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Ausland, Russland

Rede des Präsidenten Vladimir Putin im Club Valdai am 21. Oktober 2021

Arbeitsübersetzung von Dr. Wolfgang Schacht

Das Thema dieses Jahres lautet: „Globale Erschütterung – 21. Jahrhundert: Mensch, Werte, Staat“. Das Viertageprogramm mit 15 Veranstaltungen, die sowohl direkt in Sotschi als auch im Online-Format organisiert und durchgeführt wurden.

Lukjanov begrüßt die anwesenden Mitglieder, Teilnehmer und Gäste des Valdai Clubs. Insbesondere begrüßt er den anwesenden Präsidenten der Russischen Föderation, Vladimir Putin, und bittet Ihn, das Wort zu ergreifen.

Vladimir Putin: Wie schon immer, haben Sie im Verlaufe Ihrer Treffen solche extrem komplizierten und wichtigen Fragen tiefgründig diskutiert, die ohne Übertreibung im Mittelpunkt der Menschen in allen Ländern der Welt stehen. Und auch dieses Mal haben Sie das Thema (siehe oben) besonders klar und deutlich gestellt. Es ist tatsächlich so, wir leben in einer Epoche grandioser Veränderungen. Und wenn Sie erlauben, dann werde ich mir traditionell erlauben, meine Vorstellungen zu der von Ihnen formulierten Tagesordnung darzulegen. Allein die Formulierung, das wir „in einer Zeit von Veränderungen leben“ kann schon zu Verärgerungen führen, denn diese These wird pausenlos wiederholt. Außerdem begann diese Epoche der Veränderungen bereits vor langer Zeit, d.h. dieser Zustand ist schon zu einer Gewohnheit geworden. Es entsteht die Frage: Lohnt es sich, auf diese Tatsache besondere Aufmerksamkeit zu richten? Ich bin trotzdem mit denen einer Meinung, welche die Tagesordnung dieses Treffens formuliert haben: Es lohnt sich!

In den letzten Jahrzehnten haben sich viele an ein chinesisches Sprichwort erinnert. Das chinesische Volk ist sehr weise, es hat große Denker und viele wertvolle Gedanken, die wir auch heute nutzen können. Einer dieser Gedanken lautet: – um Gottes willen, nicht in der Epoche von Veränderungen leben. Aber wir leben in ihr, ob wir wollen oder nicht. Außerdem sind diese Veränderungen besonders groß und fundamental. Deshalb erinnern wir uns an eine andere chinesische Weisheit: das Wort „Krise“ besteht aus den zwei Hieroglyphen „Gefahr“ und „Möglichkeit“ – hier gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Vertreter der Chinesischen Volksrepublik. Falls ich mich irre, werden sie mich korrigieren. Bei uns in Russland sagt man: „kämpfe mit dem Verstand gegen die Schwierigkeiten, aber nutze die Erfahrung gegen die Gefahren“. Natürlich müssen wir die Gefahren erkennen und bereit sein, dagegen etwas zu tun, dagegen Widerstand zu leisten, nicht nur gegen eine Gefahr, sondern gegen die vielen Gefahren auf allen Ebenen, die in der Epoche der Veränderungen entstehen. Nicht weniger wichtig ist es, sich an den zweiten Bestandteil der Krise zu erinnern – über die Möglichkeiten, die es gilt, nicht aus dem Auge zu verlieren. Insbesondere auch deshalb, weil die Krise, mit der wir es zu tun haben

– eine konzeptionelle und sogar Zivilisationskrise ist. Dem Wesen nach, handelt es sich um eine Krise der Ansätze, der Prinzipien, welche grundsätzlich die Existenz des Menschen auf der Erde bestimmt. Uns zwingt sie vieles ernsthaft zu überdenken. Die grundsätzliche Frage besteht darin, auf welche Seite wir uns bewegen, auf was wir verzichten, was wir überdenken oder korrigieren müssen. Dabei bin ich überzeugt, dass wir für die echten Werte kämpfen müssen und sie mit allen Kräften auch verteidigen müssen.

Die Menschheit ist vor mehr als 30 Jahren in eine neue Periode eingetreten, als die wichtigsten Bedingungen für die Beendigung der militär-politischen und ideologischen Gegensätze geschaffen wurden. Ich bin überzeugt, dass Sie im Rahmen des Valdai Clubs über diese Fragen viel gesprochen haben. Unser Außenminister ist bereits aufgetreten, trotzdem fühle ich mich gezwungen, bestimmte Dinge zu wiederholen.

Damals, in jener Zeit, begann die Suche nach einer neuen Balance, nach stabilen Beziehungen in den sozialen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, militärischen Sphären, nach einem stabilen Fundament für das Weltsystem. Wir suchten dieses Fundament, müssen jetzt jedoch feststellen, dass wir es bis jetzt noch nicht gefunden haben. Aber jene, die nach der Beendigung des Kalten Krieges – auch darüber haben wir schon mehrmals gesprochen – sich als Sieger fühlten, haben auf der höchsten Stufe des Triumpfs sehr schnell gespürt, dass ihnen der Boden unter den Füßen schwindet. Jetzt ist auch bei ihnen niemand mehr in der Lage, den Augenblick des Sieges zu reproduzieren. Egal wie wunderbar er auch für sie war.

An die ständigen Veränderungen, Unberechenbarkeiten und an die ständige Einflussnahme mussten wir uns mehr oder weniger anpassen, aber auch das ist nicht geschehen.

Ich füge hinzu, dass die Transformationen, deren Zeugen und Teilnehmer wir sind, ganz andere Dimensionen angenommen haben, als diejenigen, die in der Geschichte der Menschheit stattgefunden haben. Auf jeden Fall jene, die wir kennen. Es handelt sich nicht nur um eine Verschiebung des Kräftegleichgewichts oder um einen wissenschaftlich-technologischen Umbruch, obwohl sowohl das eine als auch das andere jetzt zutrifft. Wir sind heute gleichzeitig mit Systemveränderungen in allen Richtungen konfrontiert: mit einem immer komplizierter werdenden geophysikalischen Zustand unseres Planeten und einer völlig paradoxen Auslegung dessen, was der Mensch selbst ist und worin der Sinn seiner Existenz besteht. Schauen wir uns in unserer Umgebung um. Und nochmals sage ich: Ich erlaube mir die Gedanken zu äußern, die mir nahe liegen und die mir vertraut sind.

