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Inland, Medien

Verkehrte Welt? Ärzte ohne Grenzen loben die Taliban und kritisieren die USA

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Die Ärzte ohne Grenzen haben die Taliban dafür gelobt, dass sie seit Jahren alle humanitären Vereinbarungen einhalten, und die USA dafür kritisiert, dass sie die Aufklärung von Kriegsverbrechen verhindern.

Ich habe fast drei Wochen gewartet, um zu sehen, ob die deutschen Medien diese Meldungen aufnehmen, die bereits vor Weihnachten bekannt geworden sind. Aber die Meldungen der Ärzte ohne Grenzen stehen in einem so starken Kontrast zur Linie des Westens, dass sie – wie erwartet – in Deutschland weitgehend verschwiegen werden.

Pentagon nimmt bewusst zivile Opfer in Kauf

Am 18. Dezember hat die New York Times gemeldet, dass das Pentagon bei seinem Drohnenkrieg bewusst zivile Opfer in Kauf nimmt, die Zahl der zivilen Opfer der US-Angriffe nach unten manipuliert und auch keinerlei Interesse an der Aufklärung solcher Vorfälle hat und die Schuldigen erst recht nicht bestraft. Einen Tag später hat auch der Spiegel darüber berichtet, aber ihm war dabei sichtlich unwohl, wie schon die Überschrift gezeigt hat: „»NYT«-Auswertung von Regierungsdokumenten – USA nahmen offenbar systematisch zivile Opfer bei Drohnenkrieg in Kauf

Kritik an den USA kommt dem Spiegel nur schwer über die Lippen, sogar dann, wenn die USA bewusst Zivilisten ermorden, daher musste in die Überschrift des pflichtschuldigen Spiegel-Artikels zumindest das Wort „offenbar“ eingebaut werden. Das soll dem Leser suggerieren, dass das vielleicht alles gar nicht stimmt. Die Überschrift des Spiegel-Artikels hätte ja auch „New York Times: US-Streitkräfte spielen die Zahl der Opfer ihrer Luftangriffen in Syrien, Irak und Afghanistan herunter“ lauten können.

Diese Zurückhaltung gegenüber den USA hat beim Spiegel und anderen deutschen „Qualitätsmedien“ System. Die Kriegsverbrechen der USA werden am liebsten verschwiegen, und wenn das nicht geht, dann formuliert man es zumindest so harmlos wie möglich. Anders ist es natürlich, wenn Russland oder Syrien vorgeworfen wird, Zivilisten getötet zu haben. In solchen Fällen fehlen verharmlosende Formulierungen wie das Wort „offenbar„. In solchen Fällen ist sofort von „Beweisen“ gegen Russland die Rede, wie ich schon oft aufgezeigt habe.

Der Spiegel-Artikel

Der Spiegel-Artikel nennt dann Beispiele für die Kriegsverbrechen des Pentagon und für den Leser klingt der Artikel sogar kritisch, denn auch wenn der Spiegel sich jeder emotional eingefärbten Kritik an den USA enthält, ist schon die bloße Auflistung der Beispiele ziemlich schockierend. Allerdings ist der Spiegel-Artikel wesentlich harmloser gehalten, als er sein könnte, denn die schockierendsten Beispiele für Kriegsverbrechen der USA werden nicht genannt, bei dem Artikel handelt es sich Verharmlosen durch Weglassen.

Und hier kommt die Meldung der Ärzte ohne Grenzen über die Taliban ins Spiel, die einige Tage vor dem Artikel der New York Times über Nachrichtenagenturen gekommen ist. Chistopher Stokes, der Chef der belgischen Sektion der Ärzte ohne Grenzen, hat der russischen Nachrichtenagentur TASS ein Interview gegeben, das westliche Nachrichtenagenturen und Medien geflissentlich übersehen haben, obwohl es zu den Meldungen der New York Times passt.

USA verhindern Aufklärung von Krankenhaus-Bombardierung

2015 haben die USA ein von den Ärzten ohne Grenzen betriebene Krankenhaus in Kunduz bombardiert und dabei 42 Patienten und Ärzte getötet. In dem Interview hat Stokes sich unter anderem darüber beschwert, dass die USA den Ärzten ohne Grenzen bis heute nicht alle Informationen über die Bombardierung des Krankenhauses der Ärzte ohne Grenzen in Kunduz übergeben haben. Die TASS schreibt:

„“Wir haben immer Zugang zu allen Dokumenten im Zusammenhang mit dem Angriff in Kunduz gefordert, aber wir haben ihn nur teilweise bekommen“, sagte er. Laut Stokes „gibt es immer noch Zweifel, weil die USA nie vollständige Informationen über die Geschehnisse geliefert haben.“

Die USA haben, weil der Fall seinerzeit weltweit Schlagzeilen gemacht hat, Aufklärung und Bestrafung der Verantwortlichen versprochen. Aber es lief ab wie immer in solchen Fällen: Die Medien haben die Sache schnell wieder vergessen und die USA haben niemanden ernsthaft bestraft. 2016 haben die USA lediglich Disziplinarmaßnahmen gegen 16 Soldaten verhängt – ein Offizier wurde suspendiert und aus Afghanistan abgezogen, die anderen wurden zu irgendwelchen Schulungen geschickt. So ist die Ermordung von 42 Ärzten und Patienten in dem Krankenhaus ungestraft geblieben.

