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Ausland, Europa

Ryanair-Landung in Minsk: Nach drei Monaten sind endlich internationale Ermittler in Minsk eingetroffen

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Für westliche Medien und Politiker war von Anfang an klar, dass Weißrussland die Ryanair-Boeing in Minsk zur Landung gezwungen hat, um einen recht unwichtigen Oppositionellen festzunehmen. Den westlichen Berichten zum Trotz ist das aber keineswegs erwiesen.

Wer die westlichen Berichte über die Landung der Ryanair-Boeing in Minsk liest, der bekommt ein sehr einfaches und verständliches Bild vermittelt: Lukaschenko, der böse uns skrupellose Diktator Weißrusslands, hat einfach so eine Ryanair-Boeing über Weißrussland mit einer erfundenen Bombendrohung zur Landung in Minsk gezwungen. Zur Untermauerung der Drohung ist sogar ein Kampfjet aufgestiegen. Und all das nur aus einem Grund: Um einen der unwichtigsten Vertreter der weißrussischen Opposition im westlichen Ausland zu verhaften und dann kräftig zu foltern.

Leider ist diese Version kaum mit den bisher bekannten Fakten in Einklang zu bringen, dazu gleich mehr. Schlimmer ist jedoch, dass der Westen aufgrund dieser unbewiesenen Geschichte bereits Sanktionen gegen Weißrussland verhängt hat. Dass es eine internationale Untersuchung der ICAO gibt, wird im Westen nicht berichtet. Auch nicht, dass Minsk die ICAO seit dem Tag des Vorfalls nach Minsk einlädt, um dort alles zu untersuchen.

Internationale Ermittler in Minsk eingetroffen

Die ICAO hat volle drei Monate gebraucht, um dieser Einladung zu folgen. Nun ist endlich ein Ermittlerteam in Weißrussland eingetroffen. Darüber hat die russische Nachrichtenagentur TASS berichtet und ich übersetze die Meldung der TASS. Danach schauen wir uns noch an, was an der Version des Westens alles nicht stimmen dürfte.

Beginn der Übersetzung:

Minsk bittet ICAO um Hilfe bei der Organisation eines Interviews mit dem Ryanair-Piloten

Die weißrussische Seite „hat eine Reihe von Fakten, die sie nicht versteht“, sagte Artem Sikorsky, Direktor der Luftfahrtabteilung des Verkehrsministeriums der Republik

MINSK, 24. August. /Die weißrussische Seite hat die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) gebeten, bei der Befragung des Piloten der irischen Fluggesellschaft Ryanair behilflich zu sein, um seine Beweggründe für die Entscheidung zur Landung des Flugzeugs auf dem Flughafen von Minsk im Mai zu klären. Dies sagte Artem Sikorski, Direktor der Luftfahrtabteilung des Verkehrsministeriums der Republik, am Dienstag im Fernsehsender ONT.

„Wir haben die ICAO gebeten, ein Gespräch mit dem Piloten zu ermöglichen, um zu verstehen, was ihn zu seiner Entscheidung bewogen hat, auf dem Flughafen in Minsk zu landen“, sagte er. Sikorski merkte an, dass es für die weißrussische Seite „eine Reihe von Fakten gibt, die sie nicht verstehen kann: was ihn (den Piloten) bei seiner Entscheidung geleitet hat und warum es seitens der Besatzung bestimmte Verstöße gegen die Instruktionen gab.

Am 23. August traf eine Gruppe der ICAO in Weißrussland ein, um den Zwischenfall mit dem Ryanair-Flug im Luftraum der Republik am 23. Mai zu untersuchen. Als Ergebnis des Besuchs wird die Kommission den vorläufigen Bericht, der im September 2021 fertiggestellt werden soll, ändern. Der Abschlussbericht wird im November dieses Jahres vorgelegt.

Ende der Übersetzung

Warum ist die Maschine in Minsk gelandet?

Es ist durchaus verständlich, dass die weißrussische Seite diese Fragen stellt. Auch wenn der Westen davon spricht, das Flugzeug sei zur Landung in Minsk gezwungen worden, gibt es dafür keine Belege. Der veröffentlichte Funkverkehr zeigt eindeutig, dass die Piloten diese Entscheidung selbst getroffen haben und dass die weißrussischen Fluglotsen das nicht angewiesen haben.

Auch die Behauptung des Westens, die Ryanair-Boeing sei von einem Kampfjet zur Landung in Minsk gezwungen worden, ist nicht belegt. Nato-Radare hätten das beobachtet und könnten die Daten veröffentlichen, was aber nicht geschieht, die Nato schweigt dazu. Und im Funkverkehr gibt es keinen Hinweis auf ein Kampfflugzeug.

Mehr noch: Die Piloten haben sich mit ihrer Entscheidung knapp 15 Minuten Zeit gelassen und hatten den weißrussischen Luftraum schon fast verlassen, als sie plötzlich den Wunsch äußerten, nach Minsk umzudrehen, obwohl ihr Zielflughafen Vilnius bereits viel näher war.

Das wirft die nächste Frage auf. Das Flugzeug war noch auf seiner Reiseflughöhe von 39.000 Fuß, also knapp 13 Kilometern, als die Piloten die Entscheidung zur Umkehr verkündet haben. Um in Vilnius zu landen, hätte das Flugzeug spätestens in einer Entfernung von 120 Meilen von Vilnius entfernt in den Sinkflug übergehen müssen. Das haben die Piloten aber nicht getan, sie waren nur noch knapp 70 Meilen von Vilnius entfernt und noch immer nicht im Sinkflug.

