//
du liest...
Ausland, Welt

Sanktionen: Läuft alles nach Plan?

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Bei aller Emotionalität, die derzeit die Medien und die Menschen beherrscht, sollte man bei geopolitischen Analysen einen kühlen Kopf bewahren, denn es gibt Meldungen, die aufhören lassen.

Geopolitik ist ein ausgesprochen trockenes Feld, bei dem man nicht an Leid und Tod denken darf, wenn man es verstehen will. Man muss all das ausblenden und die Ereignisse (leider auch Kriege) so emotionslos sehen, wie Schachfiguren auf einem Schachbrett. Ein Geostratege denkt nicht über die Toten nach, die ein von ihm losgetretener Konflikt kostet, sondern er denkt nur darüber nach, ob der Krieg bei der Erreichung von Zielen hilft. Menschliches Leid hat in diesem Gedanken keinen Platz.

Ich habe bereits aufgezeigt, dass der Ukraine-Konflikt keineswegs überraschend gekommen ist. Dass er kommen musste, war aus geopolitischem Kalkül der USA gewollt, die Frage war nur, wann man ihn lostritt. Wenn das für Sie unglaublich klingt, lesen Sie es hier nach.

Das große Ziel der USA ist es, das zum Gegner erklärte Russland um jeden Preis zu schwächen. Die russische Militärintervention in der Ukraine ist das beste, was den USA passieren konnte, denn nun endlich haben sie Europa so weit, dass zu Sanktionen bereit ist, die die EU zwar wirtschaftlich vernichten werden, aber die EU opfert sich ja für einen guten Zweck!

Auch Russland wird dabei sicher geschwächt. Wer aber (auf den ersten Blick) kaum geschwächt wird, sind die USA. Sie haben kaum Handel mit Russland und wenn die EU auf russisches Gas verzichtet, machen die USA mit ihrem Frackinggas sogar noch ein Bombengeschäft. Ich habe die geopolitische Lage, die ich hier nur kurz zusammengefasst habe, in diesem Artikel ausführlich erklärt.

Für die USA läuft es also einerseits sehr gut, denn die EU folgt der US-Linie offenbar bis zum eigenen Untergang. Allerdings besteht die Welt nicht nur aus den USA, der EU und Russland. Wenn wir uns die Geopolitik wie ein Schachbrett vorstellen, sollten wir auch die anderen Bereiche des Schachbrettes im Auge behalten. Und darum soll es hier gehen.

China

China und Russland sind eng befreundet, die USA machen aber Druck auf China, es solle sich nicht als „Sanktionsbrecher“ betätigen und Russland helfen, die anti-russischen Sanktionen abzuschwächen. Auf Druck reagiert man in China, das ein stolzes Land ist, aber allergisch. Hinzu kommt, dass in China die Sicht eine völlig andere ist: In China steht man auf Seiten Russlands und die Menschen haben sogar Aktionen wie „kauft russisch!“ gestartet.

Die USA sind dank ihrer feindseligen Politik gegenüber China verhasst und die Chinesen verstehen, dass die USA Russland in der Ukraine in die Zwickmühle gelockt haben, entweder Atomraketen vor der eigenen Haustür zu akzeptieren, oder militärisch zuzuschlagen, um die Stationierung von Atomraketen zu verhindern. Und da die USA China ohnehin schon einen Handelskrieg erklärt haben, können die USA kaum hoffen, dass China sich ihnen nun gegen Russland anschließt, schließlich hat der Druck der USA auf Russland und China diese beiden Länder ja erst so eng zusammengeschweißt, wie sie jetzt sind.

Hinzu kommt die Taiwan-Frage, in der die USA derzeit sogar noch stärker zündeln, indem sie Taiwan Waffen verkaufen und sich offen gegen chinesische Interessen stellen. Es ist hier nicht wichtig, wie Sie oder ich zu der Taiwan-Frage stehen, wichtig sind die Interessen Chinas und der USA. China sieht Taiwan als Teil Chinas, die USA sehen Taiwan als nützlichen Stützpunkt gegen China.

