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Ausland, Lateinamerika

April-Karma

von https://de.granma.cu

Die von den Vereinigten Staaten bezahlte Propagandamaschine aktivierte erneut den Hashtag #SOSCuba, um die Netzwerke anzuheizen und Voraussetzungen für den Angriff auf die kubanischen Straßen zu schaffen

In den sozialen Netzwerken mahnten mehrere Nutzer: Es ist April! Dies war eine offensichtliche Anspielung auf Playa Girón, und das, was jeder als rhetorische Warnung verstehen konnte, wirkte wie Karma. Diesmal sollte die Aggression nicht von Puerto Cabezas, Nicaragua, ausgehen, sondern von Rosario, Argentinien, dem Sitz der sogenannten Fundación Libertad. Die Ziele waren die gleichen wie 1961, nur fanden die Aktionen jetzt nicht mehr in der physischen, sondern in der virtuellen Welt statt.

Wie in den Tagen vor dem 11. und 12. Juli 2021 aktivierte die von den Vereinigten Staaten bezahlte Propagandamaschine erneut den Hashtag #SOSCuba, um die Netzwerke anzuheizen und die Voraussetzungen für den Angriff auf die Straße zu schaffen. Am 29. März um 19 Uhr verkündete der Hauptakteur der Anti-Kuba-Kampagne, der Argentinier Agustín Antonetti, auf Twitter, dass der Hashtag #SOSCuba auf der Insel bereits in aller Munde sei. Er fuhr fort: „Die Situation ist im Moment sehr heiß, es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer weiteren Explosion kommt.“

Wenn die Vereinigten Staaten das Wort Freiheit in den Mund nehmen, sollten wir uns immer sofort fragen, welche Art von Sklaverei sie meinen. Bolivar war der erste, der uns vor diesem Paradoxon warnte: „Die Vereinigten Staaten scheinen von der Vorsehung dazu bestimmt zu sein, Amerika im Namen der Freiheit mit Elend zu plagen.“

Auch wir haben aus erster Hand erfahren, welche Tragweite dieses Wort hat. Der offizielle Name des sogenannten Helms-Burton-Gesetzes lautet beispielsweise „Gesetz für die Freiheit und demokratische Solidarität Kubas“. Zusammen mit den Betreibern in Florida wurde die Aggression von der sogenannten Fundación Libertad geleitet, einer der vielen Organisationen der internationalen Rechten, diese mit Sitz in Argentinien, aber vom NED und der USAID finanziert.

Doch diesmal erlebten sie eine unangenehme Überraschung. Auf unserer Seite haben die Revolutionäre den Hashtag #VamosConTodo aktiviert und bereits am 31. zeigte sich, dass die Konterrevolution ihren Willen in den Netzwerken nicht durchsetzen konnte. Wie 1961 wurden sie in weniger als 72 Stunden hinweggefegt, so dass bereits am 2. April der Hashtag #SOSCuba nicht mehr auf Twitter zu finden war. Dem argentinischen Betreiber könnte man in seinem eigenen linguistischen Gebrauch sagen: Hat sich ausgeSOSt!

Ein Expertenteam von Cubaperiodistas demontierte die Kampagne. In nur 24 Stunden wurde eine Gemeinschaft von 15.058 Nutzern auf Twitter registriert, die 59.936 Tweets erzeugten. Eine Grafik auf der Plattform Gaphi zeigte, dass der Argentinier Agustín Antonetti von der Fundación Libertad der wichtigste Promotor des Hashtags #SOSCuba war.

Laut dem renommierten spanischen Analysten Julián Macías Tovar spielte Antonetti in den Tagen vor den Aufständen vom 11. Juli 2021 auch schon eine zentrale Rolle bei der Artikulation der Kampagne auf Twitter. Wie jetzt auch, wurde diese Operation durch den intensiven Einsatz von Bots, Algorithmen und neu erstellten Konten orchestriert.

Und auch – wie schon bei früheren Gelegenheiten in diesen anderthalb Jahren – ging der geplanten Aktion in den Netzen ein bestimmtes Dokument oder eine Erklärung voraus, in der eine kleine Anzahl von Künstlern oder Intellektuellen sich das Recht anmaßte, im Namen der großen Mehrheit der Persönlichkeiten dieses Sektors in Kuba zu sprechen. Erinnern wir uns daran, dass Ende 2020 das Dokument mit dem Titel „Articulación plebeya“ (Plebejische Artikulation) herausgegeben wurde, dann, Mitte 2021, erschien das „Archipiélago“ (Archipel) und jetzt, um unübertreffbar zu werden, hatten wir das sogenannte „Manifiesto contra el silencio, por la justicia (Manifest gegen das Schweigen, für die Gerechtigkeit).

In letztgenanntem Dokument wurde nun versucht, eine Parallele zwischen den Ereignissen des 11. Juli in Kuba und der Unterdrückung von Demonstrationen in einigen anderen lateinamerikanischen Ländern zu ziehen, aber ist ein solcher Vergleich überhaupt möglich? Setzt man etwa die methodische Ermordung von sozialen Führern in Kolumbien mit der kubanischen Realität gleich? Auf den Bildern der jüngsten Proteste in Chile sahen wir Wasserwerfer, Tränengaskanonen und Polizisten in Spezialanzügen, die mit Gummigeschossen in die Menge zielten. Infolgedessen erlitten 352 Personen Augenverletzungen. Insgesamt wurden 3.449 Personen verletzt, darunter 254 Minderjährige. Wo gibt es solche Bilder von den Protesten in Kuba?

