Erinnern wir uns, in den 2000er Jahren gab es einen sehr tödlichen Konflikt zwischen dem Süden und dem Norden des Sudan. Der Schein trog, weil dort private US-Militärunternehmen, darunter DynCorp International, als Einheimische verkleidet kämpften. Am Ende setzten die selbsternannten „Freunde des Sudan“ (USA, Norwegen, Vereinigtes Königreich) das Naivasha-Abkommen durch, das 2011 zur Abspaltung des Südsudan führte, der nun de facto unter dem Protektorat der Vereinigten Staaten und Israels steht.

Dieser durch lokale Rivalitäten angeheizte, aber von Israel gewollte und von den Vereinigten Staaten finanzierte Krieg, ermöglichte die Schaffung eines Pufferstaates, um Israels Nachbarn im Visier zu halten. In den 50er bis 70er Jahren beabsichtigte Israel, im Namen seines „Rechts auf Sicherheit“ (sic), Staaten im Südlibanon (südlich des Litani-Flusses), im Westen Syriens (Golanhöhen) und Ägypten (Berg Sinai) zu schaffen oder zu annektieren. Mit der Verbreitung der Mittelstreckenraketen hat Israel jedoch die gleiche Strategie verfolgt, indem es versuchte Marionettenstaaten mit der Fähigkeit zu schaffen, Israels unmittelbaren Nachbarn in den Rücken zu fallen. Daher die Gründung des Süd-Sudan im Jahr 2011 und der Versuch, 2017 ein Kurdistan im Irak zu schaffen.

Was vom Sudan übriggeblieben ist, wurde erneut diskutiert, als der Rebellenflügel der Muslimbruderschaft unter der Führung von Omar al-Bashir im April 2019 gestürzt wurde. Bald stellte sich heraus, dass die Macht in die Hände des Dschandschaweed-Milizionärs Mohamed Hamdan Dagalo, bekannt als „Hemidti“, übergegangen war. Er war ein saudi-arabischer Söldner gegen die Huthis im Jemen geworden. Als er während des Konflikts in Darfur (im heutigen Südwestsudan) der Kriegsverbrechen beschuldigt wurde, versteckte sich Hemidti hinter dem Stabschef der Armeen, General Abdel Fattah al-Burhan, dessen „Stellvertreter“ er wurde [1].

Im Juni 2019 organisierte Deutschland unter dem Namen der Gruppe, die den Südsudan gründete, eine weitere informelle Gruppe gleichen Namens, die „Freunde des Sudan“, und führte dann eine Videokonferenz aus Berlin durch. In deren Verlauf wurden die neuen Spielregeln (der „Demokratische Übergang“) aus dem Hut gezogen, ohne dass klar war, wer sie geschrieben hatte. Sie wurden am 17. Juli von den sudanesischen Parteien angenommen, gefolgt von einem Verfassungsentwurf am 4. August. Beachten Sie, dass diese Dokumente nicht von General al-Burhan unterzeichnet wurden, sondern von seinem „Stellvertreter“ selbst, dem Milizionär Hemidti.

Die Macht wurde zwischen Zivilisten und Militär aufgeteilt. Um Abdallah Hamdok, einen hochrangigen sudanesischen UN-Beamten, wurde eine Regierung gebildet.

Im Februar 2020 traf sich der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu mit General al-Burhan in Entebbe, (Uganda). Bald normalisierten die beiden Länder ihre Beziehungen. Die USA ihrerseits veranlassten die Übergangsregierung zur Anerkennung jener Rolle, die dem Regime Omar al-Beshir bei den angeblich 1998 von al-Kaida verübten Angriffen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania zugeschrieben wurde. Dann regnete es Dollar auf den Sudan.