Klimatische Deformationen und Verschlechterungen in unserer Umwelt sind derart offensichtlich, dass sogar seine völlig unbekümmerten Bewohner nicht in der Lage sind, dieses weiterhin zu bestreiten. Ein wissenschaftlicher Streit über den Mechanismus der ablaufenden Prozesse kann fortgesetzt werden, aber es ist unmöglich zu verneinen, dass sich diese Prozesse weiter ausdehnen und verstärken. Wir müssen etwas tun. Naturkatastrophen – Trockenheit, Überschwemmungen, Hurrikans, Tsunami – sind praktisch zu einer Art Norm geworden, wir haben begonnen, uns daran zu gewöhnen. Erinnert sei an die zerstörerischen und tragischen Überschwemmungen in Europa im vergangenen Sommer, an die Brände in Sibirien – Beispiele dafür gibt es sehr viele. Nicht nur in Sibirien – bei unseren Nachbarn in der Türkei gab es solche Brände, in den Vereinigten Staaten, allgemein auf dem amerikanischen Kontinent. Jede beliebige geopolitische, wissenschaftlich-technische und ideologische Rivalität scheint unter solchen Bedingungen völlig seinen Sinn zu verlieren. Was nützt es den Siegern, wenn sie keine Luft zum Atmen und kein Wasser zum Trinken haben?

Die Pandemie mit der Corona-Virus-Infektion wurde zu einer erneuten Erinnerung an die Tatsache, wie zerbrechlich und verwundbar unsere Gesellschaft ist, wie wichtig die Gewährleistung einer sicheren Existenz des Menschen und seiner Stress-Stabilität ist. Um die Überlebenschancen unter den Bedingungen der Katastrophen zu erhöhen, müssen wir neu überdenken, wie ist unser Leben organisiert, wie sind unsere Wohnungen gebaut, wie entwickeln sich oder wie müssen sich unsere Städte entwickeln, was sind die Prioritäten der wirtschaftlichen Entwicklung ganzer Staaten. Ich wiederhole: Sicherheit – das ist eine der wichtigsten Forderungen, auf jeden Fall ist das heute offensichtlich. Derjenige, der versucht zu sagen, das sei nicht so, möge dann erklären, warum er sich geirrt hat und warum er sich nicht rechtzeitig auf Krisen und Erschütterungen vorbereitet hat, in die ganze Völker gestoßen werden.

Die sozial-wirtschaftlichen Probleme der Menschheit haben eineт solchen Grad erreicht, der in früheren Zeiten zu Weltkriegen und zu blutigen gesellschaftlichen Katastrophen geführt hat, d.h. zu gewaltigen Erschütterungen im Weltmaßstab. Alle sprechen darüber, dass sich der Kapitalismus – heute die gesellschaftliche Grundlage in der Mehrheit der Länder – erschöpft hat. Im Rahmen dieses Gesellschaftssystems gibt es aus den im zunehmenden Maße verwickelten Widersprüchen kein Ausweg mehr.

Überall, sogar in den reichsten Ländern und Regionen, führt die ungleichmäßige Verteilung der materiellen Güter zu einer sich ständig vertiefenden Ungerechtigkeit und zu einschneidenden Beschränkung jeglicher Perspektiven in der Gesellschaft, aber auch auf internationaler Ebene. Über diese ernste Herausforderung habe ich bereits auf dem Forum in Davos am Anfang dieses Jahres gesprochen. Alle diese Probleme bedrohen uns ernsthaft und vertiefen die gesellschaftliche Spaltung.

Außerdem entstehen in einer Reihe von Staaten und sogar in ganzen Regionen periodische Krisen bei der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Wahrscheinlich sprechen wir noch darüber, aber es gibt starke Argumente, die beweisen, dass sich diese Krise in der nächsten Zeit weiter vertiefen und gefährliche Formen annehmen wird. Erinnern möchte ich an dieser Stelle auch an den Mangel von Wasser und Elektroenergie, über die Probleme der Armut, das hohe Niveau der Arbeitslosigkeit und das Fehlen einer medizinischen Grundversorgung. All dies wird in den „zurückgebliebenen“ Ländern besonders schmerzhaft empfunden, die den Glauben an eine Perspektive und an eine Annäherung an den Lebensstandard der führenden Länder verlieren bzw. schon längst verloren haben. Die Verzweiflung stachelt die Aggression an und treibt die Menschen in die Reihen der Extremisten. Bei den Menschen in diesen Ländern wächst das Gefühl unerreichbarer, unerfüllbarer Erwartungen, das Gefühl des Fehlens irgendwelcher Lebensperspektiven für sich und für ihre Kinder. Auf der Suche nach einem besseren Leben führt dies zu einer unkontrollierbaren Migration, was ihrerseits die Voraussetzungen für soziale Unzufriedenheit und Spannungen bei den Bürgern in den wirtschaftlich erfolgreicheren Staaten führt. Ich brauche hier nichts zu erklären, sie sehen alles selbst mit eigenen Augen, ja sogar besser als ich.

Wie ich schon erwähnt habe, gibt es auch genügend andere ernsthafte soziale Probleme, Herausforderungen, Risiken in den erfolgreichen führenden Staaten. Viele dieser Staaten kämpfen schon nicht mehr um ihren Einfluss, sondern versuchen mit ihren eigenen Problemen zurechtzukommen. Die stark übertriebene, scharfe, manchmal auch aggressive Reaktion der Gesellschaft, der Jugend auf Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Virus-Pandemie hat in vielen Ländern gezeigt, dass diese Infektion nur ein Vorwand ist. Die wahren Ursachen für eine derartige soziale Unzufriedenheit und für den offenen Widerstand liegen wesentlich tiefer. Die Corona-Virus-Pandemie, die theoretisch die Menschen im Kampf gegen diese allgemeine Bedrohung vereinigen sollte, wurde zu einem trennenden Faktor entwickelt. Gründe für diese Entwicklung gibt es viele. Der Hauptgrund besteht darin, dass wie immer gegeneinander und nicht miteinander gearbeitet wurde. Russland hat mehrmals aufgerufen, die völlig unangemessenen Ambitionen beiseite zu legen und gemeinsam an der Lösung der Aufgaben zu arbeiten. Trotz der schwerwiegenden humanitären Gründe sind die westlichen Länder nicht bereit, die Sanktionen gegen die besonders stark leidenden Staaten und Länder außer Kraft zu setzen. Dabei klammere ich Russland aus. Wo sind die humanistischen Werte des Westens geblieben? In der Wirklichkeit erweisen sich diese „Werte“ als dummes Gequatsche.

Die technische Revolution, welche beeindruckende Ergebnisse auf den Gebieten der künstlichen Intelligenz, der Elektronik, der Kommunikation, der Genetik, des Bioingenieurwesen und der Medizin erzielt, eröffnet gigantische Möglichkeiten. Gleichzeitig verbindet diese technische Revolution auch eine Fülle von philosophischen, moralischen und geistigen Fragen, die in der Vergangenheit nur von Science-Fiction-Schriftsteller gestellt wurden. Was geschieht, wenn die Technik die menschliche Fähigkeit zu denken übersteigt? Wo liegt die Grenze der Einmischung in den menschlichen Organismus, wann hört der Mensch auf, über sich selbst zu bestimmen und verwandelt sich in irgendein anderes Wesen?

