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Inland, Wirtschaftspolitik

Der Winter ist nah: Europäische Gasspeicher so leer wie lange nicht mehr

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Im Falle eines kalten Winters könnte es ungemütlich werden in Europa, denn die Gasreserven sind auf einem so niedrigen Stand, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Eine wichtige Besonderheit beim Thema Gasversorgung ist es, dass normalerweise im Sommer, wenn weniger Energie verbraucht wird, die europäischen Gasspeicher gefüllt werden, denn die Kapazitäten der Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um den Gasverbrauch in der Heizsaison im Winter zu decken. Daher ist das Auffüllen der Gasspeicher im Sommer so wichtig. Doch in diesem Sommer konnten die Gasspeicher nicht ausreichend gefüllt werden, sie sind im August so leer, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Im Februar habe ich berichtet, dass die Gasspeicher in Europa sich wegen des kalten Winters sehr schnell und auf eine fast kritische Marke geleert haben. Schon im März sind Prognosen davon ausgegangen, dass Europa in 2021 etwa 60 Prozent mehr Gas kaufen muss als normalerweise. Im letzten Winter hat sich gezeigt, warum eine ausreichende Reserve an Gas so wichtig ist.

Daher war es wichtig, dass die Speicher im Sommer wieder gefüllt werden, um auf den nächsten Winter vorbereitet zu sein. Aber der Sommer war in Europa ungewöhnlich warm, was zu einem höheren Stromverbrauch durch Klimaanlagen und zu einer regelrechten Explosion der Preise für Kohle und Gas geführt hat, worüber ich erst Mitte August berichtet habe. Nun sind die Preise noch weiter angestiegen.

Das russische Fernsehen hat über die aktuelle Entwicklung berichtet und ich habe den Artikel von der Seite des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Gazprom warnte am 1. September, dass die EU nicht in der Lage sei, ein Viertel der im letzten kalten Winter verbrauchten Reserven bis zum Beginn der Heizsaison wieder aufzufüllen. Die Preise für Kohle und Gas haben sich in der EU seit Anfang des Jahres verdoppelt.

Die Gasreserven in europäischen – und auch in ukrainischen – Untertagespeichern befinden sich zum 30. August auf dem niedrigsten Stand seit vielen Jahren, so Gazprom unter Berufung auf Daten von Gas Infrastructure Europe, einer europäischen Plattform.

„Letztes Jahr begann die Saison der Gasentnahme aus den Speichern in Europa am 12. Oktober. Wenn die derzeitige Pumprate beibehalten wird, dürften in Europa bis zum 12. Oktober dieses Jahres etwa 78 Milliarden Kubikmeter Gas gespeichert sein“, so Gazprom. „Das bedeutet, dass 25 Prozent oder 17 Milliarden Kubikmeter der 66,2 Milliarden Kubikmeter Gas, die im letzten Winter entnommen wurden, nicht wieder aufgefüllt werden.“

Bis zum 12. Oktober, dem Beginn der Entnahmesaison, wird die Ukraine bei Beibehaltung der derzeitigen Pumprate 30 Prozent oder 8 Milliarden Kubikmeter weniger Gas speichern als im vergangenen Jahr.

Der Preis für den nächsten Gaskontrakt erreichte heute mit 52,9 €/kWh bzw. 646 Dollar pro tausend Kubikmeter einen neuen Rekord, obwohl der Rekord der letzten Woche schon bei 50 Euro lag und der Preis nach Angaben der Intercontinental Exchange (ICE) in London fast 600 Dollar betrug. (Anm. d. Übers.: Leser haben mich darauf hingewiesen, dass es natürlich nicht kWh sind, sondern MWh. Der Fehler ist im Originalartikel gewesen und ich habe ihn bei der Übersetzung übernommen)

Am Montag wurde der Rekord von 600 Dollar pro tausend Kubikmeter genommen. Seit Anfang des Jahres, als Europa von Schneefällen und strengem Frost heimgesucht wurde, brechen die Gaspreise Rekorde. Die ungewöhnliche Sommerhitze führte zu einem Anstieg der Betriebsstunden von Klimaanlagen und der Nachfrage nach Strom, der in Gaskraftwerken erzeugt wird.

Seit Anfang des Jahres hat Gazprom die Gasproduktion und die Gasexporte in die EU stark erhöht und damit ein Rekordniveau erreicht. „Gazprom hat die Gasproduktion in Russland zwischen Januar und August dieses Jahres um 17,9 Prozent auf 337,2 Milliarden Kubikmeter gesteigert. Die Exporte von Gazprom in Nicht-GUS-Länder stiegen von Januar bis August um 19,4 Prozent auf 131,3 Milliarden Kubikmeter.

Die Gaslieferungen an die Türkei verdoppelten sich fast (+173,6%), aber auch der Export in andere Länder stieg stark an: Deutschland (+39,3%), Italien (+15%), Rumänien (+344%), Serbien (+123,9%), Polen (+12%), Bulgarien (+50,9%), Griechenland (+15,8%) und Finnland (+22,7%).

Ende der Übersetzung

Der Winter ist nah: Europäische Gasspeicher so leer wie lange nicht mehr

Diskussionen

3 Gedanken zu “Der Winter ist nah: Europäische Gasspeicher so leer wie lange nicht mehr

  1. Gefällt mir

    Verfasst von Goldkettchen Gerd | 5. September 2021, 1:47
  2. Angst essen Seele auf!
    JAWOLLJA!

    Gefällt mir

    Verfasst von Torben Schwurbel | 4. September 2021, 23:10
  3. Dabei waren die Letzten „Winter“ nur kalte Sommer!
    Richtige Winter, wie in früheren Zeiten, giebt es schon
    lange nicht mehr!
    Was wird Uns hier erzählt!?

    Gefällt mir

    Verfasst von wolfgang fubel | 3. September 2021, 19:29

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