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Asien, Ausland

Neues von Saakaschwili im Gefängnis

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Der ehemalige georgische Präsident Saakaschwili ist nach seiner Rückkehr nach Georgien vor einem Monat verhaftet worden und sitzt im Gefängnis. Das russische Fernsehen hat über die aktuelle Situation berichtet.

Vor einem Monat ist der ehemalige georgische Präsident Saakaschwili überraschend und illegal nach Georgien gereist, anscheinend, um die an dem Wochenende stattfindenden Regionalwahlen zu einem Umsturz zu nutzen und wieder an die Macht zu kommen. Wenn das sein Plan war, ist er grandios gescheitert, denn er wurde festgenommen, weil er in Georgien in Abwesenheit zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt wurde und seine Anhänger haben weder die Wahl gewonnen, noch einen Umsturz versucht. Nur einige wenige Menschen demonstrieren vor dem Gefängnis für seine Freilassung, während Saakaschwili behauptet, im Hungerstreik zu sein.

Das russische Fernsehen hat am Donnerstag in den Abendnachrichten über die Lage in Georgien berichtet und ich habe den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der ehemalige georgische Präsident Michail Saakaschwili, der seit mehr als einem Monat im Gefängnis von Rustavi inhaftiert ist, sandte am 4. November eine neue Botschaft an seine Anhänger. Er forderte sie auf, nicht auf eine Begnadigung zu hoffen, sondern selbst den Kampf für seine Freiheit zu beginnen. Mit Blick auf die Begnadigung des Politikers, der in zwei Strafverfahren verurteilt wurde und in zwei weiteren angeklagt ist, sagte die georgische Präsidentin Salome Surabischwili kurz und bündig: „Nein und niemals.“ Saakaschwili setzt unterdessen seinen Hungerstreik fort und informiert seine Mitstreiter über die neuen Gefahren, die ihm drohen. Aus Georgien berichtet unser Korrespondent Alexander Bussaladse.

Heute haben sich rund 50 Menschen an den Mauern des Rustavi-Gefängnisses versammelt. All diese Menschen sind gekommen, um Michail Saakaschwili eine gute Nacht zu wünschen, so scherzten zumindest die Einwohner von Rustavi, die nicht an der Kundgebung teilnahmen. Und Saakaschwili hat noch einen weiteren Grund, sich nicht von seiner Gefängniszelle ins Krankenhaus zu begeben: Angeblich wurden südossetische Spezialeinheiten mit dem einzigen Ziel nach Georgien beordert, den ehemaligen Präsidenten zu entführen.

Saakaschwili teilte seinen Anwälten schriftlich mit, dass er entführt werden solle. Als die Möglichkeit aufkam, dass der Ex-Präsident in ein Militärkrankenhaus in Gori, nicht weit von der ossetischen Stadt Zchinwali entfernt, verlegt werden würde, sagte er auch, dass er sich weiterhin als Gefangener Putins betrachte und dass er im Gefängnis nun von russischen Wächtern bewacht werde. Seine Sympathisanten mit Briefen nervös zu machen ist das Letzte, was ihm bleibt. Die Anhänger glauben ihm bisher noch. (Anm. d. Übers.: Zchinwali ist die Hauptstadt von Südossetien, Saakaschwili hatte die Stadt 2008 zu Beginn des Kaukasuskrieges mit Raketenwerfern beschießen lassen und viele Zivilisten getötet. Heute ist Südossetien unabhängig von Georgien, was Georgien aber nicht anerkennt. Informationen über den Kaukasuskrieg finden Sie hier)

„Wie soll man nun im modernen Georgien leben? Ich bin sicher, dass das auch für Euch inakzeptabel ist. Für jeden, der heute hierher gekommen ist, um für einen vollständigen Sieg, für die Befreiung von Saakaschwili einzutreten“, sagt einer der Unterstützer des ehemaligen Präsidenten auf der Kundgebung.

