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Debatte, Linke Bewegung

Das verborgene Erbe der Linken des Kapitals Teil 4: Ihre Moral und unsere

von C. Mir – https://de.internationalism.org

Die Serie, die wir über die grundlegenden Unterschiede (Klassenunterschiede)[1] zwischen der Linken und der extremen Linken des Kapitals auf der einen Seite und den kleinen Organisationen, die das Erbe der Kommunistischen Linken beanspruchen, auf der anderen Seite veröffentlichen, hat bisher drei Teile: – eine falsche Auffassung von der Arbeiterklasse; – eine Methode und Denkweise im Dienste des Kapitalismus und – eine Funktionsweise, die gegen kommunistische Prinzipien verstößt[2]. Dieser vierte Teil widmet sich der moralischen Frage, um den Abgrund aufzuzeigen, der die Moral der Parteien, die vorgeben, die Ausgebeuteten zu verteidigen, von der proletarischen Moral trennt, die jede echte kommunistische Organisation zu praktizieren hat.

Das Proletariat hat eine Moral. Daraus ergibt sich, dass seine Organisationen eine Moral haben müssen, die mit seinem historischen Kampf und der kommunistischen Perspektive, die es vertritt, im Einklang steht. Während in bürgerlichen Organisationen Amoralität, Skrupellosigkeit, Pragmatismus und erbärmlichster Utilitarismus weit verbreitet sind, muss innerhalb einer proletarischen Organisation notwendigerweise eine Kohärenz zwischen Programm, Arbeitsweise und Moral bestehen.

Die Moral innerhalb der bürgerlichen Organisationen

Welche Art von Moral herrscht in einer bürgerlichen Partei? Ganz einfach – „alles ist erlaubt“: Manöver, Staatsstreiche, sozusagen Messerstiche in den Rücken, Intrigen, Lügen und die schlimmste Heuchelei. Der Stalinismus gibt uns ein eindrucksvolles Beispiel mit seinen Forderungen an seine Militanten, die abscheulichsten Taten im Namen der „Diktatur des Proletariats“, der „Verteidigung des Sozialismus“ usw. zu begehen. Genau wie der Stalinismus rühmen die trotzkistischen Gruppen den gleichen moralischen Pragmatismus und eine blinde und skrupellose Unterstützung für die theoretischen Fehler, die Trotzki in seinem Buch Ihre Moral und unsere gemacht hat, das ansonsten gültige Überlegungen und Elemente enthält.

Die „sozialistischen“ Parteien ihrerseits werden als Verfechter positiver Gefühle dargestellt: „Solidarität“, „Einbeziehung“, „historisches Gedächtnis“, „politische Korrektheit“ und „gesunder Menschenverstand“.

All dieses Geschwätz steht in radikalem Widerspruch zu ihren Aktionen, wenn an der Regierung, wo sie die Arbeiterklasse erbarmungslos angreifen, Streiks mit einer Heftigkeit unterdrücken, die nicht von derjenigen der Rechten zu unterscheiden ist, und zum Beispiel gegen Immigranten Maßnahmen ergreifen, die reinsten Rassismus zum Ausdruck bringen[3]. Was ihr inneres Funktionieren betrifft, so zeigen sie ein Muster der raffiniertesten Intrigen, subtilsten Bündnisänderungen und Kriegen zwischen Clans. Die sozialistischen Parteien sind Experten für die schlimmsten Taktiken der Infiltration, der Zerstörung von innen heraus, Schöpfer trojanischer Pferde usw. Ebenso ihr sprichwörtliches Know-how in dem Führen von „Dossiers“, das sowohl ihre „Freunde“ als auch ihre Feinde betrifft, die sie mit falschen Allianzen zu fesseln oder von Schlüsselstellungen zu vertreiben versuchen.

Welcher moralische Ballast wurde Militanten auferlegt, die in bürgerlichen Parteien im Allgemeinen und speziell in der Linken und der extremen Linken waren?

1. Blinder Gehorsam gegenüber den Führern.

2. Pragmatismus und erbärmlicher Utilitarismus.

3. Eine Skrupellosigkeit im Namen der „Sache“.

4. Bedingungslose Unterwerfung unter die Gebote des nationalen Kapitals.

5. Akzeptieren der Durchführung von Handlungen, die die grundlegendste Moral verleugnen.

6. Spezialisierung auf Manöver und getarnte Intrigen durch ‚brillante Taktik‘[4].

All dies wird mit einer Heuchelei gerechtfertigt, die typisch ist für eine Bourgeoisie, die im Namen der ‚höchsten Moral‘ die schlimmste Barbarei und die unglaublichsten Ungerechtigkeiten verteidigt: Solidarität, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit… Es ist die berühmte Doppelmoral: Die Politiker und die Führer haben ihre Moral, die darin besteht, sich durch alle Arten von schmutzigem Handel zu bereichern, Rivalen (einschließlich Parteigenossen) loszuwerden und sich um jeden Preis an der Macht zu halten, ohne zu zögern, die verwerflichsten Taten zu begehen. Gleichzeitig verteidigen sie eine „andere Moral“ für ihre Untergebenen, für die Mitglieder, für die Schocktruppen der Partei, die, wie wir bereits sagten, Rechtschaffenheit, Opfer, Gehorsam usw. üben müssen.

