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Ausland, Europa

Warum ist Mariupol dem Westen so wichtig?

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Im Westen will man um jeden Preis verhindern, dass die letzten Asow-Kämpfer in Mariupol kapitulieren. Was ist so wichtig an Asowstal?

Ich habe schon mehrmals berichtet, dass in Russland darüber spekuliert wird, wer oder was sich in den Katakomben unter dem Stahlwerk Asowstal in Mariupol befinden könnte. Es muss etwas sehr wichtiges sein, was den medialen und politischen Hype um das Stahlwerk begründet. Warum das so ist und wie sehr der Westen sich bemüht, dass dieses Etwas (oder dieser Jemand) nicht in die Hände der Russen fällt, will ich hier wegen des anhaltenden Hypes in den westlichen Medien noch einmal erklären.

Die Lage in Mariupol

Ich war vor knapp zehn Tagen selbst in Mariupol, damals war die Stadt bereits weitgehend von den Russen befreit, wie es die Einwohner bezeichnen. Es gab zwar noch Kämpfe in der Innenstadt und einzelne Nester der Asow-Kämpfer in Wohngebieten, aber der Großteil der Stadt war soweit frei von Kampfhandlungen, dass wir Journalisten uns dort recht frei bewegen konnten.

Inzwischen sind die Kämpfe in der Stadt vorbei und auch die ukrainischen Kämpfer in dem Industriegebiet Illijtsch haben sich ergeben. Nur unter dem gigantischen Stahlwerk Asowstal verschanzen sich noch mindestens 1.000 Kämpfer des neonazistischen Asow-Bataillons. Sie sind komplett eingeschlossen und Präsident Putin hat der russischen Armee die Erstürmung des Geländes untersagt, weil bei den Kämpfen in den unterirdischen Katakomben, die sich auf mindestens vier unterirdische bunkerartige Stockwerke unter dem Stahlwerk erstrecken, zu viele russische Soldaten sterben würden. Die russische Strategie lautet nun, die dort verbliebenen Reste der ukrainischen Kämpfer auszuhungern.

Die Situation in Mariupol ist also ein wenig anders, als es die westlichen Medien es darstellen. In den westlichen Medien ist die Rede von einer belagerten Stadt, aus der Zivilisten nur über humanitäre Korridore fliehen könnten, was Russland aber angeblich nicht zulässt. Das ist Unsinn, wie ein Blick auf Karten zeigt, die westliche Medien selbst veröffentlichen. Mariupol ist eingenommen und zu den nächstgelegenen ukrainischen Stellungen sind es hundert oder mehr Kilometer.

Den Zivilisten in Mariupol droht also keine unmittelbare Gefahr mehr und eine Evakuierung aus der Stadt ist problemlos möglich, wenn auch auf von den Russen oder den Donezker Kräften kontrolliertes Gebiet. Aber wenn es um das nackte Leben der Menschen geht, ist das mehr als ausreichend und nach der Evakuierung aus Mariupol kann sich jeder, der auf ukrainisches Gebiet möchte, durchaus dahin durchschlagen. Wer noch etwas Geld hat, kann sogar problemlos für weniger als hundert Euro mit dem Zug nach Weißrussland fahren, um dort über die Grenze in die Westukraine zurückzukehren.

Die Panik, die die westlichen Medien wegen des Schicksals der Zivilisten in Mariupol verbreiten, indem sie berichten, die Zivilisten seien aufgrund der Kämpfe in Lebensgefahr, oder die Russen würden sie daran hindern, Mariupol zu verlassen, ist schlicht durch nichts begründet. Das ist frei erfunden.

Das bestätigen sogar die Medien selbst, denn sie berichten ja darüber, dass die Russen Menschen, die Mariupol verlassen wollen, mit Bussen aus der Stadt bringen. Allerdings wird das dann als „Deportierung“ und nicht als „Evakuierung“ bezeichnet. Daran sieht man, wie die „Qualitätsmedien“ die öffentliche Meinung mit Formulierungen beeinflussen und davon ablenken, wie die Situation wirklich ist.

Was ist unter Asowstal?

Die Frage, die in Russland derzeit fast alle Analysten beschäftigt, ist, was sich in den Katakomben von Asow-Stahl wichtiges befinden mag. Die ukrainische Armee hat mehrere Versuche unternommen, das Gelände mit einzelnen Hubschraubern zu erreichen, um irgendwen oder irgendwas von dort zu evakuieren. Es gibt Gerüchte, dass dort hohe NATO-Offiziere festsitzen, die man evakuieren möchte, damit sie nicht den Russen in die Hände fallen. Es gibt auch Meldungen, dass dort ein Biolabor, oder zumindest wichtige Informationen über die US-Biowaffenforschung, zu finden sind.

