//
du liest...
Ausland, Europa

Selenskys Umfragewerte auf dem Tiefpunkt: Der Ukraine drohen im Winter Ausfälle von Strom und Heizung

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Die Ukraine steht vor einem harten Winter, denn die Vorräte an Gas und Kohle reichen bei weitem nicht. Das Land musste bereits in Russland und Weißrussland Strom importieren und der Winter hat noch nicht einmal angefangen.

Die Misswirtschaft der Selensky-Regierung hat etwas geschafft, was noch keine Regierung des nach dem Maidan verarmten Landes geschafft hat: Die Ukraine, früher ein Exporteur von Kohle und Strom, steht im Winter wahrscheinlich zumindest zeit- und teilweise ohne Strom und Heizung da. Schon jetzt gibt es Stromabschaltungen und nicht in allen Städten des Landes wurde die Fernwärme zum Beginn der Heizperiode eingeschaltet. Das russische Fernsehen hat am Sonntag in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblich über die Lage in der Ukraine berichtet und ich habe den Bericht des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die Ukraine ist nicht bereit für die Heizperiode. Alle Fernsehsender berichten darüber und das macht den Ukrainern im Moment die meisten Sorgen: „Wenn Weißrussland und Russland die Geduld ausgeht, woher sollen wir dann Strom, Gas und Kohle bekommen?“ Die Kohlereserven sind nur halb so groß wie der Bedarf für den Winter. Insgesamt sind mehr als sechzig Blöcke von Wärmekraftwerken abgeschaltet worden.

„Wenn der Frost einige Wochen lang mindestens unter minus fünfzehn Grad bleibt, ist das Risiko von Stromausfällen, die es seit zwanzig Jahren nicht mehr gegeben hat, sehr hoch. Und das ist eine Frage an die Führung des Landes“, sagte Vitaliy Klitschko, der Bürgermeister von Kiew.

Premierminister Denis Schmygal antwortet darauf: „Wir bereiten uns nicht auf einen flächendeckenden Stromausfall vor und planen auch nichts in dieser Richtung. Deshalb bitte ich die Politiker, darüber nicht öffentlich zu reden, denn das destabilisiert die Lage“, sagte er. Der Premierminister nennt diejenigen, die das tun, wie üblich „Agenten des Kreml“, aber die Zeugen sind viel näher und sitzen im selben Fernsehstudio: „In der Region Kiew gibt es bereits den ganzen Tag über Stromausfälle“, sagen sie. Sie zeigen sogar einen Zeitplan für solche Stromabschaltungen, der an Hauseingängen ausgehängt ist.

Nun musste der Präsidenten sich einmischen: „Jedes Jahr im Herbst und Winter starten einige oligarchische Strukturen ein Spiel namens „Künstliches Defizit“. Das Prinzip ist einfach: Sie verbreiten Nachrichten über die Verknappung von Kohle und Gas und die Nachfrage steigt, der Preis steigt, und Sie und ich zahlen dafür. Ich bin sicher, dass es besser ist, dieses Spiel in diesem Jahr nicht zu beginnen. Denn abgesehen von Ihrem „künstlichen Defizit“ ist unser Defizit ein ganz reales: Ein Defizit an Geduld. Und wenn dem Staat die Engelsgeduld ausgeht, beginnt für einige eine höllische Zeit“, so Vladimir Selensky.

Nachdem Selensky bereits im Februar Fernsehsender, die der Partei „Oppositionsplattform für das Leben“ von Viktor Medwedtschuk nahestehen, ohne Gerichtsverfahren abgeschaltet hatte, geht es nun um den Fernsehsender „Ukraine 24“, der dem Geschäftsmann Rinat Achmetow gehört.

„Unsere Kanäle bieten eine gleichberechtigte Plattform für die Meinung von Vertretern der Regierung und der Opposition. Aber wenn es in den letzten Monaten mehr Kritik an der Regierung gibt als früher, dann ist das eine Frage an die Regierung“, sagte Achmetow.

Selensky droht mit der Durchsetzung des Oligarchengesetzes, wonach ein Geschäftsmann mit einem Vermögen von über neunzig Millionen Dollar kein Beteiligung an Medien in der Ukraine besitzen darf.

Und jetzt verkündet Poroschenko, dass er das Eigentum an seinen Fernsehkanälen an die Belegschaft übergeben hat. Das Gleiche verlangt er von anderen Vertretern des Großkapitals.