Ist alle Moral bürgerlich oder religiös?

Um den proletarischen Instinkt der Moral bei den Kämpfern zu zerstören, bestehen sie mit Nachdruck darauf, dass alle Moral „bürgerlich oder religiös“ ist und dass sich die Mitglieder daher nur auf „politische Erwägungen“ stützen können, um ihr Verhalten zu orientieren. Dieses Argument beruht auf der Tatsache, „dass in der gesamten Geschichte der Klassengesellschaften die herrschende Moral stets die Moral der herrschenden Klasse gewesen war. Dies ist insoweit richtig, als die Moral und der Staat, aber auch Moral und Religion stets synonym in der öffentlichen Meinung waren. Die moralischen Gefühle der Gesellschaft im Ganzen sind stets von den Ausbeutern, durch Staat und Religion, benutzt worden, um den herrschenden Zustand heilig zu sprechen und für ewig zu erklären. Und in der Realität bestand die Hauptrolle, die die Moral in dieser Geschichtsepoche gespielt hat, faktisch darin, den Status quo zu erhalten, die ausgebeuteten Klassen dazu zu bringen, sich in ihrer Unterdrückung zu ergeben. Die Attitüde des Moralisierens, mit der die herrschende Klasse stets danach getrachtet hat, den Widerstand der arbeitenden Klassen durch die Einflößung eines Schuldbewusstseins zu brechen, ist eine der großen Geißeln der Menschheit. Sie ist auch eine der subtilsten und effektivsten Waffen zur Absicherung der Klassenherrschaft.[5]

Moralisieren erzeugt in uns Schuldgefühle. Dies bringt uns dazu, uns schuldig zu fühlen, weil wir essen, für unsere Bedürfnisse kämpfen und uns gut fühlen wollen. Dem Moralismus zufolge drückt dies ein ‚ausschließendes‘ und egoistisches Gefühl aus. Wie kann man es wagen zu essen, wenn Menschen in der Welt hungern? Wie kann man trinken und im Wasser baden, während sich die Umwelt jeden Tag noch mehr verschlechtert? Wie kann man auf einer bequemen Matratze schlafen, wenn Einwanderer auf einem harten Boden schlafen?

Die Moral der Bourgeoisie ist eher die der dekadenten Bourgeoisie des 20. und 21. Jahrhunderts, die darin besteht, die Arbeiter glauben zu machen, dass die minimalen Mittel zum Lebensunterhalt, die ihnen zur Verfügung stehen (Wohnung, Nahrung, Kleidung) oder die Annehmlichkeiten, die sie haben (Elektrohaushaltgeräte, Fernsehen und Internet, bezahlter Urlaub), unverschämter Luxus seien, der auf dem Rücken der Armen der Welt erworben werde, ein „Privileg“ in einem Wort, das verschleiert, dass dies die Mittel zur Ausübung ihrer Ausbeutung sind.

Der Moralismus und seine Verfechter innerhalb der Linken und der extremen Linken wollen, dass wir uns für alle durch den Kapitalismus verursachten Leiden in der Welt schuldig fühlen und ein soziales Problem zu einem Problem des Einzelnen machen. So wird die Geißel der Arbeitslosigkeit individuell von den 212 Millionen Arbeitslosen in der Welt verursacht.

Im Allgemeinen zerstört Schuldgefühl die Überzeugung und die Kampfbereitschaft. Diese Gesellschaft propagiert das Schuldgefühl als ihre Lebensweise und macht Schuldzuweisungen gegen andere zu einem Mittel des individualistischen Kampfes, indem sie einige zu einem bestimmten Zeitpunkt sich als schuldig fühlen lässt, die dann ihrerseits versuchen, andere zu einem anderen Zeitpunkt für schuldig zu erklären. Es ist kein Widerspruch, sich in einem Moment schuldig zu fühlen und im nächsten Moment Anschuldigungen gegen andere zu erheben; das ist Teil einer unmenschlichen und individualistischen Moral, die immer um die „Schuldfrage“ kreist. Der Kampf gegen die Schuld, ob sie nun von der kapitalistischen Propaganda und ihren spezialisierten Parteien ausgeht oder ob sie als eine Form des Individualismus aus den Beziehungen zwischen Militanten entspringt, ist ein zentraler Kampf der proletarischen Moral.