Wo liegt überhaupt die ethische Grenze in einer Welt, in der die wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten praktisch grenzenlos werden. Was wird das für uns, unsere Kinder und Enkelkinder bedeuten?

Die oben genannten Veränderungen beschleunigen sich, man kann sie nicht aufhalten, denn sie besitzen in der Regel einen objektiven Charakter. Auf ihre Folgen müssen wir unabhängig von unserer politischen und wirtschaftlichen Struktur sowie von der herrschenden Ideologie reagieren.

Den Worten nach halten sich alle Staaten an die Ideale einer Zusammenarbeit, an die Bereitschaft gemeinsam an der Lösung der allgemeinen Probleme zu arbeiten. Aber leider nur mit ihren Worten. In Wirklichkeit geschieht genau das Gegenteil. Die Pandemie, ich wiederhole, hat diese negativen Tendenzen nur weiter vertieft. Das Herangehen an alle Probleme im Geiste „Das eigene Interesse steht immer im Vordergrund“ wurde zur endgültigen Norm erklärt. Diese zutiefst egoistischen Interessen werden schon nicht mehr mit allgemeinen Floskeln getarnt, sondern offen und großmäulig über das allgemeine Interesse der Menschen gestellt.

Dabei geht es nicht darum, wie und in welchem Umfang der böse Wille in dem einen oder anderen Staat oder in den berüchtigten Eliten zum Ausdruck kommt. Nach meiner Auffassung ist alles viel komplizierter. Im Leben ist nur selten alles schwarz oder weiß. Jede Regierung, jeder politischer Führer ist in erster Linie vor seinen Mitbürgern verantwortlich. Das wichtigste ist die Gewährleistung ihrer Sicherheit, ihrer Ruhe und ihres Wohlstandes. Deshalb sind internationale und transnationale Themen niemals so wichtig für die Führung eines Landes, wie die innere Stabilität. Das ist im Allgemeinen normal und richtig.

Jedoch müssen wir anerkennen: Die Institute der Weltführung arbeiten bei weitem nicht immer effektiv, ihre Möglichkeiten entsprechen nicht immer der Dynamik der globalen Prozesse. In diesem Sinne hätte die Corona-Virus-Pandemie helfen können. Sie hat sehr anschaulich gezeigt, in welchen Instituten es ein Potential gibt und welche Institute umgestaltet werden müssen.

Das sich verändernde Kräfteverhältnis setzt eine Umverteilung der Anteile zum Nutzen der wachsenden Entwicklungsländer voraus, die sich nach wie vor als Benachteiligte fühlen. Direkt gesagt, die Vorherrschaft des Westens in den weltweiten Angelegenheiten, die vor mehreren hundert Jahren begann und in einer kurzen Periode am Ende des XX. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte, wird künftig durch ein wesentlich vielfältigeres System ersetzt werden.

Der Prozess dieser Transformation erfolgt nicht mechanisch, sondern ist seinem Charakter nach einmalig. Die politische Geschichte kennt keine Beispiele, wie ein stabiles Weltsystem ohne einen großen Krieg und nicht auf der Grundlage seiner Ergebnisse (siehe Zweiter Weltkrieg) etabliert wird. Wir haben jetzt die Möglichkeit, einen äußerst positiven Präzedenzfall zu schaffen. Der Versuch, dies nach der Beendigung des Kalten Krieges auf der Grundlage der Herrschaft des Westens zu schaffen, ist gescheitert. Der gegenwärtige Zustand der Welt ist das anschauliche Ergebnis dieses Misserfolges. Wir müssen daraus die Lehren ziehen.

Die Frage ist: Zu welchen Ergebnissen sind wir gekommen? Zu einem paradoxen Ergebnis. Zwei Jahrzehnte lang hat das allermächtigste Land der Welt zwei Kriege in zwei Staaten geführt, die hinsichtlich ihrer Parameter in keiner Weise ihnen ebenbürtig waren. Im Ergebnis waren sie gezwungen, ihre Militäroperationen zu beenden, ohne ein einziges vor 20 Jahren gestelltes Ziel zu erreichen. Sie haben sich selbst und diesen Ländern einen großen Schaden zugefügt. Die Lage hat sich durch diese Kriege kardinal verschlechtert.

Früher bedeutete ein Krieg, verloren von einer Seite, dass es auf der anderen Seite einen Sieger gab, der die Verantwortung für die weiteren Schritte übernahm. Die Niederlage der Vereinigten Staaten von Amerika im Vietnam-Krieg führte nicht dazu, dass Vietnam in einem „Schwarzem Loch“ verschwand, sondern – im Gegenteil – es entstand eine sich erfolgreich entwickelnde Staatlichkeit mit der Unterstützung eines starken Verbündeten (UdSSR). Jetzt ist alles ganz anders: Egal wer die Oberhand gewinnt, der Krieg endet nicht, es ändert sich nur die Form. Der so genannte Sieger will oder kann den friedlichen Aufbau nicht sichern. Er kann nur das Chaos und ein gefährliches Vakuum weiter vertiefen.

Verehrte Kollegen!

Welches sind nach unserer Meinung die Ausgangspunkte des komplizierten Prozesses der Umgestaltung? Erlauben Sie, diese Punkte in Form von Thesen zu formulieren.

  1. These

Die Corona-Virus-Pandemie hat anschaulich demonstriert, dass die strukturbildende Einheit des Weltsystems nur der Staat ist. Übrigens haben die letzten Ereignisse gezeigt, dass es mit einer globalen Internetplattform – trotz aller ihrer Stärken – (wir haben das sehr konkret in den innenpolitischen Prozessen der USA gesehen) nicht gelungen ist, die politischen oder staatlichen Funktionen zu usurpieren. Es handelte sich um sehr kurzlebige Versuche. In den Staaten, in denen derartige Plattformen zum Einsatz kamen, wurden ihre Besitzer sehr schnell auf ihre „fehlenden Rechte und Pflichten“ verwiesen. In Europa stehen in diesem Zusammenhang nur Fragen der Bestrafung und Maßnahmen zur Demonopolisierung im Mittelpunkt.