Nun machen die USA Druck auf China und drohen sogar harte Sanktionen gegen China an, wenn es Russland hilft. China ist das offenbar egal, denn es hat den Druck der USA zurückgewiesen. Sollten die USA in Chinas Verhalten demnächst eine Unterstützung Russlands sehen und zusammen mit ihren Satelliten in Europa auch gegen China den Handelskrieg so sehr eskalieren, wie sie es gegen Russland tun, dürfte China sich davon nicht beeindrucken lassen.

Im Gegenteil meinen manche Analysten, dass China in dem Fall die Taiwan-Frage gewaltsam lösen könnte. China wird das sicher nicht wollen, eine friedliche Vereinigung wäre China lieber. Aber die Anhänger einer gewaltsamen Lösung der Frage werden sehr starke Argumente bekommen, wenn der Westen so harte Sanktionen gegen China verhängt, wie gegen Russland. Die Argumente lauten: Erstens hätten die USA dann sowieso schon alle möglichen Sanktionen verhängt, viel mehr Druckmittel hätten sie nicht mehr, schlimmer könnte es also sowieso nicht werden. Zweitens hätte China in Sachen Taiwan dann Russland an seiner Seite, so wie China in Sachen Ukraine an der Seite Russlands steht. Darauf dürfte man in Peking noch vor kurzem nicht zu hoffen gewagt haben, aber die USA haben Russland und China mit ihrer Politik so eng zusammengebracht, dass Russland keine andere Wahl hätte, als einem Vorgehen Chinas gegen Taiwan den Rücken zu stärken.

Sollten die USA gehofft haben, China und Russland in der Ukraine-Frage spalten zu können, dürfte sich in Washington derzeit Ernüchterung breit machen.

Das liebe Öl

Wenn die EU im Falle des Übergreifen des vom Westen gegen Russland ausgerufenen Handelskrieges auf Öl und Gas nicht innerhalb von Wochen wirtschaftlich kollabieren soll, dann muss irgendwo Ersatz für das russische Öl und Gas her. Die EU bezieht 40 Prozent ihres Gases und 30 Prozent ihres Öls aus Russland.

Ein Ende der russischen Öl- und Gaslieferungen nach Europa ist möglich. Zwar wehren sich noch viele EU-Staaten dagegen, Russland aus dem SWIFT auszuschließen, weil der Gashahn dann sofort geschlossen wird, aber der Druck auf sie wächst. Aber Russland könnte den Hahn auch selbst zudrehen, denn in Russland mehren sich die Stimmen, die fordern, gegen die wirklich sehr schweren EU-Sanktionen auch endlich schweres Geschütz aufzufahren.

Die USA und die EU haben in den letzten Tagen sehr hektisch herumtelefoniert. Katar scheint bereit zu sein, mehr Gas zu liefern, aber seine Bedingungen sind hart: Die EU soll sich langfristig verpflichten, das teurere Gas aus Katar abzunehmen. Aber Katar kann die EU alleine ohnehin nicht retten.

In Washington dürfte die Enttäuschung über die arabischen Golfstaaten derzeit sehr tief sitzen, denn sie haben eine Erhöhung der Ölförderung abgelehnt und laut Medienberichten gehen die dort herrschenden Könige und Sultane derzeit nicht einmal ans Telefon, wenn US-Präsident Biden sie deswegen sprechen möchte. Und den anti-russischen Sanktionen haben sie sich auch nicht angeschlossen.

Die arabischen Staaten wollen es sich offensichtlich nicht mit ihren wichtigen Kunden in China verderben, um nur einen möglichen Grund für deren auffällige Zurückhaltung gegenüber den Plänen des Westens zu nennen.