Der Kampf gegen das bürgerliche Moralisieren darf nicht dazu führen, dass wir die Moral ablehnen. Wir müssen unterscheiden zwischen Moralisieren und Moral: „Ungeachtet all dessen ist seine Pervertierung durch die Hände des Stalinismus kein Grund, das Konzept der proletarischen Moral beiseitezulegen, so wie sie denn auch keine Rechtfertigung dafür ist, dem Konzept des Kommunismus den Rücken zuzukehren. Der Marxismus hat gezeigt, dass die moralische Geschichte der Menschheit nicht nur die Geschichte der Moral der herrschenden Klasse ist. Er hat vorgeführt, dass ausgebeutete Klassen eigene ethische Werte besitzen und dass diese Werte eine revolutionäre Rolle im Fortschreiten der Menschheit spielten. Er hat bewiesen, dass Moral weder mit der Funktion der Ausbeutung noch mit dem Staat oder mit der Religion identisch ist und dass die Zukunft – wenn es denn eine Zukunft geben sollte – einer Moral jenseits von Ausbeutung, Staat und Religion gehört. [6]

Der Begriff der Moral in der Arbeiterbewegung, obwohl er, sagen wir, nie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, der Debatten oder theoretischen Auseinandersetzungen stand, hat nichts mit dem zu tun, was uns die Linke erzählt. Die Moral ist keine ‚idealistische‘ oder scholastische Frage, die nur die Nachahmer/Fortsetzer der Philosophien des Byzantinischen Reiches interessiert, die über das Geschlecht der Engel debattierten, während die Osmanen die Verteidigungsanlagen von Konstantinopel angriffen. Die Moral, wie jedes soziale Produkt des Menschen, ist per Definition eines der Hauptmerkmale der sozialen Beziehungen, mit denen wir uns ausgestattet haben. Eine Realität, die man als kollektiv kalibrierten Sinn für die Angemessenheit oder Nicht-Angemessenheit der Form und Ausrichtung, die wir den Beziehungen, in die wir eingebunden sind, geben, zusammenfassen könnte. Sollte dies dem Proletariat fremd sein, der Klasse, die sowohl das Kind bestimmter sozialer Beziehungen als auch der Träger anderer Beziehungen ist, einer anderen, viel höheren Form der Organisation unserer sozialen Existenz? Wenn in der Vergangenheit, trotz der hier kopierten wichtigen Zitate, die Frage nicht zu sehr entwickelt wurde, dann deshalb, weil die proletarische Bewegung eine lange und reiche Tradition des Organisationslebens hatte, in der die Mehrheit ihrer Kämpfer Regeln für die Diskussion, für den Umgang mit den Genoss*innen, für das Zusammenleben mit ihnen, für die gegenseitige Hilfe und ihr ganzes Vertrauen und ihre Solidarität, wenn es nötig war, einhielt; das heißt, sie lebten eine Moral, die dem Wesen der proletarischen Klasse entsprach: der Klasse der Solidarität, des Vertrauens, der Trägerin der wahren schöpferischen Fähigkeiten der Menschheit und einer wahren menschlichen Kultur.“[7]

Doppelmoral

In Wirklichkeit will der einzelne Bourgeois eine Moral für die ausgebeutete Mehrheit (die Moral der Sklaven, wie Nietzsche sagte) und „eine andere Moral“, viel „geschmeidiger“ und frei von jeglichen Skrupeln, für die herrschende Klasse. Für das Kapital sind alle Mittel (einschließlich des Mordes) in Ordnung, wenn sie eine Steigerung der Profite oder den Fortschritt der Macht ermöglichen. Wie Marx sagte, ist das Kapital „blut- und schmutztriefend“ zur Welt gekommen, und alle Mittel wurden für seine Expansion eingesetzt: Massaker, Sklaverei, schmutzige Allianzen mit den feudalen Klassen, staatliche Attentate, Verschwörungen… Vergessen wir nicht, dass einer der ersten Ideologen der Bourgeoisie Machiavelli war, und das Wort Machiavellismus wird benutzt, um die moralische Entartung und die skandalöse Skrupellosigkeit zu definieren.[8]

Doppelmoral entspricht am besten der Ideologie und den Methoden des Kapitals. Sie ist der Spiegel des erbitterten Wettbewerbs eines ‚jeden für sich‘, der in den Beziehungen der kapitalistischen Produktion herrscht: „In jeder Aktienschwindelei weiß jeder, daß das Unwetter einmal einschlagen muß, aber jeder hofft, daß es das Haupt seines Nächsten trifft, nachdem er selbst den Goldregen aufgefangen und in Sicherheit gebracht hat. Après moi le déluge! ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation.[9]

Das Proletariat lehnt die Doppelmoral entschieden ab. In seinem Kampf müssen seine Mittel im Einklang mit seinen Zielen stehen; man kann nicht für den Kommunismus kämpfen, indem man Lügen, Gerüchte, Manöver, Doppelzüngigkeit, Schuldgefühle, den Durst nach Berühmtheit usw. einsetzt. Solche Haltungen müssen energisch bekämpft und als radikal unvereinbar mit kommunistischen Prinzipien abgelehnt werden. Mit diesen „moralischen Abkürzungen“ kommt man auf dem schwierigen Weg zum Kommunismus keinen Millimeter voran; das Gegenteil ist der Fall, und man findet sich an Händen und Füßen gefesselt von einem Verhalten, das zum kapitalistischen System gehört; die Gefahr ist, sich von den Gesetzen seines Funktionierens vergiften zu lassen und sich somit von der revolutionären Perspektive zu trennen.