Im letzten Jahrzehnt wurde viel mit auffallenden Konzepten jongliert, die behaupteten, dass die Rolle des Staates zu Ende geht. Unter den Bedingungen der Globalisierung werden die nationalen Grenzen zu einem Anachronismus und die Souveränität wird zum Hindernis für das Aufblühen eines Landes. Das sagten diejenigen, die versucht haben, fremde Grenzen zu öffnen und sich auf ihre Konkurrenz-Vorteile beriefen. Als sie jedoch feststellten, dass irgendjemand irgendwo größere Ergebnisse erzielt, kehrten sie sehr schnell wieder zu geschlossenen Grenzen und zu ihren eigenen Zollgebieten zurück. Sogar Grenzmauern wurden gebaut. Wir alle haben alles gesehen und wunderbar verstanden. Es macht nicht den geringsten Sinn darüber zu streiten.

Aber die Entwicklung, als über die Notwendigkeit der Öffnung aller Grenzen gesprochen wurde, erfolgte genau in die andere Richtung. Nur souveräne Staaten sind effektiv in der Lage auf die Herausforderungen der Zeit und auf die Bedürfnisse seiner Bürger zu reagieren. Entsprechend muss jede handelnde internationale Ordnung die Interessen und Möglichkeiten des Staates beachten, auf ihrer Grundlage handeln und nicht versuchen zu beweisen, dass ihre Existenz unnötig ist. Deshalb darf auch niemand irgendwem seine Auffassungen über Prinzipien des gesellschaftlichen-politischen Aufbaus oder über die Vorstellungen über seine Werte, die irgendjemand nach seinen Vorstellungen als universal bezeichnete, aufdrängen. Denn es ist offensichtlich, dass es im Falle einer echten Krise nur ein Wertekriterium gibt. Dieses Kriterium ist das menschliche Leben. Wie es zu schützen ist, das entscheidet jeder Staat ausgehend von seinen Möglichkeiten, seiner Kultur und seinen Traditionen selbst.

In Verbindung damit möchte ich erneut unterstreichen, wie schwer und gefährlich die Corona-Virus-Pandemie ist. In der ganzen Welt sind bis heute mehr als 4 Millionen 900 Tausend Menschen gestorben. Diese schreckliche Zahl übertrifft sogar die Kriegsverluste der Hauptbeteiligten des Ersten Weltkrieges.

  1. These

Der Maßstab der Veränderungen zwingt uns besonders vorsichtig zu sein, allein schon aus dem Gefühl der Selbsterhaltung heraus. Qualitative Veränderungen in den Technologien oder kardinale Veränderungen in der Umwelt, die Verschrottung eines vertrauten Gerätes bedeuten nicht, dass die Gesellschaft und die Regierung darauf radikal reagieren müssen. Zerstören bedeutet – wie bekannt – nicht aufbauen. Wozu das führt, dass wissen wir in Russland sehr gut. Zu unserem Bedauern ist das nicht nur einmal geschehen.

Vor mehr als 100 Jahren durchlebte Russland ernsthafte Probleme u.a. in Verbindung mit dem damaligen Ersten Weltkrieg. Aber diese Probleme waren nicht größer als in anderen Ländern. Vielleicht sogar hinsichtlich seines Maßstabes trafen sie uns weniger hart als in anderen Ländern, denn sie konnten zivilisiert Schritt für Schritt überwunden werden. Jedoch die revolutionären Erschütterungen führten zum Untergang und Zerfall des großen Landes. Die Geschichte wiederholte sich vor 30 Jahren, als die potentiell sehr starke Macht nicht rechtzeitig den Weg für notwendige flexible, aber unbedingt durchdachte Umgestaltungen einschlug, sondern das Opfer von Dogmatikern aller nur denkbaren Schattierungen wurde. Revolutionäre und sogenannte Progressisten – sie alle bemühten sich die UdSSR zu zerstören. Diese Beispiele in unserer Geschichte erlauben uns zu bestätigen: Die Revolution – das ist kein Ausweg aus der Krise, sondern ein Weg, die Krise weiter zu vertiefen und zu verschärfen. Keine einzige Revolution lohnt sich angesichts der Opfer, welche sie dem menschlichen Potential zufügen.

  1. These

In der modernen fragilen Welt wächst im zunehmenden Maße die Bedeutung eines festen Fundaments für die Moral, Ethik und für die Werte. Dem Wesen nach sind die Werte ein Produkt der kulturell-historischen Entwicklung jeder Nation und deshalb ein unikales Produkt. Die gegenseitige Verflechtung der Völker bereichert sie, ihre Offenheit erweitert den Horizont und erlaubt uns, auf andere Art und Weise unsere eigenen Traditionen zu überdenken. Aber dieser Prozess kann nur organisch und allmählich sein. Alles Fremde wird abgestoßen, manchmal auch in sehr scharfer Form. Alle Versuche eines Werte-Diktats unter den Bedingungen unbestimmter und nicht vorhersagbarer Perspektiven verschärft die bereits komplizierte Situation und führt in der Regel zu einer Gegenreaktion und zu einer kategorischen Ablehnung des Diktats.

Wir schauen mit Erstaunen auf die Prozesse, die sich in Ländern entwickeln, die sich als Flaggschiffe des Fortschritts betrachten. Natürlich, solche sozial-kulturelle Erschütterungen, welche in den USA und in Westeuropa vor sich gehen, sind nicht unsere Sache, wir mischen uns dort nicht ein. Irgendjemand in den westlichen Ländern ist überzeugt, dass durch aggressives Ausradieren ganzer Seiten der eigenen Geschichte, durch „umgekehrte Diskriminierung“ der Mehrheit im Interesse der Minderheiten oder durch die Forderung sich von gewohnten Begriffen solcher grundlegender Dinge, wie Mama, Papa, Familie oder sogar von verschiedenen Geschlechter zu trennen, wahre Meilensteine einer gesellschaftlichen Erneuerung sind.

Wissen Sie, ich möchte nochmals unterstreichen, das ist ihr Recht, wir mischen uns dort nicht ein. Wir bitten nur, dass sie nicht versuchen, damit in unser Haus einzudringen. Wir haben einen anderen Standpunkt, in jedem Fall die überwiegende Mehrheit der russischen Gesellschaft. Unser Standpunkt lautet: Wir meinen, dass wir uns auf unsere geistigen Werte berufen sollten, auf unsere historischen Traditionen, auf die Kultur unseres multinationalen Volkes.