Gescheiterte Notlösungen

Derzeit laufen die schwierigen Verhandlungen mit dem Iran über das Atomabkommen. Sollten die Verhandlungen Erfolg haben, werden die westlichen Sanktionen gegen den Iran aufgehoben und der Iran könnte Öl liefern. Aber Russland hat nun gefordert, dass die USA garantieren sollen, dass sich die westlichen Sanktionen gegen Russland nicht auf den Iran erstrecken sollen. Das bedeutet, die westlichen Sanktionen sollen sich nicht auf die Wirtschaftsverbindungen zwischen Russland und dem Iran auswirken.

Das haben die USA abgelehnt und dem Iran angeboten, ein Atomabkommen ohne Russland abzuschließen. Das wäre für den Iran verlockend, weil dann endlich die Sanktionen fallen und der Westen sofort das iranische Öl abnehmen würde. Aber der Iran erinnert sich an die „Vertragstreue“ der USA, die das letzte Atomabkommen einfach so gebrochen haben, die Details finden Sie hier.

Während der Westen vertragsbrüchig war, haben Russland und China ihre Vertragstreue bewiesen und anders als der Westen weiterhin Handel mit dem Iran getrieben. Der Iran hat also keinen Grund, den USA zu trauen und sich gegen die Länder zu stellen, die ihn unterstützt haben, als der Westen ihn sanktioniert hat.

Das hat der Iran – in meinen Augen – gerade deutlich gezeigt, als er eine Rakete auf den Irak abgefeuert hat, die anscheinend amerikanischen Zielen dort gegolten hat. Passiert ist nicht viel, aber das war ein deutliches Signal an die USA, was der Iran von deren Vorschlägen hält.

Auch gegenüber dem ölreichen Venezuela haben die USA nun neue Töne angeschlagen und eine Normalisierung der Beziehungen in Aussicht gestellt, vor allem eine Aufhebung des Ölembargos, wenn Venezuela sich der westlichen Politik gegen Russland anschließt. Der venezolanische Präsident Maduro hat den USA als Antwort mitgeteilt, Russland sei ein strategischer Partner Venezuelas. Im Klartext: Er hat Washington den Mittelfinger gezeigt.

Beide Länder – der Iran und Venezuela – haben sich daran gewöhnt, unter Sanktionen zu leben und sie werden den Teufel tun, sich nun gegen die Länder zu stellen, die sie in Zeiten der Sanktionen am Leben gehalten haben, also gegen Russland und China. Sie wissen sehr genau, dass eine unter diesen Umständen geschaffene Normalisierung der Beziehungen zu den USA nur vorübergehend wäre und dass sie später alleine dastehen würden, wenn sie sich jetzt gegen Russland und China stellen.

Fazit

Zumindest bisher haben die USA und die EU keine Wege gefunden, wie sie einen totalen Handelskrieg gegen Russland überleben sollen, wenn der sich auf Öl und Gas ausweitet. Das kann sich natürlich noch ändern, aber für die USA läuft es anscheinend derzeit nicht rund.

Und das war nur das Thema Öl, es gibt noch mehr Themen, bei denen dem Westen der Handelskrieg mit Russland auf die Füße fallen könnte. So dürfte das vom Westen verkündete Exportverbot für Mikrochips ein Eigentor werden, weil Russland bei einigen wichtigen Rohstoffen für deren Herstellung der einzige Lieferant weltweit ist. Sollte Russland den Export dieser Rohstoffe einstellen, könnte der Westen keine Chips mehr produzieren. Der lachende Dritte wäre China und wenn das dann seinerseits ein Exportverbot für Chips gegen den Westen ausspricht, wäre das Eigentor perfekt.

Auch bei Lebensmitteln dürfte es schwierig werden. Russland und die Ukraine gehören zu den größten Getreidexporteuren der Welt. Russland und Weißrussland sind bei Düngemitteln weltweit marktbeherrschend. Was wäre, wenn Russland und Weißrussland den Export von Getreide und Düngemitteln stoppen und die ukrainische Ernte dem Westen ebenfalls nicht zur Verfügung steht?

