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Asien, Ausland

USA kündigen ihren afghanischen Helfern Hilfe an (wenn es ihnen gelingt, das Land selbst zu verlassen)

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Die Tatsache, dass die Nato ihre afghanischen Helfer und Mitarbeiter der Rache der Taliban ausliefert, hat für viel Kritik gesorgt. Dann hat die US-Regierung ein 100-Millionen-Programm für sie angekündigt. Aber die Details sind menschenverachtender Zynismus.

Nach der heftigen Kritik daran, dass die Nato-Staaten bei ihrer Flucht aus Afghanistan ihre ehemaligen afghanischen Helfer und Mitarbeiter im Stich gelassen und damit der Rache der Taliban ausgeliefert haben, hat die US-Regierung reagiert. Am 24. Juli berichtete der Spiegel unter der Überschrift „USA nach dem Truppenabzug – Biden genehmigt 100 Millionen Dollar für afghanische Flüchtlinge“ und in der Einleitung des Artikels konnte man lesen:

„Tausende Afghanen, die für das US-Militär gearbeitet haben, können mit speziellen Visa in die USA einreisen. Präsident Joe Biden hat jetzt Nothilfen für sie bewilligt.“

Ich habe die Nato-Staaten auch dafür kritisiert, dass sie ihre Helfer im Stich lassen. Der Afghanistan-Krieg war ein Fehler, aber man sollte ihn nicht mit einem weiteren Fehler beenden und die Menschen im Stich lassen, die einem zwanzig Jahre lang geholfen haben. Ich habe über die Meldung über das US-Programm vom 24. Juli zunächst nicht berichtet, weil ich auf die Details und die praktische Umsetzung der Evakuierung der afghanischen Helfer gewartet habe. Meine Erfahrung sagt mir, dass bei guten Meldungen leider oft das „Kleingedruckte“ fehlt.

So auch dieses Mal, denn am Montag äußerte sich eine Sprecherin des US-Außenministeriums erstmals zu den Details. Und dabei zeigte sich, dass die USA zwar durchaus bereit sind, die Afghanen aufzunehmen, die ihnen während ihres Krieges in dem Land geholfen haben, aber die Sache hat einen Haken: Die USA evakuieren die Afghanen nicht aus Afghanistan. Um sich um Einreisevisa für die USA zu bewerben, müssen die Menschen das Land auf eigene Faust verlassen und den Antrag bei einer US-Botschaft in einem Drittstaat stellen.

Das dürfte die Zahl der Afghanen, die sich tatsächlich um Einreisevisa in die USA bewerben können, massiv reduzieren. Erstens haben die Afghanen kein Geld für die Reise, außerdem handelt es sich dabei nicht nur um die ehemaligen Mitarbeiter und Helfer der USA, sondern auch um ihre Familien. Und sich aus Afghanistan, in dem Krieg herrscht, mit Frau und Kindern auf die Flucht zu begeben, ist sehr gefährlich.

Hinzu kommt, dass keineswegs sicher ist, dass Afghanistans Nachbarländer die Afghanen ins Land lassen, damit die sich dort an eine US-Botschaft wenden können. Die nördlichen Nachbarn Afghanistans verstärken wegen der Kämpfe gerade die Überwachung ihrer Grenzen. Im Westen grenzt Afghanistan an den Iran, wo es nicht einmal eine US-Botschaft gibt, was bedeutet, dass die Familien durch den Iran in ein anderes Land reisen müssen. Ohne Visa und Geld ist das für Familien mit Kindern kaum möglich. Im Osten Süden grenzt Afghanistan an Pakistan und ob es dort leichter ist, die Grenze zu überqueren und zur dortigen US-Botschaft zu gelangen, ist schwer zu sagen.

Aber selbst wenn das gelingt, haben die Afghanen bei Erreichen einer US-Botschaft noch keine Garantie, auch Einreisevisa in die USA für sich und ihre Familie zu erhalten. So bedeutet das Programm der USA, über das Spiegel so fröhlich berichtet hat, nur, dass die betroffenen Afghanen nun die Wahl haben, auf die Taliban und deren befürchtete Rache zu warten, oder mit Frauen und Kindern eine lebensgefährliche Reisen mit unbekanntem Ausgang durch ein Bürgerkriegsland zu machen, ohne zu wissen, ob sie am Ende auch das erhoffte Einreisevisa bekommen, oder ob sie sich als in der Fremde gestrandete Flüchtlinge wiederfinden.

Einmal mehr zeigt sich, dass die USA keine verlässlichen Freunde und Verbündeten sind und dass ihre Hilfsversprechen nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt werden.

Die Meldung über die Antworten des US-Außenministeriums auf die Fragen zu den afghanischen Helfern der USA habe ich bei der russischen Nachrichtenagentur TASS gefunden, weshalb ich die Meldung der TASS der Vollständigkeit halber übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

US-Außenministerium: Afghanen, die als Flüchtlinge in die USA kommen wollen, müssen das Land selbst verlassen

Die USA sagen, dass sie weiterhin Möglichkeiten zum Schutz derjenigen prüfen, die mit dem US-Militär zusammengearbeitet haben.

WASHINGTON, 2. August. /TASS/: Afghanen, die als Flüchtlinge in die USA kommen wollen, müssen Afghanistan auf eigene Faust verlassen. Das sagte eine hochrangige Beamtin des Außenministeriums am Montag in einer Telefon-Pressekonferenz.

„Leider gehen wir nicht davon aus, dass wir sie [die Bewerber aus Afghanistan] herausholen können, aber wir werden weiterhin nach Möglichkeiten suchen, diejenigen zu schützen, die mit uns zusammengearbeitet haben. Wir werden die Situation vor Ort beobachten“, sagte sie.

Das Außenministerium gab am Montag bekannt, dass neue Kategorien von afghanischen Staatsangehörigen, die mit der US-Regierung und US-Organisationen zusammengearbeitet haben, aufgrund der „zunehmenden Gewalt“ durch die radikalen Taliban als Flüchtlinge in die USA ausreisen können. Das Programm betrifft Personen, die aufgrund unzureichender Qualifikationen oder Berufserfahrung keinen Anspruch auf ein spezielles Einwanderungsvisum haben.

„Die Afghanen müssen sich außerhalb Afghanistans befinden, um das Antragsverfahren zu beginnen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht mit Programmen zur Ausreise von Bewerbern zu rechnen. (…) Wir werden die Situation vor Ort weiter beobachten“, sagte die Sprecherin. „Ja, es liegt in der Verantwortung der Antragsteller selbst, Afghanistan zu verlassen“, bestätigte sie in ihrer Antwort auf eine entsprechende Frage.

Am 14. April gab US-Präsident Joe Biden seine Entscheidung bekannt, die Operation in Afghanistan zu beenden, die sich zum längsten Auslandseinsatz in der Geschichte der USA entwickelt hat. Vor diesem Hintergrund verschlechtert sich die Sicherheitslage in der Islamischen Republik, da Taliban-Kämpfer ihre Offensive in einer Reihe von Gebieten verstärken.

Ende der Übersetzung

USA kündigen ihren afghanischen Helfern Hilfe an (wenn es ihnen gelingt, das Land selbst zu verlassen)

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