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Debatte, Gesellschaft

Frieren gegen den Klimawandel

von Rüdiger Rauls

Die nicht ganz ernst genommenen Demos der Kids von Fridays for Future haben sich zu einer ernsthaften Bedrohung für den Lebensstandard besonders der Geringverdiener ausgewachsen.

Die Klimapolitik, die nun den Lebensstandard der unteren Schichten bedroht, wäre ohne den politischen Druck der klimabewegten Oberschüler und ihrer erwachsenen Anhängern aus dem Mittelschichten-Milieu nicht vorstellbar gewesen. Nun ist der Mittelstand nicht gerade bekannt für umstürzlicherische Bewegungen. Protest, Revolte und Empörung – ja. Aber Umsturz? Nein, das ist aus dem Umfeld der Besserverdienenden nicht zu erwarten.

Warum aber, so stellt sich die Frage, konnte eine Oberschüler-Bewegung wie Fridays for Future solch einen großen Einfluss auf die Politik ausüben und deren Themen und Entscheidungen so nachhaltig zu beeinflussen? Wieso setzten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dieser relativ unbedeutenden Bewegung so wenig Widerstand entgegen? Ist das alleine mit dem Wirken des Kapitals zu erklären?

Die Kids von Fridays for Future, die weitgehend aus den oberen Schichten der Gesellschaft kommen, setzen nichts anderes um als das, was ihnen die herrschende Werteideologie über Jahrzehnte eingetrichtert und vorgelebt hatte. Sie setzen sich ein für Werte. Sie machen sich stark für das Gute schlechthin und dazu gehört ganz besonders der Kampf für die Umwelt und seit Greta Thunbergs Schulstreik besonders gegen den sogenannten Klimawandel. Was hätte die herrschende Wertepolitik ihnen entgegesetzen sollen? Schlagstöcke?

Wer hätte das verstanden? Diese Jugendlichen traten doch gerade für dieselben westlichen Werte ein, mit denen die offizielle deutsche und wertewestliche Politik sich so gerne von den Schurkenstaaten dieser Welt abgrenzte. Auch große Teile der ebenso denkenden Elternschaft standen doch sowohl hinter diesem Gedankengut und hinter ihren engagierten Sprösslingen. Schlagstöcke gegen die eigenen Kinder, die Missionare der eigenen WErtvorstellungen? Damit hätte man die eigenen Überzeugungen ab absurdem geführt. Damit hätte man sich doch die Häme all jener Schurkenstaaten zugezogen, von denen man sich bisher so gerne durch die sogenannten westlichen Werte abgegrenzt hatte.

Das waren doch keine antiautoritären Studenten, die gegen die Nazivergangenheit der herrschenden Politprominenz demonstiererten oder gegen die Massaker des Vietnamkriegs. Mit diesen langhaarigen Gammlern hatte man kurzen Prozess machen können. Schließlich waren die für die falschen Werte auf die Straße gegangen, für die der Kommunisten. Da konnte man schon mal die Gummiknüppel tanzen lassen.

Die Kids von FfF sind auch nicht die besorgten Bürger, die sich gegen Atomkraftwerke zur Wehr setzten, gegen langzeitstrahlende Endlager, gegen hochriskante Schnelle Brüter oder Wiederaufarbeitungsanlagen. Damals waren die vitale Interessen der Energiewirtschaft berührt. Sie hatten Aufschwung und Ausbau der deutschen Wirtschaft behindert. Fridays for Future ist auch nicht das wehrkraftzersetzende und pazifistische Volk, das gegen die Auftstellung von Mittelstreckenrakteten Menschenketten bildete und US-Basen blockierte.

Nein, die hier freitags demonstieren, treten für die richtigen Werte ein, die westlichen, die einzig gültigen und wahren. Hier demonstierten die Wertegetriebenen, die moralisch Empörten, die Missionare einer besseren Welt, das Fleisch von eigenen Fleische. Da geht die Saat der Empörung auf, die Empörten selbst ausgesät hatten. Die kann man nicht zusammenknüppeln.

