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Ausland, Medien

CNN interviewt Präsident Lukaschenko, verheimlicht seinem Publikum aber dessen Antworten

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Westliche Medien sind kreativ, wenn sie Interviews mit ihren „Feindbildern“ machen. Mal werden die Interviews dem heimischen Publikum nur gekürzt gezeigt, mal wendet man andere Tricks an, um dem westlichen Publikum deren Antworten vorzuenthalten. Als besonders kreativ hat sich nun CNN gezeigt.

Das in Deutschland vielleicht bekannteste Beispiel für propagandistische Verfälschungen von Interviews ist das Interview der ARD, das man dort 2008 nach dem Kaukasuskrieg mit Putin gemacht hat. Thomas Roth hatte Putin eine halbe Stunde lang interviewt, die ARD kündigte dann zur besten Nachrichtensendezeit das „Das Interview mit Vladimir Putin im Wortlaut“ an, zeigte aber nur knapp neun Minuten. Die ADR hatte alle Argumente von Putin herausgeschnitten.

Erst als das russische Fernsehen das vollständige, 30 Minuten dauernde Interview gezeigt hat und als sich im Netz ein Shitstorm über die ARD ergoss, wurde der Titel des Interviews still und heimlich in „Neun Minuten Interview mit Vladimir Putin im Wortlaut“ geändert. Das Interview selbst wurde dann später auch komplett im Fernsehen gezeigt, allerdings zu nachtschlafender Zeit, damit die Zuschauer der ARD es auch wirklich nicht zu sehen bekommen.

Übrigens gab es von dem Vorfall eine sehr akkurate Zusammenfassung auf YouTube, in der genau gezeigt wurde, was die ARD alles aus dem Interview herausgeschnitten hat. Leider ist aber der YouTube-Kanal, auf dem das veröffentlicht worden ist, inzwischen auch zensiert worden, denn wenn man den Link anklickt, dann erscheint die Fehlermeldung, dass der Kanal gekündigt wurde. Dass ich den Link noch zur Hand habe, liegt daran, dass ich das Video früher schon verlinkt hatte und jetzt festgestellt habe, dass es inzwischen ebenfalls der um sich greifenden Zensur zum Opfer gefallen ist.

Es gibt viele ähnliche Beispiele dafür, wie westliche „Qualitätsmedien“ Interviews mit „bösen“ Präsidenten machen, ihren Zuschauern dann aber deren Antworten vorenthalten, weil die Antworten aufzeigen, wie plump und unwahr die westliche Propaganda in vielen Fällen ist. Das ist auch der Grund, warum mein Buch über Putin jahrelang ein Bestseller bei Amazon gewesen ist: Nicht weil ich so toll schreiben kann oder so intelligente Dinge über Putin geschrieben habe, sondern weil das Buch die einzige deutschsprachige Quelle ist, in der man erfahren kann, was Putin wirklich selbst zu den aktuellen politischen Themen sagt, denn das Buch besteht zu über 50 Prozent aus ausführlichen und ungekürzten Putin-Zitaten, die man als Deutscher ohne Russischkenntnisse – außer in meinem Buch – nirgendwo finden kann.

Wie CNN Lukaschenko gelinkt hat

Das berühmte Putin-Interview der ARD ist der Grund dafür, dass der Kreml, wenn er westlichen Medien Interviews mit Putin genehmigt, inzwischen vertraglich darauf besteht, dass diese ungekürzt gezeigt werden. Zumindest ist das meines Wissens so. Und auch andere Staatschefs, die der Westen zu Feinden erklärt hat, lassen sich meines Wissens seitdem ähnliche Garantien geben.

CNN hat aber nun einen Weg gefunden, das zu umgehen. In weißrussischen Medien wurde in den letzten Tagen angekündigt, am Samstag ein einstündiges Interview auszustrahlen, das CNN mit Präsident Lukaschenko geführt hat. Wie auch bei Putin-Interviews sah der CNN-Reporter nicht gut aus, als er versuchte, Lukaschenko mit der westlichen Propaganda zu konfrontieren und Lukaschenko sie Punkt für Punkt zerlegt hat.

CNN war aber kreativer als andere westliche Medien der letzten Jahre. CNN hat auf seiner Homepage einen Beitrag über das einstündige Interview veröffentlicht, der nur sieben Minuten dauert und ein informationsfreier Zusammenschnitt ist. Der zugehörige Artikel auf der Seite von CNN enthält ebenfalls nichts von dem Interview, sondern ist eine Zusammenfassung der westlichen Anschuldigungen gegen Lukaschenko. Wie Lukaschenko diese Anschuldigungen in dem Interview auseinandergenommen hat, erfährt der CNN-Konsument nicht.

Erst wenn auf der Seite von CNN die Suchfunktion nutzt, findet man das vollständige Interview, das jedoch nicht im Fernsehen gezeigt wurde. Aber auch das vollständige Interview hilft dem CNN-Zuschauer nicht weiter, denn CNN hat Lukaschenkos Antworten nicht übersetzt. Und wie viele der amerikanischen CNN-Zuschauer verstehen wohl Russisch?

Die Fragen an Lukaschenko

In weißrussischen und russischen Medien ist die Aufregung nun groß und der Grund ist nicht nur, dass CNN Lukaschenko de facto verar***t hat, sondern der Grund sind vor allem die unglaublich unverschämten Fragen, die der CNN-Reporter gestellt hat. Lukaschenko ist trotzdem ruhig geblieben und hat die Fragen geduldig beantwortet.

Ich will das beispielhaft an der ersten Frage aufzeigen. Der CNN-Reporter begann das Interview mit folgender Frage:

„Sie werden der politischen Unterdrückung ihrer politischen Gegner nach den Wahlen im letzten Jahr beschuldigt. Tausende sind inhaftiert, einige haben sich an Menschenrechtsgruppen gewandt, weil ihre Menschenrechte in den Gefängnissen missachtet werden. Menschen wurden ermordet. Wollen Sie diese Gelegenheit jetzt nutzen, um sich bei dem weißrussischen Volk für die Menschenrechtsverletzungen zu entschuldigen, unter denen das Volk durch Ihre Hand gelitten hat?“

Man fragt sich, ob das ein Interview ist oder die Verlesung einer Anklageschrift. Alle Fragen in dem Interview sind so formuliert.

Man stelle sich das einmal anders herum vor und ein russischer Journalist würde mit dem US-Präsidenten ein Interview führen, das mit folgender Frage beginnt:

Sie werden weltweiter Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. Millionen wurden ermordet. Hunderte waren in Foltergefängnissen, einige sind da bis heute, auch nach 20 Jahren ohne Prozess oder Anwalt. Tausende unschuldiger Zivilisten wurden durch US-Drohnen ermordet. Wollen Sie diese Gelegenheit jetzt nutzen, um sich bei den Völkern der Welt für die Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen zu entschuldigen, unter denen Millionen durch Ihre Hand gelitten haben?

Was würde ein US-Präsident wohl antworten? Würde er überhaupt antworten, oder würde er das Interview abbrechen und gehen? (Um Kommentaren vorzubeugen: Ich meine nicht Joe Biden, der keine Antwort mehr ohne Zettel vortragen kann, ich meine in meiner rhetorischen Frage einen US-Präsidenten, der noch im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist)

Der Unterschied zwischen West und Ost

Das zeigt den Unterschied zwischen der westlichen Politik und der Politik zum Beispiel Russlands oder Weißrusslands auf. Trotz aller unbelegten Vorwürfe, trotz der aggressiven Rhetorik des Westens, trotz einseitiger Sanktionen und trotz der offenen Versuche westlicher Medien, die Präsidenten dieser Länder mit unfairen Mitteln in ein schlechtes Licht zu stellen, bleiben sie gesprächsbereit. Sie sind bereit mit westlichen Politikern und sogar mit den Leuten zu sprechen, die sich im Westen als Journalisten bezeichnen.

Die führenden Politiker der im Westen zu Feinden erklärten Länder suchen trotz alledem das Gespräch, während der Westen die Eskalation sucht und vorantreibt. Sie stellen sich stundenlangen Interviews, obwohl sie wissen, dass der Interviewer nur ein Interesse hat: Sie in ein schlechtes Licht zu rücken, sie zu diskreditieren und zu provozieren. Sie geben die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen im Westen trotz dieser Propaganda verstehen, dass in Russland oder Weißrussland keine Feinde herrschen, keine Feinde leben, sondern dass dort Politiker sind, die nach einem politischen und gesellschaftlichen Ausgleich suchen und dass dort Menschen leben, die genauso friedliebend sind, wie die einfachen Menschen im Westen.

Können Sie sich vorstellen, dass sich eine Frau Merkel, ein Herr Biden (ok, der ist geistig dazu nicht mehr in der Lage), ein Herr Johnson und wie sie alle heißen mögen, die im Westen Staatschefs spielen dürfen, dass die sich eine volle Stunde den wirklich kritischen Fragen eines russischen oder weißrussischen Journalisten stellen?

Nein, das ist unvostellbar, denn sonst wäre das ja schon mal geschehen. Aber Präsidenten wie Putin oder nun auch Lukaschenko sind dazu bereit und stellen sich stundenlang den kritischen Fragen westlicher Journalisten, Putin tut das sogar gerne live und ich habe viele Beispiele dafür in meinem Buch über Putin übersetzt.

Was sagt es über die Politiker des Westen und ihre Argumente aus, dass sie dazu nicht bereit sind?

Übrigens ist das Verhalten bestimmter westlicher Medien so berüchtigt, dass der russische Außenminister Lawrow bei einer Podiumsdiskussion auf die Frage eines Journalisten der Washington Post antwortete (im Video ab Minute 16.30):

„Egal, was ich antworte, Sie schreiben ja sowieso, was Sie wollen. Also tun Sie das einfach!“

Anmerkung in eigener Sache: Als ich auf der Seite des weißrussischen Fernsehens nach dem Interview gesucht habe, musste ich lachen, denn zu dem Zeitpunkt war dort mein Foto neben Lukaschenko zu sehen. Der Grund ist, dass ich vom weißrussischen Fernsehen vor einigen Tagen zur Situation auf dem europäischen Gasmarkt befragt wurde und meine Antwort am Freitagabend in der weißrussischen Nachrichtensendung „Panorama“ gezeigt wurde.

Allen, die dahinter eine versteckte Finanzierung meiner Arbeit vermuten, sei gesagt: Nein, ich habe noch für keinen der kurzen Einspieler des weißrussischen Fernsehens, in denen ich Fragen beantwortet habe, Geld bekommen.

CNN interviewt Präsident Lukaschenko, verheimlicht seinem Publikum aber dessen Antworten

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