Sie forderten uns auf, uns mit den Gefangenen zu solidarisieren, weil sie „unsere Verwandten, Nachbarn, Freunde sind – oder sein könnten“. Das stimmt, aber es stellt sich heraus, dass die Patienten, auf die im Krankenhaus Steine geworfen wurden, die Polizisten und Zivilisten, die verletzt wurden, und die Angestellten der zerstörten Geschäfte und Apotheken auch unsere Verwandten, Nachbarn und Freunde sind – oder sein könnten. Ich weiß nicht, wie es an anderen Orten ist, aber wenn jemand die Tankstelle in Jatibonico in Brand stecken würde, würden viele Häuser von Nachbarn, die ich kenne und häufig besuche, in Flammen aufgehen.

Sie behaupteten, es habe sich um spontane Proteste gehandelt. Versuchen sie, die Intelligenz der Bevölkerung zu beleidigen? War dieses Ausmaß an Koordination etwa spontan? Der Medienrummel im Vorfeld durch von den USA bezahlte Plattformen? Die Aufrufe zur „humanitären Intervention“ in Kuba, von denen wir bereits wissen, was sie bedeuten?

Sie machten die Regierung für die derzeitige Wirtschaftslage verantwortlich, und zwar ausschließlich die Regierung. Sicherlich werden Fehler gemacht worden sein, aber für diese Leute scheint es keine mehr als 60 Jahre währende Blockade zu geben, die nun durch Trumps 243 Maßnahmen verschärft wurde. Wir hatten wohl auch keine Pandemie, die das Land um wichtige Einnahmen gebracht hat und es immer noch zu großen zusätzlichen Ausgaben zwingt. Es ist nicht nur paradox, sondern auch zynisch, ein Dokument gegen das Schweigen auszustellen, wenn die eigenen Versäumnisse so skandalös sind.

In solchen Fällen, in denen versucht wird, Justitia durch Manipulation das Gewand zu stehlen, greife ich gewöhnlich auf die Maxime des neapolitanischen Philosophen Giambattista Vico zurück: verum ipsum factum, (Wahr ist das, was getan wird). Wenn man sich an die Fakten hielte, was wäre dann der Zweck eines solchen Dokuments?

Ebenso wie die vorangegangenen – das der „Plebejische Artikulation“, das des „Archipels“ – diente es dem krankhaften Zweck, die Anti-Kuba-Kampagnen in den internationalen Konzernmedien anzuheizen. Es war eine Steilvorlage für die wahren Unterdrücker und Weltpolizisten, um Verurteilungen gegen das eigene Heimatland zu erreichen. Wenn man mitbekommt, wie sie argumentieren, ist es fast eine Kopie der Manipulationen, die jene verwendet haben. Oder war es umgekehrt so, dass sie von ihnen diktiert wurden? Das sind die Tatsachen, die hartnäckigen und unumstößlichen Tatsachen. So real wie die Tatsache, dass die Sonne im Osten aufgeht, dass der Tag 24 Stunden hat und dass April ist.

https://de.granma.cu/cuba/2022-04-11/april-karma

Diskussionen

Ein Gedanke zu “April-Karma

  1. Gähn. Die LZ gefällt sich darin, bereits widerlegtes endlos nachzuplabbern. Weder hat der Hashtag SOS Cuba aufgehört zu existieren, noch kann alleine ein virtueller Hashtag „die Gewalt auf den Strassen“ (wie die kub. Regierung wohl generell Demonstrationen bezeichnet) künstlich auslösen. Sozialisten sollte schon noch geläufig sein, dass die Gründe für „Unruhen“ berechtigte soziale Unzufriedenheit sind. Schliesslich gibt es in Kuba Hunger auf der einen Seite und Luxusleben der oberen Kaste andererseits. Elend, Korruption, Staatswillkür, keine Medikamente, zerfallende Häuser u.v.m. Vieles davon ist Hausgemacht und kann nach 62 J. nicht mehr allein auf das US-Embargo geschoben werden. SOS Cuba wird zwar auch von rechten Exil-Kubanern in Miami genutzt, aber ich sehe auch in sozialen Netzwerken wie viele wirklich und zu recht verzweifelte Kubaner, die von keiner CIA gesteuert werden, diese Parole oder dieses Logo dann unter ihre erzählte Lebensgeschichte, Erfahrung mit Repression etc. setzen. Daneben gibt es viele andere, auch linke hashtags, (wie „Sozialismus Ja, Repression nein“) die häufiger vorkommen als „SOS CUBA“ und welche die Regierung hier bezeichnenderweise nicht erwähnt. Aber das wurde bereits gesagt. LZ bleibt Lernunfähig.— Lesetipp: das brandneue Buch „Wie Staub in Wind“ des international bekanntesten kub. Autors Leonardo Padura , der nicht nur im Ausland (das würden die „Willichens“ dieser Seite wohl als Agententätigkeit werten) sondern auch in Kuba selbst mit Literaturpreisen überhäuft wurde. Obwohl in diesem Buch eher dem Schicksal von Exilkubanern nachspürend, erfährt man wieder sehr viel über den wahren Alltag in Kuba.

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    Verfasst von DIE UNBEQUEME WAHRHEIT | 13. April 2022, 15:00

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