Aber von welcher Art von Sieg spricht er? Die Redner scheinen das selbst nicht zu wissen. In letzter Zeit und insbesondere während der Herrschaft Saakaschwilis, hat Georgien nur Niederlagen erlitten. Ihn freizulassen, bedeutet den Untergang des Landes. Auch die Ukraine gibt sich keine große Mühe, ihren widerspenstigen Bürger freizubekommen: Seine Mutter Giula Alasania bittet über soziale Netzwerke für ihren Sohn. (Anm. d. Übers.: Saakaschwili hat die ukrainische Staatsbürgerschaft erhalten)

„Wir befinden uns in einer verzweifelten Situation. Mein Sohn wird vor meinen Augen umgebracht“, so die Mutter von Michail Saakaschwili. „Ich möchte mich an Herrn Selensky wenden, der uns schon viele Male geholfen hat. Aber jetzt brauchen wir seine Unterstützung und seine Hilfe besonders. Es muss Hilfe organisiert werden, um Michail Saakaschwili in die Ukraine zu holen.“

Das bedeutet, ihn zu begnadigen und freizulassen. Die georgische Präsidentin wiederholte dazu nur ihren grundsätzlichen Standpunkt.

„Ich bin der Meinung, dass der Zweck seiner Ankunft darin bestand, das Land zu destabilisieren“, sagt Salome Surabischwili über Saakaschwilis Pläne bei seiner Rückkehr nach Georgien. „Er ist kein politischer Gefangener und über eine Begnadigung ist alles gesagt: Nein und niemals! Ich werde auf das Thema nicht mehr zurückkommen.“

Saakaschwili selbst, der in im Gefängnis eine strenge Diät hält, nimmt schon seit 30 Tagen ab. Er soll 20 Kilo verloren haben. In einem anderen Brief erklärt Saakaschwili, er habe abgenommen und sei euphorisch, er wolle keine Ämter mehr, sondern nur noch Freiheit unter freien Menschen. Nach der Stimmung der georgischen Regierung zu urteilen, wird er jedoch nicht so bald freigelassen werden.

Ende der Übersetzung

Neues von Saakaschwili im Gefängnis

Diskussionen

2 Gedanken zu “Neues von Saakaschwili im Gefängnis

  1. Das Wunder dabei ist, daß es sooo lange gedauert hat.

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    Verfasst von zivilistin | 7. November 2021, 10:43
  2. 2008 wurde der Krieg in der Nacht vom 7. auf den 8. August von Georgien begonnen.
    Eine ziemlich unüberlegte Reaktion auf die kontinuierlichen Provokationen in den Randgebieten.

    Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili hatte behauptet, der Beschuss der südossetischen Hauptstadt Zchinwali und der folgende Vormarsch der georgischen Truppen in das Gebiet der von Georgien abtrünnigen Provinz in jener Nacht seien Notwehr gewesen. Er, Saakaschwili, habe mit dem Befehl dazu auf den Einmarsch russischer Truppen durch den Roki-Tunnel reagiert, der Südossetien durch den Kaukasuskamm hindurch mit Russland verbindet. Hinweise für eine russische Invasion konnte die Kommission aber nicht finden. Sie kommt daher zu dem Schluss, die erste Reaktion der russischen Streitkräfte zur Verteidigung ihrer in Südossetien aufgrund eines gültigen internationalen Mandats stationierten„ Friedenstruppen sei daher gerechtfertigt gewesen.

    Diese eindeutige Aussage darüber, wer die Schuld dafür trägt, dass aus der seit Anfang Juli 2008 ständig wachsenden Zahl von Scharmützeln in und um Südossetien ein Krieg wurde, entlastet Russland allerdings nur teilweise. Eine starke Mitschuld an der Eskalation des Konfliktestragen zahlreiche Verstöße gegen das Völkerrecht wie die in den Jahren vor dem Krieg massenhaft verteilten russischen Pässe an die Bewohner der von Georgien abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien, nur um damit später die Invasion zum „Schutz der Staatsbürger“ umzudeklarieren. In Südossetien lebten bis zum August 2008 zahlreiche Georgier, die bei ethnischen Säuberungen vetreiben wurden. Zudem hat Russland sowohl politisch als auch militärisch wie beim Abschuss einer georgischen Drohne über Abchasien und durch die Entsendung von Truppen die Spannungen im Südkaukasus seit Frühjahr 2008 durch immer neue Schritte stark angeheizt und Benzin ins Feuer gegossen.

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    Verfasst von Peggi | 6. November 2021, 12:45

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