Die Jüngerschaft des sogenannten sozialen Fortschritts glaubt tatsächlich, dass sie der Menschheit irgendein neues Bewusstsein einflößen muss, ein Bewusstsein, das besser ist als früher. „Gott bewahre sie, die Fahne fest in die Hand und vorwärts Marsch.“ Ich möchte Ihnen nur zurufen: Die von ihnen vorgeschlagenen Rezepte sind überhaupt nicht neu. Es gab sie alle schon in Russland. Die Bolschewiken haben nach der Revolution im Jahre 1917, basierend auf den Dogmen von Marx und Engels, erklärt, dass sich alle bisher üblichen Anschauungen verändern, nicht nur die politischen und wirtschaftlichen, sondern auch die Vorstellungen darüber, was verstehen wir unter menschlicher Moral, welche die Grundlagen eines gesunden Lebens der Gesellschaft bildet. Die Zerstörung uralter Werte, des Glaubens, der Beziehungen zwischen den Menschen bis zum vollständigen Verzicht auf die Familie – alles dies hat es bei uns bereits gegeben. Die Verbreitung und Förderung des Denunziantentums zwischen den Angehörigen von Familien wurden zu einem Akt des Fortschritts erklärt. In der Welt wurden derartige Handlungen lauthals unterstützt, sie waren damals wie auch heute sehr modern. Die Bolschewiken zeigten absolute Intoleranz zu beliebig anderen Meinungen.

Daran sollten wir uns stets erinnern, wenn wir diese Entwicklungen kritisieren. Wenn wir die Vorgänge in einer Reihe von westlichen Ländern beobachten, dann erkennen wir eigene inländische Praktiken, die wir hoffentlich schon lange hinter uns gelassen haben. Der Kampf für Gleichberechtigung und gegen die Diskriminierung verwandelt sich in einen aggressiven Dogmatismus an der Grenze des Absurden, wenn z. B. die Werke großer Autoren der Vergangenheit (Shakespeare u.a.) in den Schulen und Universitäten nicht mehr gelehrt werden, weil ihre Ideen – wie sie meinen – rückschrittlich sind. Die Klassiker werden als rückschrittlich erklärt, weil sie die Bedeutung der Geschlechter- und Rassenfrage angeblich nicht verstanden haben. In Hollywood werden Memos veröffentlicht, die festlegen, wie und über was Filme gedreht werden dürfen, wie viele Schauspieler mit welcher Hautfarbe und mit welchem Geschlecht in diesen Filmen mitwirken können. Eine weit schärfere Diktatur als in der Abteilung für Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

Die Erscheinungen des Rassismus zu bekämpfen – das ist eine edle und notwendige Sache. In der neuen Kultur des Westens („Cancel Culture“) verwandelt sie sich jedoch in eine „umgekehrte Diskriminierung“, in einen umgedrehten Rassismus. Die obsessive Unterstreichung rassistischer Themen trennt die Menschen noch mehr, obwohl es der Traum der wahren Bürgerrechtler war, die Unterschiede zu löschen, auf eine Trennung der Menschen nach der Hautfarbe zu verzichten. Ich erinnere bewusst an Martin Luther King, der sagte: „Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden …“. Das ist ein wahrer Wert! Doch wie wir sehen, ist dort jetzt alles anders. Der Mehrzahl unserer Bürger in Russland ist es völlig egal, welche Hautfarbe ein Mensch hat. Ob er ein Mann oder eine Frau ist – das ist auch nicht so wichtig. Jeder von uns ist ein Mensch

– genau das ist wichtig. In eine völlige Phantasmagorie verwandelte sich in einer Reihe von westlichen Ländern die Diskussion über die Rechte von Mann und Frau. So wie die Bolschwiken bereits vorgeschlagen haben, geht es darum nicht nur die Hühner zu vergesellschaften, sondern auch die Frauen. Noch ein Schritt und wir sind an diesem Punkt angelangt.

Die besonders eifrigen Reformatoren gehen schon so weit, dass sie die Begriffe ändern. All jene, die riskieren zu behaupten, dass es Männer und Frauen gibt und das dies eine biologische Tatsache ist, werden im wahrsten Sinne des Wortes gesellschaftlich geächtet. „Elternteil 1“ und „Elternteil 2, „gebärendes Elternteil“ an Stelle von „Mama“, Verbot des Wortes „Muttermilch“ und Ersatz durch das Wort „menschliche Milch“ – alle diese künstlichen Wortschöpfungen sollen die Menschen, die nicht wissen, zu welchem Geschlecht sie gehören, angeblich nicht verunsichern. Auch das ist nicht neu. Im Jahre 1920 haben die sowjetischen Kulturträger das sogenannte „Neusprech“ erfunden, in der Hoffnung ein neues Bewusstsein und eine neue Werteveränderung einzuleiten. Der damaligen Zeit haben wir Dinge zu verdanken, die uns noch heute schockieren.

Ganz zu schweigen von solchen monströsen Dingen, die den Kindern bereits im Vorschulalter eingeredet werden, dass ein Junge sehr leicht ein Mädchen und ein Mädchen sehr leicht ein Junge werden kann. Damit wird ihnen de facto die „freie Wahl“ des Geschlechts auferlegt, ohne Einbeziehung der Eltern. Kleine Kinder werden zu Entscheidungen gezwungen, die ihr ganzes Leben zerstören können. Warum sucht niemand den Rat von Kinderpsychologen? Ab welchem Alter ist ein Kind überhaupt in der Lage, eine derartige schwerwiegende Entscheidung zu treffen? Im Klartext: Derartige „Reformationen“ gehören in den Bereich der Verbrechen gegen die Menschlichkeit. All dies geschieht im Namen und unter der Fahne des Fortschritts.

Wem das gefällt – der möge das tun. Wie bereits erklärt, haben wir unsere eigenen Ansätze. Wir werden uns von der Ideologie des gesunden Konservatismus leiten lassen. Diese Entscheidung wurde bereits vor einigen Jahren getroffen, als die Leidenschaften der Reformatoren in der internationalen Arena noch nicht dieses Ausmaß angenommen hatten. Obwohl erste dunkle Wolken gab es schon damals. Nachdem die Welt einen strukturellen Kollaps erlitten hat, ist die Bedeutung eines vernünftigen Konservatismus für den politischen Kurs angesichts der extrem zunehmenden Risiken und Gefahren und der Zerbrechlichkeit der uns umgebenden Realität enorm gestiegen. Der konservative Ansatz ist kein gedankenloser Schutz, keine Angst vor Veränderungen und kein Versuch, Altes zu bewahren oder sich abzukapseln. Konservatismus, das bedeutet auf bewährte Traditionen zu setzen, die Bevölkerung zu vermehren, sich und andere Kräfte realistisch zu bewerten, eine präzise Ausrichtung des Systems auf die Prioritäten, eine klare Zuordnung der notwendigen, möglichen und berechneten Zielstellungen, den Extremismus als Handlungsoption prinzipiell auszuschließen. In der gegenwärtigen Periode der Weltumgestaltung, die sehr lange dauern kann und deren künftiges Design völlig unbekannt ist, bleibt der gemäßigte Konservatismus aus meiner Sicht die einzige vernünftige Handlungsweise. Sie wird sich zwangsläufig ändern, aber solange das ärztliche Prinzip „Nicht schaden!“ (Noli nocere) gültig bleibt, ist das der einzige richtige und rationale Weg.