Denen muss man nachgeben, weil man ihnen nichts entgegensetzen kann. Denn man hat selbst keine anderen Werte als diejenigen, die diese jungen Leute vertreten. Man kann auch nicht auf der Stelle neue Werte aus dem Hut zaubern, mit denen man diesen entgegentreten und sie unschädlich machen könnte. Und vor allem hat man nicht mehr das politische Personal, das den Sichtweisen der Protestierenden argumentativ und weltanschlaulich gewachsen wäre. Die herrschende Wertepolitik ist Opfer der eigenen Werteideologie geworden. Sie ist gefangen in den Werten, mit denen sie eigentlich die politischen Gegner hatte knebeln wollen.

Aber all das ist nicht entscheidend für den Erfolg von Fridays for Future und der Wertemissionare. Der Erfolg von FfF liegt nicht in ihrer Überzeugungskraft. Sie haben nicht die besseren Argumente, die höheren wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ihre Stärke kommt nicht aus irgendeiner Überlegenheit. Sie kommt aus ihrer Organisierung. FfF und deren Anhänger handeln organisiert.  Damit machen sie einem Staat Druck, der zerrissen ist durch die Interessen der verschiedenen gesellschaftlichen Interessen, und dadurch ist er handlungsunfähig.

Aber auch das wäre nicht ausschlaggebend für den Erfolg der Klimabewegten. Denn bei FfF und deren Anhänger handelt es sich um eine gesellschaftlich eigentlich nicht sehr bedeutende Kraft. Oberschüler, Studenten, Alternative und Intellektuelle  als wesentliche Träger dieser Bewegung haben für das Funktionieren der Gesellschaft keine allzu hohe Bedeutung.

Der eigentliche Vorteil von Fridays for Future ist die Schwäche der Gegner. Damit sind nicht Staat und Politik gemeint. Damit sind vielmehr diese gesellschaftlichen Gruppen gemeint, die in den öffentlichen Diskussionen sich kaum noch zu Wort melden, obwohl gerade diese unter den Maßnahmen der Klimapolitik besonders leiden.

Das sind nicht die großen Parolenschwinger und Theoretiker. Das sind die einfachen, proletarisch geprägten Leute, die jeden Tag zuverlässig und bescheiden ihre Arbeit machen und damit die Gesellschaft am Laufen halten. Das sind die Leute der Tat, die zupacken und ohne langwierige Diskussionen erledigen, was getan werden muss.

Das sind die Geringverdiener, denen jede Strom- und Heizkostenerhöhung Löcher ins Protemonnaie reißen. Das sind die Pendler, die bei jedem Euro mehr an der Zapfsäule überlegen müssen, wo sie den wieder einsparen können. Das sind die Leute, für die der Billigurlaub übers Jahr angespart werden muss und in einem arbeitsreichen Leben eine willkommene Abwechselung darstellt. Das sind die Menschen, die wenig beachtet werden und doch über eine gewaltige gesellschaftliche Kraft verfügen, wenn diese gebündelt wird.

Das sind die Leute, die wissen, dass diese Klimapolitik nicht in ihrem Interesse ist. Aber sie haben kein Sprachrohr, die ihrem Unmut eine Stimme gibt, und sie verfügen über keine Organisation, die ihren Protest bündeln und auf die Straße bringen könnte. Das sind die Leute, die ahnen oder wissen, dass das Klima-Idyll der Besserverdienenden auf ihre Kosten geht. Denn Strom- und Gaspreise explodieren und damit auch die Inflation. Und zusätzlich treibt der Anstieg der Kohlendioxid-Zertifikate die Preise, hat sich unter der Gier der Spekulanten  an der Börse zwischenzeitlich fast vervierfacht hatte.

