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Ausland, Europa

EU verbraucht Gas im Rekordtempo, Weißrussland droht mit Blockade des Gastransits

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Am 1. Dezember wurde bekannt, dass die EU ihre ohnehin viel zu geringen Gasreserven im Rekordtempo verbraucht. Aufgrund der immer neuen EU-Sanktionen gegen Weißrussland, droht Lukaschenko zudem, den Gastransit durch sein Land zu stoppen.

Das russische Fernsehen hat am 1. Dezember in zwei Artikeln über die Energiekrise in Europa berichtet. Wegen des ungewöhnlich kalten Winters verbraucht die EU ihre ohnehin viel zu geringen Gasreserven im Rekordtempo. Da die EU außerdem die Beziehungen zu Weißrussland immer weiter beschädigt, indem sie aktuell schon das fünfte Sanktionspaket auf den Weg bringt, steht die Drohung des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko im Raum, als Reaktion darauf den Transit russischen Gases durch Weißrussland zu stoppen.

Ich habe beide Artikel des russischen Fernsehens übersetzt und werde im Anschluss noch etwas zu den Gründen der Energiekrise in der EU schreiben. Beginnen wir mit dem Artikel des russischen Fernsehens über den Zustand der europäischen Gasreserven.

Beginn der Übersetzung:

Kalter November: EU verbraucht 20% der Reserven für den Winter, die Ukraine alle Reserven

Die EU-Länder haben im letzten Monat bereits 20 Prozent der diesjährigen Gasreserven verbraucht, die für die Heizperiode im Winter in die Speicher gepumpt wurden. Die Entnahmen haben sich seit Anfang November verdreifacht – die Vorräte sind seit Ende des Sommers zum 1. Dezember insgesamt um 12 Prozent auf 765 Milliarden Kubikmeter gesunken. Das ist die Gasmenge, die nach drei Monaten der laufenden Heizperiode Ende Januar 2021 während der ersten Fröste in der EU gespeichert war, so die Gasplattform Gas Infrastructure Europe. Die Europäer verbrauchen weiterhin im Rekordtempo Gas und übersteigen damit das Tempo der Auffüllung der Vorräte.

Die Ukraine hat inzwischen fast alle diesjährigen Gasreserven für den Winter aufgebraucht – das Volumen der unterirdischen Gasspeicher ist auf den Stand des Füllbeginns am Ende der letzten Heizsaison gesunken. Der durchschnittliche Lagerbestand in der EU sank von 72 Prozent zu Beginn des Herbstes auf 68 Prozent am 1. Dezember. Die europäischen Speicherreserven sind seit dem 1. November jeden Tag kontinuierlich gesunken, und in den letzten Novembertagen hat sich die durchschnittliche Durchflussrate auf 0,7 Prozent pro Tag verdoppelt. Bei diesem Tempo werden alle EU-Speicher bis Januar zur Hälfte entleert sein, und wenn der Winter kalt ist, werden die Reserven noch geringer sein. Nach dem letzten ungewöhnlich kalten Winter waren die EU-Speicher nur zu 18 Prozent gefüllt – im April waren nur noch 330 Milliarden Kubikmeter Gas eingelagert.

„Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe lag das Volumen des aktiven Gases in den europäischen Untergrundspeichern am 29. November um 23,4 Prozent (20,8 Milliarden Kubikmeter) unter dem Niveau des Vorjahres. Mehr als 18 Prozent der im Sommer eingelagerten Gasmenge wurde bereits entnommen“, hieß es im Telegrammkanal von Gazprom.

„Die Gasreserven in den ukrainischen Speichern sind um 38,7 Prozent (10,3 Milliarden Kubikmeter) niedriger als im letzten Jahr und nähern sich bereits der Marke zu Beginn der Auffüllung“, warnte Gazprom. Gleichzeitig hat der russische Konzern den Transit durch die Ukraine um das 1,5-fache auf 88 Millionen Kubikmeter pro Tag erhöht. Die Ukraine weigert sich jedoch seit 2015, Gas direkt von Gazprom zu kaufen.

Der EU-Börsenpreis für Gas in kurzfristigen Verträgen ist heute um 2 Prozent auf 1.130 Dollar pro Tausend Kubikmeter gestiegen, so die Börsendaten um 16:00 Uhr Moskauer Zeit.

