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Energie, Wirtschaft

Gaspreis in Europa bricht alle Rekorde

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Der Gaspreis in Europa bricht derzeit einen Rekord nach dem anderen. Hier berichte über die Preisentwicklung und über die Auswirkungen der Sanktionen.

Die deutsche Außenministerin Baerbock hat kürzlich gesagt, dass „wir“ bereit sind, den Preis für harte Russland-Sanktionen zu zahlen. Ich weiß nicht, wen genau sie mit „wir“ gemeint hat, aber ich kenne viele in Deutschland, die das anders sehen. Wir schlimm die Auswirkungen der Sanktionen für Europa werden, kann man derzeit genauso wenig abschätzen, wie ihre Wirkung auf Russland. Fakt ist aber, dass im Grunde schon alle Wirtschaftssanktionen verhängt waren, die die EU verhängen konnte, ohne sich allzu sehr ins eigene Knie zu schießen.

Alles, was jetzt beschlossen wurde und wohl noch beschlossen wird, wird Europa und vor allem den Menschen in Europa sehr schaden, das geben sogar die europäischen Politiker zu. Ein französische Minister sprach schon von einem „totalen Wirtschaftskrieg“, musste das aber schnell zurücknehmen, weil das auch in Frankreich Erinnerungen an die berüchtigte Goebbels-Rede geweckt hat.

In dem Zusammenhang ist es übrigens bemerkenswert, dass die westlichen Medien es nicht sehen wollten, dass der ukrainische Präsident Poroschenko immer wieder von einem „totalen Krieg“ gegen die Menschen im Donbass gesprochen hat. Das passte den westlichen Medien nicht ins Bild, denn das Leiden im Donbass haben sie acht Jahre lang nicht thematisiert.

Die Gaspreise explodieren

Der Rekordpreis für 1.000 Kubikmeter Gas lag in der EU bisher bei etwa 2.000 Dollar und wurde Ende letzten Jahres erreicht. Wegen der praktisch leeren Gasspeicher in der EU und in Erwartung weiterer Sanktionen ist der Gaspreis in Europa nun explodiert und liegt bereits bei über 2.200 Dollar. Darüber hat das russische Fernsehen berichtet und ich habe den Artikel des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Europäischer Gaspreis übersteigt 2.250 $ pro 1.000 Kubikmeter

Der Preis für April-Gas-Futures am TTF-Hub in den Niederlanden ist auf 2.279 $Dollar pro 1.000 Kubikmeter gestiegen.

Am Vortag sind die Futures auf 2.226 $ pro 1.000 Kubikmeter gestiegen.

Die Gaspreise in Europa steigen angesichts der von den USA, der EU, Großbritannien und anderen Ländern gegen Russland verhängten Sanktionen.

Hinzu kommt, dass Gas nach einem Rekordanstieg der Ölpreise teurer wird.

Die Brent-Rohöl-Futures für Mai stiegen an der Londoner ICE-Futures-Börse um 4,33 Dollar (+ 3,83 %) auf 117,26 Dollar pro Barrel. Der Kontrakt stieg am Mittwoch um 7,96 Dollar (+ 7,6 %) auf 112,93 Dollar pro Barrel.

Die April-WTI-Futures an der NYMEX stiegen um 3,85 Dollar (+ 3,48 %) auf 114,45 Dollar pro Barrel. Am Vortag stieg dieser Kontrakt um 7,19 Dollar (+ 7 %) auf 110,6 Dollar pro Barrel.

Ende der Übersetzung

Die Sanktionen und wer davon profitiert

Westliche Medien berichten gerne, dass der fallende Rubelkurs für Russland sehr schlimm ist und ja, vor allem für die Menschen wird das demnächst höhere Preise für viele importierte Waren bedeuten. Der fallende Rubelkurs hat aber noch einen anderen, sehr unerwarteten Aspekt, den ich in meinem Buch über die Ukraine-Krise 2014 erklärt und vorgerechnet habe.