Für die IKS spielt die proletarische Moral eine zentrale Rolle: „Unsere Auffassung zu dieser Frage findet ihren lebendigen Ausdruck in unseren Statuten (1982 verabschiedet). Wir haben stets darauf bestanden, dass die Statuten nicht eine Kollektion von Regeln sind, die festlegen, was erlaubt ist und was nicht, sondern eine Orientierung für unser Verhalten und unsere Haltung, die ein in sich zusammenhängendes Ganzes von moralischen Werten (besonders bezüglich des Verhältnisses unter den Mitgliedern und gegenüber der Organisation) zusammenfasst. Daher verlangen wir von jedem, der Mitglied der Organisation werden will, eine tiefgehende Übereinstimmung mit diesen Werten. Doch die Statuten als integraler Bestandteil unserer Plattform regeln nicht allein, wer unter welchen Umständen Mitglied der IKS werden kann. Sie bedingen auch den Rahmen und den Geist des militanten Lebens der Organisation und jedes ihrer Mitglieder.“

Der Kampf um die Moral

Aber die Entwicklung einer organisatorischen Funktionsweise und von Beziehungen zwischen den Genossen auf der Grundlage der moralischen Kriterien des Proletariats ist keine leichte Aufgabe; sie erfordert einen beharrlichen Kampf. Heute leidet das Proletariat unter einem ernsten Problem der Identität und des Vertrauens in sich selbst, und dies verschärft im allgemeinen historischen Kontext dessen, was wir den Zerfall des Kapitalismus[10], nennen, die Schwierigkeiten des Lebens und der täglichen Praxis einer proletarischen Moral nicht nur innerhalb der Arbeiterklasse als Ganzes, sondern auch innerhalb ihrer revolutionären Organisationen. Was die gegenwärtige Gesellschaft in einer weit verbreiteten und tödlichen Weise aus all ihren Poren ausstößt, ist Skrupellosigkeit, Unehrlichkeit, Skepsis, Zynismus… ein endloser Angriff auf die proletarische Moral.

Im Gegensatz zu der Vorstellung, die der Stalinismus von den Kommunisten als Fanatikern, die zu allem fähig seien, um den ‚Kommunismus‘ durchzusetzen, verbreitet hat, haben sie immer eine feste moralische Haltung gezeigt[11] und damit die Bedeutung der Frage der Moral für die Arbeiterbewegung zum Ausdruck gebracht[12].

Gegenüber dem Marxismus besteht ein Vorurteil, das es schwierig macht, seine feste Verankerung in moralischen Kriterien zu verstehen. Gegenüber dem utopischen Sozialismus verteidigte der Marxismus die Notwendigkeit, die kommunistischen Positionen nicht in moralischen Positionen, sondern in einer wissenschaftlichen Analyse der Situation des Kapitalismus, des Kräftegleichgewichts zwischen den Klassen, der historischen Perspektive usw. zu verorten. Daraus darf man jedoch nicht ableiten, dass der Marxismus ausschließlich auf wissenschaftlichen Prinzipien beruhen müsse, während er moralische Prinzipien ablehne: „Der Marxismus hat nie die Notwendigkeit oder die Bedeutung des Beitrags nicht-theoretischer und nicht-wissenschaftlicher Faktoren beim Aufstieg der Menschheit geleugnet. Im Gegenteil, er hat immer ihre Notwendigkeit und gar ihre relative Unabhängigkeit begriffen. Daher war er in der Lage, ihre gegenseitigen Verbindungen in der Geschichte zu untersuchen und ihre gegenseitige Ergänzung zu erkennen.

Der Marxismus ist keine kalte Ideologie (wie der griechische Schriftsteller Kostas Papaioannon in den 1960er Jahren sagte), die Militante als Bauern des „Zentralkomitees“ betrachtet, die nach Belieben in einer Schachpartie gegen die herrschende Klasse manipuliert werden. In ihren Beziehungen untereinander und gegenüber der Organisation sowie gegenüber dem Proletariat verhalten sich die Militanten mit der strengsten moralischen Rechtschaffenheit.

Dieser letzte Punkt ist entscheidend für das Verständnis, dass in unserer Epoche der gesellschaftliche Zerfall die Moral innerhalb des revolutionären Kampfes umso wichtiger macht. „Heute, angesichts des „Jeder-für-sich“ des kapitalistischen Zerfalls und der Aushöhlung aller moralischen Werte, wird es für revolutionäre Organisationen – und, allgemeiner noch, für die aufkommende neue Generation von Militanten – unmöglich sein, sich zu behaupten, ohne sich Klarheit über moralische und ethische Themen verschafft zu haben. Nicht nur die bewusste Entwicklung der Arbeiterkämpfe, sondern auch eine spezifische theoretische Auseinandersetzung mit diesen Fragen und die Wiederaneignung des Werkes der marxistischen Bewegung sind zu einer Überlebensfrage geworden. Dieser Kampf ist unverzichtbar nicht nur für den proletarischen Widerstand gegen den Zerfall und die aus diesem resultierende amoralische Haltung, sondern auch, um das proletarische Vertrauen in eine Zukunft der Menschheit mithilfe des eigenen historischen Projekts wiederzugewinnen.

Die Schwierigkeit, auf die revolutionäre Generationen heute stoßen, besteht darin, dass auf der einen Seite eine proletarische Moral, die auf Solidarität, Vertrauen, Loyalität, bewusster Zusammenarbeit und Wahrheitssuche beruht, notwendiger denn je ist, aber die historischen Bedingungen der Dekadenz und des Zerfalls des Kapitalismus sowie die Schwierigkeiten der Arbeiterklasse lassen dies utopischer, unpraktischer und sinnloser erscheinen.