Im März 2021 forderte der UN-Sicherheitsrat, nachdem er beschlossen hatte, seine 15000 Blauhelme (UN-Friedenstruppen) aus Darfur abzuziehen, die Übergangsregierung auf, 12000 Soldaten dorthin zu entsenden, und schuf eine „Mission zur Unterstützung des Übergangs“ (UNAMITs), die sich aus 300 Zivilisten zusammensetzt. Zur allgemeinen Überraschung ernannte UN-Generalsekretär António Guterres den Deutschen Volker Perthes zum Leiter der UNAMITs. Herr Perthes, ehemaliger Direktor des wichtigsten Think-Tanks der deutschen Regierung, der SWP, war der Herausgeber des Kapitulationsplans der Arabischen Republik Syrien im Auftrag von Jeffrey Feltman, damals Nummer 2 der Vereinten Nationen [2]. Er plante damit die Abschaffung der syrischen Volkssouveränität, die Auflösung aller Verfassungsorgane, den „Prozess“ und die Hinrichtung der 120 Hauptführer und sah die Teilung des Landes vor.

Dann warf Präsident Joe Biden seine Trumpfkarte ins Spiel, indem er Jeffrey Feltman zu seinem Sonderbeauftragten am Horn von Afrika, einschließlich des Sudan, ernannte. Nun war also klar, dass Volker Perthes in Zusammenarbeit mit seinen US-Freunden still und leise die Regeln des „Demokratischen Übergangs“ vor der Berliner Konferenz geschrieben hatte.

Botschafter Jeffrey Feltman ist eine führende Persönlichkeit des US-Deep-State. Insbesondere spielte er eine Rolle im israelisch-palästinensischen Friedensprozess und beteiligte sich an der Schaffung von Irakisch-Kurdistan im Auftrag des privaten Unternehmens, das als „Coalition Provisional Authority in Iraq“ bekannt ist [3]. Dann wurde er Botschafter in Beirut, wo er die Farbrevolution 2005 („Zedernrevolution“) und die falschen Mordvorwürfe gegen die libanesischen und syrischen Präsidenten Emile Lahoud und Bashar al-Assad organisierte. Er war auch Assistent von Außenministerin Hillary Clinton für den Nahen Osten. Er wurde Direktor für politische Angelegenheiten der Vereinten Nationen; ein Posten, an dem er UN-Ressourcen für den Krieg gegen Syrien umleitete, einschließlich der Unterstützung für die Dschihadisten. Er verschwand während der Amtszeit von Donald Trump, indem er sich in den Dienst Katars stellte.

Im Mai 2021 organisierte Frankreich in Paris eine Fortsetzung der Berliner Videokonferenz. Man erörterte Finanz-Fragen und sah vor, dem Sudan 2 Milliarden Dollar zu gewähren, wovon 1,5 Milliarden für die Rückzahlung der Rückstände des Sudan an den IWF waren [4].

Das sudanesische Volk leidet unter Armut und in einigen Gebieten unter Hunger. Nur bestimmte Stämme erkennen sich in der Zivilregierung wieder. Sie hoffen auf ein besseres Leben mit der Zivilregierung, während andere diese Regierung als Stammesfeind betrachten. Letztere forderten daher das Militär auf, ihre Interessen zu verteidigen. Seit einigen Monaten hat ein Bürgerkrieg begonnen. Nicht zu Unrecht hat das Militär, unterstützt von Saudi-Arabien, gedroht die Zivilregierung zum Rücktritt zu zwingen.

„In dem Bestreben, den zivilen Frieden wiederherzustellen“, hat Präsident Joe Biden Jeffrey Feltman Anfang dieses Monats nach Khartum geschickt. Dann ein zweites Mal, am 23. Oktober, um die beiden Parteien zu treffen. Beiden erklärte er, dass die finanzielle Unterstützung des Westens nur aufrechterhalten werde, wenn die Sudanesen vereint blieben. General al-Burhan versprach, alles zu tun, um die Einheit des Landes zu bewahren. Botschafter Feltman blieb für zwei Nächte in Khartum.

Sobald Jeffrey Feltman’s Flugzeug am frühen Morgen des 25. Oktober abgehoben hatte, forderten General al-Burhan und sein „Stellvertreter“ Hemidti den Rücktritt der Regierung, nicht die des Premierministers Abdallah Hamdok. Wie sie dem US-Gesandten mitgeteilt hatten, wollten sie ihn zwingen, ein neues Team zu bilden, das die Stammesgleichgewichte besser respektiert. Doch der Premierminister lehnte ab. Weniger als eine Stunde nach dem Abflug von Jeffrey Feltman’s Flugzeug wurde er unter Hausarrest gestellt.