Es gibt auch Spekulationen, dass man dort etwas „französisches“ finden könnte, was die intensiven Versuche des französischen Präsidenten erklären würde, sich bei Putin alle paar Tage telefonisch zu melden und über Mariupol zu sprechen. Macron fordert immer wieder humanitäre Korridore aus Mariupol hinaus auf ukrainisches Gebiet, dabei können Zivilisten Mariupol doch relativ problemlos verlassen.

Inzwischen hat das Asow-Bataillon sogar gefordert, dass die eingeschlossenen Kämpfer ins Ausland evakuiert werden sollen, was in Russland natürlich umgehend abgelehnt wurde. Die Lage der Asow-Kämpfer unter dem Stahlwerk ist militärisch aussichtslos, eine ukrainische Offensive, um sie dort „rauszuhauen“, ist ebenfalls ausgeschlossen. Trotzdem verweigert Kiew ihnen die Erlaubnis, aufzugeben und fordert deren freien Abzug, mal über „humanitäre Korridore“ und dann sogar gleich unter internationaler Beobachtung ins Ausland. Der Westen unterstützt Kiew bei diesen Bemühungen medial und politisch nach Kräften.

Daher ist es nicht überraschend, dass in Russland vermutet wird, dass bei den Kämpfern irgendwas oder irgendjemand ist, was den Russen unter keinen Umständen in die Hände fallen soll.

Die verzweifelten Bemühungen

Am Donnerstag hat Russland gemeldet, die Kämpfe um Mariupol seien – abgesehen von Asowstal – beendet. Da ich selbst kürzlich vor Ort war und auch Journalisten kenne, die derzeit dort sind, weiß ich, dass das der Wahrheit entspricht. Die russische Armee bringt humanitäre Hilfe, es wurde begonnen, die Infrastruktur wieder herzurichten und die Aufräumarbeiten haben begonnen.

Das weiß man auch im Westen, trotzdem hat der französische Präsident ebenfalls am Donnerstag erneut gefordert:

„Die Lage in Mariupol verschlechtert sich immer mehr. Zehntausende von Zivilisten sind eingeschlossen. Ich fordere Russland erneut auf, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren, den Bewohnern das Verlassen der Stadt zu gestatten und die Lieferung humanitärer Hilfe zu ermöglichen.“

Macron weiß sehr genau, dass Russland humanitäre Hilfe liefert, ich war selbst an mehreren Ausgabestellen. Und Macron weiß auch, dass die Menschen dort nicht mehr „eingeschlossen“ sind, sondern das sogar Busse bereit stehen, um diejenigen, die es möchten, aus der Stadt zu bringen. Macrons Erklärung war ausschließlich für die weltweite Öffentlichkeit gedacht, die all das nicht weiß, mit der Wahrheit hatte diese Erklärung nichts zu tun.

Damit soll internationaler Druck auf Russland aufgebaut werden, denn es geht Macron nicht um die Zivilisten in Mariupol, sondern um die Evakuierung der Kämpfer von Asowstal. Aber warum?

Plötzlich sind Zivilisten in Asowstal

In den letzten Wochen war nie die Rede davon, dass sich auf dem Gelände von Asowstal Zivilisten aufhalten könnten. Seit einigen Tagen setzt Kiew plötzlich Meldungen in die Welt, dort wären 1.000 Zivilisten.

Die Meldungen über Zivilisten in dem Stahlwerk sollen ebenfalls den öffentlichen Druck auf Russland erhöhen. Dass es nur darum geht, wird sogar aus den Meldungen deutscher Medien deutlich, denn auch in Deutschland wurde gemeldet, dass Russland immer wieder Feuerpausen verkündet hat, damit sich alle, die das Stahlwerk verlassen wollen, ergeben und in Gefangenschaft gehen können.

Allerdings bezeichnen deutsche Medien das als „russisches Ultimatum“, was natürlich böse klingt. Und weil bisher kein Asow-Kämpfer darauf eingegangen und aus dem Stahlwerk in Gefangenschaft gegangen ist, fabrizieren die deutschen Medien daraus die Saga um die Helden von Mariupol.

Das klingt heroisch, aber wer mitdenkt, der bemerkt den Fehler: Wenn unter dem Stahlwerk tatsächlich 1.000 Zivilisten wären und sich die Asow-Kämpfer, die Ukraine und der Westen so große Sorgen um diese Zivilisten machen würden, warum kommt dann kein einziger Zivilist während der Feuerpausen aus dem Stahlwerk? Da sind doch angeblich Familien mit kleinen Kindern – wollen diese Eltern zusammen mit ihren kleinen Kindern freiwillig den Heldentod sterben, anstatt das Stahlwerk zu verlassen?

