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Inland, Medien

Die Spiegel-Lügen der letzten Woche, Teil 6: Noch mehr Desinformation über die Energiekrise und den Gaspreis

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Die Energiekrise und die steigenden Preise für Strom und Heizung sind die Folge der Fehler der EU-Kommission, wovon die Medien aber mit aller Kraft ablenken wollen, wie ein weiteres Beispiel aus dem Spiegel zeigt.

Da ich derzeit mit der Arbeit an meinem Buch über die Netzwerke hinter der Pandemie sehr ausgelastet bin, komme ich kaum dazu, auch noch Artikel zu schreiben. Sollten Sie noch nicht mitbekommen haben, worum es bei dem Buch geht, lesen Sie zunächst diesen Artikel und dann diesen Artikel, die Reihenfolge ist wichtig, weil sie aufeinander aufbauen.

Normalerweise hätte ich auf die dreisten Lügen, die sich der Spiegel letzte Woche geleistet hat, sofort reagiert. Nun tue ich es eben mit ein wenig Verspätung und was als kleine Sonderreihe für eine Woche gedacht war, setze ich nun fort, weil der Spiegel mir so viel Material liefert, dass die Sonderreihe in ihre zweite Woche geht.

Genießen Sie also zusammen mit mir Teil 7 der „Spiegel-Propagandashow“, in dem der Spiegel bei der Desinformation über das Thema Gas- und Energiekrise besonders kreativ geworden ist.

Die wahren Gründe für die Energiekrise in Europa

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier nur kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, sind es in diesem Jahr nur 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristigen Verträgen für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

Die Legende der rückläufigen Gaslieferungen

Der Spiegel und andere Medien scheinen eine ihrer wichtigsten Missionen derzeit darin zu sehen, den Menschen die Legende zu erzählen, Russland reduziere die Gaslieferungen. Dazu wird sehr tief in die Trickkiste gegriffen, wie der Spiegel-Artikel vom 20. Oktober zeigt. Zunächst trug er die Überschrift „Energiekrise 2021 – Gaslieferungen: Daten zu russischen Pipelines zeigen verdächtigen Einbruch„, die von der Spiegel-Redaktion dann aber in „Reduzierte Liefermengen nach Deutschland – Der verdächtige Einbruch bei den russischen Gaspipelines“ geändert wurde, weil das dramatischer klingt. Die Marschrichtung gab schon die Einleitung vor:

„Drosselt Russland gezielt seine Gasversorgung, um Europa unter Druck zu setzen? Daten mehrerer Einspeisepunkte zeigen einen auffälligen Rückgang. Nur die umstrittene Nord-Stream-Pipeline ist nicht betroffen.“

Ohne Lügen geht’s beim Spiegel nicht

Nachdem der Spiegel die Behauptung aufstellt, Gas sei für Russland auch ein Machtfaktor, findet sich im 4. Absatz des Spiegel-Artikels die erste objektive Lüge:

„Im Streit um Gaspreise stoppte Russland die Lieferungen an die Ukraine zeitweise komplett. Durch Nord Stream und die fast fertiggestellte Schwesterpipeline Nord Stream 2 können die Ukraine und andere Nachbarländer künftig umgangen werden. Deshalb ist das Projekt bis heute umstritten.“

Das ist eine bewährte Form der Propaganda: Man wiederhole eine Lüge immer wieder, damit die Menschen sie glauben.

Fakt ist im Gegenteil, dass Gazprom die Gaslieferungen nach Europa noch nicht ein einziges Mal gestoppt hat. Es war immer die Ukraine, die während laufender Verhandlungen über neue Transitverträge den Transit für einige Tage unterbrochen hat, um Druck auszuüben. Das wissen die Redaktionen der „Qualitätsmedien“ auch, denn seinerzeit konnte man das auch bei ihnen erfahren. Aber danach haben sie die Tatsachen schnell verdreht. Die Details der letzten Gaskrisen finden Sie hier.

Sogenannte „Energieexperten“

Da die Spiegel-Leser das aber nicht wissen, fügt sich der nächste Absatz des Spiegel-Artikels perfekt ein:

„Nutzt Russland nun erneut die Gasversorgung als Druckmittel, um das Projekt durchzudrücken? Diesen Verdacht hegt etwa der russische Energieexperte Michail Krutichin. Der Staatskonzern Gazprom liefere viel weniger Gas, als es die hohe Nachfrage erlauben würde, sagte Krutichin dem SPIEGEL.“

Dass dieser sogenannte „Energieexperte“ Krutichin kein Experte, sondern ein bezahlter Propagandist ist, verschweigt der Spiegel seinen Lesern. Ich habe das aufgezeigt, als der Spiegel das Interview mit Krutichin veröffentlicht hat, auf das er sich jetzt beruft, die Details finden Sie hier. Krutichin ist Partner der „Energieagentur“ RusEnergy. Das klingt kompetent, aber RusEnergy hat keine Angestellten und weist einen aktuellen Jahresgewinn von 110 Euro aus, wovon natürlich niemand leben kann.

Das Geschäftsmodell von Krutichin ist es, sich von westlichen Medien als „Energieexperte“ interviewen zu lassen und ihnen alles zu erzählen, was sie hören wollen. Das tat er auch bei dem Spiegel-Interview, weshalb sich der Spiegel auf diesen selbsternannten Experten berufen und schreiben kann:

„Russlands Kalkül dahinter ist laut Krutichin klar: »Wenn Europa will, dass wir guten Willen zeigen und vor dem Winter zusätzliches Gas liefern, dann sollte es selbst guten Willen zeigen, was Nord Stream 2 angeht« – und die Inbetriebnahme der Pipeline beschleunigen. Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock mahnt an, sich in dieser Hinsicht »nicht erpressen zu lassen«.“

Dass Baerbock das Kunststück fertiggebracht hat, von niemandem auf auch nur einem einzigen Gebiet als Expertin anerkannt zu sein, sei nur nebenbei erwähnt, denn ihrer Aussage, die der Spiegel zitiert, entbehrt so derartig jeder Grundlage, dass sie sogar von Regierungspolitikern deswegen kritisiert wird. Der Grund: Sie lügt, denn die Bundesregierung sagt das Gegenteil. Auf eine Anfrage eines Bundestagsabgeordneten, ob Gazrpom Druck ausübe oder seine Verpflichtungen nicht einhalte, antwortete die Bundesregierung:

„Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse über die Nicht-Einhaltung von Vertragsverpflichtungen russischer Energielieferanten vor“

Der Spiegel beruft sich zur Untermauerung seiner These, Gazprom nutze Gas als Druckmittel also auf zwei Quellen, die zu dem Thema nachweisbar lügen: Baerbock und Krutichin.

Der Spiegel und die Realitäten

Anscheinend liest man beim Spiegel den Anti-Spiegel, denn ich belege seit Wochen, dass die Legende, Gazprom liefere zu wenig Gas, gelogen ist. Nun versucht sich der Spiegel daran, seinen Lesern das Gegenteil zu suggerieren und er macht das sehr geschickt. Zunächst bestätigt der Spiegel, dass Gazprom seine Gasexporte im Vergleich zu 2020 um 13 Prozent auch nach Europa erhöht hat, um das danach zu relativieren:

„Das Lieferplus gegenüber dem Vorjahr ist aber schon deshalb wenig aussagekräftig, weil der Verbrauch im Coronajahr 2020 zurückgegangen war.“

Das stimmt natürlich, aber der Spiegel könnte die diesjährigen Gaslieferungen ja mit dem bisherigen Rekordjahr 2018 vergleichen. Dann würde er feststellen, dass Gazrpom den Rekord von nach Europa exportierten Gas in 2021 möglicherweise brechen könnte. Sehen so zu geringe Gaslieferungen aus?

Verwirrung mit Pipelines

Für den Spiegel und alle anderen „Qualitätsmedien“, die derzeit über die Gas- und Energiekrise in Europa desinformieren, ist es ein Glücksfall, dass kaum jemand sich mit den Pipelines zwischen Russland und Europa auskennt. Daher muss ich darauf kurz eingehen, bevor wir zu den nächsten Desinformationen im Spiegel kommen.

Die beiden ältesten Pipeline sind die Pipeline durch Weißrussland (Jamal) und durch die Ukraine (Druschba). Später kam Nord Stream 1 hinzu und in diesem Jahr wurde Turk Stream in Betrieb genommen, über die russisches Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei und von dort weiter über Griechenland nach Südosteuropa bis Ungarn geleitet wird. Diese Pipeline wird gleich wichtig. Nord Stream 2 ist ohnehin allgemein bekannt.

Sinkende Gaslieferungen aus Russland?

Der Spiegel schreibt über einen Experten:

„»Nur in Greifswald, wo Nord Stream endet, ist der normal übliche Gasdurchfluss vorhanden«, sagt Gitzel. »An den übrigen Einspeisepunkten ist ein massiver Einbruch wahrnehmbar. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.«
Will Russland also Nord Stream als sichere Versorgungsleitung präsentieren, während es über weniger prominente Pipelines wie Jamal und Druschba (»Freundschaft«, engl.: »Brotherhood«) unauffällig die Versorgung reduziert? Tatsächlich ist auffällig, dass im Oktober die Lieferungen nach Lubmin auf unverändert hohem Niveau blieben, wohingegen es an den übrigen Einspeisepunkten steil nach unten ging. So kamen in Mallnow Mitte September noch zeitweise 78 Millionen Kubikmeter pro Tag an. Einen Monat später waren es noch knapp 17 Millionen Kubikmeter – ein Einbruch um 78 Prozent. (…)
Diese Tendenz zeigen auch vom Konzern selbst veröffentlichte Daten. Demnach lieferte Gazprom in der ersten Oktoberhälfte im Schnitt nur 342 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Tag in die EU und die Ukraine. Das waren 16 Prozent weniger als im September. Und sogar täglich rund 130 Millionen Kubikmeter oder gut ein Viertel weniger als im Pandemie-Oktober 2020.

Der Spiegel erweckt den Eindruck, die gelieferten Gasmengen wären jetzt rückläufig, allerdings ist das nicht wahr, denn der Spiegel verschweigt seinen Lesern in der Aufstellung Turk Stream. Ungarn hat mit Wirkung zum 1. Oktober einen neuen Liefervertrag mit Gazprom geschlossen und bezieht sein Gas nun über die Türkei und nicht mehr über die Ukraine, weil das aufgrund der moderneren Infrastruktur billiger ist. Und wenn man sich die Gaskrisen der Vergangenheit in Erinnerung ruft, bei denen Kiew mehrmals den Transit gestoppt hat, ist Turk Stream auch sicherer. Das erklärt den Rückgang der Gaslieferungen über die Ukraine: Das Gas für Ungarn kommt nun über die Türkei.

Und auch bei der Jamal-Pipeline ist der Rückgang der Lieferungen nicht die Schuld von Gazprom. Die Pipeline geht über Weißrussland nach Polen, Polen hat aber seinen Vertrag mit Gazprom nicht verlängert, sondern ein Flüssiggas-Terminal gebaut, um amerikanisches Frackinggas zu importieren. Das ist zwar teurer, aber der polnischen Regierung ist aus ideologischen Gründen alles recht, wenn es gegen Russland geht, auch zum eigenen Schaden. Ich habe schon Ende September berichtet, dass die Jamal-Pipeline gerade mal zu einem Drittel ausgelastet war.

Gazprom ist bereit, mehr Gas zu liefern, auch über die Ukraine und Weißrussland. Aber aus irgendwelchen Gründen gehen aus Europa keine Bestellungen ein, obwohl die Pipelines freie Kapazitäten haben. Das bestätigen auch Bundesregierung und EU-Kommission: Es ist kein Fall bekannt, in dem Gazprom eine Bestellung aus Europa abgelehnt hätte.

Die Frage, warum nicht mehr russisches Gas nach Europa kommt, muss man also den Europäern und nicht Gazprom stellen, denn Gazprom kann ja schlecht Gas in die Pipelines einspeisen, das am anderen Ende der Pipeline niemand bestellt hat.

Fazit

Der Spiegel bleibt seiner Linie treu, seine Leser beim Thema Gas und damit beim Thema Strom- und Heizungspreise zu desinformieren. Dabei geht der Spiegel ausgesprochen perfide vor, denn er nutzt das Unwissen seiner Leser, das der Spiegel mit seiner Berichterstattung selbst geschaffen hat, um seine Leser zu desinformieren. Daran zeigt sich einmal mehr, dass Lückenpresse viel schlimmer ist als Lügenpresse, denn eine Lüge kann der Leser erkennen, wenn er aber Dinge nicht weiß, dann kann er auch nicht erkennen, wie sehr er in die Irre geführt wird.

Und daran zeigt sich noch etwas:

Spiegel-Leser wissen weniger!


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

Die Spiegel-Lügen der letzten Woche, Teil 6: Noch mehr Desinformation über die Energiekrise und den Gaspreis

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