Seit Anfang November wurden mehrere Rekordverbräuche von Gas aus den EU-Reserven verzeichnet und die Europäer verbrauchen ihre Wintergasvorräte weiterhin schnell. Vom 16. bis 18. November und vom 23. bis 25. November wurden für diesen Zeitraum neue Tagesrekorde für europäische Entnahmen in der langjährigen Beobachtungsgeschichte verzeichnet. Gazprom pumpt im Rahmen seines genehmigten Plans weiterhin Gas in die fünf unterirdischen Speicher in Europa und wird dies bis Ende Dezember tun.

„Gazprom hat im Zeitraum Januar bis November 2021 467,6 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert. Das entspricht einem Anstieg von 14,7 Prozent (60 Milliarden Kubikmeter) gegenüber dem Vorjahr.

Die Versorgung des russischen Binnenmarktes stieg um 15,8 Prozent (30,4 Milliarden Kubikmeter). Gazprom steigerte seine Exporte in die EU-Länder von Januar bis November um 7 Prozent auf 171,5 Milliarden Kubikmeter (+10,6 Milliarden Kubikmeter).

Die Lieferungen wurden in folgende Länder erhöht: Türkei (+83,7%), Deutschland (+16,8%), Italien (+19,5%), Rumänien (+221,8%), Serbien (+85,8%), Bulgarien (+43,8%), Polen (+7,5%), Griechenland (+12,2%), Slowenien (+53,9%), Finnland (+9,1%).

Eine Reihe von Ländern – Deutschland, die Türkei, Italien, Bulgarien, Rumänien und Serbien – hatten Mitte November bereits mehr Gas von Gazprom erhalten als im gesamten Jahr 2020. In der zweiten Novemberhälfte kamen Griechenland, Slowenien, die Schweiz, Nordmazedonien sowie Bosnien und Herzegowina hinzu.

Auch die Gaslieferungen über die „Power of Siberia Pipeline“ nach China nehmen zu, seit dem 2. November übersteigen die täglichen Lieferungen die täglichen vertraglichen Verpflichtungen von Gazprom um mehr als ein Drittel. Und am 21. November stiegen die Lieferungen zum ersten Mal um den Rekordwert von 35,8 Prozent.

Ende der Übersetzung

Nun noch die Übersetzung der Meldung über eine mögliche Blockade der Gaslieferung durch Weißrussland und die Erklärung des Kreml dazu.

Beginn der Übersetzung:

Kreml reagiert auf Lukaschenkos Drohung, den Gastransit zu stoppen

Es lohnt sich nicht einmal, über die hypothetische Situation zu spekulieren, dass Weißrussland den Transit von russischem Gas nach Europa stoppt. Der Kreml versteht die harschen Vergeltungserklärungen des weißrussischen Staatschefs Alexander Lukaschenko gegenüber den europäischen Regierungen als Reaktion auf den „beispiellosen und aggressiven Druck“ von Brüssel und Washington auf Weißrussland. Diese Erklärung wurde vom Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, abgegeben.

In einem Interview mit „Rossiya Segodnya“ bekräftigte der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko seine Bereitschaft, den Transit russischer Energieressourcen nach Polen und weiter in die EU zu stoppen, falls Warschau die Grenze zu Weißrussland schließt und seine aggressive Politik gegenüber dem Nachbarstaat fortsetzt.

Russland würde eine solche Entwicklung nicht zulassen wollen. Aber „Weißrussland und Präsident Lukaschenko werden zum Objekt eines beispiellosen Drucks seitens einer Reihe westlicher Länder, dieser Druck ist absolut ungerechtfertigt und aggressiv, was zu einer sehr starken Gegenreaktion Weißrusslands führen muss“, so Peskow.

„In diesem Zusammenhang hat der Präsident sein Verständnis für harte Reaktionen zum Ausdruck gebracht“, betonte der Kreml-Sprecher. „Andererseits erwartet der Präsident, dass dies keineswegs unsere Verpflichtungen gegenüber den europäischen Gasempfängern beeinträchtigen wird, insbesondere in dieser für die Europäer schwierigen Zeit.“

Peskow stellte klar, dass Minsk seine Erklärung über die Beendigung des Transits nicht mit Moskau abgestimmt habe und dass alles, was gesagt wurde, „die Position des Präsidenten von Weißrussland, einem souveränen, unabhängigen Staat“ sei.

Ende der Übersetzung

Ende der Übersetzung

Die Gründe für die Energiekrise in Europa

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier der Vollständigkeit halber nur noch einmal kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, waren es in diesem Jahr nur knapp 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristiger Verträge für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

EU verbraucht Gas im Rekordtempo, Weißrussland droht mit Blockade des Gastransits

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