Der Westen hat zwar den Dollar und den Euro, aber was tun mit dem bunten Papier, wenn man damit die nötigen Waren nicht kaufen kann? Russland kann heizen und Lebensmittel produzieren. Auch China hätte damit aufgrund von Lieferungen aus Russland keine Probleme und könnte mit seiner Industrie darüber hinaus viele Defizite in anderen Bereichen abschwächen, die Russland wegen der Sanktionen drohen.

Dem Westen hingegen dürfte das Fehlen chinesischer Waren sehr weh tun, denn der Westen hat kaum noch eigene Produktion, die hat der Westen aus Kostengründen ja nach China ausgelagert.

Der vom Westen erklärte Wirtschaftskrieg, der mit einem vom Westen provozierten Militäreinsatz Russlands begründet wird, könnte ein böser Bumerang werden.

Sanktionen: Läuft alles nach Plan?

Diskussionen

9 Gedanken zu “Sanktionen: Läuft alles nach Plan?

  1. “ Die Reaktion der westlichen Gesellschaft auf den russischen Angriff zeigt, wie psychologisch gespalten und oberflächlich unsere Gesellschaft ist.

    Wir wollen Frieden, aber dulden oder befürworten Waffenlieferungen an eine Kriegspartei, und befeuern damit den Krieg, mit all seinen Folgen über Generationen hinweg.

    Wir wollen toxische Männlichkeit überwinden, aber lassen Männer in den Krieg ziehen, und Trauma und Gewalt verbreiten und zurück nach Hause in Familien und Gesellschaft bringen.

    Wir wollen Russland stoppen, aber sehen zu, wie unsere Politiker mit Sanktionen weiter Öl ins Feuer gießen und uns somit ebenfalls zum Aggressor machen. Wer leidet am meisten unter diesem Wirtschaftskrieg? Putin sicher nicht.

    Wir wollen diplomatische Lösungen, aber ergreifen einseitig Partei, anstatt zu vermitteln.

    Wir wollen Gerechtigkeit für alle, aber folgen unkritisch dem Kurs der herrschenden Klasse, die von der Ungerechtigkeit lebt.

    Wir wollen gute Menschen sein, aber verschließen die Augen vor unserer eigenen Unbarmherzigkeit. “

    https://t.me/anarchopazifist/2492

    Gefällt 1 Person

    Verfasst von ZED | 15. März 2022, 18:06
  2. 2014 war ich durch Zufall Beobacchter bei der feindlichen Übernahme der Verwaltungsgebäudes von Donezk. Buntes Volk, in lächerlicher Kosakenmonturen verbarrikadierte sich hinter malerisch aufgeschichteten Barrikaden. Idioten mit Schuffwaffen machen mich immer nervös. Deren Drahtzieher haben inzwischen stolz und im Detail berichtet, wie professionell sie die Stadt überrumpelt und in ihre Gewalt gebracht haben eine Millionenstadt mit Oper, Stadion, die Logos der Firmen aus aller Welt auf dem Hauptprospekt. Das war einmal.