„Es ist ganz klar, dass der Politiker Selensky von dem Oligarchen Kolomoisky erdacht, gezüchtet und gefördert wurde. Informationen zufolge, die der ganzen Welt bekannt sind, gab er sowohl „Kvartal 95″ als auch Selensky Geld, um sie zu fördern. Geld, das den Anlegern der Privatbank gestohlen wurde“, sagte Poroschenko. (Anm. d. Übers.: „Kvartal 95“ war die Comedy-Truppe, in der Selensky in der Ukraine als Komiker bekannt und populär geworden ist. Die Privatbank war einst die größte Bank der Ukraine und sie gehörte dem Oligarchen Kolomoisky. Sie wurde von Poroschenko in seiner Zeit als ukrainischer Präsident enteignet und entkernt. Um die Geschichte ranken sich viele Geschichten und sicher ist, dass auch der damalige US-Vize-Präsident Biden persönlich an der Sache beteiligt war, wie Sie hier nachlesen können)

Als Poroschenko Präsident war, beschwerte sich der Oligarch Kolomoisky über Verfolgung. Und diese Woche gab ihm ein Gericht schließlich die beschlagnahmte Privatbank zurück.

Selensky weigert sich hartnäckig zu bemerken, was alle Abgeordneten seiner Partei wissen: „Das ist nicht lustig. Zu sagen, dass wir die ersten waren, die definiert haben, wer Oligarchen sind. Das wurde schon im antiken Griechenland getan. Man sollte Bücher lesen, das ist für einen Politiker besonders nützlich“, sagte Dmitri Rasumkow.

Rasumkow, der zurückgetretene Sprecher der Werchowna Rada, hat die Partei des Präsidenten demonstrativ verlassen. Er hat seine eigene Fraktion „Vernünftige Politik“ gegründet, der bereits fünfundzwanzig Abgeordnete angehören. Und das bedeutet, dass die Partei „Diener des Volkes“ von Selensky ihre Mehrheit in der Werchowna Rada verloren hat. Nicht ohne Grund zeigen ihre ehemaligen Mitglieder dem Präsidenten direkt im Parlament unanständige Gesten. (Anm. d. Übers.: Ein aus Selenskys Fraktion ausgetretener Abgeordnete hat dem anwesenden Präsidenten Selensky nach seiner Rede beim Abgang von Rednerpult in der Rada den Mittelfinger gezeigt)

„Jetzt zeigt die gesamte Regierung, die auf der Grundlage eines solchen Hypes gebildet wurde, dem Volk den Mittelfinger, wenn nicht sogar noch mehr. Sie interessiert sich für nichts, außer für ihre eigenen Interessen“, sagte die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko.

Ein weiterer Schlag kam vom ehemaligen Innenminister Arsen Awakow, der Selensky immer unterstützt hat: „Es gibt kein Gas, keine Kohle. Es ist jetzt November und wir bitten Weißrussland und Russland bereits um Soforthilfe: Geben Sie uns Strom. Und wenn Wladimir Putin sagt: Ich gebe keinen? Was ist, wenn er es zuerst tut und ihn dann abschaltet? Darauf läuft es hinaus. So ein Jahr hat es noch nicht gegeben, liebe Freunde. Das ist eine phänomenale fundamentale Idiotie“. (Anm. d. Übers.: Awakow ist ein politisches Schwergewicht in der Ukraine, der schon unter Poroschenko Innenminister war und bei dem Wechsel zu Selensky als einziges Regierungsmitglied nicht seinen Posten verloren hat. Analysten haben das damit begründet, dass zumindest einige der berüchtigten Freiwilligenbataillone im Donbass direkt unter seiner Kontrolle stehen. Daher war der kürzliche Rücktritt Awakovw als Innenminister eine politische Sensation in der Ukraine, denn nun steht Awakow mit all seiner Macht gegen Selensky)

Selensky, der keines seiner Wahlversprechen erfüllt hat, verliert rapide an Popularität. Weniger als ein Drittel seiner früheren Zustimmungswerte von 75 Prozent sind noch übrig.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

Selenskys Umfragewerte auf dem Tiefpunkt: Der Ukraine drohen im Winter Ausfälle von Strom und Heizung

Diskussionen

2 Gedanken zu “Selenskys Umfragewerte auf dem Tiefpunkt: Der Ukraine drohen im Winter Ausfälle von Strom und Heizung

  1. Selbst in Sowjetzeiten ging es der Ukraine besser als heute! Das muss man erst mal schaffen!

    Gefällt mir

    Verfasst von V wie Vendetta | 17. November 2021, 13:02
    • Selbst in der „Version zu den Sowjetzeiten, die in Vandetta Vorstellung zu exitieren scheint“, ging es den Menschen in der Ukraine besser als heute.
      Das ist doch selbstverständlich. Keine Arbeitslosigkeit, keine Perspektivlosigkeit, kostenloses Gesundheitswesen, geringe Mieten, keine frierende Rentner…..usw.

      Gefällt mir

      Verfasst von buecherfreundBücherfreund | 17. November 2021, 13:23

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: