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Ausland, Europa

„Uns kann es jetzt nicht darum gehen, zwischen bösen Russen und guten Russen zu unterscheiden“

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Dass offizielle Vertreter der Ukraine und auch deren Soldaten keinen Unterschied zwischen russischen Soldaten und Zivilisten machen, ist angeblich russische Propaganda. Leider nicht…

Ich weise seit Jahren auf einen wichtigen Unterschied in der Arbeit der Medien in Russland einerseits, und in der Ukraine (und auch im Westen) andererseits hin. Da ich sehr viele Beiträge des russischen Fernsehens und anderer russischer Medien übersetze, kann jeder leicht überprüfen, dass es diesen Unterschied gibt.

Der Unterschied der medialen Berichterstattung

Der Unterschied liegt darin, dass es in Russland niemals – weder in Geschichtsbüchern, noch in Filmen oder gar den Nachrichten – eine hasserfüllte Pauschalisierung eines Volkes gibt. In Russland wird immer die Regierung eines Landes kritisiert, nie das Volk. Selbst im Zweiten Weltkrieg hat man in Russland einen Unterschied zwischen Nazi-Deutschland und „den Deutschen“ gemacht.

So auch heute in der Ukraine. Obwohl in der Ukraine seit dem Maidan 2014 explizit anti-russische Regierungen herrschen und obwohl im Donbass seit 2014 ethnische Russen von der ukrainischen Armee und den Nazi-Bataillonen abgeschlachtet werden, wird in russischen Nachrichten und von russischen Politikern streng zwischen den Handlunge der ukrainischen Regierung und „den Ukrainern“ getrennt. Das kann jeder hier beim Anti-Spiegel überprüfen, denn ich habe ungezählte russische Artikel und Fernsehbeiträge übersetzt.

Im Westen hingegen ist es anders, da verteufeln die Medien alles Russische. Das mag Ihnen nicht auffallen, weil Sie in Deutschland leben und es nicht anders kennen. Aber wie sonst lässt es sich erklären, dass plötzlich in Deutschland Übergriffe auf Russen stattfinden, nur weil sie Russen sind? Oder dass Restaurantbesitzer keine Russen mehr bedienen wollen? Oder dass bei Facebook ganz explizit Aufrufe zur Ermordung von Russen nicht mehr als Hassrede gelten und explizit erlaubt wurden?

In der Ukraine ist es seit 2014 noch schlimmer. Dort läuft seit 2014 eine anti-russische Propaganda, die ganz bewusst „die Russen“ entmenschlicht und sogar kleine Kinder werden in von der Regierung bezahlten Ferienlagern an Kalaschnikows ausgebildet und man bringt ihnen bei, dass man keine Menschen töten darf, aber „russische Untermenschen“ erschießen darf. Warum es keine leeren Behauptungen sind, wenn Russland der Ukraine vorwirft, sie werde von einer Nazi-Regierung regiert, können Sie hier mit überprüfbaren Beispielen nachlesen.

Die Folgen davon

Die Folgen kann man nun erleben. Im Westen gibt es Übergriffe gegen Russen, egal ob sie für oder gegen den russischen Einsatz in der Ukraine sind. Es reicht, wenn jemand Russe ist, um angepöbelt oder in der Schule geschubst zu werden. Soweit haben es die Medien mit ihrer emotionalen „Berichterstattung“ gebracht.

Dabei gibt es per Definition keine „emotionale Berichterstattung“. Entweder ist Berichterstattung sachlich, oder es ist Propaganda, denn Propaganda lebt davon, die Emotionen anzusprechen und Hass zu verbreiten. Und genau das erleben wir in den westlichen Medien und das Ergebnis erleben russischstämmige Menschen im Westen derzeit am eigenen Leib.

In der Ukraine ist es noch schlimmer. Dort wurde alles Russische seit acht Jahren als böse dargestellt und es herrscht bei vielen Menschen blanker Hass. Das Problem ist, dass gerade diese radikalisierten Menschen nun Waffen tragen. Dazu gleich mehr.