    Noch vor der Pandemie hatte ich vor, mit einer Gruppe von Architekten und Stadtplanern in die Ukraine zu fahren, genauer nach Charkiw. Auf dem Programm stand die Besichtigung der Bauten der Zwanzigerjahre, des Bauhauses und des sowjetischen Konstruktivismus. Charkiw war für ein gutes Jahrzehnt die größte Stadtbaustelle Europas, hier sollte die moderne Stadt errichtet werden mit Verwaltungs-, Regierungs- und Zivilbauten, neuen Fabrikanlagen, Gemeinschaftshäusern und Wohnvierteln. Selbst für Architekten, die mit der Moderne gut vertraut sind, war diese Stadt trotz ihrer ikonischen Bauten ein weißer Fleck. Wir wollten auch etwas über die Ge­schichte der Stadt erfahren: über die Hungersnot der Jahre 1932/33, deren Massengräber man allenthalben in und um die Stadt herum entdeckt hat, über die Exekutionsstätten des Großen Terrors, die Ermordung der polnischen Offiziere 1940 und dann: die deutsche Besetzung Charkiws, die Deportation von Millionen ins Reich, die Ermordung der 16 000 Charkiwer Juden draußen vor der Stadt in Drobnyzkyj Jar. Was in Charkiw geschah, wiederholte sich in anderen Städten der Ukraine, diesem „unglücklichsten Land Europas“, wie Adam Michnik es gerade nannte. In den Jahren der Unabhängigkeit kam dieser Martyrolog zur Sprache, die Topographien des Terrors sind freigelegt worden, Massengräber mit den Opfern der stalinistischen wie nationalsozialistischen Herrschaft, oft in Sichtweite voneinander.

    Die Städte waren in den drei Jahrzehnten der Freiheit und Unabhängigkeit aufgeblüht, zu sich gekommen – bei allen Schwierigkeiten. Neue Flughäfen, Hochgeschwindigkeitszüge südkoreanischer Bauart, Städte über Nacht aus der sowjetischen Provinz zurück in die Mitte Europas katapultiert, Kiew als international gewordene Hauptstadt, die Glastürme der Banken von Dnipro, millionenfache Pendelbewegungen von Ar­beitsmigranten in die Länder der EU, Lemberg, Schönheit Habsburgs und Hightech-Boom in einem, die Schriftsteller Juri Andruchowytsch und Serhij Zhadan, unterwegs in Europa. Ein Modernitätsschub ohnegleichen.

    Die Städte, die unsere Architektengruppe heute besuchen würde, sind nun im Ausnahmezustand. Man konnte schon 2014 in Donezk sehen, was es heißt, wenn das Leben einer Stadt abstirbt, als Abertausende die Stadt verließen, um anderswo ihr Leben fortzusetzen, als Universitäten, Fußballvereine, Unternehmen ins Exil in die freie Ukraine abwanderten. Am 24. Februar 2022 ist der Krieg über die Ukraine, ihre Städte und Dörfer hereingebrochen, mit Raketenbeschuss, Zerstörung der Infrastruktur, gezielten Angriffen auf Wohnviertel, Inbrandsetzung von Museen, Bombardierung von Flughäfen. Hungerblockade, Displaced Persons zu Millionen, Barrikaden dort, wo im Frühling die Menschen flanieren, Museen, die zu evakuieren keine Zeit mehr war, Metrostationen als Luftschutzkeller. Was dort geschieht, verstehen am ehesten noch die Älteren mit ihren Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg. Wir kennen die Bilder von Rotterdam und Coventry, die Flammenwerfer-Kommandos im Warschauer Ghetto, die ausgeglühten Häuserskelette von Dresden.

    Das ist Geschichte, in der wir uns auskennen. Aber jetzt sind es Bilder aus der Gegenwart. Was würden wir tun, wenn Bomben auf den Vatikan fielen – der Komplex des Kiewer Höhlenklosters hoch über dem Fluss ist der „Vatikan der östlichen Christenheit“. Wir haben so oft in Eisensteins „Panzerkreuzer Potjomkin“ die Treppe, die zum Hafen von Odessa hinabführt, gesehen, aber dass jetzt die russische Flotte die Stadt, die Bürgerkrieg und deutsche Besatzung überlebt hat, in Schutt und Asche legen könnte, war uns so wenig vorstellbar wie ein Angriff auf Odessas Schwesterstädte Venedig, Genua, Marseille, Barcelona. Wenn Europa nicht bloß eine schöne Metapher ist, dann gilt der Krieg gegen die ukrainischen Städte allem, was Europa je zuwege gebracht hat.

