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Ausland, Europa

Jetzt wird’s absurd: Die USA verkünden, dass nur Russland der EU in der Gaskrise helfen kann

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Die USA, die Europa immer vor der Abhängigkeit von russischem Gas warnen und ihre eigenes Flüssiggas nach Europa verkaufen wollten, haben der EU nun geraten, mehr Gas in Russland zu bestellen, weil die USA der EU nicht mit Gaslieferungen helfen können.

Was wie Realsatire klingt, ist wirklich wahr. Nachdem die USA jahrelang vor der angeblichen Abhängigkeit von russischem Gas gewarnt haben, in die Europa sich angeblich begibt, und der EU als Lösung des „Problems“ ihr Flüssiggas aufgedrängt haben, sagen sie nun das Gegenteil: Im US-Außenministerium wurde verkündet, die EU solle sich mit der Bitte um mehr Gas an Russland wenden, da nur Russland der EU in diesem Winter helfen kann. Die USA könnten leider nichts tun.

Das russische Fernsehen hat über die neuesten Entwicklungen in der Energiekrise berichtet und dabei auch über die Lage in Moldawien gesprochen, wo die anti-russische Politik der neuen pro-westlichen Regierung dazu geführt hat, dass die Heizungen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt noch nicht eingeschaltet wurden. Über die Gründe der Gaskrise in Moldawien habe ich gerade erst berichtet, den Artikel finden Sie hier.

Ich habe den Bericht des russischen Fernsehens aus den Abendnachrichten vom 26. Oktober übersetzt und werde nach der Übersetzung noch einmal die Gründe für die Energiekrise in Europa zusammenfassen.

Beginn der Übersetzung:

Nur Russland kann die EU vor der Kälte retten: Das US-Außenministerium hilft Europa mit Ratschlägen

Das US-Außenministerium hat Europa überraschend offen erklärt, dass nur Russland die EU vor der Kälte retten kann. In den USA selbst gibt es inzwischen Probleme an den Flüssiggas-Terminals. Die europäischen Energieminister kamen nach diesem Ratschlag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Und konnten sich auf nichts einigen. Oder einfach gesagt: Gewonnen hat die Version, dass die heutigen hohen Gaspreise ein Zufall sind. Die hohen Preise müsse man durchhalten. Aber womit heizen? Das fragt zum Beispiel Moldawien. Eine Reportage von Alexander Christenko.

In Chisinau herrschen nachts fast null Grad, aber in 70 Prozent der Wohnungen ist die Heizung noch immer nicht eingeschaltet. Um sich warm zu halten, verbringen einige Menschen die Nacht sogar in ihren Autos. Die Zentralregierung hat sich bisher nichts anderes einfallen lassen, als die Ewige Flamme auszuschalten. Diesmal an der Gedenkstätte in der Stadt Cahul. In der moldawischen Hauptstadt wurde die Flamme nach der Empörung der Bürger wieder entzündet.

„Oben sind sie auf die Idee gekommen, die Ewige Flamme abzuschalten, als wäre das die wichtigste Entscheidung in Sachen Wirtschaft“, so Ion Ceban, Bürgermeister von Chisinau. „Eine in meinen Augen beschämende Entscheidung.“

Eine weitere Entscheidung, die viele Menschen entmutigt hat, ist der Kauf von einer Million Kubikmeter Gas aus Polen. Beim derzeitigen Verbrauch reicht das in Moldawien für 7 Stunden. Die Regierung spricht von einem Testkauf, aber wenn man bedenkt, dass Polen selbst Gas importiert, wird der Republik Moldawien der Preis für dieses weiterverkaufte Gas wahrscheinlich nicht gefallen. Und jetzt fungiert die moldawische Premierministerin Natalia Gavrilita, die versprochen hatte, den Preis offen zu nennen, als Geheimniskrämerin.

„Wir sprechen also von einer Million Kubikmeter aus Polen?“, wurde sie im Interview gefragt.

„Ja“, bestätigt die Premierministerin.

„Zu welchem Preis?“

„Den Preis können wir nicht nennen. Er gilt als Geschäftsgeheimnis. Es handelt sich um einen Marktpreis von etwa 1.000 Dollar pro 1.000 Kubikmeter“, so Gavrilica weiter. „Den genauen Preis kann ich Ihnen nicht nennen, das ist auch eine Bedingung des Vertrages.“

Im Oktober erhält die Republik Moldawien russisches Gas zu einem Preis von 790 Dollar pro 1.000 Kubikmeter. Moskau war bereit, einen Rabatt von 25 Prozent auf den Marktpreis zu gewähren, allerdings unter der Bedingung, dass die alten Schulden in Höhe von 709 Millionen Dollar zurückgezahlt werden. Die Schulden sind real, im Gegensatz zu den 700 Millionen Kubikmetern ukrainischen Gases: Am Vortag schrieb Kiew, dass die moldawische Energocom einen entsprechenden Vertrag mit der ukrainischen Naftogaz unterzeichnet habe.

