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Energie, Wirtschaft

Deutschland hat bereits zwei Drittel seiner Gasreserven verbraucht

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Deutschland und Frankreich haben bereits zwei Drittel ihrer Gasreserven verbraucht, EU-weit sind bereits 85 Prozent des im Sommer in die Speicher gepumpten Gases entnommen worden.

Am Ende der letzten Heizsaison waren die Gasspeicher in der EU noch zu etwa 30 Prozent gefüllt. Heute, mitten im Winter, ist es schon fast genauso wenig. Wie das Erdgas über den Winter reichen soll, ist nicht ersichtlich, es sei der Winter wird sehr warm.

Der Grund ist, dass Pipelines und Flüssiggas-Tanker nicht ausreichen, den Gas-Bedarf im Winter zu decken, daher werden die Gasspeicher im Sommer gefüllt und im Winter geleert. Im letzten Sommer gelang es jedoch nicht, die Speicher zu füllen, die Gründe dafür habe ich am Ende dieses Artikels zusammengefasst.

Trotzdem verzögern die Bundesnetzagentur und die EU-Kommission die Zulassung von Nord Stream 2. Mehr noch: Seit Ende Dezember wird kaum noch Gas aus Russland über die bestehenden Pipelines geordert, obwohl Russland immer wieder mitgeteilt hat, dass bereit ist, mehr zu liefern, Details dazu finden Sie hier.

Es drängt sich regelrecht das Gefühl auf, dass man in der EU an der Gasknappheit interessiert, denn es wird nichts dagegen unternommen und es wird immer wahrscheinlicher, dass demnächst großflächige Abschaltungen von Strom und/oder Heizung drohen. Da Medien und Politik Russland die Schuld für das hausgemachte Problem geben, steht zu vermuten, dass man über Abschaltungen von Strom und Heizung durchaus interessiert ist, um eine weitere anti-russische Medienkampagne fahren zu können.

Das russische Fernsehen hat in einem kurzen Artikel über den Füllstand der Gasspeicher berichtet und ich habe den russischen Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Europa hat 85 % des im Sommer gespeicherten Gases verbraucht

Gazprom hat mitgeteilt, dass bereits 84,7 Prozent des in der Sommersaison gespeicherten Gases aus den EU-Speichern entnommen worden sind.

Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe lag die Gasmenge in den europäischen unterirdischen Speichern am 3. Februar bei 36,7 Prozent. Am 10. Januar waren die EU-Speicher zu 50,88 Prozent gefüllt. Die Gasreserven in der EU liegen 27 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Reserven in Deutschland und Frankreich sind bereits zu zwei Dritteln verbraucht.

Am Ende der Heizperiode im April dieses Jahres lag der Anteil der europäischen Speicher auf einem Jahrestiefstand von 29,18 Prozent.

„Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet“, sagte Beate Baron, Sprecherin des deutschen Energieministeriums. „Die Speicherbestände sind niedriger als vor einem Jahr, aber wir beziehen das Gas nicht nur aus Speichern, sondern auch über langfristige Lieferverträge und Flüssigerdgas“, erklärte sie.

Ende der Übersetzung

Die Gründe für die Energiekrise in Europa

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier der Vollständigkeit halber nur noch einmal kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, waren es in diesem Jahr nur knapp 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristiger Verträge für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

Deutschland hat bereits zwei Drittel seiner Gasreserven verbraucht

 

Diskussionen

3 Gedanken zu “Deutschland hat bereits zwei Drittel seiner Gasreserven verbraucht

  1. Es gibt keine Energiekrise. Aber warum die Gasspeicher nicht nachgefüllt wurde, konnte vom Betreiber Astora nach wie vor nicht stichhaltig erklärt werden. Die BRD verfügt weltweit über die viertgrößten Speicherkapazitäten für Erdgas, vor allem in unterirdischen Speicheranlagen. Nach Angaben von INES gibt es in Deutschland 47 Untertagespeicher, die von rund 25 Firmen betrieben werden. Der Erdgasspeicher in Rehden im Landkreis Diepholz in Niedersachen ist Europas größter Erdgasspeicher und im Besitz von Astora.

    Der niedrige Füllstand ist bezeichnend für die derzeitige Weigerung mehr Gas zu liefern, obwohl dies problemlos möglich wäre. Das treibt die Preise kurzfristig hoch. Ausserdem wird absichtlich Gas zurückgehalten, um wegen der Nordstream 2 Druck aufzubauen während gleichzeitig durch die künstliche Verknappung die Preise hoch gehalten werden. Win-win Situation im Erpressungsmonopol.

    Die Alternative: Einfach auf Flüssiggas setzen, denn hier funktioniert die Versorgung unabhängig von den Erdgas-Pipelines.

    Dazu sagt Sebastian Bleschke: „Wir sollten stets das Gesamtbild vor Augen haben, denn die EU-Mitgliedsstaaten sind Dank des Baus verschiedener Gasleitungen in den vergangenen Jahren sehr gut miteinander vernetzt, und diese Pipeline-Infrastruktur erlaubt ein Zusammenspiel der einzelnen Märkte.“

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    Verfasst von der letzte Uigure | 12. Februar 2022, 12:43
  2. Heise Luft um für sich zu heizen!
    Denn eines ist sicher, Die werden im Winter
    nicht frieren, egal wie hoch auch die Energie Kosten sein mögen!!

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    Verfasst von wolfgang fubel | 8. Februar 2022, 16:52
  3. Zum Glück produzieren unsere Politiker mehr als genug heiße Luft, um zu heizen.

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    Verfasst von V wie Vendetta | 7. Februar 2022, 14:18

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