Der Fall zeigt eindrücklich, wie das Pentagon vorgeht, aber im Zusammenhang mit dem Artikel der New York Times hat der Spiegel daran nicht erinnert, denn dieser und andere Fälle zeigen auf, dass diese Art der Vertuschung beim Pentagon nicht „offenbar“ vorkommt, sondern System hat. Und auch über die Aussagen von Stokes fand sich im Spiegel kein Wort.

Die Taliban halten humanitäre Vereinbarungen ein

In dem Interview sagte Stokes auch, dass die Ärzte ohne Grenzen mit den Taliban humanitäre Vereinbarungen getroffen haben, die die Taliban seit Jahren einhalten. Die TASS schreibt darüber:

„“Nach der Zerstörung unseres Krankenhauses in Kunduz durch die US-Luftwaffe haben wir eine Reihe von Vereinbarungen getroffen, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. In der Folge wurde eine Reihe von humanitären Dokumenten und Grundsätzen erstellt und von den Taliban, den USA und der afghanischen Regierung unterzeichnet, um unsere Krankenhäuser, Krankenwagen und Mitarbeiter zu schützen“, sagte er.
Laut Stokes „sind diese Vereinbarungen weiterhin gültig und werden von den Taliban respektiert“. „Es hat nicht einen einzigen Angriff der Taliban auf Ärzte ohne Grenzen gegeben“, fügte er hinzu. Der Sprecher der Organisation stellte fest, dass „der Dialog mit den Taliban sich als konstruktiv erwiesen hat und bis heute andauert“.

Da die Ärzte ohne Grenzen in Kriegsgebieten aktiv sind, hat Stokes das Verhalten der Taliban mit anderen Gruppen verglichen und zum Beispiel gesagt, dass der IS sich – im Gegensatz zu den Taliban – nicht immer an solche Vereinbarungen hält und dass die Arbeit mit anderen Gruppen nicht so konstruktiv ist, wie mit den Taliban.

Die Taliban und die medizinische Versorgung

Laut Stokes ist den Taliban die medizinische Versorgung in Afghanistan sehr wichtig. Die TASS schreibt:

„“Wir haben das Glück, dass wir im Gesundheitssektor tätig sind und nicht im Bildungswesen oder in einem anderen Bereich. Die Taliban erkennen die Wichtigkeit der Gesundheitsversorgung an“, sagte er. Stokes fügte hinzu, dass „die Taliban sowohl Ärztinnen aus Frankreich oder Japan als auch Mädchen aus Afghanistan erlauben, in Krankenhäusern zu arbeiten.“
Er wies darauf hin, dass „die einzige [neue] Forderung der Taliban darin besteht, die Aktivitäten von [Ärzte ohne Grenzen] in Afghanistan auszuweiten und den Menschen mehr zu helfen“. „Wir sind uns einig, dass die Not groß ist und dass es ein sehr beunruhigender Winter ist, aber um unsere Arbeit auszuweiten, müssen wir Schlüsselprobleme lösen: Aufhebung der Sanktionen, Einfuhr von Medikamenten, Aufhebung der Bankbeschränkungen“, betonte der Sprecher der Organisation.“

In dem Interview hat Stokes mehrmals auf die US-Sanktionen hingewiesen, die die größte Behinderung für die Versorgung der Zivilbevölkerung in Afghanistan darstellen. Aber daran, dass die USA afghanische Gelder eingefroren haben, die nötig wären, um die Zivilbevölkerung in Afghanistan mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen, haben die westlichen Medien nichts zu kritisieren. Die US-Sanktionen verursachen Leid und auch Todesopfer, aber niemand im angeblich so sehr an Menschenrechten interessierten Westen fordert die Freigabe der afghanischen Gelder, um der Zivilbevölkerung zu helfen.

Die TASS schreibt dazu:

„Der Vertreter von Ärzte ohne Grenzen betonte jedoch, dass es neue Herausforderungen für die Arbeit der humanitären Organisationen gebe. „Die Probleme bestehen darin, dass die Kollegen in den afghanischen Krankenhäusern nicht bezahlt werden, dass es keine Medikamente gibt und dass es sehr schwierig ist, Geld nach Afghanistan zu schicken, weil das Land unter Sanktionen steht und die Banken keine Finanztransaktionen zulassen. Die wirtschaftliche Lage wirkt sich auf den humanitären Bereich aus“, sagte er.“

Afghanistan ist sicherer als vor einem Jahr

In dem Interview kann noch mehr erfahren, was westlichen Medien kaum über die Lippen kommen würde, zum Beispiel, dass Afghanistan heute unter den Taliban sicherer ist, als zu Zeiten der Besetzung des Landes durch die NATO:

„Stokes meint, dass Afghanistan jetzt sicherer ist, aber die Krise und die Sanktionen erschweren die Situation. „Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich verbessert. Für uns, wie auch für viele Afghanen, ist es einfacher geworden, sich im Land zu bewegen“, sagte er. Dennoch, so Stokes, gebe es nach wie vor Anschläge von Gruppen wie dem Islamischen Staat. „Aber wenn wir es mit der Situation vor einem Jahr vergleichen, hat sich die Lage verbessert“, sagte er.“

Da all das nicht in Bild passt, dass die Menschen im Westen über die Welt haben sollen, werden solche Meldungen kurzerhand verschwiegen.

Verkehrte Welt? Ärzte ohne Grenzen loben die Taliban und kritisieren die USA

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