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Inland, Medien

Christoph Heusgen: So dreist lügen nur wenige

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Der Spiegel hat über Äußerungen des ehemaligen deutschen Chefdiplomaten bei der UNO berichtet und dabei so viele Lügen wie selten in einen Artikel gepackt. Die Lügen kamen von Christoph Heusgen, einem der radikalsten Falken der deutschen Politik.

Christoph Heusgen ist der Mann, dem Deutschland es zu verdanken hat, dass es von einem möglichen ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat nicht einmal mehr träumen braucht. Er war unter Merkel einige Jahre der Chef der deutschen UNO-Vertretung und hat sich dabei so viele Feinde gemacht, wie kaum jemand anders es je geschafft hat. Dabei war nicht einmal entscheidend, dass Deutschland in manchen Fragen eine andere Meinung hat als andere Staaten, das ist normal. Es war die respektlose Art von Heusgen, die ihm Feinde gemacht und Deutschlands Ruf in der Welt schwer beschädigt hat.

Als Heusgen die UNO verlassen hat, wurde ihm deutlich mit auf den Weg gegeben, was man dort über ihn denkt. Mir ist nicht bekannt, dass dort schon mal ein Diplomat mit derartigen Äußerungen verabschiedet worden wäre. Für Chinesen ist Höflichkeit aufgrund ihrer Kultur sehr wichtig und für Chinesen ist es wichtig, dass auch Gegner ihr Gesicht wahren können. Daher ist es ein einmaliger Vorgang, dass Heusgen vom chinesischen UNO-Botschafter mit folgenden Worten verabschiedet wurde:

„Gut, dass wir Sie los sind“

Der russische UNO-Botschafter war etwas höflicher, er sagte bei der Gelegenheit zu Heusgen:

„Wie schade, dass Sie endlich gehen“

Über Heusgens „Heldentaten“ bei der UNO habe ich berichtet, Artikel mit Details finden Sie hier und hier.

Heusgen wird nun wohl Chef der Münchner Sicherheitskonferenz und er hat dem Redaktionsnetzwerk Deutschland ein Interview gegeben, über das der Spiegel berichtet hat. Das schauen wir uns nun an.

Putin und die „Wiederherstellung eines russischen Reiches“

Der Spiegel-Artikel trägt die Überschrift „Ehemaliger Uno-Botschafter Heusgen – Putin strebt »Wiederherstellung eines russischen Reiches an«“ und schon im ersten Absatz erfährt der Spiegel-Leser:

„Der designierte neue Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, bescheinigt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin »Expansionsgelüste« und rät dem Westen zu einer harten Haltung im Ukrainekonflikt. Putin sehe die USA und Europa durch die Regierungswechsel und wegen des unrühmlichen Endes des Afghanistaneinsatzes als geschwächt an und suche nach einem Anlass, in die Ukraine einzumarschieren“

Die Legende von dem bevorstehenden russischen Einmarsch in die Ukraine hält sich hartnäckig. Medien und Politik im Westen melden das seit 2014 und sie melden ebenfalls seit 2014, dass Russland zu diesem Zweck 100.000 Soldaten an der ukrainischen Grenze zusammengezogen habe. Das ist seit 2014 Unsinn und weil das ständig gemeldet wird, müsste man ironisch melden: „Russland erhöht seine Truppenstärke an der ukrainischen Grenze von 100.000 auf 100.000 Soldaten.“ Ich glaube nicht, dass irgendjemand zählen kann, wie oft der bevorstehende russische Angriff auf die Ukraine schon gemeldet wurde und oft wurde sogar ein konkretes Datum genannt, CNN hat den russischen Angriff Mitte Dezember für den 25. Dezember angekündigt.

Die Konsumenten der „Qualitätsmedien“, die so etwas lesen, ohne ihr Abo zu kündigen, erinnern mich an die Zeugen Jehovas, die es auch nicht misstrauisch macht, dass der mehrmals prophezeite Weltuntergang nie eingetreten ist. So scheinen auch die Konsumenten der „Qualitätsmedien“ sich nicht zu fragen, warum der russische Angriff auf die Ukraine, der seit 2014 ständig angekündigt wird, nie erfolgt ist. Könnte es vielleicht daran liegen, dass Russland die Ukraine gar nicht angreifen will?

Russlands „Expansionsgelüste“

Heusgen hat auch schon die Maßnahmen genannt, die der Westen ergreifen müsse, wenn Russland endlich mal die Ukraine angreift. Der Spiegel schreibt:

„In diesem Fall müssten Sanktionen auch die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland umfassen sowie den Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem Swift, sagte Heusgen. »Eine weiche Reaktion würde Putin als Schwäche interpretieren und seine Expansionsgelüste nur stimulieren.«“

Ich frage mich immer, mit welchem Körperteil Europäer und vor allem Deutsche denken, wenn sie den Ausschluss Russland aus dem Zahlungssystem Swift fordern. Das würde bedeuten, dass in Europa augenblicklich die Lichter ausgehen, denn wenn Europa eine Gasrechnung nicht bezahlt, fehlt in Europa der Strom. Anscheinend denken Leute wie Heusgen nicht so einmal weit, wie eine fette Sau springen kann.

Und von welchen „Expansionsgelüsten“ redet der Mann? Russland hat alles, was es braucht. Im Gegensatz zum Westen musste Russland nie Kriege um Rohstoffe führen, der Westen tut das hingegen bis heute. Wer hat also Expansionsgelüste?