Wie es in unserem Text zur Ethik heißt: „Doch die Barbarei und Unmenschlichkeit der kapitalistischen Dekadenz ist einmalig. Es ist nicht leicht, nach Auschwitz und Hiroshima und angesichts permanenter, allgemeiner Zerstörung das Vertrauen in die Möglichkeit eines moralischen Fortschritts aufrecht zu halten. (…) Die öffentliche Meinung glaubt das Urteil des englischen Philosophen Thomas Hobbes (1588–1679) bestätigen zu können, dass der Mensch unter seinesgleichen wie ein Wolf unter Wölfen ist. Der Mensch wird im Grunde als destruktiv, räuberisch, egoistisch, heillos irrational und in seinem Sozialverhalten als unter vielen Tierarten stehend betrachtet.

Es gibt jedoch ein weiteres Element, das der Entwicklung der Moral eine zusätzliche Schwierigkeit hinzufügt: die Kluft zwischen Naturwissenschaften und Technik und das noch stärker ausgeprägte Hinterherhinken der Sozialwissenschaften, wie Pannekoek in seinem Buch Anthropogenesis: a study in the origins of man schrieb: „Die Naturwissenschaften gelten als das Feld, auf dem sich das menschliche Denken in einer kontinuierlichen Reihe von Triumphen mit der größten Kraft entwickelt hat, die konzeptionellen Formen der Logik… Im Gegenteil, am anderen Ende der Skala bleiben menschliche Handlungen und Beziehungen, in denen das Handeln und Denken hauptsächlich von Leidenschaft und Impulsen, von Willkür und Unberechenbarkeit, von Tradition und Glauben bestimmt wird (…). Der Kontrast, der sich hier zeigt, mit der Perfektion auf der einen Seite und der Unvollkommenheit auf der anderen, bedeutet, dass der Mensch die Kräfte der Natur beherrscht, aber nicht die ihm innewohnenden Willens- und Leidenschaftskräfte. Wo er stillsteht und vielleicht manchmal rückwärts geht, ist der offensichtliche Mangel an Kontrolle über seine eigene „Natur“. Offensichtlich ist dies der Grund, warum die Gesellschaft so weit hinter der Wissenschaft steht. Möglicherweise besitzt der Mensch die Herrschaft über die Natur. Aber er hat noch immer keine Herrschaft über seine eigene Natur„.

Diese Situation der Ignoranz und des Unverständnisses für diese tiefgreifenden Aspekte der menschlichen Existenz macht es sehr schwierig, diesem Phänomen zu begegnen, das durch den sozialen und ideologischen Zerfall ständig verschlimmert wird: „die Ausbreitung des Nihilismus, der  Selbstmorde unter Jugendlichen, der Hoffnungslosigkeit (wie er durch das „No Future“ der Riots in den westlichen Großstädten zum Ausdruck kommt), des Hasses und der Fremdenfeindlichkeit unter den „Skinheads“ und „Hooligans“, … die Flutwelle der Drogen, die heute zu einem Massenphänomen werden und stark zur Korruption im Staat und den Finanzorganismen beitragen, die kein Teil der Welt verschonen und besonders die Jugend erfassen, ein Phänomen, das immer weniger die Flucht in Trugbilder zum Ausdruck bringt und immer mehr den Wahnsinn und den Selbstmord widerspiegelt… die Fülle an Sekten, das Wiederaufleben religiöser Geisteshaltungen auch in fortgeschrittenen Ländern, die Ablehnung eines vernunftgesteuerten, zusammenhängenden, konstruktiven  Denkens auch in Teilen einiger „wissenschaftlicher“ Milieus… das „Jeder für sich“, die Atomisierung des Einzelnen, die Zerstörung der Familienbeziehungen, die Ausgrenzung der alten Menschen, die Zerstörung der Gefühle und ihre Ersetzung durch die Pornographie[13].

Die Einheit zwischen Zielen und Mitteln: Der Zweck heiligt nicht die Mittel

Während alle bürgerlichen Parteien (ob rechts oder links) das Ziel haben, die heutigen Verhältnisse so zu verwalten, dass der Kapitalismus erhalten bleibt, befindet sich die revolutionäre Organisation an einem Punkt zwischen der Gegenwart und der kommunistischen Zukunft des Proletariats. Dazu pflegt sie die bereits erwähnten moralischen Qualitäten, die die Säulen einer zukünftigen kommunistischen Weltgesellschaft sein werden. Diese Qualitäten sind durch das Gewicht der herrschenden Ideologie und des kapitalistischen Zerfalls ständig bedroht. Sie zu verteidigen erfordert neben einer ständigen theoretischen Ausarbeitung eine ständige Anstrengung, einen unermüdlichen kritischen Geist und Wachsamkeit.

