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Ausland, Europa

Ukrainische Offensive im Donbass? Kiewer Armee rückt vor und greift Öllager in Donezk mit Drohne an

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Unbeachtet von den deutschen Medien rückt die ukrainische Armee im Donbass vor. Dabei werden auch erstmals bewaffnete Drohnen aus türkischer Produktion eingesetzt und es wurde versucht, einen Treibstoffspeicher in Donezk zu sprengen, was zu vielen zivilen Opfern hätte führen können.

Schon am 11. September gab es einen Versuch der ukrainischen Armee, die Kirowski-Treibstofflager am Stadtrand von Donezk mit einer Drohne anzugreifen. Damals gab es zwei Explosionen und es sind 1.300 Tonnen Treibstoff verbrannt. Dass dabei niemand verletzt wurde, grenzt an ein Wunder, denn weniger als hundert Meter von den riesigen Tanks entfernt stehen Wohnhäuser.

Angriffe auf Treibstofflager in Donezk

Deutsche Medien melden vereinzelt, dass die ukrainische Armee am 26. Oktober zum ersten Mal türkische Kampfdrohnen vom Typ Bayraktar eingesetzt hat, die Kiew vor kurzem von der Türkei gekauft hat. Das sei angeblich als Reaktion auf Artilleriebeschuss von Seiten der Rebellen geschehen, so die deutsche Presse. Weitere Details, also zum Beispiel dass Kiew ein weiteres Mal versucht hat, mit einer Drohne die Treibstofflager in Donezk anzugreifen, aber glücklicherweise nicht explodiert ist, verschweigen die deutschen Medien hingegen.

Donezk meldet in einer Pressemeldung:

Die ukrainische Armee verletzt weiterhin eklatant alle bestehenden Vereinbarungen, indem sie neue prinzipienlose Provokationen an der Kontaktlinie durchführt. So kam es heute Morgen zu einem weiteren terroristischen Akt. Mit einer Drohne versuchten die ukrainischen Streitkräfte erneut, das Öllager im Kirowski-Bezirk von Donezk zu sprengen. Ein unbemanntes Luftfahrzeug mit einem angebrachten Sprengsatz landete auf einem der Tanks des Öldepots, detonierte aber nicht sofort.“

Der Sprengsatz ist später bei dem Versuch, ihn zu entschärfen explodiert, verletzt wurde aber niemand. Donezk fordert die OSZE-Beobachter auf, den Vorfall zu untersuchen. Sollte es der ukrainischen Armee gelingen, dort eine große Explosion herbeizuführen (und nicht, wie im September „nur“ eine kleinere Explosion und ein Großfeuer), könnten dabei ganze Stadtteile von Donezk verwüstet werden.

Eine Offensive südlich von Donezk?

Donezk meldet weiter, dass die ukrainische Armee am 27. Oktober das nahe der Front liegende Dorf Novolaspa etwa 30 Kilometer südlich von Donezk mit 120-Millimeter-Granaten beschossen hat. Außerdem ist die ukrainische Armee demnach in das Dorf Staromarevka, das weniger als zehn Kilometer weiter südlich liegt, eingerückt. Das Dorf war vorher Niemandsland, was bedeutet, dass die ukrainische Armee ihre Stellungen entgegen den geltenden Waffenstillstandsvereinbarungen vorschiebt.

Kiew hat in dem Zusammenhang gemeldet, dass es wegen der sich zuspitzenden Lage an der Front überall Artillerie eingesetzt hat. Das kann ich übrigens aus erster Hand bestätigen, weil eine gute Bekannte von mir derzeit in Donezk ist und ich am 27. Oktober mit ihr telefoniert habe. Sie hat erzählt, dass sie, nachdem das Leben in der Stadt Donezk in letzter Zeit weitgehend seinen normalen Gang gegangen ist und man in der Stadt von dem Krieg nichts bemerkt hat, am 27. Oktober Beschuss und Explosionen zu hören gewesen sind.

Es wird befürchtet, dass Kiew erneut versuchen könnte, eine Offensive zu starten, nachdem die Ukraine in den letzten Monaten massive Waffenlieferungen vor allem aus den USA erhalten und auch türkische Kampfdrohnen gekauft hat.

Kiew könnte versucht sein, dem Beispiel Aserbeidschans zu folgen, das mit einem Überraschungsangriff große Teile der umstrittenen Region Berg-Karabach zurückerobert hat. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass Kiew bei einem solchen Versuch das Schicksal Georgiens von 2008 teilen dürfte, als der damalige georgische Präsident Saakaschwili Ossetien und Abchasien überfallen und dabei russische Friedenstruppen angegriffen hat.

Wiederholt sich das georgische Szenario?

Saakaschwili hat seinerzeit darauf gehofft, dass die USA ihm zur Hilfe eilen würden, hat sich aber getäuscht. Nach fünf Tagen Krieg war die georgische Armee zerschlagen. Das gleiche Schicksal droht auch Kiew im Falle einer Offensive gegen den Donbass, denn als die Lage Anfang des Jahres schon einmal angespannt war, hat Russland seine roten Linien sehr deutlich aufgezeigt und von amerikanischer Unterstützung war in Kiew nichts zu sehen.

Aber natürlich wäre ein ukrainischer Angriff und eine russische militärische Intervention für die USA auch dann ein Erfolg, selbst wenn die ukrainische Armee dabei zerlegt wird. Die USA würden das medial ausschlachten und die westlichen „Qualitätsmedien“ würden von „Russlands Aggression“ berichten, anstatt von Kiews Angriff. Das hat auch beim Kaukasuskrieg mit Georgien funktioniert, den die Medien bis heute als „russische Aggression“ bezeichnen, obwohl der Europarat in seinem Untersuchungsbericht das exakte Gegenteil berichtet, die Details finden Sie hier.

Das russische Fernsehen hat erst am 25. Oktober erneut auf die roten Linien Russlands in Sachen Ukraine hingewiesen. Hinzu kommt, dass in dem betroffenen Gebiet inzwischen viele Menschen die russische Staatsangehörigkeit haben, weshalb Russland eine moralische Pflicht empfindet, den Menschen im Falle eines Angriffs zu helfen.

Da die westlichen „Qualitätsmedien“ über die Tatsache, dass Menschen aus dem Donbass die russische Staatsangehörigkeit beantragen können, immer wieder unwahr berichten und alle Hintergründe weglassen, können Sie hier nachlesen, wie es dazu gekommen ist.


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

Ukrainische Offensive im Donbass? Kiewer Armee rückt vor und greift Öllager in Donezk mit Drohne an

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