Natürlich darf Stalin nicht fehlen

Für anti-russische Propagandisten wie Heusgen ist es natürlich hilfreich, dass in Deutschland kaum jemand Russisch versteht. Daher können die wirklich jeden Unsinn erzählen und viele Menschen glauben das sogar. Der Spiegel schreibt:

„Heusgen, langjähriger außen- und sicherheitspolitischer Berater Angela Merkels, sagte weiter: »Putin lebt in seiner eigenen, nostalgischen Welt, in der internationales Recht kein Maßstab ist.« Er verkläre die Sowjetunion und sogar das Stalin-Regime. »Er strebt eine Wiederherstellung eines russischen Reiches an, das an die Sowjetunion erinnert.«“

Das internationale Recht ist für Putin kein Maßstab? An solchen Aussagen sieht man, wie Heusgen es geschafft hat, sich in der UNO so unbeliebt zu machen. Es ist Russland, das laufend auf die Einhaltung des Völkerrechts pocht, gegen das der Westen in einer Tour verstößt. Dem Westen ist das Völkerrecht lästig geworden, weil seine einseitigen Sanktionen gegen alle Staaten, die eine andere Meinung haben, gegen das Völkerrecht verstoßen. Von den Kriegen, die der Westen in den letzten 20 Jahren geführt hat und von denen keiner völkerrechtskonform war, ganz zu schweigen.

Das ist ja der Grund, warum im Westen schon kaum noch ein Politiker über das Völkerrecht spricht, der Westen redet inzwischen von der „regelbasierten Weltordnung“ in der der Westen die Regeln nach Belieben vorgeben und jederzeit ändern kann. Ich will das hier nicht ausführen, das würde zu weit führen, aber ich habe darüber sehr ausführlich geschrieben, den Artikel finden Sie hier.

Und dass Putin das Stalin-Regime verehrt, ist kompletter Blödsinn. Und das weiß Heusgen sicher auch, denn Putin hat oft über Stalins Verbrechen gesprochen und in Russland wurden viele Gedenkstätten für die Opfer Stalins eingerichtet.

Gleiches gilt für die Behauptung, dass Putin wieder eine Sowjetunion errichten möchte. Davon kann keine Rede sein und es gibt keinen Politiker in Russland, der so etwas fordert. Bedauern über den Zerfall der Sowjetunion gibt es in Russland, aber keine Bestrebungen, sie wiederherzustellen. Völker unter russische Herrschaft zu zwingen, die da nicht hinwollen, würde Russland nur zusätzliche Probleme bereiten, die es nicht braucht.

Da Russland mehr Rohstoffe hat als es braucht, würde ich Leute wie Heusgen, die diesen Unsinn in die Welt setzen, gerne mal fragen, wie sie darauf kommen, dass Russland – und explizit Putin – expandieren will. Für eine Expansion braucht man Gründe, wie wir an den Kriegen des Westens sehen. Die werden um Rohstoffe geführt. Aber welchen Grund sollte Russland haben, irgendwohin zu expandieren?

Die Lüge über die NATO-Osterweiterung

Eine besonders beliebte Lüge im Westen betrifft die Versprechen, die die USA Gorbatschow im Gegenzug zur Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung gegeben haben. Die Dokumente aus jener Zeit sind auch in den USA längst öffentlich und daraus geht eindeutig hervor, dass Mitglieder der damaligen US-Regierung Gorbatschow versprochen haben, die NATO würde sich „keinen Zoll nach Osten ausdehnen.“ Gorbatschow war nur zu naiv und hat den Versprechungen geglaubt, anstatt das zum Beispiel im Zwei-Plus-Vier-Vertrag festzuschreiben.

Heusgen weiß das natürlich alles, aber der Spiegel schreibt über Heusgens Äußerungen:

„Putins Behauptung, die Nato habe versprochen, sich nach dem Zerfall des Warschauer Paktes nicht nach Osten auszudehnen, sei »reine Propaganda« und entbehre jeder Grundlage. »Putin weiß das alles genau.«“

Bei so offenen und leicht überprüfbaren Lügen, wie Heusgen sie absondert, dürfen wir gespannt sein, wie sich die Münchner Sicherheitskonferenz entwickelt, wenn er wirklich ihr Chef wird. Das ist ohnehin eine stramm transatlantische Vereinigung, bei der sich die Falken treffen, aber unter einem Herrn Heusgen dürfte die Radikalität dort sogar noch zunehmen.

Man fragt sich wirklich, warum Europäer so offen auf eine aggressive, auf Lügen basierende anti-russische Politik setzen. Haben die aus der Geschichte nichts gelernt?

Christoph Heusgen: So dreist lügen nur wenige

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Christoph Heusgen: So dreist lügen nur wenige

  1. Die Satireshow ‚Es war einmal in Russland‘ von TNT wurde abgesetzt. Die Moderatorin Olga Skabeeva, Segodnya Dimitry Kiselyov vom Wahrheitsministerium Rossiya und Moderator Vladimir Solovyov wurden parodiert. Tja, die hätten sich mal besser über Biden, Greta Thunberg oder Nawalny amüsieren sollen…

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    Verfasst von Manizah | 5. Januar 2022, 22:53

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