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Ausland, Europa

Polnischer Ministerpräsident warnt vor den folgen der Energiekrise, die er selbst mit verursacht hat

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Der polnische Ministerpräsident hat in einer Rede vor dem europäischen Parlament in scharfen Worten vor den Folgen der Energiekrise gewarnt. Das Problem dabei: Polen ist einer der Verursacher der durch den Gasmangel verursachten Energiekrise.

Das russische Fernsehen hat über die Warnung des polnischen Ministerpräsidenten vor den Folgen der Energiekrise und über seine Vorwürfe gegen Russland berichtet. Ich werde zunächst die russische Meldung übersetzen und anschließend ein paar Hintergrundinformationen liefern.

Beginn der Übersetzung:

Polen prophezeit große Energiekrise in Europa

Die EU steht am Rande einer großen Gas- und Energiekrise, erklärte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki vor dem Europäischen Parlament.

Er sagte: „Rasch steigende Preise, die vor allem durch das vorsätzliche Handeln russischer Unternehmen verursacht werden, zwingen viele Unternehmen in Europa dazu, entweder die Produktion einzuschränken oder die Kosten an die Verbraucher weiterzugeben.“

In einer krisenhaften Entwicklung könnten Dutzende Millionen EU-Bürger unter die Armutsgrenze fallen.

„Es muss auch mit einem Dominoeffekt gerechnet werden. Eine Krise könnte zu neuen Unruhen führen“, sagte Morawiecki.

Der europäische Gasmarkt ist in Aufruhr. Anfang August lag der Gaspreis am Spotmarkt bei 515 Dollar pro 1.000 Kubikmeter, Ende September bei 1.937 Dollar. Seitdem sind die Preise zwar gesunken, aber immer noch hoch.

Europas unterirdische Gasspeicher sind zu gering gefüllt.

Gleichzeitig haben die USA ihre Flüssiggas-Lieferungen von Europa nach Asien umgeleitet, weil die Preise dort höher sind.

In der EU habe man sich bei der Umstellung auf andere Energiequellen verkalkuliert und vergeblich auf die Windenergieerzeugung gesetzt, indem man auf Atom- und Kohlekraftwerke verzichtet habe, sagte Präsident Wladimir Putin.

Der Präsident bezeichnete die Behauptungen, Russland setze Gas als Waffe ein als „völligen Unsinn und Quatsch“.

Ende der Übersetzung

Polens Rolle in der Energiekrise

Die Erklärung des polnischen Ministerpräsidenten ist ziemlich dreist, denn Polen ist eines der Länder, die die Energiekrise mit verursacht haben und weiter anheizen. Polen hat auf die Verlängerung seines langfristigen Liefervertrages mit Gazprom verzichtet und stattdessen auf amerikanisches Flüssiggas gesetzt und dazu ein neues Terminal für Flüssiggas gebaut. Da die US-Lieferungen aber nach Asien gehen, fehlt Polen Gas.

Trotzdem ist Polen nicht bereit, Gas in Russland einzukaufen, obwohl es über die durch Weißrussland und Polen nach Europa verlaufende Jamal-Pipeline, die bei weitem nicht ausgelastet ist, schnell und günstig an Gas kommen könnte. Gazprom ist bereit, die Lieferungen über die Jamal-Pipeline zu erhöhen, aber es kommen keine Bestellungen aus Europa. Dass Polen außerdem die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 verhindern will, sei da nur noch nebenbei angemerkt.

Man hat fast den Eindruck, die Energiekrise, die Europa diesen Winter erwartet, wurde und wird bewusst herbeigeführt, wenn die gleichen Politiker, die an dem Gasmangel eine (Mit)Schuld tragen, diesen Gasmangel beklagen.

Die wahren Gründe für die Energiekrise in Europa

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier nur kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, sind es in diesem Jahr nur 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristigen Verträgen für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

Wie dreist in westlichen Medien derzeit über die Hintergründe und Ursachen der Energiekrise gelogen und desinformiert wird, habe ich gerade erst beispielhaft an einem aktuellen Spiegel-Artikel aufgezeigt, die Details finden Sie hier.

Polnischer Ministerpräsident warnt vor den folgen der Energiekrise, die er selbst mit verursacht hat

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