    Kiew, das im Bürgerkrieg neunzehn Machtwechsel, die Sprengung seiner Straßenzüge und Kathedralen erlebt und den Kreschtschatik wieder aufgebaut hat, kämpft nun gegen den Einmarsch von Putins Truppen. Wie viele Baudenkmäler, Museen, Kirchen müssen in Flammen aufgehen, bis die internationale Gemeinschaft sich für das in Bewegung setzt, was man als „Weltkulturerbe“ bezeichnet. Wie viele Wohnhäuser, Krankenhäuser, Kindergärten müssen noch getroffen werden, wie viele Menschen werden von Scharfschützen und einer angesichts des unerwarteten Widerstands kopflos gewordenen Soldatenmasse noch getötet werden, bis die internationale Gemeinschaft – oder das, was man dafür zu halten gewohnt ist – „einschreitet“. Putin hat in Grosny gezeigt, dass er eine Großstadt in eine Ruinenlandschaft verwandeln kann. Er hat gezeigt, dass ihm das Schicksal Aleppos und seiner Bewohner ganz gleichgültig ist. Mit dem Kampf um die Atomkraftwerke von Tschernobyl und Saporischschja hat Putin die Tür zum Ökozid geöffnet. Die menschengemachte Ka­tastrophe braucht keine Atombombe.

    Fast scheint es, als sei die archaische Sprache der biblischen Schrecken oder der alten Chroniken die einzige dem noch angemessene Sprache. In der im Kiewer Höhlenkloster im 12. Jahrhundert aufgezeichneten Nestor-Chronik wurde Kiew erstmals als „Mutter aller russischen Städte“ bezeichnet. Putin ist nicht der Erste, der zum Krieg gegen diese Mutter aller Städte aufgerufen hat. Fürst Andrei Bogoljubski, der Herr von Wladimir-Susdal, dem neuen Zentrum im Nordosten der Rus, hatte seine Heere losgeschickt, um trotz heiliger Fastenzeit Kiew, die Hauptstadt der alten Rus, zu zerstören – Chroniken zufolge am 12. März 1169. „Zwei Tage lang brandschatzten sie die ganze Stadt, das Podole und die Burg, die Klöster, die Sophien-Kathedrale, die Zehntkirche, und für niemanden gab es Erbarmen.“ Mit der Zerstörung Kiews begann die Verlagerung des Zentrums der alten Rus in das spätere Großfürstentums Moskau, den Moskauer Staat und die Autokratie. Für viele Historiker, auch den Begründer der ukrainischen Nationalgeschichte, My­chajlo Hruschewskyj, gabeln sich hier die Wege zwischen der Entwicklung der östlichen Despotie und der Wendung der alten Rus nach Westen.

    Seither hat Kiew viele Zerstörungen erlebt und ist immer wieder zu neuem Leben erwacht. Ossip Mandelstam hat Kiew die „zählebigste Stadt der Ukraine“ genannt. Kiew hat sich immer wieder erholt – von der Brandschatzung durch Mongolen und die Truppen des Krimchans, von den Zerstörungen des stalinschen Generalplans und der mörderischen deutschen Herrschaft. Die Stadt, die 1494 das Magdeburger Stadtrecht verliehen bekam, wurde 2014 zum Schauplatz der größten Volksbewegung in Europa seit 1989.

    Dort entscheidet sich jetzt, ob Europa standhält oder fällt. Man traut sich nicht mehr, solch pathetische Worte zu ge­brauchen. Aber für die Kämpfer in den Straßen von Kiew ist die Rede vom „Anbruch des postheroischen Zeitalters“ (Herfried Münkler) nur ein Zeichen von Ahnungslosigkeit, eine intellektuelle Pose. Was für Berlin 1948 in der Zeit der Berlin-Blockade galt, gilt jetzt erst recht: „Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“, Berlins Regierender Bürgermeister Ernst Reuter blieb damals nicht ungehört. Kiew braucht Waffen, es braucht die Schließung des Himmels für die russischen Angreifer, es wartet auf etwas wie eine Luftbrücke, die Berlin gerettet hat.

