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Ausland, Russland

Russland „entdollarisiert“ – Trendwende erreicht

von Armin Siebert – https://snanews.de

Russland hat in jüngster Zeit die „Entdollarisierung“ vorangetrieben, also den angestrebten Verzicht auf den US-Dollar in seinen Rücklagen und Außenhandelstransaktionen. Damit will es sich vor denkbaren Sanktionen gegen bereits in Umlauf befindliche russische Staatsanleihen schützen.
Finanzminister Anton Siluanow hatte auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg (SPIEF) am 3. Juni verkündet, Russland verzichte komplett auf den US-Dollar im nationalen Wohlstandsfonds. Der wurde 2008 zur Renten- und Haushaltsstabilität eingerichtet und umfasst 13,6 Billionen Rubel (157 Milliarden Euro).
Am 5. Juli wurde diese Ankündigung umgesetzt: Das Finanzministerium in Moskau strich den US-Dollar aus dem Fonds. Als der Fonds 2008 geschaffen wurde, lag der Anteil von US-Dollar bei 45 Prozent. Ebenso groß waren die Anteile in Euro. Fünf Prozent des Fonds bestanden aus dem britischen Pfund.
Der Newsletter „Russland-Update“ der Auslandshandelskammer (AHK) Moskau hat die neue Zusammensetzung des nationalen Wohlstandsfonds analysiert. Demnach wurde der Anteil des britischen Pfunds von zehn auf fünf Prozent reduziert, der Anteil der japanischen Währung Yen bei fünf Prozent belassen. Die Anteile des Euro wurden jedoch von 35 auf 40 Prozent und die der chinesischen Währung Yuan von 15 auf 30 Prozent erhöht. Die übrigen 20 Prozent legt Russlands Finanzministerium neu in Gold an. Gold allerdings wird an den internationalen Börsen in Dollar gehandelt.

Langfristige Umstrukturierung

Die russische Zentralbank hatte bereits 2018 die Währungsstruktur der nationalen Devisenreserven zuungunsten des US-Dollars geändert: Im März 2018 entfielen noch 44 Prozent der Rücklagen auf die US-amerikanische Währung, im Juni 2018 waren es nur noch 22 Prozent. Erhöht wurden damals die Anteile des Euro (von 22 auf 32 Prozent), des Yuan (von 5 auf 15 Prozent) sowie sonstiger Währungen (von 4 auf 8 Prozent).

Ausrichtung auf China und die EU

Die hohen und zunehmenden Anteile des Euro und des Yuan spiegeln die führende Position der Europäischen Union (EU) und Chinas als Russlands Handelspartner wider: Der Anteil der EU-28, also einschließlich Großbritanniens, am gesamten Außenhandel Russlands lag im Corona-Jahr 2020 bei 38,5 Prozent, der Anteil Chinas bei 18,3 Prozent.
In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres, für die die entsprechenden Werte vorliegen, waren sie ähnlich: Mit der EU-27 tauschte Russland Waren und Dienstleistungen im Wert von 35,7 Prozent, mit Großbritannien von 3,1 Prozent und mit China von 18,1 Prozent aus. Auf die USA entfielen 2020 lediglich 4,2 Prozent, und in den ersten fünf Monaten 2021 waren es 4,7 Prozent des russischen Außenhandels, schreibt die AHK Moskau.

Trendwende erreicht

Im vierten Quartal 2020 schaffte es Russland erstmals, weniger als die Hälfte seiner Exportgeschäfte in US-Dollar zu tätigen (48 Prozent). Dieser Wert hatte im dritten Quartal 2020 noch bei 57 Prozent, im zweiten Quartal bei 58 Prozent und im ersten Quartal bei 62 Prozent gelegen. Der Anteil des Euro an den Gesamtexporten Russlands stieg im gleichen Zeitraum von 23-24 Prozent auf 36 Prozent, an den Exporten in die EU-28 von 42 auf 50 Prozent.
Die China-Exporte Russlands wurden im vergangenen Jahr zu 65 Prozent und im vierten Quartal sogar zu 83 Prozent in Euro bezahlt. In Rubel wurden 2020 vor allem die russischen Exporte in die EAWU-Länder Belarus, Kasachstan, Armenien und Kirgistan sowie nach Indien abgewickelt (69 Prozent beziehungsweise 58 Prozent).

https://snanews.de/20210804/russland-entdollarisiert–trendwende-erreicht-3078379.html

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