Daher ist die Frage der weißrussischen Seite, was den Piloten zu seiner Entscheidung veranlasst hat, doch noch Minsk abzudrehen, mehr als verständlich. Aber zu dieser Frage haben sich weder Ryanair noch der Pilot bisher geäußert.

Die Bombendrohung

Über die Bombendrohung ist (außer ihrem Inhalt) wenig bekannt. Sie wurde per Mail gleichzeitig an mehrere Flughäfen geschickt. Es ist manchmal die Rede davon, die Mail sei aus der Schweiz gekommen, aber nicht mal das ist sicher. Die Behauptung rührt daher, dass sie von einer Protonmail-Adresse gekommen ist und Protonmail in der Schweiz sitzt.

Die Mail erreichte die Flughäfen wenige Minuten bevor die Ryanair-Boeing in den weißrussischen Luftraum eingedrungen ist. Die weißrussischen Fluglotsen sind dann nach Vorschrift vorgegangen und haben die Piloten darüber informiert und ihnen eine Landung in Minsk empfohlen, denn das war zu dem Zeitpunkt der nächste Flughafen. Für die Entscheidung haben die Piloten sich knapp eine Viertelstunde Zeit gelassen, wie ich oben bereits aufgezeigt hat und wie der Funkverkehr eindeutig zeigt.

Die Frage ist, von wem die Mail tatsächlich gekommen ist. Und das weiß niemand. Der Westen suggeriert, Weißrussland habe die Mail selbst geschrieben, um einen Vorwand zu haben, das Flugzeug zur Landung zu zwingen. Nur hat es diesen angeblichen Zwang nicht gegeben.

In Weißrussland vermutet man hingegen eine Operation der westlichen Geheimdienste, die einen unwichtigen Oppositionellen geopfert haben, um mit der Geschichte der erzwungenen Landung eine neue Medienkampagne inklusive neuer Sanktionen gegen Weißrussland lostreten zu können. Und so ist es ja auch gekommen, obwohl die internationale Untersuchung noch gar nicht abgeschlossen ist.

Die angebliche Folter des Oppositionellen Protasewitsch

Der Oppositionelle Protasewitsch, der nach der Landung in Minsk festgenommen wurde, hat von Anfang an mit den weißrussischen Behörden kooperiert und gesungen wie ein Vogel. Der Grund ist leicht zu verstehen, denn die weißrussische Opposition hat seine Festnahme bereits in sozialen Medien gemeldet, als er noch in Minsk in der Schlange vor der Passkontrolle stand. Das wird man ihm – neben dem Funkverkehr und allen anderen Informationen – im Gefängnis gezeigt haben. Daher muss Protasewitsch schnell verstanden haben, dass er von seinen „Freunden“ geopfert wurde, um neue Munition in der Propagandaschlacht gegen Weißrussland zu erhalten.

Protasewitsch hat schon kurz darauf ein über zweistündiges Interview gegeben, das ich in drei Teilen übersetzt habe (Teil 1 finden Sie hier). Daraus geht hervor, dass Protasewitsch ohnehin bereits gewisse Zweifel an den Methoden der Opposition hatte und deshalb dort mit wichtigen Leuten in Konflikt geraten war, weil er manches anders gesehen hat und anders machen wollte. Er war also für die Opposition jemand, den man nicht vermissen würde und den man daher problemlos opfern konnte.

Protasewitsch bestreitet vom ersten Tag an, er sei gefoltert worden. Das war offenbar auch nicht nötig. Und es gibt auch keine Hinweise darauf, denn er ist längst aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen worden und ist schon wieder auf Twitter aktiv und hat einen eigenen Nachrichtenkanal auf Telegram eröffnet. Außerdem geben er und seine ebenfalls bei der Landung verhaftete Freundin immer mehr Interviews.

Die Legende des Westens

Die Legende, die die westlichen Meiden und Politiker erzählen, wirft also Fragen auf und ist in manchem objektiv gesehen nicht wahr.

Die westlichen Medien verschweigen daher alles, was nicht ins gewollte Bild passt. So haben sie über das erste Interview von Protasewitsch noch berichtet, allerdings in dem O-Ton, er sei unter Druck und Folter dazu gezwungen worden. Als er aber immer mehr Interviews gegeben hat und diese Legende der Folter sich nicht mehr halten ließ, da haben die westlichen Medien kurzerhand aufgehört, darüber zu berichten.

Auch die Veröffentlichung des Funkverkehrs wurde im Westen verheimlicht, weil es dort keinen Hinweis auf Druck gab und daher das westliche Narrativ gefährdet gewesen wäre. Also brauchten Leser westlicher Medien davon auch nichts zu erfahren.

Nun dürfen wir gespannt sein, was die IACO am Ende in ihren Bericht schreiben wird und ob die westlichen Medien – wenn das Ergebnis ihrem Narrativ widersprechen sollte – darüber überhaupt berichten werden. Ich werde darüber in jedem Fall berichten.

Nach drei Monaten sind endlich internationale Ermittler in Minsk eingetroffen

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Ryanair-Landung in Minsk: Nach drei Monaten sind endlich internationale Ermittler in Minsk eingetroffen

  1. Nur weil man mit erfundnenen terroristischen Drohungen völkerrechtswidrig ein Flugzeug zur Landung zwingt und einen Rporter entführt und folter, werden gleich Sanktionen verhängt. Das sind ja Zustände wie damals bei Stalin.

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    Verfasst von Pavel | 27. August 2021, 11:16

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