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Inland, Medien

Das russische Fernsehen über den Klimagipfel in Glasgow: „Heuchelei buchstäblich überall“

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

In Russland wird über den Klimagipfel in Glasgow vollkommen anders berichtet, als in Deutschland. Und das nicht, weil Russland Umwelt und Klima egal wären, sondern weil man in Russland pragmatisch und nicht ideologisch an Probleme herangeht.

Das russische Fernsehen hat am Sonntag in seinem Nachrichtenrückblick auch über den Klimagipfel in Glasgow gesprochen. Zunächst gab es einen Kommentar des Moderators im Studio und dann einen Korrespondentenbericht aus Glasgow. Ich habe beide Beiträge hier übersetzt, um aufzuzeigen, wie außerhalb der westlichen Medienblase über das Thema berichtet wurde.

Beginn der Übersetzung:

In der Rubrik „Lebendige Ecke“ sprechen wir normalerweise über die Natur, über die Tiere und die Menschen, die auf so unterschiedliche Weise miteinander interagieren. Nehmen wir zum Beispiel den Klimagipfel in Glasgow, Schottland. Das Thema ist wichtig, aber die Art der Diskussion über die globale Erwärmung hat sich in letzter Zeit so sehr verändert, indem der Westen wieder dazu übergegangen ist, alle zu schikanieren und zu belehren, seinen eigenen Vorteil zu suchen und zu versuchen, alle für dumm zu verkaufen, weshalb beispielsweise die Staats- und Regierungschefs von Russland, China, Indien und der Türkei beschlossen haben, nicht persönlich nach Glasgow zu kommen. Ganz höflich, Putin hat eine Videobotschaft an die Gipfelteilnehmer geschickt. Biden hat der Inhalt nicht interessiert.

In Glasgow haben die Fotografen Biden wieder beim Schlafen erwischt. Und als der US-Präsident aufwachte, sagte er plötzlich im Halbschlaf, dass Putins „Tundra in Flammen steht, er sehr ernste Probleme mit dem Klima hat und er schweigt über seinen Willen, etwas zu tun“.

Wissen Sie, das ist genau die Art von Stil, die viele Staats- und Regierungschefs der Welt dazu inspiriert, ihre Zeit nicht mit der Teilnahme bei solchen angeblich „globalen“ Initiativen zu verschwenden. Und auch bei bilateralen Treffen wäre es gut, wenn die Amerikaner ihren Ton ändern würden. Wir erinnern uns, dass der chinesische Staatschef Xi Jinping vor kurzem, wie in der Presse berichtet wurde, eine Einladung zu einem Treffen mit Biden abgelehnt hat, weil ein solches Treffen im Zusammenhang mit den anti-chinesischen Sanktionen als Affront gegen China gewertet worden wäre.

Um noch einmal auf Putins „Schweigen“ zum Klima zurückzukommen: Biden hat das alles einfach verschlafen. Russland ist ein globaler Geber für die Umwelt, ein Land, das im Gegensatz zu den USA die globale Umweltbilanz verbessert. Biden hat offensichtlich auch Putins Bericht auf dem G20-Gipfel verschlafen.

„Heute liegt der Anteil der Energie aus praktisch CO2-freien Quellen – zu denen, wie wir wissen, Kernkraftwerke, Wasserkraftwerke, Windkraftwerke und Solarkraftwerke gehören – bei über 40 Prozent, und unter Berücksichtigung von Erdgas – dem CO2-ärmsten Brennstoff unter den fossilen Energieträgern – beträgt dieser Anteil 86 Prozent. Das sind mit die besten Kennzahlen der Welt. In den letzten 20 Jahren ist die CO2-intensität unserer Wirtschaft um durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahr gesunken, das ist mehr als in der Welt insgesamt und sogar mehr als in der G7“, sagte der russische Präsident.

Mehr noch: Russland ist auch führend bei der Absorption von Treibhausgasen. Auch das hat Biden in Glasgow offenbar verschlafen. Putin sagte: „Russland verlässt sich unter anderem auf die einzigartige Ressource unserer Waldökosysteme, ihr bedeutendes Potenzial, Kohlendioxid zu absorbieren und Sauerstoff zu produzieren. In unserem Land befinden sich etwa 20 Prozent der weltweiten Wälder.“

Man ist versucht zu sagen: Präsident Biden, wach auf und singe! Und das ist noch nicht alles von Putin. Der russische Präsident ist bereit, unsere Ansätze in der Klimapolitik bei dem bevorstehenden Treffen mit Biden genauer zu erläutern und zum Beispiel ganz offen über CO2-Emissionen zu sprechen. Immerhin sind die Schadstoffemissionen der USA in die Atmosphäre dreimal so hoch wie die Russlands.

