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Ausland, Nordamerika

George Friedman beim Chicago Council zur Ukrainestrategie der USA

4. Februar 2015, Chicago USA

von George Friedman, dem Chef von Strategic Forecasting Inc. (abgekürzt STRATFOR) Stratfor ist ein führender privater US-amerikanischer Think Tank, der die Analysen, Berichte und Zukunftsprojektionen zur Geopolitik, zu Sicherheitsfragen und Konflikten in aller Welt anbietet.

Übersetzung LZ

Kein Ort kann auf Dauer friedlich bleiben. Auch die USA nicht, ich meine, wir (USA) werden von Kriegen begleitet bzw. betroffen.

Europa wird, wie ich vermute, zwar nicht zu den großen Kriegen zurückkehren, aber es wird wieder zum menschlichen Normalfall zurückkehren: es wird seine Kriege haben, seine Friedenszeiten, und es wird seine Leben verlieren. Es wird keine 100 Millionen Tote geben, wie im letzten Krieg, aber die Idee von der europäischen Auserwähltheit, wie ich denke, wird dazu beitragen. Es wird Konflikte in Europa geben, es gab schon Konflikte, in Jugoslawien und jetzt auch in der Ukraine.

Europas Beziehungen zu den Vereinigten Staaten – wir haben keine Beziehungen mit „Europa“. Wir haben Beziehungen zu Rumänien, wir haben Beziehungen zu Frankreich, aber es gibt kein „Europa“, mit dem die USA Beziehungen haben.

Bitte der Herr dort: Ist der islamistische Extremismus die Hauptbedrohung für die Vereinigten Staaten, und wird er absterben oder wird er auch weiterhin fortbestehen ?

GF: Er ist ein Problem für die Vereinigten Staaten, aber keine existenzielle Bedrohung. Man muß sich damit befassen, man muss sich damit angemessen befassen. Wir haben andere außenpolitische Interessen.

Das Hauptinteresse der US-Außenpolitik während des letzten Jahrhunderts, im ersten und zweiten Weltkrieg und im kalten Krieg waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland. Weil vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann. Unser Hauptinteresse galt sicherzustellen, daß dieser Fall nicht eintritt.

Wenn Sie ein Ukrainer sind, werden Sie Ausschau danach halten, wer Ihnen als Einziger helfen kann – und das sind die Vereinigten Staaten. Letzte Woche, oder etwa vor 10 Tagen war der Oberbefehlshaber der amerikanischen Bodentruppen in Europa General Ben Hodges zu Besuch in der Ukraine. Er kündigte dort an, daß die US-Militärberater in die Ukraine demnächst offiziell kommen sollen.

Eigentlich hat er dort die Medaillen an die ukrainischen Kämpfer verteilt, wobei es das militärische Protokoll verbietet, daß die Medaillen an Ausländer verliehen werden. Doch er tat das, weil er damit zeigen wollte, daß die ukrainische Armee seine Armee ist. Dann ging er weg. Und die Vereinigten Staaten liefern baltischen Staaten Waffen, Artillerie und andere Militärausrüstung – die baltischen Staaten, Rumänien, Polen und Bulgarien – das ist ein sehr interessanter Punkt.

Und gestern haben die Vereinigten Staaten angekündigt, daß sie vorhaben, die Waffen in die Ukraine zu liefern, das wurde dementiert, aber sie tun das, die Waffen werden geliefert. Und bei allen diesen Handlungen agieren die Vereinigten Staaten außerhalb der NATO. Weil die NATO-Entscheidungen müssen von allen NATO-Mitgliedern einstimmig getroffen werden.

Der Punkt bei der ganzen Sache ist, daß die USA einen „Cordon Sanitaire“, einen Sicherheitsgürtel um Rußland herum aufbauen. Und Rußland weiß das.

Rußland glaubt, die USA beabsichtigen die Russische Föderation zu zerschlagen. Ich denke, wir wollen sie nicht töten, sondern nur etwas verletzen bzw. ihnen Schaden zufügen.

Jedenfalls sind wir jetzt zurück zum alten Spiel. Und wenn Sie einen Polen, Ungarn oder Rumänen fragen, sie leben in einer ganz anderen Welt als die Deutschen, und die Deutschen leben in einer ganz anderen Welt als die Spanier, also es herrscht Uneinigkeit in Europa.

Aber was die Ukrainer bevorzugen werden, das werde ich Ihnen genau sagen: sie werden versuchen die USA in ihr Land zu holen.

Die Vereinigten Staaten aus ihrem fundamentalen Interesse heraus kontrollieren alle Ozeane der Welt. Keine andere Macht hat das jemals getan. Aus diesem Grunde intervenieren wir weltweit bei den Völkern, aber sie können uns nicht angreifen. Das ist eine schöne Sache. Die Aufrechterhaltung der Kontrolle über die Ozeane und im Weltall begründet unsere Macht. Der beste Weg die feindliche Flotte zu besiegen ist zu verhindern, daß diese gebaut wird. Der weg, den die Briten gegangen sind, um sicher4zustellen, daß keine europäische Macht die Flotte bauen konnte, ist, daß die Europäer einander bekämpften.

Die Politik, die ich empfehlen würde, ist die, die Ronald Reagan angewendet hat gegenüber Iran und dem Irak. Er unterstützte beide Kriegsparteien, sodaß sie gegeneinander kämpften (Iran-Irak-Krieg 1980-88) und nicht gegen uns. Es war zynisch, es war nicht moralisch vertretbar, aber es funktionierte.

Und das ist der Punkt: die Vereinigten Staaten sind nicht in der Lage ganz Eurasien zu okkupieren. In dem Moment, wo unsere Stiefel den Boden berühren, sind wir demographisch zahlenmäßig unterlegen. Wir können eine Armee zerschlagen, aber wir sind nicht in der Lage Irak zu besetzen. Die Idee, daß eine  130000 Soldaten starke US-Armee ein Land mit 25 Millionen Menschen Bevölkerung okkupieren würde….Das Verhältnis zwischen Anzahl der Polizisten und den Einwohnern von New York ist größer als das Verhältnis von US-Soldaten und irakischer Bevölkerung war.

Also, wir sind nicht in der Lage, überall militärisch zu intervenieren, aber wir sind in der Lage, erstens, die gegeneinander kämpfenden Mächte zu unterstützen, damit sie sich auf sich selbst konzentrieren können. Sie unterstützen politisch, finanziell, militärisch, Waffen liefern, und die US-Berater aussenden. Und in außerordentlichen Fällen, wie wir in Japan vorgegangen sind, nein in Vietnam, Irak und in Afghanistan mit Präventivschlägen („spoiling attacks“) intervenieren.

Die Taktik der Präventivschläge beabsichtigt nicht den Feind zu besiegen, sondern sie verfolgt das Ziel den Feind aus der Balance zu bringen. Das versuchen wir in jedem Krieg, wie z.B. in Afghanistan brachten wir die Al Qaida aus der Balance.

Das Problem, das wir haben, seit wir so jung und dumm sind, ist, daß wir die Feinde aus der Balance bringen, anstatt zu sagen, „wir haben den Job gut gemacht, laßt uns nach Hause gehen“, sagen wir: „Mann, das war aber leicht, laßt uns hier noch eine Demokratie aufbauen“. Das war der Moment unserer Geistesschwäche, von der wir befallen wurden.

Deswegen, die Antwort darauf lautet, die USA können nicht überall in Eurasien militärisch intervenieren. Man muss selektiv intervenieren und möglichst selten. Eine militärische Intervention stellt für uns einen Sonderfall dar, die letzte Möglichkeit, wir können nicht schon im ersten Schritt die US-Truppen aussenden. Aber wenn wir die US-Truppen schicken, dann, und das haben wir schon aus Erfahrung klar verstanden, muß die Intervention eingeschränkt erfolgen, und nicht gigantische Ausmaße erreichen. Hoffentlich haben wir das für dieses Mal verstanden, gewöhnlich dauert es eine Weile, wenn die Kinder im Unterricht lernen.

Aber Sie haben absolut Recht, wir als ein Imperium können das (überall intervenieren) nicht tun. Die Briten damals haben Indien nicht okkupiert, sie haben einfach die einzelnen Staaten Indiens genommen und ließen sie gegeneinander kämpfen. Die Briten haben britische Offiziere bei der indischen Armee installiert. Die alten Römer haben auch keine Truppen in entlegene Regionen außerhalb des römischen Imperiums entsandt, sondern sie haben prorömische Könige dort eingesetzt. Diese Könige wurden durch Rom eingesetzt, die im Dienste für das römische Imperium in anderen Ländern regierten, und diese Könige waren verantwortlich für die Aufrechterhaltung des (prorömischen) Friedens an den Grenzen (des Imperiums). So war es z.B. beim Partherreich.

Also, die Imperien, welche versuchen direkt in okkupierten Gebieten zu regieren, solche Imperien scheitern, wie es mit dem Nazi-Imperium der Fall war. Weil niemand hat so viel Macht, um direkt zu regieren. Da muß man schon klug vorgehen.

Wie auch immer, unser Problem jetzt ist nicht das, sondern, daß bedeutet eigentlich, daß wir ein Imperium als solches sind. Wir sollten aber deswegen nicht denken, daß wir uns entspannen können, nach Hause gehen und über nichts mehr Sorgen machen. Wir sind erst etwa im dritten Kapitel des Buches.