Oder gibt es diese Zivilisten gar nicht und das ganze ist nur eine weitere Lüge aus der Kiewer Propaganda-Küche? Oder gibt es die Zivilisten tatsächlich, aber die Asow-Kämpfer lassen sie nicht gehen, sondern benutzen sie als menschliche Schutzschilde, so wie sie das in Mariupol wochenlang getan haben? Und nein, das ist keine russische Propaganda, das hat – wenn auch verklausuliert – sogar der Spiegel bestätigt.

Es stellt sich also wieder die Frage, wozu all diese Märchen erfunden werden. Wer oder was ist unter Asowstal, dass diesen Aufwand wert ist?

Kiew droht mit Beschuss von Zivilisten

Um Zivilisten macht man sich in Kiew – und vor allem beim Asow-Bataillon – überhaupt keine Sorgen. Das bestätigte ausgerechnet Andrej Biletsky, der Gründer des Asow-Bataillons im ukrainischen Fernsehen, als er androhte, die Zivilisten in Mariupol mit ballistischen Raketen zu beschießen.

In Mariupol leben ethnische Russen, für die der 9. Mai, Tag des Sieges über Nazi-Deutschland, einer der wichtigsten Feiertage des Jahres ist. In der Nach-Maidan-Ukraine, die selbst von neonazistischen Regierungen beherrscht wird, sind diese Feiern de facto verboten worden. In Mariupol wurde angekündigt, dass diese Feiern in diesem Jahr trotz der Lage in der Stadt wieder stattfinden sollen.

Das findet Biletsky gar nicht gut und er hat im ukrainischen Fernsehen davor gewarnt, an den Feiern teilzunehmen, weil ukrainische Einheiten noch Raketen hätten, zum Beispiel die ballistischen Totschka-U-Raketen, die verbotene Streumunition verschießen. Biletsky hat damit gedroht, die Feierlichkeiten in Mariupol mit solchen Raketen zu beschießen, was – wenn es Erfolg hätte – hunderte zivile Opfer fordern würde. Wörtlich sagte er:

„Ukrainische Langstreckenraketen wie Totschka-U haben dieses Gebiet manchmal in Schussweite. Deshalb würde ich es nicht riskieren, ‚Unsterbliche Regimenter‘ und ähnliche Aktionen durchzuführen.“

Darüber wird im Westen natürlich nicht berichtet, denn dann könnte die westliche Öffentlichkeit ja Fragen darüber stellen, was für ein Regime der Westen in der Ukraine mit Waffen und vielen Milliarden unterstützt.

Warum ist Mariupol dem Westen so wichtig?

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Warum ist Mariupol dem Westen so wichtig?

  1. Die Frage: „Warum ist Mariupol dem Westen so wichtig“ ist ohne konkrete Berichterstattung nicht möglich.
    Was aber seit ca. 3 Tagen äußerst auffällig ist, daß die s.g. westliche Presse unisono und wie auf einen Befehl nichts,
    gar nichts über das Kriegsgeschehen, im Besonderen in Mariupol zu berichten weiß!?
    Der Grund könnte sehr wohl der Umstand sein, daß „diverse“ Berater sich unter den Eingeschlossenen befinden und
    natürlich auch französische „Legionäre“, an denen Macron selbst reges Interesse zeigt!?
    Immer mehr, trotz Verdunkelungen wird es klar, daß westliche Geheimdienste an regen Aktionen beteiligt sind, die
    mitunter immense Schäden anzurichten imstande sind, wie z.B. die Bekanntgabe von US-Fliegern über die
    Koordinate der „Moskwa“, was zum Versenken dieses Prachtschiffes beigetragen haben, bzw. die gelungenen
    Waffenlieferungen schon VOR DEM 24.II.2020!? Die dadurch entstandenen immensen Schäden haben den
    Kriegsverlauf erheblich beeinträchtigt und verlängert.
    Es ist nur zu hoffen, daß die neuerlichen Waffenlieferungen vom russischen Militär in ihrer Gesamtheit abgefangen
    werden können, um Schaden an russischen Soldaten und Ausrüstung zu verhindern, oder zumindest zu minimieren.
    Die Frage wirft sich schon auf, wie lange Russland diese Einmischung ohne Gegenoffensive zu dulden bereit ist!?
    MIt herzlichen Grüßen, „Chavalito“!

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    Verfasst von Anton Aman | 24. April 2022, 10:09

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