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Ausland, Russland

Putin im O-Ton über Russlands rote Linien

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Der russische Präsident Putin wurde bei einer Podiumsdiskussion nach den roten Linien Russlands gefragt. Putins Antwort war diplomatisch, aber deutlich.

In Moskau fand die jährliche Investoren-Konferenz „Russia is calling“ statt, bei der Putin sich traditionell den Fragen der ausländischen Investoren und Fachleute stellt. Dabei wurde er nach den roten Linien gefragt, von denen die russische Regierung in letzter Zeit immer öfter spricht. Putins Antwort war nicht überraschend, aber man musste genau hinhören.

Putin nannte als rote Linie, wenn der Westen in der Ukraine Raketen aufstellt. Das wäre eine rote Linie für Russland. Angesichts der derzeit wachsenden Spannungen und der offenen Forderungen der ukrainischen Regierung, die Nato solle genau das tun, dürfte man im Westen genau hingehört haben. Putin sagte zwar nicht im Detail, wie Russland darauf reagieren würde, aber seine Antwort war trotzdem interessant. Daher habe ich die Frage und Putins Antwort komplett übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Grapenheisser: Jakob Grapenheisser, East Capital.

Sie haben wiederholt erwähnt, dass es in den Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine „rote Linien“ gibt. Bis zu einem gewissen Grad hat das auch mit dem Westen und der NATO zu tun. Könnten Sie genauer erläutern, wo diese „Linien“ verlaufen und welche Folgen das Überschreiten dieser Linien Ihrer Meinung nach haben könnte? Müssen sich Anleger Sorgen machen, dass Russland möglicherweise Truppen in die Ukraine entsendet?

Putin: Sehen Sie, von einer Entsendung russischer Truppen in die Ukraine war schon Anfang des Jahres die Rede, als wir die Militärübung „Sapad 2021“ abgehalten haben, aber wie Sie sehen, ist das nicht passiert. Es geht nicht darum, Truppen in die Ukraine zu schicken oder sie nicht dahin zu schicken, zu kämpfen oder nicht zu kämpfen; es geht darum, eine Beziehung aufzubauen, um eine gerechtere und stabilere Entwicklung zu schaffen und die Sicherheitsinteressen aller Akteure auf der internationalen Bühne zu berücksichtigen. Wenn wir das ehrlich verfolgen, wird niemand sich irgendwie bedroht fühlen.

Was die Bedrohungen betrifft, so sind die Menschen in den beiden bisher nicht anerkannten Republiken – der LNR und der DNR – auch durch die Truppenbewegungen in der Nähe ihrer Gebiete ständig bedroht. Das ist das Zweite.

Drittens hat die Russische Föderation auch gewisse Sorgen gegenüber groß angelegten Manövern in der Nähe unserer Grenzen, auch ungeplanten Manövern, wie sie gerade erst im Schwarzen Meer abgehalten wurden, als strategische Bomber, wie wir wissen, mit Präzisionswaffen und möglicherweise Atomwaffen, 20 Kilometer von unserer Grenze entfernt flogen. Schließlich stellt das alles eine Bedrohung für uns dar.

Nun zu den „roten Linien“. Sie sind bis zu einem gewissen Grad spekulativ. Dennoch, schauen Sie sich an, was in den letzten rund 20 Jahren geschehen ist: Die Beziehungen zwischen Russland und der westlichen Gemeinschaft, dem „kollektiven Westen“, waren in den 1990er und frühen 2000er Jahren praktisch wolkenlos. Warum war es notwendig, die NATO bis an unsere Grenzen auszuweiten? Wozu? Wer kann diese Frage beantworten? Darauf gibt es keine vernünftige Antwort, im Gegenteil.

Es war ein fast idyllisches Bild unserer Beziehungen, vor allem Mitte der 1990er Jahre, wir waren fast Verbündete. Nein, trotz unserer Warnungen, trotz unserer Gespräche, trotz unserer Bitten ist die Infrastruktur schließlich bis an unsere Grenzen gekommen. Es ist inzwischen so weit gekommen, dass Raketenabwehrsysteme in Polen und Rumänien stationiert sind, und die dortigen Startrampen sind vom Typ Mk-41. Sie können auch Tomahawks laden, also Angriffssysteme. Das stellt eine Bedrohung für uns dar, das ist eine offensichtliche Tatsache.

Trotz all unserer Bitten und Flehen, das nicht zu tun, ist was passiert? Das, was wir jetzt sehen. Als Reaktion darauf waren wir gezwungen, ich möchte das betonen, gezwungen, mit der Entwicklung von Hyperschallwaffen zu beginnen, das ist unsere Antwort. Wir haben das nicht als erste getan, zuerst sind unsere Partner aus dem ABM-Vertrag und dann aus dem Vertrag über Mittelstreckenraketen ausgestiegen.

Sie haben nach der Ukraine gefragt: Wo sind die „roten Linien“? Das sind in erster Linie Bedrohungen, die gegen uns zu geschaffen werden, die von diesem Gebiet ausgehen können. Ich habe es bereits öffentlich gesagt, Sie sind Geschäftsleute und haben und vielleicht nicht die Zeit, dem zu folgen, aber ich sage es noch einmal: Wenn irgendeine Art von Angriffssystem auf ukrainischem Territorium stationiert wird, dauert es 7 bis 10 Minuten, bis sie Moskau erreichen, und 5 Minuten, wenn sie Hyperschallwaffen stationieren. Stellen Sie sich das vor. Übrigens leben Sie in Moskau, wie ich hörte, leben Sie in Moskau, richtig? Die Flugzeit nach Moskau wird 5 Minuten betragen.

Grapenheisser: Ich lebe fast 15 Jahre in Moskau, ja.

Putin: Ja. Was sollen wir tun? Wir werden etwas Ähnliches für diejenigen schaffen müssen, die uns auf diese Weise bedrohen. Können Sie sich das vorstellen?

Wir können das schon jetzt tun, denn wir haben die Waffen bereits erfolgreich getestet und ab Anfang des Jahres werden wir einen neuen Mach-9-Hyperschall-Seeflugkörper im Einsatz haben. Die Flugzeit zu denen, die den Befehl geben, beträgt auch fünf Minuten.

Wo gehen wir hin? Warum tun wir das alles? Die Schaffung solcher Bedrohungen ist für uns eine rote Linie.

Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt. Ich hoffe, dass sich der gesunde Menschenverstand, die Verantwortung für das eigene Land und für die Weltgemeinschaft durchsetzen wird.

Ende der Übersetzung

Ob es ein Versprecher war oder nicht, ist schwer zu sagen. Aber dass Putin die Rebellengebiete im Osten der Ukraine als die „beiden bisher nicht anerkannten Republiken“ bezeichnet hat, dürfte für einiges Aufsehen gesorgt haben. Hat Russland vor, die selbsternannten Republiken zum Beispiel im Falle eines ukrainischen Angriffs anzuerkennen?

Putin im O-Ton über Russlands rote Linien

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