Aber sie finden keinen Rückhalt und keine Orientierung bei denen, deren eigentliche Basis sie sein sollten, den Linken und solchen, die sich als Kommunisten bezeichnen. Deren Aufgabe wäre es, diese gesellschaftlich bedeutenden Menschen zu organisieren, um einer verfehlten Klima-Politik durch Dekarbonisierung entgegen zu treten. Die Gelbwesten haben Macron und seinen Plänen die Grenzen aufgezeigt. Es war der organisierte Protest der arbeitenden Menschen. Wer fasst den Ärger derer zusammen, die der Entwicklung im Moment noch hilflos gegenüber stehen? Wer organisiert jetzt den Protest gegen die viel weitergehenden Maßnahmen der aktuellen Klimapolitik?

 

Diskussionen

3 Gedanken zu “Frieren gegen den Klimawandel

  1. Das im Beitrag kritisch Beschriebene ergibt sich ganz simpel aus der Serie der UN-Agenden. Die 2010er gab denen aus dem Proletariat, die nicht zur „Arbeiteraristokratie“ (Lenin) bzw. nicht zu den Stammbelegschaften bei den Großen zählen, kräftig auf die Fresse. Damit sie die Schnauze halten, wenn es ihnen später, mit den folgenden UN-Agenden, zunehmend ans nackte Leben gehen würde. Was jetzt begonnen hat.

    So ist das eben mit Kapital und Lohnarbeit, wenn permanente fertigungstechnologische Innovation die Profitrate ruiniert. Der tendentielle Fall erwürgt zuerst das Kapital. Welches daraufhin das technologisch immer obsoleter bzw. „überflüssiger“ werdende Proletariat erwürgt — denn warum Menschen alimentieren, deren Arbeitskraft „technologisch obsolet“ geworden ist, nicht!?

    Ach ja, dasselbe gilt auch für die mittelständischen Angestellten und das kleine und mittlere Unternehmertum. Darum werden die gleich mitentsorgt. Schließlich entstammen deren Einkommen und Umsätze zu einem nicht geringen Teil aus dem (abnehmenden) industriell erzeugten Profit. Pech gehabt!

    Tja, politische Ökonomie müßte man können. Wußten Marx und Engels vor nun bald 200 Jahren schon. Alles nachzulesen in «Das Kapital».

    Nur wußten Marx und Engels noch nichts von der nach ihnen aufkommenden Technologie der multimedialen Indoktrination, auch Gehirnwäsche genannt. Welche nicht nur erklärt, warum das nichtaristokratische Proletariat still aufgeben mußte, sondern auch warum der Mittelstand sogar noch mit Hurra in den Schlachthof rennt. Ja, so blöd muß einer erstmal gemacht worden sein. Great Reset geht ganz einfach: Erst verblöden. Dann entsorgen. Und den Rest versklaven.

    Noch etwas wußten Marx und Engels. Daß das historisch unausweichliche Ende des Kapitals auch das historisch unausweichliche Ende der Lohnarbeit sein würde. Nix mehr dann mit Arbeiten für Geld bzw. mit Entlohnung nach Stückzahl pro Zeiteinheit — siehe Universelles Grundeinkommen, Bürgergeld usw.

    Es gibt dann genau zwei Möglichkeiten. Selbstorganisation und Assoziationen (Räte) in Freiheit, ohne Lohnarbeit und Elitenkommando. Oder Great Reset, mit Elitenkommando. Was nichts anderes ist als ein digitaler Staatssozialismus, also eine Plan- bzw. Zwangswirtschaft mit Arbeit auf Kommando. Nur, daß Politbüro und Plan von Künstlicher Intelligenz ersetzt werden. Ist technotronische Sklaverei.

    Sozialdemokraten und Staatssozialisten verstehen das alles nicht. Sie mögen Kommando. Sie mögen es, wenn alles seine Ordnung hat — und von oben nach unten geht. Ist Gewohnheitssache. Manche nennen es auch Gehirnwäsche. Oder einfach Dressur.