Die Vereinigten Staaten, die Weltbank und der IWF schrien sofort „Militärputsch“ und setzten ihre Finanzhilfen aus. Das Land, das bereits am Rande des Erstickens stand, stürzte sofort ab. Die Afrikanische Union verurteilte den „Putsch“. Ägypten rief zwar beide sudanesischen Seiten zum Dialog auf, schien mit dem Ergebnis aber zufrieden zu sein. General al-Burhan soll ein militärischer Schulkamerad von Präsident al-Sissi sein.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben wenig gesagt und nichts über die Fortsetzung ihrer wertvollen Finanzhilfe. Auch die Türkei hat geschwiegen: Ankara hat die Insel Suakin im Sudan für 99 Jahre gepachtet, um eine Militärbasis zu errichten und das Rote Meer gegen Saudi-Arabien zu kontrollieren.

Washington hat dem Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem der „Militärputsch“ verurteilt und Sanktionen verhängt werden. Aber Russland bat um ein paar Tage, um die Informationen zu überprüfen. Moskau, das sich an die Lügen erinnert, die den Krieg gegen Libyen ermöglichten, hat den Eindruck, dass voreingenommene Informationen verbreitet werden, um Moskau in die Irre zu leiten. Der mediale Diskurs über die bösen Soldaten, die die guten Demokraten vernichten, erscheint ihm nicht sehr glaubwürdig. Der Ton zwischen den Vertretern der verschiedenen Länder des Rates hat sich erhöht. Einige stellten dann fest, dass die Ereignisse streng genommen kein „Militärputsch“ waren, da sich die Hälfte des Landes hinter die Armee gestellt hatte und diese den Premierminister nicht enthoben hatte.

Im August nahmen die Vereinigten Staaten die Rumsfeld/Cebrowski-Strategie wieder auf, die sie seit dem 11. September 2001 in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und Jemen durchgeführt hatten, und mindestens eine Million Tote verursachte [5]. Sie versuchen nicht, eine sudanesische Seite gegenüber einer anderen zu bevorzugen. Nur um sie in die Konfrontation zu führen, bis sie selbst die Strukturen des Staates zerstören und fremden Mächten nicht mehr widerstehen können.

Ein Jahrzehnt lang raubten uns die „Freunde Syriens“, Volker Perthes und Jeffrey Feltman, in der Levante den Atem, wo sie am Ende doch verloren haben. Die Vereinigten Staaten waren gezwungen, die Region Russland zu überlassen. Jetzt versuchen die „Freunde des Sudan“, Volker Perthes und Jeffrey Feltman, das Horn von Afrika zu zerstören, beginnend mit Äthiopien und dem Sudan.

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

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[1Sudan ist unter saudische Kontrolle geraten“, „Die Schnellen Reaktionskräfte sind im Sudan an der Macht“, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 20 und 24. April 2019.

[2Deutschland und die Uno gegen Syrien“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Sabine, Zeit Fragen (Schweiz) , Al-Watan (Syrien) , Voltaire Netzwerk, 28. Januar 2016.

[3Wer regiert im Irak?“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 13. Mai 2004. [Wer regiert im Irak? Im Gegensatz zu dem, was ihr Titel glauben machen könnte, ist die Coalition Provisional Authority im Irak kein Organ der Koalition oder gar eine Agentur der Vereinigten Staaten. Streitigkeiten über Ausschreibungen für den Wiederaufbau zeigen, dass die Behörde keine Einrichtung des öffentlichen Rechts, sondern ein privates Unternehmen ist. George W. Bush hat den Irak privatisiert, wie Leopold II. von Belgien den Kongo, enthüllt Thierry Meyssan in einer Intervention vor der Konferenz zur Unterstützung des irakischen Widerstands (Paris, 15. Mai 2004)].

[4« Conférence internationale d’appui à la transition soudanaise », Réseau Voltaire, 17 mai 2021.

[5Die Befürworter des „endlosen Krieges“ begrüßen Joe Bidens Anschluss“, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 30. August 2021.