Für uns in Russland sind das keine spekulativen Postulate, sondern die Lehren aus unserer nicht einfachen und zeitweilig auch sehr tragischen Geschichte. Der Preis für einen nicht durchdachten sozialen Naturversuch ist manchmal nicht abzuschätzen, er zerstört nicht nur die materiellen, sondern auch die geistigen Existenzgrundlagen des Menschen, er hinterlässt moralische Ruinen, die für lange Zeit nicht beseitigt und oft auch nicht wieder bebaut werden können.

  1. These

Wir verstehen sehr gut, dass ohne eine enge internationale Zusammenarbeit viele akute Probleme nicht gelöst werden können. Aber wir müssen Realisten bleiben: Die Mehrheit der schönen Losungen zur globalen Lösung globaler Probleme, die wir seit dem Ende des XX. Jahrhunderts gehört haben, wurde niemals realisiert. Die globalen Lösungen sehen einen derartigen Grad der Aufgabe souveräner Rechte der Staaten und Völker durch übernationale Strukturen vor, zu denen in der Regel niemand bereit ist. Vor allen Dingen auch deshalb, weil die Politiker nicht vor einer unbekannten globalen Gesellschaft die Verantwortung tragen, sondern vor seinen Bürgern und vor seinen Wählern.

Aber das bedeutet bei weitem nicht, dass es unmöglich ist, durch irgendeine Selbstbegrenzung eine Antwort auf allgemeine weltweite Herausforderungen zu finden. Dabei handelt es sich um Herausforderungen, die an alle zusammen und an jeden einzelnen gestellt werden. Und falls jeder für sich einen konkreten Vorteil in dieser Zusammenarbeit sieht, dann erhöht sich ohne Zweifel auch der Grad der Bereitschaft zur realen gemeinsamen Arbeit.

Um derartige Arbeiten zu stimulieren, lohnt es sich auf der Ebene der UNO eine Art Register für Herausforderungen und Bedrohungen für konkrete Länder zu schaffen, aber auch die Möglichkeiten und ihre Folgen für andere Staaten aufzuzeigen. Für die dafür erforderlichen Arbeiten sollten Spezialisten aus verschiedenen Staaten und aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen herangezogen werden, darunter auch Sie, verehrte Kollegen.

Wir gehen davon aus, dass mit einem derartigen Plan viele Staaten bewegt werden, die weltweiten Herausforderungen neu zu bewerten und zu erkennen, welchen Nutzen sie aus einer derartigen internationalen Kooperation erzielen können.

Über die Probleme der Internationalen Institute habe ich bereits berichtet. Zu unserem Bedauern ist das ein besonders offensichtlicher Fakt: die Reformierung oder Schließung eines Teils von ihnen steht auf der Tagesordnung. Aber das wichtigste internationale Institut – die Organisation der Vereinten Nationen – hat für uns alle einen bleibenden Wert, in jedem Fall heute. Denn gerade die UNO ist in der gegenwärtigen turbulenten Welt der Träger jenes gesunden Konservatismus in den internationalen Beziehungen, den wir für die Normalisierung der Situation dringend brauchen.

Die Organisation wird von vielen dafür kritisiert, dass sie es nicht schafft, sich an die rasanten Veränderungen anzupassen. Zum Teil ist das gerecht, aber das ist wahrscheinlich nicht nur die Schuld der Organisation selbst, sondern vor allem seiner Mitgliedsländer. Außerdem ist die internationale Struktur nicht nur der Träger der Normen, sondern auch selbst des Normsetzungsprozesses auf der Grundlage der Prinzipien der Gleichheit und der maximalen Berücksichtigung aller Meinungen. Unsere Verpflichtung besteht darin, diese Errungenschaften zu bewahren, die Organisation zu reformieren, natürlich ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Dank an Sie, verehrte Freunde und Kollegen. Der Diskussionsklub „Valdai“ – gewinnt an Qualität und wird zu einem seriösen Gremium: die Zeit läuft, die Probleme nehmen an Schärfe zu, sie werden immer explosiver, um sie zu lösen müssen wir unbedingt zusammenarbeiten. Deshalb wiederhole ich nochmals und wiederhole an dieser Stelle auch unsere Bereitschaft, gemeinsam mit Ihnen an der Lösung unserer akuten allgemeinen Probleme zu arbeiten.

Verehrte Freunde!

Veränderungen, über die wir heute gesprochen haben, berühren alle Länder und Völker. Natürlich auch Russland. Unser Land bildet keine Ausnahme. Wir und Sie alle suchen Antworten auf sehr akute Herausforderungen unserer Zeit.

Fertige Rezepte gibt es nicht und hält auch niemand für uns bereit. Aber ich riskiere zu behaupten, dass unser Land einen Vorteil hat. Nicht nur einmal habe ich mich in meinem Auftritt an Sie gewandt. Leider musste ich auch an negative Seiten erinnern, aber unserer Gesellschaft ist es gelungen ein „kollektive Immunität“ gegen den Extremismus zu schaffen, der zu schweren Erschütterungen und zu sozial-politischen Zusammenbrüchen führt. Die Menschen bei uns begrüßen die Stabilität und die Möglichkeit, sich normal zu entwickeln, die Zuversicht, dass ihre Pläne und Hoffnungen nicht durch unverantwortliches Streben neuer Revolutionäre zusammenbrechen. Bei vielen Menschen sind die Erinnerungen an die Ereignisse vor 30 Jahren noch im Kopf, wie qualvoll es war, aus dem Elend herauszukommen, in das unser Land nach dem Zerfall der UdSSR gelangt war.

Unser Konservatismus – das ist ein Konservatismus der Optimisten. Das ist das Allerwichtigste. Wir glauben, dass eine stabile und erfolgreiche Entwicklung möglich ist. In erster Linie hängt alles von unseren eigenen Anstrengungen ab. Und natürlich, sind wir bereit, mit unseren Partnern für gemeinsame edle Ziele zusammenzuarbeiten. Nochmals vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Angesichts der aktuellen Situation bin ich gern bereit, auf Ihre Fragen zu antworten bzw. zu versuchen, darauf zu antworten.

Vielen Dank für Ihre Geduld.

 

Übersetzer: Dr. Wolfgang Schacht

Auszüge aus der sich anschließenden Diskussion (ca. 40 Seiten) werden in einem späteren Beitrag detailliert behandelt.