    Gefällt mir

    Verfasst von Torben Schwurbel | 15. März 2022, 14:16
    • @Thorben Schwurbel — Wieviele glänzende und große Kulturen hat die Geschichte schon untergehen sehen! Das immer andere ist der Untergang von Glanz und Größe des Menschen als geistiges Geschöpf. Kriege werden solange „Business as usual“ sein, als das Menschengeschlecht sich nicht von Herrschaft und Gewalt abgewendet haben wird.

      Von Herrschaft und Gewalt. Von beidem. Denn das eine bringt das jeweils andere hervor. Herrschende tun ohnehin, was sie wollen. Sollen wir uns denn damit zufriedengeben, das Böse anzuklagen! Das Böse lacht über Anklagen.

      Der große Irrtum liegt in der Annahme, Freiheit ließe sich erkämpfen. Nein, Freiheit folgt auf Einsicht.

      The rich make war, and the poor fight. Es wird dies nicht aufhören, bis wir Menschen untergehen werden. Oder innerlich umkehren. Und dann mit einem Male verstehen: Die Welt dreht sich nach Seinen Gesetzen.

      Denn so spricht Er: „Nach meinem Bilde habe ich dich geschaffen, und ich lasse meiner nicht spotten.“

      Es geht um Verstehen. Dem Umkehr vorausgeht. Umkehr ist klug.

      Gefällt mir

      Verfasst von No_NWO | 15. März 2022, 20:11
  3. Ein weiterer Aspekt des aktuellen politischen Geschehens ist technologischer Art. Wird es mit der CCS-Technologie und dem Horrorszenario einer COzwei-getriebenen Klimakatastrophe doch möglich, den Zugang jeweiliger Weltregionen zu Energie zu regulieren.

    Wer den Zugang zu Technologie reguliert, kontrolliert den Lebensstandard — was übrigens Kerngedanke des „Lockstep“-Dokuments der Rockefellerstiftung aus dem Jahre 2011 ist. Und siehe da: CCS stellt einen aus COzwei gewinnbaren Energiegrundstoff bereit.

    Zugleich kann die Nutzung fossiler Brennstoffe unter Verweis auf das sich wohlfeil vorschieben lassende Narrativ des Klimawandels verteuert bzw. faktisch verwehrt werden, indem diese Nutzung sich mit Strafen bewehren läßt. Kontrolle von Technologie ist Macht.

    Bitteschön, hier die offensichtliche historische Dimension des Geschehens: Der nordisch-arisch rassistische und sozialeugenische Herrenmensch verkauft sich heute als doppelter Retter. Als Retter der zivilisierten Menschheit vor „Überbevölkerung“ UND als Retter der Natur. Wohingegen der Nazi-Faschismus sich mit Rettung des deutschen Volkes begnügte. Es wundert nicht, hinter CCS, Klimanarrativ und Nazifaschismus die selben internationalen nordisch-arischen Zirkel zu entdecken. Welche sich ideologisch erstmals formierten, als ab etwa 1860/70 die großen Weltmonopolunternehmen und Trusts entstanden und deren Führungspersonale sich mit großen internationalen Bankhäusern zusammenschlossen. Welche enorme, mit Sklaven- und Opiumhandel erworbene Vermögen verwalteten.

    Übrigens — diese nordisch-arischen Zirkel schützen sich vor Entdeckung, indem sie ihre Vermögen von jüdischen Bankiers verwalten lassen. Ganz wie es das Papsttum seit dem Hochmittelalter tat. Der Trick dabei: Christen wurde von der röm.-katholischen Kirche verwehrt, Zins zu nehmen. Nur Juden war dies gestattet. Juden, die vom Vatikan kontrolliert waren. Auf diesem Wege kontrollierte der Vatikan die Geschäfte seiner Schäfchen. Damit Kaiser, Könige und Fürsten brave Untertanen des Vatikans blieben.