Ende 2014 fielen sowohl der Rubelkurs als auch der Ölpreis, und westliche Medien und selbsternannte Experten erzählten damals, dass Russland kurz vor der Pleite stehe. Wie wir alle wissen, war das Unsinn und das hatte einen einfachen Grund: Der russische Staatshaushalt ist in Rubel und auch die meisten Ausgaben (Löhne, Gehälter etc.) sind in Rubel. Obwohl Rubel und Ölpreis gefallen sind, hat Russland am Ende mehr Rubel pro Barrel Öl bekommen. Der russische Haushalt hatte also nicht weniger, sondern mehr Einnahmen in Rubel aus dem Verkauf von Öl und Gas.

Heute ist die Lage noch deutlicher: Der Rubel ist nach der Verkündung der Sanktionen stark gefallen, gleichzeitig steigen aber die Ölpreise. Die Einnahmen in Rubel pro Barrel Öl steigen für den russischen Haushalt gerade stark an.

Damit will ich nicht behaupten, dass die westlichen Sanktionen wirkungslos sind. Sie werden in Russland sicher großen Schaden anrichten, aber eben nicht den Schaden, den westliche Experten – wie schon 2014 – prognostizieren. Ja, viele Waren werden teurer, ja vieles wird schwerer werden. Aber das betrifft auch den Westen, wenn die Energiepreise steigen oder es gar einen Mangel an Gas und Öl gibt. Schon jetzt bricht die Inflation in der EU Rekorde und die Sanktionen haben noch gar nicht angefangen, zu wirken.

Dieser Wirtschaftskrieg wird Europa und Russland schwer treffen.

Aber haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass die USA, die am am lautesten immer neue Sanktionen von der EU fordern, davon nicht betroffen sind? Die USA haben kaum Wirtschaftsverbindungen nach Russland. Und während die USA endlich ihr Ziel erreicht haben, Nord Stream 2 zu begraben, redet in den USA niemand davon, die Ölimporte aus Russland in die USA zu stoppen. Die USA beziehen einen beträchtlichen Teil ihres Ölverbrauchs aus Russland und daran wollen sie auch nichts ändern.

Könnte es sein, dass die USA sich gerade freuen, die EU zu schwächen und dadurch noch mehr von sich abhängig zu machen?

https://www.anti-spiegel.ru/2022/gaspreis-in-europa-bricht-alle-rekorde/

Diskussionen

2 Gedanken zu “Gaspreis in Europa bricht alle Rekorde

  1. Deutschland jedenfalls wird sturmreif geschossen, Modell Argentinien, der Konkursverwalter von blackrock scharrt ja schon mit den Hufen.

    Bockbär’s ‚Wir‘ ? deren Partei von 89% der Wahlberechtigten nicht gewählt wurde ? Sie will ja auch Kohle brennen, wenn’s Russland schadet. Wegen Frackinggas brauchen wir immerhin keine Angst zu haben, die Gasagentur Biden&Son kauft günstiger in Russland und liefert mit großzügigen Freedom-Aufschlag.

    Gestern war bei LZ rechts noch die Meldung, daß Ru im Mai von US‘ Öllieferant Nr3 zu Nr2 aufrückt.

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    Verfasst von zivilistin | 4. März 2022, 11:16
  2. Es ist auch auffällig, dass keiner unserer Politiker die USA dafür kritisiert, dass sie weiterhin Öl aus Russland importieren. Wäre das nicht mal angebracht, Annalena? Auf die neutrale Schweiz wurde ja auch Druck ausgeübt, sich mit Sanktionen gegen Russland selber zu schaden 😉

    Ich werde mir zuhause wohl einen Kaminofen einbauen lassen, damit ich im nächsten Winter nicht frieren muss.

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    Verfasst von Steamboat Willie | 4. März 2022, 9:58

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