Russland hat in anderen Ländern (Jugoslawien, Georgien, Ukraine, Syrien) interveniert, jedoch nicht in der Art der imperialistischen Länder, deren Motivation darin besteht, natürliche Ressourcen und Reichtümer an sich zu reißen. Die russische Intervention ist auch nicht annähernd so groß wie bspw. die der imperialen Sekundärmächte Frankreich oder Großbritannien. Russland hat auch keine Staatsstreiche in anderen Ländern inszeniert, wie es imperialistische Länder tun.

Russland intervenierte Mitte der 1990er Jahre in sehr begrenztem Umfang im ehemaligen Jugoslawien, als russische Streitkräfte als weiche Polizei der NATO fungierten. Russland stieß 2008 mit dem pro-russischen Südossetien in Georgien zusammen, das von den Vereinigten Staaten unterstützt wurde.

Der Konflikt in der Ukraine ist das direkte Ergebnis eines antirussischen rechtsgerichteten Staatsstreichs der USA im Jahr 2014. Die Bevölkerung der überwiegend russischsprachigen östlichen Region der Ukraine erhob sich mit der Forderung nach politischer und wirtschaftlicher Autonomie. Obwohl die Ostukraine von Russland unterstützt wird, hat Moskau kein Interesse an einer Übernahme der Ostukraine gezeigt, wie es nach dem dort abgehaltenen Referendum mit der Krim der Fall war.

Russlands direktes militärisches Engagement im Syrienkrieg im Jahr 2015 ähnelt dem in der Ukraine: es wird versucht, sich gegen den andauernden US/NATO-Regimewechsel und die Einkreisung des eigenen Landes zu verteidigen. Russland wurde von der syrischen Regierung eingeladen, bei der Bekämpfung von Rebellengruppen zu helfen, die von den Vereinigten Staaten, den NATO-Staaten und Saudi-Arabien bewaffnet und finanziert wurden.

Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich hat Russland in keinem dieser Fälle militärisch eingegriffen, um eine Regierung zu stürzen oder seine außenwirtschaftlichen Interessen zu schützen.

Die zunehmende Einkreisung Russlands durch die USA und die NATO ist eine Fortsetzung ihrer früheren Politik der Unterwerfung und Rekolonisierung der Sowjetunion. Quelle: Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO).

Russland und der Imperialismus heute

Bezug nehmend auf Lenins Aussage zum Imperialismus: Russland ist weder ein Akteur im Bereich der Monopole und des Finanzkapitals, noch spielt der Kapitalexport eine bedeutende Rolle (abgesehen von den negativen Auswirkungen der anhaltenden Kapitalflucht). Auch die russischen Trusts spielen keine wesentliche Rolle bei der Aufteilung der Ressourcen der Welt.

Russland kann allein aufgrund seiner militärischen Stärke als einer der mächtigsten Staaten der Welt eingestuft werden. Aus ökonomischer Sicht hat es nicht die Merkmale eines fortgeschrittenen kapitalistischen Staates, sondern ähnelt eher einer kapitalistischen Halbperipherie. Sie beteiligt sich nur sehr wenig an der imperialistischen Aktivität par excellence: dem Export von Kapital in die Peripherie und der Erzielung von Gewinnen aus der Arbeit und den Ressourcen der Entwicklungsländer. Russlands Finanzkapital ist klein, seine Exporte bestehen hauptsächlich aus Rohstoffen, seine Industrie ist schwach, seine multinationalen Konzerne sind kleiner, seine Wirtschaft leidet unter geringer Arbeitsproduktivität.

Der Imperialismus bleibt die Hauptgefahr für das Leben und Wohlergehen der Völker der Welt. Unsere Probleme, die Probleme der Menschheit, haben ihren Ursprung in der imperialistischen Beherrschung unserer Nationen und unseres Lebens. Konkret bedeutet dies die Dominanz des US-imperialistischen Chefs und der sekundären imperialen Mächte in seinem Umkreis: Westeuropa, Japan, Kanada und Australien.