Wer all das für Übertreibung oder russische Propaganda hält, der sollte sich ein aktuelles Interview anschauen, dass Andrej Melnyk, der ukrainische Botschafter in Deutschland, der FAZ gegeben hat. Dort sagt dieser Mann, der weit weg von Kampf und Zerstörung ist:

„Uns kann es jetzt nicht darum gehen, zwischen bösen Russen und guten Russen zu unterscheiden“

Die Radikalisierung in der Ukraine

Das sagt ein Botschafter in Berlin und es zeigt, wie die Radikalen in der Ukraine denken. Nun stellen Sie sich vor, ein so radikalisierter Mensch, für den es keinen Unterschied macht, ob ein Russe für oder gegen die russische Politik ist, hat ein Maschinengewehr in der Hand und kommt in eine Stadt, in der er Menschen findet, die er für Sympathisanten der russischen Armee hält. Und stellen Sie sich weiter vor, dieser bewaffnete Mensch bekommt die Erlaubnis, diese Leute zu erschießen. So ist es in Butscha geschehen, wie ein Video einer solchen radikalisierten Einheit zeigt.

Der ukrainische Botschafter in Berlin fährt in dem Interview fort:

„Ich sage es ganz klar: Russland ist ein Feindstaat für uns. Und alle Russen sind Feinde für die Ukraine im Moment. Das kann sich ändern. Aber im Moment ist es so, dass wir keine Zeit haben zu fragen: „Bist du gegen Putin oder für ihn – oder hast du vielleicht nur teilweise Verständnis?““

Er sagt das „nur“ im Zusammenhang damit, dass er ein Konzert boykottiert hat, bei dem Russen aufgetreten sind. Aber das ist das Denken des radikalisierten Teils der ukrainischen Gesellschaft. Und wieder: Stellen Sie sich vor, jemand mit einem solchen Gedankengut hat eine Waffe und die ausdrückliche Erlaubnis, auf Menschen zu schießen, die er für Sympathisanten der russischen Armee hält.

Die Verdrehung der Tatsachen

Die Logik dieser Radikalen, deren Vertreter der ukrainische Botschafter in Berlin ist, zeigt sich an dieser Frage und Antwort aus dem Interview:

„Haben Sie keine russischen Freunde?
Nein, nie gehabt. Aus einem einzigen Grund: weil das, was wir heute erleben, schon seit vielen Jahrzehnten geplant war. Und dieser Krieg wird getragen von Menschen, von Russen – manche werden in diesen Krieg geschickt, manche entscheiden sich aus freien Stücken dazu. Aus der Überzeugung, dass sie die Ukraine vernichten wollen. Und deswegen ist für mich klar, wahrscheinlich auch nach dem Krieg, dass Russland ein Feindstaat bleiben wird.“

Diese Radikalen glauben das, was sie sagen, allen Ernstes. Sie verstehen nicht, dass es umgekehrt ist. Niemand in Russland hat negative Gefühle gegenüber der Ukraine oder den Ukrainern. Die Radikalen in der Ukraine sind es, die seit 30 Jahren der Meinung sind, „die Russen“ seien ihr Feind. Sie haben die Ukraine gegen Russland in Stellung gebracht, sie haben die ukrainische Gesellschaft 30 Jahre lang gegen alles Russische aufgehetzt. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich kenne sowohl Russen als auch Ukrainer seit 30 Jahren und habe diesen Prozess miterlebt.

In Russland hat niemand schlecht über die Ukraine gesprochen. Russen haben ihren Urlaub an der ukrainischen Schwarzmeerküste verbracht, sie haben ihre Verwandten in der Ukraine besucht, denn seit Sowjetzeiten bestehen Millionen familiäre Verbindungen. Und es waren radikale Nationalisten, wie der ukrainische Botschafter in Berlin, die dieses friedliche Zusammenleben zerstört haben, indem 30 Jahre Hass gesät und so die Lage im eigenen Land bis zum Bürgerkrieg gegen die russischstämmige Bevölkerung im (ehemals) ukrainischen Donbass eskaliert haben.

Opfer der eigenen Propaganda

Ich habe es eingangs gesagt: Sie können auf meiner Seite wahrscheinlich über hundert russische Artikel und Fernsehbeiträge finden, die ich übersetzt habe. Suchen Sie darunter Artikel, die anti-ukrainische Stimmung machen. Stimmungsmache gegen die ukrainische Regierung werden Sie finden, aber Sie werden dabei immer sehen, dass in den Beiträgen Mitgefühl mit dem Menschen in der Ukraine ausgedrückt wird, die unter ihrer eigenen Regierung leiden müssen.