 

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch:

„Was uns die Bundeswahlen 2021 noch verraten“

http://www.dr-schacht.com/Was_uns_die Bundestagswahlen_2021_noch_verraten.pdf

„Warum Kontakte mit der gegenwärtigen ukrainischen Führung völlig sinnlos sind“

http://www.dr-schacht.com/Artikel_von_Medwedew_vom_11_10_2021.pdf

„Die Produktion von biologischen Waffen ist nur den USA erlaubt“ http://www.dr-schacht.com/Die_Produktion_von_biologischen_Waffen_ist_nur_den_USA_erlaubt.pdf

„Unser Jahrestag der Befreiung vom Faschismus in Deutschland“ http://www.dr-schacht.com/Unser_Jahrestag_der_Befreiung_vom_Faschismus_in_Deutschland.pdf

„Am 22. Juni 1941 begann der Krieg“ http://www.dr-schacht.com/Am_22._Juni_1941_begann_der_Krieg.pdf

„Wie das Projekt Anti-Russland begann“ http://www.dr-schacht.com/Wie_das_Projekt_Anti-Russland_begann.pdf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Diskussionen

10 Gedanken zu “Rede des Präsidenten Vladimir Putin im Club Valdai am 21. Oktober 2021

  1. Paul-hf
    Die Zukunft der Menschheit hängt von der Entscheidung zum Leben von jedem Einzelnen
    im Miteinander ab.
    Die Voraussetzung der Anerkennung des Einzelnen als würdiges Mitglied der Gesellschaft, gibt ihm die Macht der Entscheidung.
    Ein Politiker, der die ungleiche Entwicklung der menschlichen Gesellschaften als Versäumnis bisheriger Bewusstseinslage erkennt, und eine Veränderung des Bewusstseins vom eigenen Vorteil hin zu einer gemeinsamen Lebensbewältigiung für notwendig hält,
    schafft hiermit die Grundlage für jedes individuelle und gesellschaftliche Miteinander
    im Enklang aller Lebewesen mit und auf diesem Planeten.

    Der Präsident W l a d i m i r P u t i n stellt sich mir als Politiker dar,
    der die Innere Stärke hat, diese Aufgabe zum Wohle aller Menschen,
    und zum Erhalt des Menschseins aufzunehmen und bewältigen zu können

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    Verfasst von Paul Joachim Pütz | 1. November 2021, 19:11
  2. Es hat etwas Absurdes, wenn unter der Überschrift „Linke Zeitung“ die Rede eines Diktators veröffentlicht wird, der das Land in Europa regiert, das die größte sozialen Ungleichheit aufweist.
    Noch lustiger wird es, wenn diese Figur sich zur Kritik am Kapitalismus glaubt versteigen zu dürfen.
    Wer das „links“ findet, sollte sich zuerst fragen, ob es nicht überfällig wäre, das verlogene Etikett endlich abzulegen!
    Stünde es den Putin-Fans nicht weit besser zu Gesicht, sich endlich offen zum Faschismus und dessen „Idealen“ zu bekennen? Immerhin war schon der Leninismus/Stalinismus mit der Abkehr vom Ziel der Weltrevolution der erste Nationalsozialismus bzw. „Sozialismus in einem Land“.
    Klassisch linke Ansprüche hat die antiliberale „antikapitalistische Linke“ nie vertreten, im Gegenteil!

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    Verfasst von Oliver Kloss | 30. Oktober 2021, 12:39
    • So ganz richtig ist das nicht. Es gibt in der Linken unterschiedliche Strömungen. Auch solche, die den historischen Staatssozialismus als linksideologisch verhüllten totalitären Staatskapitalismus auffassen. Dies zu tun, begründet sich mit dem ureigensten Merkmal kapitalistischer Produktionsweisen, nämlich mit einer Entlohnung, die auf die eine oder andere Weise nach Stückzahl pro Zeiteinheit bestimmt ist. Und sodann mit Abschöpfung von Mehrwert bzw. von dessen geldlichem Pendant namens Profit einhergeht.

      Im übrigen ist die Kapitalismuskritik jener Linken sachlich, nachvollziehbar und deshalb bündnisfähig mit unternehmerisch orientiertem Bürgertum (nicht aber mit Kouponschneidern und Rentiers). Diese Kritik besagt: Einher mit technologischer Entwicklung ist Kapitalismus von zunehmend pyramidalen Machtstrukturen geprägt — siehe hier als markantestes Beispiel den lächerlichen Schwindel namens „Demokratien“. Weiter sagt diese linke Kritik, die bürgerlich kapitalistische Produktionsweise sei an eine absolute historische Grenze gestoßen. Dies infolge eines auf technologische Entwicklung folgenden Phänomens namens „tendentieller Fall der Profitrate“. Die durchschnittlichen Renditen von Warenproduktionen seien so nun zu niedrig geworden, um Investition zu rechtfertigen.

      Insbesondere weisen jene Linke kritisch hin auf den Korporatismus. Das ist Verschmelzung von Staat und Wirtschaft, was die politische Basis ist sowohl für technokratischen Totalitarismus, als auch für dessen Sonderform, den Faschismus — falls nämlich ein Führerkult hinzukommt. Wie es mit Hitlerismus und Stalinismus gegeben war.

      Solche linke Kapitalismuskritik trifft sich mit unternehmerisch orientiertem bürgerlichen politischen Widerstand. Die eigentliche Trennlinie zwischen den politischen Lagern liegt nicht zwischen Links und Rechts. Sondern zwischen Tassen im Schrank oder in der Gegend verstreut.

      Die zentrale Aussage der Wirtschaftslehre von Marx/Engels ist ja nicht etwa, Ausbeutung zu beklagen. Sondern die historische Endlichkeit der bürgerlich kapitalistischen Produktionsweise infolge des tendentiellen Falls der Profitrate aufzuweisen.

      Nähert sich das historische Ende des Kapitalismus‘, kommt die Warenproduktion erst ins Stocken und schließlich zum Stillstand. Was in Auflösung zivilisierter Verhältnisse mündet. Marx/Engels erwarteten dieses – erst heute erreichte – Ende mit Schrecken bereits für eine nahe Zukunft und wollten dem mittels einer sozialistischen Revolution wehren. Ein ja durchaus nobles und keineswegs sinnbefreites oder gar mutwilliges Vorhaben.

      Sind die Klassen Kapital und Arbeit also historisch endlich, so ist es auch deren Antagonismus. Im übrigen war Marxens Auffassung von Revolution und Diktatur des Proletariats an den Gegebenheiten im Liberalismus orientiert. Dieser war technologisch nur wenig entwickelt, weswegen eine fachberuflich spezialisierte Mittelschicht gesellschaftlich weitestgehend fehlte. Das Proletariat (händische Arbeiter in der Warenfertigung) hätte die Produktion damals noch durchaus in eigene Regie nehmen und in flacher und dezentraler Struktur betreiben können. Was letzteres eine vollauf vernünftige und mit dem bürgerlichen Freiheitsethos vereinbare Zielsetzung war.