Bitte die nächste Frage

„Ich habe Sie so verstanden, daß die europäische Währung Euro nicht überleben wird…“

GF: Die Frage, die jetzt für die Russen auf dem Tisch ist, ist, ob man die Ukraine als eine Pufferzone zwischen Rußland und dem westen haben will, die wenigstens neutral bleiben wird, oder wird der Westen so weit in die Ukraine vordringen, daß der Westen (NATO) nur 100 Kilometer von Stalingrad und 500 Kilometer von Moskau entfernt sein wird.

Für Rußland stellt der Status der Ukraine eine existenzielle Frage dar. Und die Russen können bei dieser Frage nicht einfach so weggehen, loslassen.

Für die USA gilt, wenn Rußland sich an die Ukraine klammert, wir werden Rußland stoppen. Deswegen starten die USA solche Maßnahmen, wie solche, über die kürzlich General Hodges gesprochen hat, der für Blamagen bekannt ist, und zwar über Eingreiftruppen in Rumänien, Bulgarien, Polen und baltischen Staaten. Damit begründet man das Intermarum („Zwischenmeer-Land), das Territorium zwischen dem schwarzen Meer und der Ostsee, ein Konzept, welches Pilsudski ausgearbeitet hat. Und das ist die von den USA bevorzugte Lösung.

Und die Sache, worauf wir keine Antwort parat haben, ist die Frage, was wird Deutschland in dieser Situation unternehmen. Die reale unbekannte Variable in Europa sind die Deutschen, wenn die USA diesen Sicherheitsgürtel aufbauen, nicht in der Ukraine, sondern zum Westen, und der Einfluß der Russen in der Ukraine wird schwinden – wir wissen nicht, wie die deutsche Haltung ausfallen wird. Deutschland befindet sich in einer sehr eigenartigen Lage.

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ist im Aufsichtsrat von Gazprom. Die Deutschen haben ein sehr komplexes Verhältnis zu den Russen. Die Deutschen wissen selbst nicht, was sie tun sollen. Sie müssen ihre Waren exportieren, die Russen können ihnen die Waren abnehmen. Andererseits verlieren sie die Freihandelszone, die sie brauchen, um andere Sachen aufzubauen.

Für die Vereinigten Staaten ist das Hauptziel, daß russisches Kapital, russische Technologien….ich meine deutsches Kapital und deutsche Technologien und die russischen Rohstoff-Ressourcen und die russische Arbeitskraft sich nicht zu einer einzigartigen Kombination verbinden, die die USA seit einem Jahrhundert zu verhindern versuchen.

Also, wie kann man das erreichen, daß diese (deutsch-russische) Kombination verhindert wird ? Die USA sind bereit, mit ihrer Karte diese Kombination zu zerschlagen: das ist die Linie zwischen dem Baltikum und dem schwarzen Meer.

Für die Russen ist die entscheidende Frage, daß die Ukraine ein neutrales Land wird, kein prowestliches. Weißrundland ist hier eine andere Frage. Nun, wer mir eine Antwort darauf geben kann, was die Deutschen in dieser Situation tun werden, der kann mir auch sagen, wie die nächsten 20 Jahre Geschichte aussehen werden.

Aber unglücklicherweise müssen die Deutschen immer wieder eine Entscheidung treffen. Und das ist das ewige Problem Deutschlands. Deutschland ist wirtschaftlich enorm mächtig, aber gleichzeitig geopolitisch sehr zerbrechlich, und sie wissen niemals, wie und wo sie ihre Exporte verkaufen können. Seit 1871 – das war immer „Die Deutsche Frage“. Und die Frage Europas. Denken Sie über die „Deutsche Frage“ nach, welche jetzt wieder mal aufkommt. Das ist die nächste Frage, die wir stellen müssen, was wir aber nicht tun, weil wir nicht wissen, was die Deutschen tun werden.

https://odysee.com/@Zeitzeuge:7/ukra-p18:9?lid=favorites

Ab Min 26:54

 

 

 

 

Diskussionen

2 Gedanken zu “George Friedman beim Chicago Council zur Ukrainestrategie der USA

  1. Wenn die Russen genauso Arrogant, Überheblich und Aggressiv währen,
    wie dieser Adjutant des Teufels, der im Namen einer sich immer weiter
    audehnenden verbrecherischen Macht ,namens USA spricht ,dann währe
    diese Welt schon längst am Ende! Hoch intelligent, aber ein Psychopat
    ersten Ranges und Brand gefährlich!!

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    Verfasst von wolfgang fubel | 5. März 2022, 18:07

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  1. Pingback: Die US-Politik in Bezug auf Russland, Deutschland und die Ukraine | Dr. René Sternke - 19. März 2022

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