Russland, obwohl es ein kapitalistisches Land ist, das von den Vereinigten Staaten aufgrund seiner Unabhängigkeit eingeschüchtert wird (wie Venezuela, Iran, Gaddafis Libyen, Nicaragua), ist nicht Teil irgendeiner imperialistischen Kabale, die uns bedroht. Vielmehr sind die Weltmächte Russland und China gezwungen, auf die Bemühungen des Imperialismus zu reagieren, sie zu unterwerfen. Glücklicherweise bietet ihr inkohärenter Widerstand anderen Völkern und Ländern Möglichkeiten, ihre eigene nationale Souveränität geltend zu machen.

Fußnoten

1. Stephen Cohen schrieb in „The Failed Crusade“, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion der katastrophalste wirtschaftliche Zusammenbruch eines Industrielandes in Friedenszeiten in der Geschichte begann. Die kapitalistische Restauration brachte Massenverelendung und Arbeitslosigkeit, wilde Extreme der Ungleichheit, grassierende Kriminalität, virulenten Antisemitismus und ethnische Gewalt mit sich, kombiniert mit legalisiertem Gangstertum und der rücksichtslosen Plünderung öffentlicher Güter. 1998 sanken die Investitionen um 80 %, die Reallöhne um die Hälfte und die Fleisch- und Milchviehbestände um 75 %. Die Zahl der Menschen, die in den ehemaligen Sowjetrepubliken unter der Armutsgrenze lebten, war von 14 Millionen im Jahr 1989 auf 147 Millionen gestiegen. Dies hatte mehr Waisenkinder hervorgebracht als die mehr als 20 Millionen Kriegsopfer in Russland, Cholera- und Fleckfieberepidemien traten wieder auf, Millionen von Kindern litten an Unterernährung, und die Lebenserwartung von Erwachsenen ist stark gesunken. Fidel Castro sprach im letzten Teil einer Rede von 1998 über die skandalöse Plünderung des postsowjetischen Russlands.

2. Lenin: Die drohende Katastrophe und ihre Bekämpfung, Gesammelte Werke, Band 25, p. 339.

3. Lenin: Imperialismus: Die höchste Stufe des Kapitalismus, CW, 22, S. 191.

4. Lenin; Imperialismus, KW 22, S.266-267.

5. Zwei nützliche Artikel für

5. Zwei nützliche Artikel, um dies zu schreiben, sind: Renfrey Clarke und Roger Annis, „The Myth of ‚Russian Imperialism’“ und Sam Williams, „Is Russia Imperialist?“

6. Ausführliche Informationen zu Russland auf den Seiten 248-249 des Berichts.

7. Weltbankgruppe, „Modest Growth Ahead“, Russia Economic Report 39, Mai 2018 p. v.

8. Definition: Hightech-Exporte sind F&E-intensive Produkte wie Luft- und Raumfahrt, Computer, Pharmazeutika, wissenschaftliche Instrumente und elektrische Maschinen.

9. Diese Informationen über russische Kapitalflucht und ausländische Vermögenswerte stimmen vollständig mit Daten aus einer früheren Studie über russische globale Investitionen überein, die ironischerweise verwendet wurde, um zu behaupten, Russland sei imperialistisch.

10. Lenin; Imperialismus, KW 22, S. 297, 267.

(*) Stansfield Smith ist ein Antikriegsaktivist, der sich hauptsächlich auf den Kampf gegen die US-Intervention in Lateinamerika konzentriert. Er war Mitglied des Chicago Committee to Free the Cuban Five, das zu Chicago ALBA Solidarity geworden ist. Er ist unter stansfieldsmith100@gmail.com erreichbar

Is Russia imperialist?

https://cooptv.wordpress.com/2022/04/25/ist-russland-imperialistisch-von-stansfield-smith-monthly-review/

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Ist Russland imperialistisch?

  1. Mit einem ganz anderen Ansatz kommt Andreas Wehr zum gleichen Ergebnis.
    https://www.andreas-wehr.eu/russland-ein-imperialistisches-land.html

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    Verfasst von Fx | 3. Mai 2022, 15:25

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