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Ausland, Welt

Nach Afghanistan-Debakel: „Westen gibt einheitliche Weltordnung auf“ – Politologe Münkler

von Paul Linke – https://snanews.de

Mit der Niederlage in Afghanistan will US-Präsident Joe Biden auch eine „Ära großer Militäroperationen zur Umgestaltung anderer Länder“ beenden. Damit werde auch die Vorstellung einer einheitlichen Weltordnung verschwinden, die auf bestimmten Werten beruht, sagt Konfliktforscher Herfried Münkler voraus.
„Wir müssen aus unseren Fehlern lernen“, sagte Biden am 31. August in seiner Rede an die Nation nach dem Ende des Afghanistan-Einsatzes. Bei dieser Entscheidung sei es aber nicht nur um Afghanistan gegangen. „Es geht darum, eine Ära großer Militäroperationen zur Umgestaltung anderer Länder zu beenden.“ Er warnte, Washington werde weiterhin Militante ins Visier nehmen, die eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellen, aber sein Militär nicht mehr einsetzen, um zu versuchen, „demokratische Gesellschaften an Orten aufzubauen, an denen es sie nie gegeben hatte“.

Westen gibt einheitliche Weltordnung auf

Die Erklärung von Biden sei in der Sache eindeutig: Die USA würden keine Prozesse des „nation-building“ mehr mit militärischen Mitteln unterstützen, sagte der deutsche Geopolitik-Experte und Politikwissenschaftler, Herfried Münkler, in einem Online-Pressegespräch mit dem „Verein der ausländischen Presse“ (VAP) am Montag. Der Westen habe das Projekt einer globalen Ordnung tendenziell aufgegeben. „Die Vorstellung einer einheitlichen Weltordnung, die auf bestimmten Werten und Normen beruht, wird verschwinden“, glaubt der emeritierte Konfliktforscher von der Humboldt-Universität. Denn es koste den Westen zu viel, seine Vorstellungen vor allem in arabischen Ländern durchzusetzen.
Die Beziehungen mit Russland und China seien von vornherein schwierig gewesen. Moskau und Peking hielten Münkler zufolge an dem Begriff der Souveränität fest. Doch das sei eine Kategorie, bei der es unmöglich sei, „eine wertefundierte, normen getriebene Weltordnung“ durchzusetzen. „Und wenn man Souveränität sagt, dann sagt man auch immer: Die Frage der Werte ist Einmischung in die inneren Angelegenheiten, wie man das sowohl aus Moskau und Peking hört. Es war also klar: die gehen sowieso einen anderen Weg. Der Konflikt um diese Fragen lohnt sich eigentlich nicht“, erklärt Münkler weiter.

Warum die Nato in Afghanistan scheiterte

Doch in Afghanistan, an der Peripherie von China und Russland, hätte der Westen versucht zu zeigen, „dass man sehr wohl so etwas hinbekommt“. Nun sei der Westen aus Sicht des Politologen nicht von den Taliban* geschlagen worden – „dazu wären die gar nicht in der Lage gewesen“. Aber der Westen sei mit der Machtübernahme der Islamisten und dem chaotischen Abzug „ermattet“. Die militärischen Einsätze würden zu teuer.

„Unsere schnellen Gesellschaften sind dann unterlegen, wenn die Gegenseite es schafft, die Fortdauer der Zeit in eine strategische Ressource zu verwandeln.“
Universelle Werte gegen wechselseitige Interessen
Münkler lässt Zweifel daran aufkommen, ob es denn tatsächlich sogenannte „universelle Werte“ gibt. Jede Seite habe seine eigenen Werte, so der Experte. „Und je mehr diese Seite versucht den Rest an Koalitionsfähigkeit, Werte und Normen zu binden, desto stärker kommt sie in Nachteile.“ So stehe der Westen „mit seinen Werten“ schlechter da, als andere, die auf wechselseitigen Interessen aufbauende Abmachungen beispielsweise mit den Taliban treffen würden.
„Das wird sicherlich Lernprozesse auslösen, die dahin führen, nun, die Frage stellen wir zurück. Wir behaupten zwar weiterhin, dass unsere Werte universell sind, aber wir werden ihre Universalität nicht selber generalisieren“, so der Konfliktforscher.
Nach der Aufgabe der einheitlichen Weltordnung durch den Westen erwartet Münkler, dass sich auch der Einfluss von Nichtregierungsorganisationen relativieren wird. „Es wird ein System herauskommen, das man in der europäischen Geschichte als Pentarchie bezeichnet – also die Herrschaft von Fünfen.“ Dazu zählt der Geopolitik-Experte China und die USA als bedeutendsten Wirtschaftsmächte sowie die Atommacht mit der größten Landbrücke, Russland. Als vierte Weltmacht soll sich ihm zufolge Indien etablieren und die Europäer als fünfte Macht, „wenn sie sich ein bisschen reformieren und in der Lage sind, wirklich auch Außenpolitik zu machen“.
* Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Belarus) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
https://snanews.de/20210915/nach-afghanistan-debakel-westen-gibt-einheitliche-weltordnung-auf—politologe-muenkler-3578852.html?fbclid=IwAR0kN-gPPOVnaEO0ltNP3DgbKiYET7DiXQ3SOSvmF4nJIvCctMIMIOK6-GY

 

Diskussionen

4 Gedanken zu “Nach Afghanistan-Debakel: „Westen gibt einheitliche Weltordnung auf“ – Politologe Münkler

  1. Niemals werden die Amis es dulden in dieser Welt nur die zweite Geige
    spielen zu dürfen, Die können ohne Krieg nicht existieren! Dort, wo Sie
    waren,haben Sie nur Leid und Zerstöhrung ungeahnten Ausmaßes
    hinterlassen! Ihre hochkriminelle Finanzmaffia, wird weiterhin die Länder
    im finanziellen Würgehalsband halten! Aber es mehren sich die Anzeichen,
    das Sie an Ihrer eigenen Gier zugrunde gehen könnten. Immer Mehr
    Länder wollen sich aus den finanziellen Würgegriff dieses weltweiten
    Finanzkapitals befreien! Auch im militärischen Bereich werden Sie bald
    das Nachsehen haben!
    Wenn Sie das verhindern wollen,müssen Sie reagieren. Finanziell können
    Sie es bald nicht mehr, aber im Militärischen Bereich rechnen Die sich
    noch Chancen aus, das Ruder herrum zu reißen! Das haben Sie immer
    gemacht, wenn es mit Ihrer Wirtschaft bergab ging!
    Viel Zeit bleibt Ihnen da nicht, denn die anderen Mächte schlafen nicht!!

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    Verfasst von wolfgang fubel | 16. September 2021, 14:04
  2. „Mit der Niederlage in Afghanistan will US-Präsident Joe Biden…“
    Er will? Der Typ ist so dement, ich bezweifle, dass der überhaupt noch eine Ahnung von dem hat, was um ihn herum geschieht. Biden ist doch nur eine Marionette, genauso wie Trump eine Marionette war (allerdings hatte Trump andere Auftraggeber als Biden).
    Der Souverän will einen Audit wie in Arizona, wo 70.000 Briefwahlstimmzettel gefunden wurden, die keinem Absender zugeordnet werden konnten!

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    Verfasst von V wie Vendetta | 16. September 2021, 12:03
    • Ja, das ist richtig, Biden nichts weiteres als eine Marionette. Aber für wen spielt der denn den Watschenempfänger, das ist doch die Frage. Die Antwort ist: der tatsächliche derzeitige Präsident der USA ist Obama in seiner dritten Amtszeit. Der hat auch über geplanten Lockdown und vorhersehbarer Massenarbeitslosigkeit in den USA die Voraussetzungen geschaffen für die Wahlniederlage von Trump.
      Und der Obama hat entschieden, dass er nicht mehr gegen Taliban-Afghanistan Krieg führen will, sondern dass dieses Gebilde wieder für die USA die Drecksarbeit nicht nur wie in den 1980ern gegen Russland, sondern auch gegen China und Iran erledigen soll. Die entsprechenden Waffenlieferungen an die Taliban sind wie ja auch schon früher in Syrien durch Weglaufen ohne Waffen der bisherigen dienstbaren Geister erfolgt.
      Man muss sich nur mal die Landkarte ansehen, dann versteht man das sofort.
      Als offen erkennbarer Präsident hätte Obama so nicht gehandelt weil das seinem „Ansehen“ sehr geschadet hätte, aber mit solch einem schützenden Prügelknaben ist das kein Problem. Und Biden in seiner grenzenlosen Verdorbenheit ist nur an den sicher üppich ausfallenden „Schmerzensgeldern“ interessiert.

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      Verfasst von alblbo | 17. September 2021, 18:48
  3. Münkler ist ein Weichei. Indem er auf den universellen Werten herumreitet verschleiert und rechtfertigt er den aggressiven Imperialismus der USA. Den USA ging es nie um Werte, sondern nur um Kohle und Herrschaft.

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    Verfasst von Jochen | 16. September 2021, 10:59

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