Für Biden könnte das Thema jedoch zu komplex sein. Offensichtlich ist er in Geist und Auftreten der „herausragenden“ Greta Thunberg näher, die von interessierten Leuten im Westen zwischen Veranstaltungen und Treffen hin- und hergefahren wird, um allen ihr „Blabla“ zu erzählen und Flüche zu schreien und zu fordern, sich den Klimagipfel selbst sonst wohin zu stecken. Es war die Schulschwänzerin Greta Thunberg, der die grünen Ultras aus irgendeinem Grund die globale Klimaexpertise anvertraut haben und die eingeladen wurde und der auch die Staatschefs zuhören sollten. Eine Art böser Zirkus.

Aus Glasgow berichtet unser Korrespondent.

Die alte englische Hafenstadt Whitehaven versucht, mit der Zeit zu gehen. Auf den Dächern befinden sich Sonnenkollektoren und vor der Küste reiht sich eine Armada von Windrädern aneinander. Whitehaven verdankt seinen Wandel vom Fischerdorf zur Stadt jedoch der Kohle, die hier bereits im 17. Jahrhundert abgebaut wurde. Die letzte aktive Mine hier wurde 1988 geschlossen. „Das Ende einer Ära“ steht auf einem der wichtigsten Denkmäler der Stadt. Wie sich herausstellte, ist Whitehaven nach 30 Jahren wieder auf Kohle umgestiegen.

Das neue Bergwerk wird auf dem Gelände einer ehemaligen großen Chemiefabrik entstehen. Sie soll drei Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern. Man schätzt, dass die Reserven der Mine für 40 Jahre ausreichen. Aufgrund der Energieknappheit in Großbritannien mussten alte Kohlekraftwerke wieder entmottet werden. Die meisten von ihnen wurden unter den Slogans „Für grüne Energie“ zerstört.

Die hier geförderte Kokskohle ist für die Stahlindustrie bestimmt. Die Einheimischen sind begeistert – die Stadt wird 500 neue Arbeitsplätze erschaffen. Das Projekt hat sich jedoch bereits verzögert, weil Umweltaktivisten dagegen sind.

„Naturschützer und Ökoaktivisten fordern den Stopp des Projektes. Sie sind dagegen. Aber sie vergessen, wie groß der CO2-Fußabdruck der Kohleversorgung unseres Landes wirklich ist. Kohle wird aus tausenden Kilometern Entfernung zu uns gebracht, weil wir sie für unsere Stahlindustrie brauchen“, sagen die Einheimischen.

Whitehaven ist nur zwei Stunden von Glasgow entfernt, wo gerade die UN-Klimakonferenz stattfand. Die Versammelten in Glasgow sind bereit, die globale Erwärmung zu bekämpfen, aber das Problem ist zu breit gefächert: Jedes Land hat seine eigenen Möglichkeiten und seine eigene Situation, so dass es äußerst schwierig ist, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird.

Russland schlägt vor, seine Abhängigkeit von Kohlenwasserstoffen durch die Nutzung von Kernenergie und Wasserkraft zu verringern.

„Wasserkraft und vor allem Kernenergie werden wieder ins Spiel kommen, da die Kernenergie bei ordnungsgemäßer Einhaltung der Sicherheitsvorschriften eine sehr geringe CO2-Bilanz aufweist und fossile Brennstoffe ersetzen kann“, so Wjatscheslaw Solomin, Geschäftsführer der „En+ Holding“.

Viele westliche Experten stimmen mit diesen Einschätzungen überein, wie dieser Experte auf der Konferenz anhand einer interaktiven Karte zeigt.

„Was die Emissionen angeht, sind Frankreich und Schweden die umweltfreundlichsten Länder, unabhängig von der Stärke des Windes; dort gibt es viel Kernkraft. Auch Norwegen und Island sind grün, obwohl die Menschen auf Island auf Vulkanen leben. Und rundherum ist ein anderes Bild: Polen verbraucht viel Kohle, Deutschland verbraucht auch viel Kohle und Gas, weil es sich gegen Atomkraftwerke entschieden hat“, sagt Patrick Worms, Präsident der European Agroforestry Federation.

Viele europäische Länder haben sich auf erneuerbare Energien konzentriert, aber die Dinge sind hier so unbeständig wie der Wind, der manchmal einfach nicht weht.