    Marx und Engels würden staunen. Denn auch wenn Kapital und Profitwirtschaft schon längst durch Sklavenwirtschaft ersetzt sein werden, wird Stückzahl pro Zeiteinheit (technotronisch) simuliert werden. Und falls alle diese Stricke reißen sollten, gibt es mindestens noch die Bewertung von Sozialverhalten, den «Social Score». Siehe Vorreiter China. Wer schön brav ist, darf mehr, und hat mehr in der Tasche.

    Ja, da geht Staatssozialisten und anderen Sozialdemokraten doch das Herze auf!

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    Verfasst von No_NWO | 27. Dezember 2021, 19:35
    • Ergänzend: Marx/Engelsche politische Ökonomie, bzw. richtige bzw. nichtmetaphysische politische Ökonomie geht so ==>

      Profit = Warenverkaufserlös minus Kapitaleinsatz.

      Kapitaleinsatz gleich alle Fertigungskosten plus alle Transportkosten zum Endverbraucher hin — hier eingeschlossen ausschließlich das Zahlgeld für Löhne für an Warenfertigung und -transport beteiligte unmittelbar händische Arbeit.

      Zu beachten: In Maschinen- und Materialkosten steckt allein der Wert händischer Arbeit, welche in Maschinen und Material quasi „gefroren“ vorliegend ist. Es entspricht so nun der Einsatz von Kapital für die Maschinen und für das Material allemal dem Wert HÄNDISCHER ARBEIT. Und zwar sogenannt „toter“ händischer Arbeit. (Weil gefroren = „tot“)

      Erläuterung: Wobei der Lohn ja eben nur einen Teil des Werts der lebendigen händischen Arbeit entgilt. Lohn = Wert der händischen Arbeit minus Mehrwert. Die geldliche Form des Mehrwerts ist der Profit. So nun: Lohn plus Profit = Warenverkaufserlös

      Merke: ALLE Kosten eines Warenproduzenten, die nicht vom hier oben definierten Kapitaleinsatz gedeckt sind, sind dem Profit zu entnehmen — also alles Geld für Steuern, Versicherungen, Verwaltung, Vertrieb, Lager, technisches Büro UND für die hochheilige Kapitalrendite.

      ••••••••

      So denn fortgesetzte fertigungstechnologische Innovation den Einsatz händischer Arbeit immer weiter verringert, verringern sich die (inflationsbereinigten) Verkaufserlöse auch immer weiter. Ergibt sich von selbst, wenn Waren immer billiger herzustellen sind. Mit sinkenden Verkaufserlösen sinkt nun aber auch der Profit. Eben diesen Zusammenhang erfaßt der Begriff „tendentieller Fall der Profitrate“.

      Oder sagen wir es so: Kapitalismus ist eine Fehlkonstruktion. Was mit seiner Lebensdauer immer sichtbarer wird. Imperialismus ist, wenn das Kapital zu einem blutsaugenden Vampir geworden ist.

      Imperialismus begann etwa um 1900. Laut Lenin ist er die „höchste Phase des Kapitalismus“, also von freier Lohnarbeit und industriellem Kapital.

      Danach kommt wer? Danach kommt der Klausi-Mausi Schwab und sagt: „Sie werden nichts mehr besitzen, und Sie werden glücklich sein.“ Klausi lügt. Denn wir werden in seinem technotronischen Sklavenparadies mindestens eines noch besitzen: das nackte Leben. Solange wir brav sind und auf Kommando…

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      Verfasst von No_NWO | 28. Dezember 2021, 12:18
  2. Mich erinnert die Greta an so ein BDM Jungmädel. Politische Aktionen mit organisiertem Schulschwänzen ist ja auch von denen übernommen.

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    Verfasst von zivilistin | 27. Dezember 2021, 18:56

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