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Inland, Medien

Der Spiegel und seine Lügen über Gaslieferungen aus Russland

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Der Spiegel hat gemeldet, Russland hätte seine Gaslieferungen nach Europa „erneut“ gestoppt. Das ist eine nachweisbar unwahre Meldung, die aber nahtlos in die anti-russische Propaganda einfügt, die der Spiegel betreibt.

Am 22. Dezember hat der Spiegel einen Artikel mit der Überschrift „Pipeline Jamal – Russland stoppt erneut Gaslieferungen nach Europa“ veröffentlicht, die man gleich aus drei Gründen als plumpe Lüge entlarven kann. Erstens hat Russland die Gaslieferungen nach Europa noch nie gestoppt, weshalb das Wort „erneut“ eine Lüge ist. Zweitens liefert Russland weiterhin Gas nach Europa und nicht einmal die hartnäckigsten Gegner Russlands werfen Russland vor, seine vertraglichen Lieferverpflichtungen nicht einzuhalten. Drittens hat Russland auch die Lieferungen über die Jamal-Europa-Pipeline nicht gestoppt. All das werden wir uns gleich im Detail anschauen.

Zunächst noch ein paar Worte über den Spiegel, der sich selbst als „Nachrichtenmagazin“ bezeichnet, aber in Wirklichkeit – dieser Spiegel-Artikel belegt das wieder eindrücklich – ein Propaganda-Instrument der transatlantischen Kräfte ist, die an dem Aufbau des Feindbildes Russland interessiert sind. Der Spiegel hilft dabei gerne und wenn er dazu lügen und unwahre Überschriften einsetzen muss, ist er sich dafür nicht zu schade. So auch bei dieser Überschrift, denn als der Artikel veröffentlicht wurde, da lautete die Überschrift noch „Russland stoppt Gaslieferungen via Jamal-Pipeline – Olaf Scholz und Wladimir Putin telefonieren„. Das war dem Spiegel aber nicht reißerisch genug, also wurde die Überschrift dann geändert.

Russische Gaslieferungen nach Europa

Russland liefert derzeit Gas über vier Pipelines nach Europa: Über Nord Stream 1, über die ukrainische Pipeline „Druschba“, über die neue Pipeline Turk Stream und über die Jamal-Pipeline, die durch Weißrussland verläuft. Wenn der Spiegel also behauptet, Russland habe die Gaslieferungen nach Europa „erneut“ gestoppt, dann enthält der Satz zwei Lügen: Erstens liefert Russland weiterhin Gas und zweitens hat Russland noch nie Gaslieferungen nach Europa gestoppt.

Russland ist seit etwa 50 Jahren ein zuverlässiger Lieferant und hat selbst in Zeiten der schwersten Krisen im Kalten Krieg zuverlässig Gas nach Europa geliefert. Dass es in den letzten 15 Jahren einige Male Probleme mit den Gaslieferungen über die Ukraine gegeben hat, war nie Russlands Schuld, denn Russland hat das für Europa bestimmte Gas immer in die Pipeline eingespeist, allerdings ist es einige Male vorgekommen, dass die Ukraine sich das für Europa bestimmte Gas abgezapft hat. Die Chronologie der Gaskrisen der Vergangenheit können Sie hier nachlesen.

Die Jamal-Pipeline

Der Spiegel erwähnt explizit die Jamal-Pipeline, über die Russland angeblich kein Gas mehr nach Europa liefert. Auch das ist nicht wahr.

Um zu verstehen, warum das nicht wahr ist, genügt ein Blick auf die Landkarte und aufmerksames Lesen des Spiegel-Artikels. Die Pipeline führt durch Weißrussland über Polen nach Deutschland. Der Spiegel schreibt in seinem Artikel:

„Am Morgen wurde an der Verdichterstation Mallnow (Brandenburg) – wie bereits an neun Tagen Anfang November – Gas in die entgegengesetzte Richtung nach Polen gepumpt.“

Es kommt also kein Gas in Deutschland an, in Europa – also im Polen – aber sehr wohl. Das Problem von Polen ist, dass Polen seine langfristigen Lieferverträge mit Russland gekündigt hat und auf amerikanisches Flüssiggas setzt. Dafür hat Polen extra ein Terminal gebaut. In diesem Jahr sind die Gaspreise in Asien jedoch noch höher als in Europa, weshalb die amerikanischen Flüssiggas-Tanker nicht nach Europa fahren, sondern ihr Gas nach Asien schippern.