Für revolutionäre Organisationen hat diese Kultur sowohl innerhalb der Organisation (interne Funktionsweise) als auch nach außen (in Interventionen) einen Stellenwert. Es geht nicht darum, die Organisation von der Welt zu isolieren und sich in kleine, selbstverwaltete Gemeinschaften einzuschließen (was der reformistische Fehler des Anarchismus ist), sondern in ihr selbst existiert ein ständiger Kampf um die Entwicklung dieser Prinzipien. Wie Lessing, der deutsche Dichter des achtzehnten Jahrhunderts, sagte: „Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen„. In einer revolutionären Organisation sind Prinzipien genauso wichtig wie der Kampf um sie.

Der Kampf für den Kommunismus lässt sich nicht auf eine einfache Frage der Propaganda reduzieren: zu erklären, was eine zukünftige Gesellschaft ist; die historische Rolle des Proletariats bei der Überwindung der Widersprüche des Kapitalismus aufzuzeigen usw. Das wäre ein einseitiger und verkürzter Begriff. Im Gegensatz zu den Produktionsweisen, die ihm vorausgingen, kann der Kommunismus nicht von selbst aus entfremdenden und entfremdeten Prozessen entstehen, sondern nur mit dem vollen Bewusstsein und dem massiven subjektiven Engagement des Proletariats. In der revolutionären Organisation ist der Kampf für ein kohärentes Leben nach kommunistischen Prinzipien noch entscheidender.  Der Kampf für den Kommunismus ist unmöglich ohne ständige Wachsamkeit und eine Antwort gegen Verhaltensweisen wie Neid, Eifersucht, Lügen, Intrigen, Manipulation, Diebstahl und Gewalt gegenüber anderen.

In einem seiner polemischen Exzesse behauptete Bordiga, dass man auch durch eine Monarchie zum Kommunismus gelangen könne. Damit wollte er zeigen, dass es darauf ankomme, „zum Kommunismus zu gelangen„, während „der Weg dorthin“ wenig zähle, jede Methode wäre recht. Wir lehnen eine solche Denkweise kategorisch ab: Um zum Kommunismus zu gelangen, muss man wissen, wie man ihn erreichen kann, die Mittel müssen mit dem kommunistischen Ziel übereinstimmen. Gegen den Pragmatismus von Stalinismus und Trotzkismus, die blind der Maxime „der Zweck heiligt die Mittel“ folgen, müssen das Proletariat und seine revolutionären Organisationen eine klare Kohärenz zwischen Zweck und Mitteln, zwischen Praxis und Theorie, zwischen Aktion und Prinzipien aufrechterhalten.

Moral und der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft

Die vorherrschende Moral schwankt zwischen zwei scheinbar gegensätzlichen Alternativen, die aber um den Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft kreisen, was eine Lösung der Frage nicht nur nicht zulässt, sondern das Dilemma eher noch verschärft.

Auf der einen Seite haben wir den Individualismus, bei dem das Individuum „das tut, was gut für es ist“, auf Kosten der anderen. Auf der anderen Seite haben wir die Unterwerfung des Individuums unter die „Interessen der Gesellschaft“ (eine Formel, hinter der sich die totalitäre Herrschaft des Staates verbirgt), die sich im Wesentlichen in zwei Formen darstellt: die einer Ansammlung anonymer und unpersönlicher Individuen (die von den Stalinisten und Trotzkisten bevorzugte Form) und die des kantischen moralischen Imperativs, der zum individuellen Verzicht und zur Aufopferung für andere führt (in dieser Tendenz findet sich auch die christliche Moral).

In Wirklichkeit sind diese beiden moralischen Pole nicht gegensätzlich. Im Gegenteil, sie sind komplementär, da sie zwei Aspekte der Dynamik des Kapitalismus widerspiegeln. Auf der einen Seite ist der Utilitarismus von Bentham eine idealistische Vision des erbitterten Wettbewerbs, der die treibende Kraft des Kapitalismus ist. Hier kämpft jeder Einzelne für sein eigenes Wohlergehen, ohne Rücksicht auf die anderen, und dies soll „zum Wohle aller“ sein, d.h. zum „Wohle“ des guten Funktionierens des kapitalistischen Systems (gegen den Feudalismus), wobei Privilegien oder erworbene Positionen nicht respektiert werden, außer wenn es darum geht, sich dem Funktionieren einer mörderischen Wettbewerbsgesellschaft zu unterwerfen.

Eine zweite Komponente des utilitaristischen und amoralischen Pols ist die Entstellung der Darwin’schen Theorie, die zum „Sozialdarwinismus“ wird. Nach dieser Sichtweise ist die natürliche Auslese das Ergebnis eines grausamen und erbarmungslosen Krieges, in dem der „Stärkere“ triumphiert und der „Schwächere“ eliminiert wird, wodurch „die Höherentwicklung der menschlichen Spezies“ ermöglicht wird. Wir können hier keine Verteidigung von Darwins materialistischem Evolutionskonzept[14] entwickeln, aber es ist klar, dass diese moralische Vision des „Sozialdarwinismus“ eine Idealisierung der kapitalistischen Wirklichkeit darstellt, in ein pseudowissenschaftliches Gewand gehüllt, während der Kapitalismus tatsächliche der Krieg eines Jeden gegen alle ist. Diese Idealisierung drückt den herrschenden Verhältnissen den Stempel der Zustimmung auf, einer Realität, die durch den Zerfall des Systems noch verschärft wird.

