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Asien, Ausland

Der geplante Russland-Indien-China-Gipfel könnte der bisher wichtigste sein

von Andrew Korybko – https://oneworld.press

Übersetzung LZ

Präsident Putin sollte vorrangig dafür sorgen, dass vier Bereiche strategischer Konvergenz auf die Tagesordnung des geplanten Treffens zwischen den Staatschefs Russlands, Indiens und Chinas gesetzt werden.

Wie der russische Präsidentenberater Juri Uschakow am vergangenen Mittwoch mitteilte, hat der russische Staatschef während seiner letzten Videokonferenz mit Präsident Xi die Möglichkeit eines bevorstehenden Gipfeltreffens der Staatschefs zwischen ihm, seinem chinesischen Amtskollegen und dem indischen Premierminister Modi erörtert. Sollte dieses Treffen zustande kommen, wäre es aufgrund des globalen geostrategischen Kontextes das bisher wichtigste. Das russisch-indisch-chinesische Format (RIC) ist das Kernstück der multipolaren BRICS- und SCO-Rahmenprogramme, an denen alle drei Länder teilnehmen. Es ist auch die wichtigste Stabilitätsachse in Eurasien.

Auf der jüngsten Reise von Präsident Putin nach Indien sind diese beiden Großmächte de facto ein hemisphärenweites „Ausgleichsbündnis“ eingegangen, das darauf abzielt, das Potenzial für die gemeinsame Führung einer neuen Bewegung der Blockfreien Staaten (Neo-NAM“) auszuloten, die zur Entstehung eines dritten Einflusspols in der heutigen, zunehmend bimultipolaren Weltordnung führen könnte. Gleichzeitig verstärkt Russland seine große strategische Zusammenarbeit mit China und verhandelt mit den USA über einen so genannten „Nichtangriffspakt“. Das Endergebnis dieser drei großen Schritte ist, dass sich das Gleichgewicht der Interessen und der Macht in Eurasien verschiebt.

Die „18-monatige Abfolge von Komplikationen in den indisch-amerikanischen Beziehungen“, die durch die einseitigen Versuche der USA ausgelöst wurde, ihren neuen militärisch-strategischen Partner zu ihrem neuesten Vasallenstaat zu machen, hat das südasiatische Land unwissentlich dazu veranlasst, seine Blockadepolitik gegenüber Russland neu zu justieren. Das wiederum schafft die strukturellen Voraussetzungen dafür, dass der Kreml die chinesisch-indische Rivalität, die der schwindende unipolare Hegemon bisher aktiv ausgenutzt hat, um Eurasien zu spalten und zu beherrschen, verantwortungsvoll regulieren kann.

Das Endergebnis ist, dass Russland und Indien nicht nur ihre komplementären superkontinentalen „Balanceakte“ neu ausgerichtet haben, sondern dass auch die Möglichkeit besteht, die chinesisch-indischen Spannungen in Zukunft drastisch zu reduzieren, um die multilaterale Zusammenarbeit zwischen allen drei Großmächten zu verbessern. Das wäre für alle Beteiligten von Vorteil, erfordert aber noch viel diplomatische Arbeit. Deshalb ist es wichtig, dass Russland durch die persönliche Diplomatie von Präsident Putin mit den Führern Chinas und Indiens die Führung übernimmt, um dies zu erreichen.

Es hat sich ein unerwartetes Zeitfenster geöffnet, um die zahlreichen Streitigkeiten zwischen den beiden asiatischen Großmächten durch eine Reihe pragmatischer, möglicherweise von Russland vermittelter Kompromisse zumindest auf unbestimmte Zeit einzufrieren, wenn nicht gar schrittweise zu lösen. Zu diesem Zweck kann Russland auch vier geografische Gebiete vorschlagen, in denen sie wirtschaftlich zusammenarbeiten könnten, um das Vertrauen zu schaffen, das für ein solches Ergebnis erforderlich ist. Dabei handelt es sich um den russischen Fernen Osten, Afghanistan, Syrien und Äthiopien, die alle von einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Großmächten enorm profitieren würden.

Das erstgenannte Gebiet ist das einzig friedliche unter diesen vier, benötigt aber dringend ausländische Direktinvestitionen, um es zu einem wettbewerbsfähigen Standort im asiatisch-pazifischen Raum zu machen. Das benachbarte China hat dort bereits die Initiative ergriffen, und zwar aus offensichtlichen geografischen Gründen, die mit geringeren Transportkosten und damit vergleichsweise höheren Investitionsrenditen zusammenhängen, während Indien dieser russischen Region im September 2019 während der Teilnahme von Premierminister Modi am Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok als Ehrengast von Präsident Putin in diesem Jahr eine beispiellose Kreditlinie in Höhe von 1 Mrd. USD gewährte.

Diese drei Großmächte haben bisher noch nicht trilateral bei einem bedeutenden Investitionsvorhaben zusammengearbeitet. Daher müssen sie unbedingt die Tragfähigkeit dieses Konzepts unter Beweis stellen und reibungslose Arbeitsbeziehungen zwischen den einzelnen Investoren herstellen, um das Interesse von Drittländern zu wecken. Nur wenn dies gelingt, können sie diesen trilateralen Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf die drei genannten kriegsgeschüttelten Staaten ausweiten, die ihre Hilfe dringend benötigen. Deshalb kann man sagen, dass der Ferne Osten Russlands zum Kern des wirtschaftlichen Schwerpunkts der RIC werden sollte.

Keines dieser Länder erkennt die de facto von den Taliban geführte Regierung Afghanistans formell an (die Moskau offiziell immer noch als Terroristen bezeichnet, obwohl es im Interesse von Frieden, Sicherheit und Entwicklung pragmatisch mit ihr zusammenarbeitet), aber sie haben alle ein Interesse daran, die drohende humanitäre Krise abzuwenden. Bisher haben sie diese gemeinsamen Interessen auf bilaterale Weise durch ihre eigenen Hilfslieferungen an Afghanistan gefördert, aber sie wären viel effektiver, wenn sie ihre Anstrengungen bündeln und auch die Einrichtung eines trilateralen Investitionsfonds für den Wiederaufbau des Landes in Betracht ziehen würden.

Dasselbe Modell kann auch auf Syrien angewandt werden, das zwar weniger dringend auf diese Hilfe angewiesen ist, sie aber dennoch benötigt, um zum wirtschaftlichen Status quo der Vorkriegszeit zurückzukehren. Das Werben von Damaskus um Abu Dhabi in den letzten Jahren hat die Chance eröffnet, in Zukunft Investitionen aus den Golfstaaten zu erhalten, aber die VAE würden sich wahrscheinlich wohler fühlen, wenn sie den einseitigen sekundären Sanktionsdrohungen der USA, die darauf abzielen, sie abzuschrecken, trotzen könnten, wenn die RIC auch in diesem Land in größerem Umfang tätig würde. Diese drei Großmächte, die VAE und Syrien könnten sogar alternative Finanzmechanismen schaffen, um die Sanktionen zu umgehen.

Was Äthiopien anbelangt, so ist nur der nördliche Teil des Landes in den letzten 13 Monaten direkt vom hybriden Krieg des Westens unter Führung der USA betroffen gewesen, doch droht diesem Staat am Horn von Afrika ernsthafter wirtschaftlicher und finanzieller Druck, wenn er den Krieg gewinnt, wie die jüngsten amerikanischen Schritte in diese Richtung andeuten. Erwähnenswert ist auch, dass es das zweitbevölkerungsreichste Land Afrikas ist, vor COVID-19 die höchsten Wachstumsraten des Kontinents aufwies, historisch gesehen ein antiimperialistischer und panafrikanischer Führer ist und die Afrikanische Union beherbergt, was es zu einem äußerst strategischen Partner für RIC macht.

In Anbetracht dieser vier Bereiche strategischer Konvergenz zwischen den RIC-Ländern sollte Präsident Putin vorrangig dafür sorgen, dass sie alle auf die Tagesordnung des vorgeschlagenen Treffens der drei Staatschefs im nächsten Jahr gesetzt werden. Russland, Indien und China können Afro-Eurasien erheblich stabilisieren, wenn sie in diesen Bereichen enger zusammenarbeiten. Dadurch kann auch das Vertrauen zwischen den beiden asiatischen Großmächten dieser Dreierachse gestärkt werden, um die Chancen zu verbessern, dass sie ihre zahlreichen Streitigkeiten politisch lösen. Aus diesen Gründen könnte der vorgeschlagene RIC-Gipfel der bisher wichtigste sein.

https://oneworld.press/?module=articles&action=view&id=2362

 

Diskussionen

2 Gedanken zu “Der geplante Russland-Indien-China-Gipfel könnte der bisher wichtigste sein

  1. OK, unter den Großmächten sind diese drei entschieden die friedlicheren und wenn sie nach bewährtem Rezept: kapitalistischer Produktion, Wohlstand ihrer Bürger mehren, ist das sehr zu begrüßen und wenn sie nicht Wohlstand in diesen drei Ländern und auch nicht anderswo durch Krieg vernichten und vielleicht sogar verhindern, daß andere Großmächte in diesen drei Ländern und anderswo Wohlstand durch Krieg vernichten, so ist das sehr zu begrüßen !

    Aber was nützt uns Westeuropäern das ? Im Moment erleben wir doch, daß die Davoser Oligarchenbande auf uns stürzt, weil es woanders nichts mehr zu holen gibt, sei es, daß nichts da ist, sei es, daß sie nicht rankommen (China sei kein freies Land, wie sie es nennen)

    Und in so fern ist auch grundsätzlich die Denke des Artikels zu kritisieren, das BIP: im 19.Jh meinte man für alles und jedes die Gesetze finden zu können und mit ihrer Anwendung die Zukunft kontrollieren zu können, Marx war da keine Ausnahme. Da der Kapitalismus (im politischen Westen) ja tatsächlich die Armut minderte durch Warenproduktion, wollte man auch die Mehrung des Volksvermögens berechnen, das erwies sich aber bis heute als unmöglich, da der Wert der Produktion mehr oder weniger schnell abnimmt. Was blieb, ist das BIP, der Wert der jährlich hinzukommenden Waren und Dienstleistungen zu Marktpreisen. Der z.B. für’s Gas gezahlte Preis sagt aber nichts darüber aus, ob es genug oder zu wenig war, ob es 300 oder über 2000 kostete. Mit dem Volkswohlstand hat das BIP also eigentlich nichts mehr zu tun, trotzdem, oder richtiger: deswegen ist es heute heilig, denn es mißt die Chance der Kapitaleigner (Davoser Oligarchenbande) ihr überflüssiges Geld zu mehren Und sie tun das immer aggressiver im politischen Westen, denn die berüchtigten Derivate blasen ja nicht nur die Geldmenge unkontrolliert auf, sondern es sind verbriefte Renditeforderungen!

    Und darum müssen Staaten mit mehr oder weniger blödsinnigen Maßnahmen das BIP steigern, um ‚ausländische Direktinvestitionen zu erhalten‘, um ‚international konkurrenzfähig‘ zu werden etc. pp.

    Und für den politischen Westen, wo der Wohlstand durch Produktion nicht mehr zu steigern ist und deshalb durch Alarmismen, wie Staatsterror, Klimafake, Plandemie, Krieg und Kriegshetze Konsum erzwungen wird, ist solche Denke längst Teil des Problems !

    Nachtrag:
    Larry Romanoff schreibt über ein businessmodell, you even never heard of. Er irrt, im Ökonomiestudium habe ich auch nie davon gehört, aber bei meinen Studien zur Geschichte der Arbeit und Industriearchäologie. Es gab solche Zusammenschlüsse kleiner Familienbetriebe, die gemeinsam ihre Produkte selbst vermarktet haben, Textil, Uhren, Glas, you name it. Aber sie sind kaputt gegangen durch massiven Kapitalinput und zwar in den Händen der Händler. Und zwar durch das Gold aus Südamerika und dann durch die Ausplündrung Indiens und Chinas. Nur wenn das Kapital in den Händen der Produzenten harmonisch wächst, also u.a. langsam, kann die Produktion demokratisch bleiben. Die erste Bedingung dafür ist Frieden, sicherer Frieden, aber eben nur eine.

    Konkret: Für Syrien ist es besser, wenn die Produzenten von Holzschiffen Anschluß an den Westeuropäischen Markt finden, als daß die Ölscheichs investieren, Ob Manufaktum noch oder wieder Seife aus Aleppo verkauft, entzieht sich meiner Kenntnis. Die größten Windräder der arabischen Welt produziert ein syrisches Unternehmen aus eigener Kraft. In der EU gibt es im Grunde nur gepanschtes Olivenöl, es gibt keinen Kontrollmechanismus, darum habe ich die Russen fast beneidet, als die erste Lieferung Syrischen Olivenöls nach Russland ging, ich gehe davon aus, das Syrien gar nicht die Technik zum Panschen hat, wenn Syrien die Qualität des Öls dokumentieren könnte, würden es Westeuropäer mit Handkuss abnehmen.

    https://www.bluemoonofshanghai.com/politics/3678/
    http://sana.sy/en/?p=246238
    https://wdrvm.co/
    http://sana.sy/en/?p=245429

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    Verfasst von zivilistin | 25. Dezember 2021, 12:07

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