„Das ist eine Lüge, das ist nicht wahr. Genau so sollte es auch wahrgenommen werden“, antwortet Natalia Gavrilitsa auf die Presseberichte.

In der Zwischenzeit wissen die Schulen im ganzen Land nicht, wie sie ihre Klassenzimmer heizen sollen. Die Stromnetze sind alt und halten der Belastung nicht stand. Die privaten Haushalte tun ihr Bestes, um klarzukommen.

Wegen der hohen Gaspreise heizen die Dorfbewohner ihre Häuser weiterhin auf altmodische Weise – mit Brennholz, Reisig und Maishülsen.

Es ist nicht bekannt, inwieweit Ursula von der Leyen, die Chefin der Europäischen Kommission, in die Details eingeweiht ist, aber bei einem Gespräch mit der moldawischen Präsidentin Maia Sandu versprach sie, zu helfen.

„Wir hatten ein gutes Telefongespräch mit Maia Sandu. Wir stehen in ständigem Kontakt, um Moldawien bei der Lösung des Gasversorgungsproblems zu helfen. Die EU unterstützt Moldawien. Unsere Experten sind jetzt vor Ort, um die Situation zu klären“, schrieb Ursula von der Leyen auf Twitter.

Allerdings können die Experten der Europäischen Kommission sich bisher nicht einmal selbst helfen. In Luxemburg herrschte vor dem außerordentlichen Treffen der EU-Energieminister allgemeine Nervosität und die Teilnehmer suchten nach einer Lösung, die die unerschwinglichen Energiepreise senken und alle zufrieden stellen würde. Einige schlagen vor, zu langfristigen Verträgen zurückzukehren, andere schlagen vor, die Dinge so zu belassen, wie sie sind. Frankreich fordert eine Überarbeitung der Strommarktstruktur, Spanien und Griechenland eine gemeinsame Plattform für den Einkauf von Erdgas.

„Unser Vorschlag lautet: Optionsverträge für Käufe könnten zentral von der Europäischen Union abgeschlossen werden, so dass sie vom Pipelinesystem der Mitgliedsstaaten verwaltet werden“, schlägt die spanische Energieministerin Sara Agyesen vor.

Aber es gibt auch die Meinung der Europäischen Kommission. Und dort wirft der gemeinsame Kauf und die gemeinsame Speicherung von Gas eigene Fragen auf.

„Wer wird für die Kosten des Kaufs und der Lagerung von Gas aufkommen? Wie wird das Gas aus den verschiedenen Regionen innerhalb der EU transportiert werden?“, fragt Kadri Simson, EU-Energiekommissarin, „Wir prüfen das derzeit als eine Idee, um unter anderem unser Gassystem nachhaltiger zu gestalten.“

Auch hier kein Wort über die einfachste Lösung: den Start von Nord Stream 2. In Übersee hielt das US-Außenministerium kurz vor dem EU-Ministertreffen extra eine Pressekonferenz ab, in der es über die neue russische Pipeline sprach und den Europäern die klare Botschaft übermittelte, dass es keinen Grund zur Eile bei der Zertifizierung von Nord Stream 2 gibt. Im Gespräch wurde der März als Termin genannt und es wurden weitere Forderungen an Russland gestellt.

„Ich habe keinen Zweifel, und das wurde von der Internationale Energieagentur IEA bestätigt, dass der einzige Lieferant, der in diesem Winter ernsthaft auf die europäische Energiesicherheit einwirken kann, Russland ist“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums. „Die Russen können das Angebot erhöhen. Sie sollten das tun, und zwar schnell und über die bestehenden Pipelines.“

Auf die Frage, wie die USA Europa helfen werde, sagte der Berater des Außenministeriums, die US-Regierung habe keine Möglichkeit, auf ihre privaten Flüssiggas-Lieferanten Einfluss zu nehmen. Außerdem gab es heute eine größere Panne an zwei Terminals, die fast ein Viertel der gesamten Flüssiggas-Produktion der USA vorläufig außer Betrieb setzen könnte. Und obwohl dieses Gas meist an Europa vorbei nach Asien und Lateinamerika fließt, könnten die negativen Nachrichten auch auf dem europäischen Spotmarkt eine weitere Panikwelle auslösen.

Ende der Übersetzung

Die wahren Gründe für die Energiekrise in Europa

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier der Vollständigkeit halber nur noch einmal kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, sind es in diesem Jahr nur 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristigen Verträgen für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

Jetzt wird’s absurd: Die USA verkünden, dass nur Russland der EU in der Gaskrise helfen kann

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Jetzt wird’s absurd: Die USA verkünden, dass nur Russland der EU in der Gaskrise helfen kann

  1. Sind das etwa schon Anzeichen für die neue multipolare Weltordnung?

    Gefällt mir

    Verfasst von V wie Vendetta | 29. Oktober 2021, 12:51

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