Auf der anderen Seite trat Kant für einen anderen moralischen Pol ein, der allem Anschein nach entgegengesetzt war: für den berühmten moralischen Imperativ. Dieser stellte eine Art „Zurückhaltung des entfesselten Egoismus“ dar, um den sozialen Zusammenhalt nicht zu zerstören. Es handelt sich um eine „kritische“ Akzeptanz der Barbarei des Wettbewerbs, während man versucht, ihm Grenzen und Regeln aufzuerlegen, um seine destruktiven Auswüchse zu vermeiden. Der Kapitalismus führt zur Zerstörung der Menschheit, weil er in seiner DNA die Vernichtung des gesellschaftlichen Wesens der Menschheit trägt, das sie in den vielen Jahrtausenden ihrer Existenz erworben hat. Der kantische moralische Imperativ, der dieser Tendenz Einhalt gebieten will, ist nichts anderes als eine idealistische Version der Rolle eines „Regulators“ und Garanten des minimalen gesellschaftlichen Zusammenhalts, den der Staat übernimmt, eine Rolle, die im dekadenten Kapitalismus durch das Chaos und die Selbstzerstörung, die seine Widersprüche auslösen, noch verstärkt wird.

Der kantische Moralismus und der Utilitarismus sind die beiden Seiten der gleichen Münze. Die Tendenz, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts innerhalb der Sozialdemokratie unter der Losung „Rückkehr zu Kant“ entwickelte, begnügte sich nicht nur damit, den marxistischen Materialismus anzugreifen und zu zerstören, sondern griff auch eine proletarische Moral an, die nichts mit dem moralischen Imperativ zu tun hat.

Stalinismus und trotzkistische Gruppen haben die Idee propagiert, dass die kommunistische Militanz das blinde Opfer des Individuums für den moralischen Imperativ sei, der durch die übergeordneten Interessen der ‚Partei‘ oder des ’sozialistischen Vaterlandes‘ verkörpert werde.

Die Ablehnung dieser barbarischen Moral, die zur blinden Unterwerfung und Selbstzerstörung der Militanten führt, hat in zahlreichen Fällen zum anderen Extrem der bürgerlichen Moral geführt: zu den Auswüchsen des Kults des Individualismus, der für das Kleinbürgertum charakteristisch ist und zu dessen schärfstem Ausdruck der Anarchismus gehört.

Die proletarische Moral: ein Kampf zur Überwindung des Konflikts zwischen Gesellschaft und Individuum

Das Proletariat trägt die Lösung des Konflikts zwischen Individuum und Gesellschaft in sich. Wie es im Kommunistischen Manifest heißt, gilt im Kommunismus: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassen-Gegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines Jeden, die Bedingung für die freie Entwicklung Aller ist.[15]

Im Kapitalismus hat die assoziierte Arbeit im Weltmaßstab des Proletariats die Perspektive, darüber hinauszugehen: Wenn die gemeinsame Arbeit viel weiter geht als die Summe der individuellen Arbeiten, ist der Beitrag jedes Einzelnen einzigartig und unverzichtbar für das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit.

Revolutionäre Organisationen sind durch den Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft unter der Form des Individualismus einem ständigen Angriff ausgesetzt. Wir haben uns bereits in zahlreichen Texten mit dem Problem befasst, das wir hier kurz angesprochen haben[16]. Dieser Individualismus, der sich als ‚frei‘, ‚rebellisch‘ und ‚kritisch‘ ausgibt, ist in Wirklichkeit ein Gefangener all der zerstörerischen Impulse, die der Kapitalismus ausbrütet (Konkurrenz, Egoismus, Manipulation, Schuld, Rivalität und Rachegeist), und übt einen großen Druck im Leben der revolutionären Organisation aus. Seine „Revolte“ geht nicht weiter als die blinde und dumme Polarisierung „gegen jede Autorität“, die sie zu einem direkten Faktor der Desorganisation und der Spannungen zwischen den Genoss*innen macht. Schließlich gründet seine „Kritik“ auf Misstrauen und Ablehnung jeglichen kohärenten Denkens und ersetzt es durch Spekulationen, Vorurteile und die extravagantesten Interpretationen.

Dieser Individualismus steht im diametralen Gegensatz zur Solidarität, die nicht nur eine der senkrechten Säulen des Proletariats, sondern auch des Funktionierens der revolutionären Organisationen ist. Wir haben dieses Thema in unserem Orientierungstext über Vertrauen und Solidarität im proletarischen Kampf[17] ausführlich behandelt.

C. Mir, 1. März 2018


[1] Für eine globalere Analyse dieser Unterschiede siehe unseren Artikel in Spanisch: „Was sind die Unterschiede zwischen der Kommunistischen Linken und der IV. Internationale?
Siehe auch in Französisch: „Revolutionäre Prinzipien und revolutionäre Praxis“ und in Englisch: „Die Kommunistische Linke und die Kontinuität des Marxismus„, und „The International Conferences of the Communist Left (1976-1980). Lessons of an experience for the proletarian milieu“ (International Review Nr. 122, 3. Quartal 2005).