      Heute nun und angesichts des Totalitarismus‘ des Great Resets, haben sich all jene mit den Tassen im Schrank gemeinsam zu vereinbaren. Ganz gleich, ob diese nun aus dem unternehmerisch orientierten Bürgertum, aus der fachberuflich spezialisierten Mittelschicht oder aus dem Proletariat seien.

      ACHTUNG: Nicht alle Linken sind ideologisch leicht hypnotisierbare Vollidioten. Die Zukunft gehört nicht den superreichen totalitaristischen Transhumanisten des World Economic Forum! Sie gehört all denen mit Tassen im Schrank.

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      Verfasst von No_NWO | 2. November 2021, 11:37
      • „Die zentrale Aussage der Wirtschaftslehre von Marx/Engels ist ja nicht etwa, Ausbeutung zu beklagen. Sondern die historische Endlichkeit der bürgerlich kapitalistischen Produktionsweise infolge des tendentiellen Falls der Profitrate aufzuweisen.“……
        ….
        Und da ist er wieder, der schwachsinnige Quadratunsinn der sozialistischen/marxistischen Schmarotzerbanden. Mit viel blödsinnigem Geschwafel das eigene dreckige Parasitentum und Schädlichkeit und die Ausbeutung der Mehrheit der arbeitenden Steuerzahler als „gut und richtig“ zu legitimieren.

        Gerade diese Gefahr

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        Verfasst von GregoryDenzelmann | 22. November 2021, 18:48
        • Ja, da darf jeder trotzig mit dem Fuß aufstampfen. Die wirkliche Wirklichkeit beeindruckt er damit nicht. Frage: Sind denn Klaus Schwab bzw. das westliche World Economic Forum sowie das asiatische International Finance Forum etwa Durchgeknallte, die ganz ohne äußeren Druck und Zwang darangegangen wären, einen Great Reset durchzupeitschen!? Ganz sicher nicht. Die Genannten sind immerhin so wirklichkeitsbezüglich, aus ihrer Interessenlage heraus logisch richtig auf den tendentiellen Fall der Profitrate zu reagieren. Darum installieren sie jetzt eine auf Arbeitszwang beruhende Planwirtschaft — nichts anderes verbirgt sich hinter dem „Great Reset“. Was ehedem eine planende Staatsbürokratie tat, wird mit dem Great Reset von einer Künstlichen Intelligenz erledigt werden. Die kann das mit dem Planen, Kommandieren und Kontrollieren viel besser.

          Daß das globale Großkapital bzw. die Superreichen ihr Projekt nicht als „Sozialismus“ oder „Kommunismus“ firmieren lassen wollen, verwundert nicht. Nur Gehirnamputierte wollen dorthin zurück. Es ist der Great Reset tatsächlich aber nichts anderes, als eine technologisch aufgepeppte Variante des Staatssozialismus‘. Eine mit bürgerlicher Fassade, mit demokratischer und kapitalistischer.

          Stell dir vor, es ist technotronische Sklaverei, und alle glauben, es sei Kapitalismus. Welchen letzteren es ohnehin lang‘ schon nur noch als Simulation gibt — man läßt Unternehmern einfach ihren Glauben, sie würden noch selbst etwas unternehmen können. Tatsächlich aber sind sie lange schon Handlungsbeauftragte und tanzen nach der Pfeife von großem Handelskapital und Großbanken. Faktisch gesehen, ist der Kapitalismus spätestens vor gut drei Jahrzehnten bereits zu Sozialismus geworden. Bzw. zu Korporatismus. Das ist ein Faschismus ohne Führerkult. Bzw. ein totalitäres Regime unter der technokratischen Führung einer Einheitsfront aus Staat, Sozialdemokratie und Großkapital — und wird die UN-Agenden-Politik in Rechnung gestellt, hat diese Diktatur bereits einen globalen Charakter angenommen, den einer Neuen Weltordnung. Da-didel-dumm — aus die Freiheitsmaus!

          Ach, und nicht vergessen: Friedrich Engels, Marxens bester Kumpel, war warenproduzierender Unternehmer von noch echtem Schrot und Korn. Zu seiner Zeit, etwa bis 1860/70, gab es ihn noch, einen wirklichen Kapitalismus, nämlich den Liberalismus. Dem großmäuligen Unternehmer-Verschnitt von heute würde es gut anstehen, sich endlich einmal mit Marxens „Das Kapital“ zu beschäftigen. Dann wüßten sie wenigstens, warum es ihnen so dreckig geht. Marxens Ko-Autor war nämlich sein Kumpel Engels. Und der verstand etwas davon. Von richtigem Unternehmertum, von richtigem Kapitalismus, der diesen Namen auch verdient.

          Das globale Großkapital bedient mit dem Great Reset nicht allein seine ureigenen Interessen, sondern auch das Interesse jener politisch-ökonomischen Traumtänzer, die trotzig mit dem Fuß aufstampfen und die Existenz des tendentiellen Falls der Profitrate wegzubehaupten versuchen.

          Und so denn jetzt die Preisfrage: Wohin führt der tendentielle Fall der Profitrate die globale Warenproduktion? Ja, richtig: in den Stillstand!

          Und nächste Preisfrage: Wohin führt der Stillstand der globalen Warenproduktion die Zivilisation? Ja, wieder richtig: in mörderisches Chaos!

          Wem haben demnach alle politisch-ökonomischen Traumtänzer brav in die Sklaverei zu folgen? Und ja, schon wieder richtig: Klaus Schwab und seinen Kumpanen! Weil — die haben das kapiert mit dem tendentiellen Fall der Profitrate. Und retten nun die Zivilisation nicht nur. Sondern verbessern den Menschen auch noch „transhumanistisch“. So gut meinen die es mit uns!

          So einfach ist das alles, Großmaul!

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          Verfasst von No_NWO | 23. November 2021, 1:26
        • apolut.net ist zwar ein CIA-grün versifftes Portal, aber selbst CIA-grün versiffte Portale müssen dann und wann nicht CIA-grün versiffte Autoren bringen. Damit nicht jeder sofort merkt, daß es sich um ein CIA-grün versifftes Portal handelt.

          Weil’s gerade so schön paßt ==>

          https://apolut.net/mittelstand-verbandschef-weist-weg-ins-verderben-von-ernst-wolff/

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          Verfasst von No_NWO | 23. November 2021, 10:42
  3. Das ist der Unterschied!
    Wir arbeiten intensiv an der Zerstöhrung Unserer Gesellschaften
    und Die Russen arbeiten Intensiv an der Erhaltung Ihrer Gesellschaft
    Ich fürchte, das unter den Strich Krieg dabei herauskommt!

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    Verfasst von wolfgang fubel | 28. Oktober 2021, 12:19

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