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Energie, Wirtschaft

Die Gasreserven in Europa sind unter 50 Prozent gefallen

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Am 12. Januar sind die Gasreserven in den europäischen Speichern unter 50 Prozent gefallen, vor einem Jahr lagen sie zu diesem Zeitpunkt noch bei 65 Prozent.

Die Gasreserven in Europa schrumpfen weiter, nun sind sie bereits unter 50 Prozent gefallen, was im Falle eines kalten Winters nicht ausreichen wird. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lagen die Reserven noch bei 65 Prozent, da der Winter jedoch kalt und lang war und teilweise bis Mai geheizt werden musste, wurde Gas schon damals knapp. Im Falle eines erneuten kalten und langen Winters wird das Gas nicht über den Winter reichen.

Die Meldung darüber habe ich auf der Seite des russischen Fernsehens gefunden und übersetze daher den Artikel des russischen Fernsehens.

Beginn der Übersetzung:

Europas Gasreserven liegen zum ersten Mal unter 50 Prozent

Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe haben die Entnahmen aus den unterirdischen Gasspeichern in Europa bereits die Hälfte der im letzten Jahr gepumpten Menge überschritten.

Am 10. Januar waren die Speicher in der EU im Durchschnitt zu 50,88 Prozent gefüllt, wobei in den letzten Tagen täglich 0,4-0,6 Prozent entnommen wurden. Ende des 12. Januar werden die Speicher nach vorläufigen Angaben zum ersten Mal zu weniger als der Hälfte gefüllt sein. Ein Jahr zuvor, am 12. Januar, waren die Speicher zu 65,19 Prozent gefüllt.

Bis zum 24. Dezember, dem Beginn der Weihnachtssaison, waren 43,1 Prozent des Gases aus den Speichern in Europa entnommen worden, die in dem Jahr hineingepumpt worden sind. Im Durchschnitt waren die europäischen Speiecher zu 56,7 Prozent gefüllt.

Die Lagerbestände schmelzen gleichzeitig mit einem Anstieg der Heiz- und Strompreise. Die Verbraucher in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU, und im Vereinigten Königreich sind mit am stärksten betroffen. Sie gehören zu den größten Verbrauchern von Gas und Strom.

Europa wird wegen des zurückkehrenden Frosts und der geringen Reserven in den unterirdischen Speichern in zwei Monaten ohne Gas dastehen, sagten von Bloomberg im Januar befragte Ökonomen und Händler voraus.

„Die Gasreserven in den europäischen Speichern sind in dieser Saison auf dem niedrigsten Stand seit vielen Jahren“, kommentierte Gazprom den Rückgang der EU-Reserven.

Europa verfügt noch über rund 54 Milliarden Kubikmeter Gas, 27 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Der Gasverbrauch steigt mit den kälteren Temperaturen und dem zunehmenden Verbrauch der Industrie. Am 21. Dezember erreichte der Erdgaspreis in Europa mit 2.200 Dollar pro tausend Kubikmeter ein neues Rekordhoch. Seit dem Jahreswechsel hat sich der Gaspreis zwischen 900 und 1.000 Dollar eingependelt.

Ende der Übersetzung

Die Gründe für die Energiekrise in Europa

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier der Vollständigkeit halber nur noch einmal kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, waren es in diesem Jahr nur knapp 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristiger Verträge für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

Die Gasreserven in Europa sind unter 50 Prozent gefallen

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