Das war in diesem Jahr der Fall. Der Hotelbesitzer David Saxon hält wehmütig eine alte Grubenlampe in der Hand: Wenn der Strompreis weiter steigt, muss er auf Petroleum umsteigen. „Für die Stromrechnung zahlen wir tausend Pfund im Monat. Jetzt haben wir es mit einem Anstieg von 60 Prozent zu tun. Statt 12.000 bis 15.000 Pfund pro Jahr müssen wir also 20.000 Pfund zahlen“, sagt Saxon.

Aber selbst die aktuelle Energiekrise wird von den westlichen Führern in ein politisches Instrument verwandelt, wobei sie die Umwelt und ihre frierenden Bürger vergessen.

„Wir werden überredet, mehr Gas durch die bestehende Pipeline durch die Ukraine zu pumpen, aber gleichzeitig wollen sie Nord Stream 2 nicht in Betrieb nehmen, das im Vergleich zur alten, baufälligen Pipeline einen geringeren CO2-Fußabdruck hat und eine bessere Qualität und saubereres Gas liefert, weil es keine Lecks gibt. Diese Doppelmoral verhindert ernsthaftere Fortschritte und wir schlagen vor, sich auf die Maßnahmen zu konzentrieren, die heute ergriffen werden können“, sagte Ruslan Edelgerijew, Sondergesandter des Präsidenten der Russischen Föderation.

Hier wurden sich die Münder zerrissen und beklagt, dass die Führer Russlands und Chinas nicht nach Glasgow gekommen waren. Aber was hat sich dadurch geändert, wenn der indische und der australische Premierminister an der Konferenz teilgenommen haben? Genau wie die USA können sie es sich nicht leisten, den Bergbau und die Nutzung von Kohle aufzugeben.

„Wir haben in Australien eine sehr starke Kohlelobby. Seit über 20 Jahren sind wir nicht in der Lage, Fortschritte zu erzielen, die Politiker wollen nichts tun. Australien ist in dieser Frage also wie eine Handbremse“, sagte Simon Bradshaw, Forscher beim Climate Council of Australia.

Während des Gipfels schauten Politiker gelegentlich bei Umweltschützern vorbei. Ohne groß ins Detail zu gehen, machten sie Fotos mit den Aktivisten und klopften ihnen auf die Schulter. Auf den hinter der Maske versteckten Gesichtern ist es unmöglich zu erkennen, wie ernst es ihnen mit dem Klima ist. Der ukrainische Präsident Selensky verfolgte Biden, um sich erneut über Russland zu beschweren. Emmanuel Macron stritt sich weiterhin mit Johnson um Fische im Ärmelkanal und nannte den australischen Premierminister einen Lügner.

Der halb schlafende Biden wurde in einer endlosen Autokolonne mit starken Benzinmotoren transportiert – aber ohne Elektroautos. Rund 400 Privatjets wurden am Himmel über Glasgow gezählt, die die Bosse hier anlieferten und abholten und dabei tonnenweise CO2 in die Atmosphäre abgaben. Johnson, der Gastgeber der Veranstaltung, nutzte den Privatjet, um rechtzeitig zum Abendessen im Londoner Garrick Gentleman’s Club anzukommen.

„Als ich noch Bürgermeister von London war und erstmals meine heutigen Freunde, die weltweit führenden Politiker, kennenlernte, bezog unser Land 40 Prozent seines Stroms aus Kohle. Heute liegt der Anteil bei einem Prozent, bis 2024 wird er auf Null sinken. Bis 2030 werden wir auch unsere Autoemissionen auf Null reduzieren“, versicherte Johnson.

Man kann von Greta Thunberg halten, was man will, aber in einem Punkt kann man ihr nicht widersprechen: Der Gipfel von Glasgow ist ein Misserfolg, und zwar ein unvermeidlicher Misserfolg, denn Heuchelei ist buchstäblich überall.

Greta selbst ist eine Demagogin, aber Experten zufolge ist die Marke der energischen Schwedin bereits zwischen 3 und 6 Milliarden Euro wert. Der Kampf für das Klima entwickelt sich zu einer neuen Religion mit eigenen Predigern. Noch droht den Abtrünnigen kein schrecklicher Prozess, aber die Stimmen der Zweifler will man lieber nicht hören.

Ende der Übersetzung

Das russische Fernsehen über den Klimagipfel in Glasgow: „Heuchelei buchstäblich überall“

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Das russische Fernsehen über den Klimagipfel in Glasgow: „Heuchelei buchstäblich überall“

  1. Wenn Greta schon ein ernstzunehmender Gesprächspartner ist, dann haben wir weltweit mindestens 6 mrd Klimaexperten !

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    Verfasst von zivilistin | 8. November 2021, 11:52

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