Polen hat daher eine Problem, denn es hat zu wenig Gas. Also kauft Polen derzeit notgedrungen russisches Gas zu Börsenpreisen und entnimmt es der Jamal-Pipeline. Daher kommt über die Pipeline derzeit kein Gas in Deutschland an.

Eines stimmt, Gazprom hat die Lieferungen über die Pipeline reduziert, weil es in Russland derzeit ausgesprochen kalt ist und Gazprom natürlich als erstes an die Versorgung der eigenen Bevölkerung denkt. Aber Gazprom schickt trotzdem noch Gas durch die Jamal-Pipeline, erst am 21. Dezember hat Gazprom mitgeteilt, welche Transportkapazitäten es für Januar gebucht hat.

Hinzu kommt, dass Gazprom nur so viel Gas in die Pipeline pumpen kann, wie seine Kunden bestellen. Und auch hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Gazprom nicht nur seine Lieferverpflichtungen erfüllt, sondern 2021 sogar mehr Gas geliefert hat, als es laut den Verträgen musste. Es ist bisher kein einziger Fall bekannt geworden, dass Gazprom eine Bestellung aus Europa abgelehnt hätte.

Die Gründe für die Gas- und Energiekrise in Europa werde ich am Ende des Artikels noch einmal erklären.

Die Spiegel-Propaganda

Der Spiegel sieht seine vornehmste Aufgabe darin, anti-russische Propaganda zu verbreiten. Anstatt seinen Lesern die Lage am Gasmarkt zu erklären, behauptet der Spiegel nicht nur wahrheitswidrig, Russland habe seine „Gaslieferungen nach Europa gestoppt„, nein, der Spiegel muss sogar das – auch gelogene – Wort „erneut“ in seiner Überschrift verarbeiten, damit es für seine Leser so richtig schlimm klingt.

Der Grund ist klar: Es geht um den Kampf der USA gegen Nord Stream 2, den der Spiegel nach Kräften unterstützt. Gegen diese dringend benötigte Pipeline macht der Spiegel Front und dazu gehört, dass er Russland als unzuverlässigen Lieferanten darstellt, der das Gas als politisches Druckmittel missbraucht. Dabei zeigt das Beispiel Polen, wie gefährlich es ist, sich auf amerikanisches Flüssiggas zu verlassen, denn sobald Gas in einem anderen Teil der Welt teurer ist als in Europa, fahren die US-Tanker ihr Gas eben da hin und die Europäer können sehen, wo sie bleiben.

Das Problem gibt es mit russischem Gas nicht, denn eine Pipeline nach Europa kann – im Gegensatz zu einem Tanker – nicht mal eben nach Asien umgeleitet werden. Dass Nord Stream 2 dringend gebraucht wird, erleben wir gerade, denn die aktuelle Gasknappheit ist ein Ergebnis mehrere Faktoren, auf die ich am Ende des Artikels eingehen werde. Das kann sich jedoch jederzeit wiederholen, weshalb eine weitere Pipeline schon aus diesem Grund dringend gebraucht wird.

Anstatt seinen Lesern das zu erklären, wechselt der Spiegel in seinem Artikel jedoch das Thema und fügt eine Auflistung angeblicher russischer Gräueltaten an, die den Leser darin bestätigen sollen, wie böse Russland ist. Dass es dem Spiegel nicht um Berichterstattung, sondern um Meinungsmache – in Fachkreisen „Propaganda“ genannt – geht, zeigt schon die veränderte Überschrift deutlich.

Die Gründe für die Energiekrise in Europa

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier der Vollständigkeit halber nur noch einmal kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, waren es in diesem Jahr nur knapp 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristiger Verträge für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

Der Spiegel und seine Lügen über Gaslieferungen aus Russland

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