[3] Die deutsche Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) gibt ein perfektes Beispiel für dieses Verhalten, von dem sie sagt, es habe nichts damit zu tun – eine reine Lüge. Es war die SPD, die in den Jahren 1918-1923 die revolutionären Versuche des Proletariats in Deutschland unterdrückte und damit hunderttausend Tote zu verantworten hatte, und sie befahl auch die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (1919). Jüngeren Datums sind die Aktionen der sozialdemokratischen Regierung Schröder in den 2000er Jahren, die brutal gegen die Lebensbedingungen der Arbeiter vorging und beispielsweise die Mini-Jobs von 400 Euro im Monat umsetzte.

[4] Trotzki selbst verteidigte eine zweideutige Position zu diesen Manövern.
Einerseits anerkannte er, dass „die herrschenden Klassen, besitzergreifend, ausbeuterisch, gebildet, ihre Erfahrung mit der Welt so groß, ihr Klasseninstinkt so ausgeprägt, ihre Spionagemittel so vielfältig, dass man, wenn man versucht, sie zu täuschen, indem man sich als etwas ausgibt, das man nicht ist, nicht von Feinden, sondern von Freunden in eine Falle gelockt wird“. Andererseits aber, so sagt er, „muss der nützliche Wert dieser Manöver strikt als Mittel in Bezug auf die grundlegenden Methoden des revolutionären Kampfes eingesetzt werden“ (Die Dritte Internationale nach Lenin).
Diese Theoretisierung des Manövers im Allgemeinen, ohne die Tatsache zu klären, dass es nur gegen den Klassenfeind, aber niemals gegen die Arbeiterklasse und ihre revolutionären Organisationen eingesetzt werden kann, hat trotzkistischen Organisationen geholfen, alle möglichen Manöver gegen die Arbeiterklasse und gegen ihre eigenen Militanten zu rechtfertigen.

[5] Marxismus und EthikInternationale Revue Nr. 39 (sofern nicht anders erwähnt, stammen Zitate aus diesem Text).

[6] Marxismus und Ethik

[7] La importancia del debate moral y organizativo (Von der Wichtigkeit der moralischen und organisatorischen Debatte), Acción Proletaria, April 2017

[8] Machiavellismus, das Bewusstsein und die Einheit der BourgeoisieInternational Review Nr. 31 (engl./frz./span. Ausgabe), viertes Quartal 1982.

[9] Karl Marx, Das Kapital, Band 1, III. Abschnitt, 8. Kapitel.

[10] Der Zerfall, die letzte Phase der Dekadenz des KapitalismusInternationale Revue Nr. 13, 1991.

[11] Das bedeutet nicht, dass es keine Unterschiede in der Auffassung von Moral gegeben hätte, einige mehr utilitaristisch wie im Fall von Lenin und andere mehr kohärent wie im Fall von Rosa Luxemburg. Das ist eine Frage, die vertieft werden sollte.

[12] Wir können hier zwei Beispiele anführen: 1839-42 waren die wahrscheinlich wichtigsten Mobilisierungen in der Geschichte des Proletariats in Großbritannien, und ihr Hauptmotiv war die Empörung und das Entsetzen, das in Teilen des Proletariats über die schreckliche Ausbeutung ihrer Klasse, Männer, Frauen und Kinder, insbesondere in der Textilindustrie, ausgelöst wurde. Das zweite Motiv ist der spontane Streik, der 1941 in Holland gegen die Deportation von Juden durch die Nazis ausbrach.

[13] Der Zerfall, die letzte Phase der Dekadenz des KapitalismusInternationale Revue Nr. 13.

[14] Siehe zum Beispiel den Text von Anton Pannekoek Marxismus und Darwinismus (Teile eins und zwei, veröffentlicht in der International Review Nr. 137 und 138 (engl./frz./span. Ausgabe).

[16] Bericht zur Struktur und Funktionsweise der Organisation der Revolutionäre (Januar 1982), auf Deutsch publiziert in Internationale Revue Nr. 22; Dokumente aus dem Organisationsleben: Die Frage der Funktionsweise in der IKS (Oktober 1993), Internationale Revue Nr. 30

https://de.internationalism.org/content/3023/das-verborgene-erbe-der-linken-des-kapitals-teil-4-ihre-moral-und-unsere

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Das verborgene Erbe der Linken des Kapitals Teil 4: Ihre Moral und unsere

  1. Der Text ist wohl mit Hilfe einer Zeitmaschiene entstanden. Kurz hundert Jahre oder so in der Zeit zurückgereist.

    Ich meine kann es gelingen sowas mal in unsere Zeit zu übersetzen? Oder ist es ein heiliges Museumsstück, dessen Patina nicht angetastet werden darf, weil es sonst zu zerfallen droht?

    Dauernd wird vom „Kampf“ der Urväter gesprochen. Aber eigentlich achtet die Museumsaufsicht mit Samthandschuhen darauf, das unartige Kinder dem Werk nicht zu nahe kommen, damit alles so bleibt wie es ist.

    Gefällt mir

    Verfasst von B.B. | 9. Dezember 2021, 11:39

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