Die Radikalen, wie der ukrainische Botschafter, die stolz von sich sagen, keine russischen Freunde zu haben, die also gar nicht wissen, was in Russland los ist, sind davon überzeugt, dass man in Russland gegen die Ukraine sei. Beim Botschafter klingt das in dem Interview so:

„Jeder, der sich mit Russland auskennt, weiß, dass es für die Propagandisten des Kremls auf allen Kanälen nur ein einziges Thema gab: die Ukraine als Erzfeind Nummer eins darzustellen.“

Das ist schlicht unwahr und er selbst kennt sich in Russland ja auch gar nicht aus. Die Ukrainer werden in Russland immer als „Brudervolk“ bezeichnet, nicht als Erzfeind. Auch das können Sie hier beim Anti-Spiegel in unzähligen Artikeln nachlesen. Was in Russland als feindlich angesehen wird, sind die anti-russischen Regierungen in der Ukraine, die selbst – so wie dieser Botschafter – ganz offen sagen, dass sie anti-russisch sind, keinen Unterschied zwischen „guten und bösen Russen“ machen und so weiter.

Nazi oder nicht?

Die westlichen Medien behaupten immer, es gäbe in der Ukraine keine Nazi-Regierung. Der Grund ist angeblich, dass der ukrainische Präsident selbst Jude ist. Das ist ein Denkfehler, bei dem „Nazi“ und „Antisemit“ verwechselt werden. Der Kern der Nazi-Ideologie war aber nicht der Antisemitismus, sondern der Glaube an die Überlegenheit der eigenen „Rasse“, das „Herrenmenschentum“. Daraus folgte der Rassenhass der Nazis, der sich gegen Juden, Slaven, Sinti und Roma und so weiter gerichtet hat. Und genau das sehen wir auch in der Ukraine: Den Glauben an die Überlegenheit der eigenen (ukrainischen) „Rasse“ (heute würde man „Ethnie“ sagen) über andere Völker.

Überprüfen wir das mal. Nehmen wir die hier zitierten Aussagen des Botschafters und ersetzen das Wort „Russen“ durch „Juden“. Wie klingt dann diese Aussage:

„Uns kann es jetzt nicht darum gehen, zwischen bösen Juden und guten Juden zu unterscheiden“

Ist das „Nazi-Sprech“? Wenn Ihnen das erst auffällt jetzt, als ich das Wort „Russen“ durch „Juden“ ersetzt habe, dann haben Sie jetzt einiges zum Nachdenken, denn plötzlich springt es ins Auge, dass die FAZ einen waschechten Nazi interviewt hat. Nur dass sich sein Rassenhass nicht in erster Linie gegen Juden, sondern gegen Russen richtet. Und das hat nichts mit der russischen Militäroperation zu tun, denn er sagt in dem Interview deutlich, dass er schon immer so gedacht hat.

Machen wir es noch deutlicher und schauen uns diesen Satz an, in dem wir zusätzlich noch „Russland“ durch „Israel“ ersetzen:

„Ich sage es ganz klar: Israel ist ein Feindstaat für uns. Und alle Juden sind Feinde für die Ukraine im Moment“

Wie klingt das? Eventuell wie ein Nazi?

Oder lassen Sie uns diesen Satz mal auf die Nazi-Zeit ummünzen, indem wir „Russland“ durch „die Juden“, „den Kreml“ durch „die Zionisten“ und die „Ukraine“ durch „Deutschland“ ersetzen:

„Jeder, der sich mit den Juden auskennt, weiß, dass es für die Propagandisten der Zionisten auf allen Kanälen nur ein einziges Thema gab: Deutschland als Erzfeind Nummer eins darzustellen.“

Durch diesen simplen Austausch der Worte klingt der ukrainische Botschafter wie Hitler persönlich, denn Hitler hat sich exakt so geäußert.

Und genau das meint Russland, wenn es vor den Nazis in der Ukraine warnt. Nazis sind nicht „nur“ Leute, die Juden hassen. Nazis sind Leute, die andere Völker hassen. Genau das ist in der Ukraine gegeben und der ukrainische Botschafter in Berlin macht daraus nicht einmal einen Hehl.

Und diese Ideologie unterstützen die deutschen und westlichen Politiker und Medien nach Kräften und liefern diesen Nazis sogar noch massenhaft Waffen.

Übrigens hat der Spiegel auch über dieses Interview des ukrainischen Botschafters berichtet und sogar die gleiche Überschrift verwendet, wie ich. Beim Spiegel lautete sie „Botschafter Melnyk – »Uns kann es nicht darum gehen, zwischen bösen Russen und guten Russen zu unterscheiden«

Was sagt es eigentlich über den Spiegel aus, wenn er solche Überschriften verwendet und dann kein kritisches Wort zu solchen Aussagen findet?

„Uns kann es jetzt nicht darum gehen, zwischen bösen Russen und guten Russen zu unterscheiden“

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