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Ausland, Europa

„Womit wollen Sie heizen?“ – Wie das russische Fernsehen über die Energiekrise in Europa berichtet

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Die Energiekrise und die explodierenden Gaspreise verursachen in Russland großes Erstaunen über die Inkompetenz der EU-Bürokratie. Die Medienberichte sind eher mitleidig als schadenfroh, obwohl die EU Russland die Schuld an den hausgemachten Problemen gibt.

Da ich gerade erst über die Lage am Gasmarkt und die Rezepte, die die EU-Verantwortlichen zur Lösung vorschlagen, berichtet habe, will ich das hier nicht wiederholen. Sie können die Gründe für die Krise, warum die EU sie selbst verschuldet hat und vor allem die unsinnigen „Lösungsvorschläge“ der EU-Kommissare, die die Situation sogar noch verschlimmern werden, hier nachlesen.

Jetzt übersetze ich einen Bericht aus den Abendnachrichten des russischen Fernsehens vom 6. Oktober, der die Fassungslosigkeit russischer Medien über die in Brüssel geballte Inkompetenz aufzeigt.

Beginn der Übersetzung:

Für die grüne Energie riskieren Euro-Bürokraten Menschenleben

Die Tatsache, dass Russland alle Verträge über Gaslieferungen in die EU ordnungsgemäß erfüllt, wurde heute sowohl von der Europäischen Kommission als auch von der Regierung des Hauptimporteurs Deutschland bestätigt. Unterdessen brach der Gaspreis an den europäischen Börsen im Laufe des Tages neue Rekorde und überschritt sogar kurzzeitig die Marke von 1.900 Dollar pro 1.000 Kubikmeter. Die Summe ist so schockierend, dass die gewöhnlich schwerfällige europäische Bürokratie dringenden Handlungsbedarf sieht. Allerdings ist nicht klar, welchen. Spanien schlägt den gemeinsamen Einkauf von Kraftstoff vor, Belgien schlägt die Schaffung gemeinsamer Reserven vor und das für Energie zuständige Mitglied der Europäischen Kommission schlägt finanzielle Unterstützung für die Bevölkerung vor.

Aus Deutschland berichtet unser Korrespondent Michail Antonov.

Der europäische Gasmarkt hat heute einen Schock erlitten. Der Gaspreis stieg an der Londoner Börse auf 1.900 Dollar pro 1.000 Kubikmeter. Das dauerte nicht lange, nur 10 Minuten. Das war eine völlig spekulative Geschichte, die nicht die tatsächliche Lage der Gasreserven widerspiegelte. Ja, sie sind nicht so reichlich vorhanden wie sonst, aber sie sind vorhanden, und die Situation hat wieder einmal gezeigt, dass die Preisgestaltung für Kraftstoffe vollständig dem Markt überlassen wird, was nicht nur das Wohlergehen, sondern auch das Leben der Europäer gefährdet. Wie auch immer, als die Chefin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, heute Morgen zu einer wichtigen Sitzung zum Thema Umwelt eilte, haben Mikrofone ihr den Weg versperrt.

„Machen Sie sich Sorgen wegen der Gaspreise? Sie sehen jeden Tag, dass die Gas- und Strompreise Rekordhöhen erreichen? Sind Sie darüber besorgt?“, wurde sie gefragt.

„Das ist ein ernstes Problem. Die Gaspreise schießen in die Höhe. Aber die Preise für erneuerbare Energien sind in den letzten Jahren gesunken und bleiben stabil. Für uns ist daher klar, dass es langfristig aus energiepolitischer Sicht wichtig ist, in erneuerbare Energien zu investieren, die uns stabile Preise und größere Unabhängigkeit bieten, denn 90 Prozent unseres Gases wird in die Europäische Union importiert. Wir sind führend in der Erzeugung erneuerbarer Energien. Nächste Woche wird die Kommission ein Kommuniqué zur gesamten Energiefrage vorlegen, und wir werden es im Europäischen Rat diskutieren.“, antwortete von der Leyen

„Sind Sie besorgt, dass Präsident Putin die Gasversorgung manipuliert?“

„In dem Kommuniqué werden wir auf alle Komponenten der Energiepreise eingehen.“

Russland und Putin für den Preisanstieg verantwortlich zu machen, ist nicht objektiv. Aber anti-russische Äußerungen sind immer gut. Nehmen wir zum Beispiel den polnischen Präsidenten Duda: Unter Trump hat er sich dafür eingesetzt, dass die Amerikaner ihm helfen, Deutschland aus seiner Position als wichtige Energiedrehscheibe Europas zu verdrängen. Er hat ein Terminal für Flüssiggas gebaut und den Bau der Baltic Pipe von Norwegen angefangen. Aber das amerikanische Gas geht fröhlich nach Asien, wo mehr dafür bezahlt wird und die Pipeline wird bis Ende nächsten Jahres gebaut. Vielleicht. Nebenbei ist es den Polen gelungen, den langfristigen Vertrag mit Gazprom loszuwerden, und ihr Stolz erlaubt es ihnen nicht, ihre Meinung zu ändern. Polen geht ohne Gas in den Winter. Es bleibt ihnen nur noch, über Nord Stream 2 zu schimpfen. (Anm. d. Übers.: Baltic Pipe hat Probleme mit Umweltauflagen in Dänemark und kann möglicherweise nicht zu Ende gebaut werden)

„Eine weitere Bedrohung ist Nord Stream 2. Diese Pipeline hätte nie gebaut werden dürfen. Das ist ein Fehler von strategischer Bedeutung für die gesamte transatlantische Gemeinschaft. Denn nun wird Russland nicht nur in der Lage sein, die Gaslieferungen an die Ukraine, die Slowakei oder Polen zu unterbrechen, sondern auch die gesamte westliche Gemeinschaft strategisch zu erpressen, was weit über Energiefragen hinausgehen wird“, sagte der polnische Präsident Andrzej Duda.

Die Nachricht, dass begonnen wurde den ersten Strang von Nord Stream 2 mit einer Jahreskapazität von 27,5 Milliarden Kubikmetern Gas, mit technischem Gas zu füllen, hat auf dem Markt keinen großen Eindruck hinterlassen – der Preis fiel leicht und stieg dann wieder an. Die Inbetriebnahme der Pipeline und die Einspeisung des Gases in die unterirdischen Speicher sind technologisch kompliziert, daher geht das nicht schnell. Außerdem sind noch nicht alle Formalitäten geklärt, obwohl alle wissen, dass die Pipeline Gas zu einem niedrigeren Preis und umweltfreundlicher liefern wird. Aber auch ohne Nord Stream 2 erfüllt Gazprom seine Verträge.

„Ich habe mit Präsident Putin über das Auffüllen der Gasspeicher in Deutschland und Europa gesprochen. Was Nord Stream 2 betrifft, so durchläuft die Pipeline derzeit den Zertifizierungsprozess und liefert kein Gas. Die Frage ist, ob es Aufträge gibt, die Russland nicht bedient hat. Nach meinen Informationen der letzten Tage gibt es keine solchen offenen Bestellungen, Russland erfüllt seine Erdgaslieferverträge“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Die EU sucht nicht nach Schuldigen für die Krise, sondern will die Situation bereinigen und die richtigen Lösungen finden“, sagte Dana Spinant, Sprecherin der Europäischen Kommission.

Die Lösung besteht darin, eine Art strategische Gasreserve zu schaffen und den Energieeinkauf in der gesamten EU zu koordinieren. Und als von der Leyen sagte, dass die erneuerbaren Energien Europa stabile Preise bescherten, vergaß sie hinzuzufügen, dass diese Preise auch im Vergleich zu dem, was der russische Anbieter anbieten kann, konstant höher sind. Der ungarische Ministerpräsident Orban, der ihr folgte, war in seinem Element: Er hat bereits alles ohne die Europäische Kommission koordiniert – er hat jetzt einen 15-Jahres-Vertrag mit den Russen.

„Machen Sie sich Sorgen wegen des Winters? Die Gaspreise sind stark gestiegen. Russland ist bei der Versorgung sehr zurückhaltend.“, fragten Reporter Orban.

„Die EU muss ihre Politik ändern, zumindest teilweise. Der Grund für den Preisanstieg ist, dass die Europäische Kommission einen Fehler gemacht hat. Wir müssen einige Regeln ändern, sonst werden alle darunter leiden. Das betrifft Ungarn aber nicht. Die Preise in Ungarn werden sinken“, versicherte Viktor Orban.

Das Gasfeld in den Niederlanden wird als „Groningen-System“ bezeichnet. Er wurde auf der Grundlage langfristiger Verträge entwickelt, die eine Planung von Investitionen und Gewinnen ermöglichten, und der Gaspreis war über den Energiewert des Brennstoffs – Megawatt – an einen Korb von Erdölprodukten gebunden. Vor Beginn dieses Jahrzehnts basierten die Beziehungen zwischen Gazprom und den europäischen Verbrauchern auf dem Gronigen-System, und wenn alles beim Alten geblieben wäre, würden die Europäer heute nach Schätzungen 300 bis 400 Dollar pro 1.000 Kubikmeter zahlen. Die Tatsache, dass sie gezwungen sind, das Fünffache zu zahlen, die Tatsache, dass jeder Tag ein Schock ist, ist der Preis der Liberalisierung des Gasmarktes. Einer der Enthusiasten für diese Liberalisierung ist der ehemalige EU-Kommissar für Energie, Andris Piebalgs, ein Lette. Die aktuelle Krise kann getrost nach ihm benannt werden. Er war es, der Anfang der Zehnerjahre mit der Entwicklung des Spothandels begann, alle möglichen Direktiven, die die Positionen von Gazprom trafen, wurden geprägt und der Kurs zur Abkehr von Kohle und Kernenergie zugunsten von Windrädern und Solarbatterien wurde eingeschlagen.

An ihn und andere wie ihn richtete Wladimir Putin seine berühmte Frage nach Brennholz. (Anm. d. Übers.: Die zitierte Aussage hat Putin vor zehn Jahren bei einer Podiumsdiskussion in Deutschland gemacht, ich habe darüber auch in meinem Buch über Putin geschrieben.)

„Ich weiß nicht, aus irgendeinem Grund mag die deutsche Öffentlichkeit die Kernenergie nicht. Ich will das nicht kommentieren, aber… (Putin zögert, was Lachen im Saal hervorruft) Ich verstehe nicht, womit Sie heizen wollen. Sie wollen kein Gas, Sie entwickeln keine Kernenergie. Und was werden Sie zum Heizen verwenden? Brennholz? (Lachen im Saal) Aber Brennholz müssen Sie auch aus Sibirien holen… (Noch mehr Lachen im Saal) Sie haben kein Holz“, sagte der russische Präsident.

Es gibt kein Brennholz – die Karpaten sind abgeholzt worden. In Deutschland, Polen und Frankreich wird wieder Kohle eingesetzt und es werden Kernreaktoren hochgefahren. Aber die Klimavorschriften der Europäischen Union sind in Stein gemeißelt, sagt Frans Timmermans, stellvertretender Leiter der Europäischen Kommission. Man muss noch einige Monate abwarten, um zu sehen, ob sich dieses Statut nicht auch als ein Denkmal der Dummheit erweist.

„Die Markterwartungen zeigen, dass dies eine vorübergehende Situation ist. Die Gaspreise werden jedoch über den Winter hoch bleiben und im Frühjahr und Sommer deutlich fallen. Die unterirdischen Gasspeicher in Europa sind zu etwa 75 Prozent gefüllt. Diese Menge liegt zwar unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, reicht aber aus, um den Bedarf für die Wintersaison zu decken. Der Preisschock schadet unseren Bürgern, insbesondere den schwächsten, da er den Inflationsdruck erhöht“, erklärte Kadri Simson, EU-Kommissar für Energie.

Mit anderen Worten: Es gibt Gas, aber es ist einfach teuer. Wegen des kalten Wetters im letzten Winter, der Erholung nach der Pandemie, der gestiegenen Nachfrage in Asien, der Dürre in Brasilien. Das hat der Markt entschieden. Und ohne Vertrag sind die Staaten machtlos – das Einzige, was sie noch tun können, ist Videos darüber zu drehen, wie man trotz Kälte nicht friert. Und das ist kein Scherz. Einigen Schätzungen zufolge werden im kommenden Winter rund 80 Millionen Menschen in Europa die Heizung in ihren Häusern nicht einschalten, um Essen kochen zu können. Und 7 Millionen Haushalte laufen Gefahr, dass ihnen aufgrund von Schulden der Strom abgestellt wird.

Die letzte Heizperiode in Deutschland begann am 12. Oktober. Dieses Jahr wird sie wahrscheinlich ein paar Tage früher beginnen. Am Sonntagabend werden plus drei Grad erwartet. Das bedeutet, dass die aktive Entnahme von Gas aus den Speichern beginnen wird, und es wird fast nichts geben, um den Gasverbrauch zu kompensieren – Europa geht mit dem, was es hat, in den Winter und das zu einem Preis von 2.000 Dollar pro tausend Kubikmeter.

Ende der Übersetzung

„Womit wollen Sie heizen?“ – Wie das russische Fernsehen über die Energiekrise in Europa berichtet

Diskussionen

2 Gedanken zu “„Womit wollen Sie heizen?“ – Wie das russische Fernsehen über die Energiekrise in Europa berichtet

  1. Erpressungversuch 3.0
    Der internationale Gasmarkt ist aber zum Glück nicht derart gestrickt.

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    Verfasst von Fred Milkereit | 10. Oktober 2021, 19:33
  2. Jagt diese Brut in Brüssel zum Teufel,
    kehrt zu den Nationalen Interessen zurück
    und untersagt den Handel mit Energien an den Börsen!!

    Denn ,Die, die für diese kommende Katastrophe verantwortlich
    sind, werden bestimmt nicht frieren !!!

    Gefällt mir

    Verfasst von wolfgang fubel | 7. Oktober 2021, 10:49

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