    Und heute ist es ein Papst, der seinen nicht impfwilligen Sklavenschäfchen doch tatsächlich mit der Hölle droht. Und so wundert es nicht, daß der hier soeben dingfest gemachte nordisch-arische und historisch mit dem Vatikan verbundene Herrenmenschenzirkel die Menschheit nun mit Hilfe der großen Lügengeschichte von einer menschheitsbedrohenden Viruspandemie zu versklaven versucht.

    Wer dies verstanden hat, hat vielleicht nicht alles verstanden. Aber er versteht mindestens, wer ideologisch hinter UNO, NATO, WHO und WEF steht. Nordisch-arische Sklavenhalter auf dem Wege zur Weltherrschaft.

    NATO steht für Northern-Aryan Treaty Organization. Selbstverständlich gibt es Arier auch in südlichen Weltregionen, namentlich in Asien. Einzelheiten hierzu sind bei dem US-Anthropologen Robert Sepehr bzw. auf dem nach ihm benamten YouTube-Kanal zu erfahren. Ein Schelm, wer bei Robert Sepehr an CIA denkt. Nordisch-arische Rassisten sind seltsam verwirrte Menschen mit einem asiatischen Schlitz im Kleid.

    Gefällt mir

    Verfasst von No_NWO | 15. März 2022, 12:13
  4. das Ziel der iran. Raketen im Irak war eine geheime israelische !! Basis , nich die Amis

    Gefällt mir

    Verfasst von tom | 15. März 2022, 12:07
  5. Wenn Sprit und Lebendsmittelpreise in Deutschland in’s unendliche  steigen und der Bürger soll dann auch noch wegen sinnloser Sanktionen frieren, wird er protestrieren und zumindest bei den nächsten Wahlen rebellieren.

    Gefällt mir

    Verfasst von Willi | 15. März 2022, 11:23
    • Optimist!
      Der Deutsche wird devot das Leid ertragen, sich daran aufgeilen und stolz darauf sein, es Putin durch Hungern und Frieren so richtig gezeigt zu haben! Nimm das, böser Iwan!

      Gefällt mir

      Verfasst von V wie Vendetta | 15. März 2022, 14:29
  6. Wenn man alle Staaten auf dem Schachbrett stellt. so könnte man viele Varianten erstellen. So auch die. Die deutschen und französischen Superreichen benutzen die jetzt günstige Zeit ,das Joch der USA und Britten zu lockern. Ansonsten schließe ich mich ihren Ansichten eingeschränkt an. Man bedenke, Russland hat 1939 Deutschland den weg zum Krieg geebnet, um danach über 4 Millionen Soldaten in Europa zu stationieren. Man kann das damalige Verhalten von Russland auch auf die Jetztzeit übertragen, was dann. Armes China?

    Gefällt mir

    Verfasst von Josef Grollmuß | 15. März 2022, 11:17
  7. In Bezug auf China sind die Vorstellungen der US Bellizisten völlig gaga. Covid-19 ist nur die jüngste Bio Attacke der USA gegen China, etliche Angriffen gegen die Viehwirtschaft gingen voraus und Batallion 731, das von den USA übernommen wurde, ist auch nicht vergessen. Die USA wurde während WWI und WWII wegen seines überlegenen Arbeitspotentials groß und die USA brauchen ihren gegenwärtigen Krieg nur zu forcieren, um Chinas Aufstieg zu beschleunigen.

    https://www.veteranstoday.com/2022/03/12/jeffbrown-the-ugly-truth-about-us-biowarfare-labs-video-podcast/

    Die EU hat schon verloren, das ist klar.

    Gefällt mir

    Verfasst von zivilistin | 15. März 2022, 11:16

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: