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Inland, Militärpolitik

Der Blick geht Richtung Osten – Ein deutsches NATO-Kommando für die Ostsee

von Martin Kirsch – http://www.imi-online.de

Bereits im März 2018 hatten die Norddeutschen Neusten Nachrichten verkündet: „Rostock wird NATO-Hauptquartier”.[1] Zur Indienststellung eines neuen Marinestabes in Rostock 2019 erklärte dann der damalige Marineinspekteur Andreas Krause in seiner Eröffnungsrede, „der Nordatlantik und die Nordflanke” der NATO, inklusive der Ostsee, seien erst in den letzten Jahren „überhaupt wieder potentielle Operationsgebiete für die Deutsche Marine geworden”. Während die BRD vor 1990 von der militärischen Rückendeckung der NATO-Partner profitiert habe, wolle die Deutsche Marine jetzt „Verantwortung” für die neuen NATO-Partner im Nordosten und die weiteren verbündeten Ostseeanrainer übernehmen.[2] Seit 2006 ist in Rostock- Warnemünde das 1. Korvettengeschwader der Marine mit den entsprechenden Kampfschiffen für den Ostseeraum stationiert. Ab 2012 wurden zudem die zuvor über Norddeutschland verstreuten Führungsstrukturen der deutschen Seestreitkräfte im neuen Marinekommando in Rostock zusammengefasst. Als letzter Schritt dieses Konzentrationsprozesses wurden 2019 auch die zwei bisherigen kleinen Einsatzstäbe der Marinen aus Kiel und Wilhelmshaven mit dem bereits in Rostock vorhandenen Stab verschmolzen. Neben strukturbedingten Gründen steckt in diesem Umzug auch ein politisches Signal: der Blick geht Richtung Osten.

Das in der Rostocker Hanse-Kaserne für 66 Millionen Euro neu errichtete Funktionsgebäude beherbergt seit Januar 2019 den neuen Stab DEU MARFOR (NATO-Abkürzung für German Maritime Forces Staff). Künftig soll DEU MARFOR als „nationaler maritimer Einsatzstab mit multinationalem Anteil” nicht nur kleinere Einsätze der Deutschen Marine, sondern auch größere Operationen mit Bündnispartnern aus EU und NATO planen und führen können. Dem entsprechend werden künftig ein Viertel der 100 Dienstposten mit Militärs aus Partnerstaaten besetzt. Auch dieser in Umfang und Fähigkeiten deutlich gewachsene Führungsstab ist allerdings nur der Ausgangspunkt für weitere Aufrüstungsschritte. Temporär aufgestockt um weitere Marineoffizieren aus NATO-Staaten soll DEU MARFOR künftig auch zu einem regionalen NATO-Marinekommando anwachsen können. Dann unter dem Namen Baltic Maritime Component Command (BMCC) soll die Schaltzentrale in Rostock ab 2025 in der Lage sein Marineoperationen nicht nur in der Ostsee, sondern entlang der gesamten NATO-Nordflanke und darüber hinaus führen zu können.[3] Ein relevanter Teil der benötigten internationalen Dienstposten soll mit Marineoffizieren aus Dänemark, Schweden, Finnland, Polen und den baltischen Staaten besetzt werden. Um sich von Beginn an auf die künftigen Aufgaben vorzubereiten, übernahm DEU MARFOR bereits im September 2019 das Kommando über das NATO-Seemanöver Baltic Coasts, das seit 2007 jährlich stattfindet.[4] Das Szenario von Baltic Coasts 2019 spricht dabei Bände über die Funktion des neuen (NATO-)Marinekommandos: Ein Staat (gemeint ist Russland) besetzt eine Ostseeinsel (vermutlich das schwedische Gotland) und „bedroht“ damit die Seewege bis in den westlichen Teil der Ostsee hinein. Gleich bei erster Gelegenheit proben die Herren in Rostock also den Kampf mit Russland um die Kontrolle über die Ostsee.[5] Neben dem maritimen Säbelrasseln gegenüber Russland bezieht Deutschland auch innerhalb von EU und NATO Stellung und präsentiert sich mit dem neuen Kommando in Rostock als regionale maritime Führungsmacht.

Anmerkungen

1 Rostock wird NATO-Hauptquartier, svz.de, 12.3.2018.

2 Marine-Einsatzstab – German Maritime Forces Staff in Dienst gestellt, bundeswehr.de, 24.1.2021.

3 Bundeswehr: Marine Einsatzstab, 24.1.2021.

4 DEU MARFOR – unersetzlich für die Deutsche Marine der Zukunft, presseportal.de, 19.6.2019.

5 Die Manöverbeschreibung wurde fast wörtlich aus der IMI-Analyse 2019/33 von Merle Weber zum Thema “Die Militarisierung der Ostsee” übernommen.

Der Blick geht Richtung Osten

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