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Ausland, Lateinamerika

Was steckt hinter der Ermordung des haitianischen Präsidenten Moïses?

von Dan Cohen – http://www.mintpressnews.com

Bild: Jimmy Cherizier Alias Barbecue

Übersetzung LZ

Die Journalistin Kim Ives diskutiert mit Behind The Headlines-Korrespondent Dan Cohen über die Folgen der Ermordung von Präsident Jovenel Moïses und die Revolution, die sich in Haiti zusammenbraut.

Die Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse hat Schockwellen durch den winzigen karibischen Inselstaat und darüber hinaus geschickt. Während wenig darüber bekannt ist, was in der Nacht zum Mittwoch geschah, scheint es, dass eine Gruppe ausländischer Söldner mit Insiderwissen über Moïses Haus für die Durchführung der Operation, die ihn tötete, verantwortlich war.

Moïse war eine extrem unpopuläre Figur, die ihre Amtszeit als Präsident überzogen hatte und per Dekret regierte. Massenproteste gegen seine Herrschaft und Korruption haben sich zu einer revolutionären Bewegung zusammengeschlossen, die von dem ehemaligen Polizisten Jimmy „Barbecue“ Cherizier angeführt wird. Cherizier hat es geschafft, neun Banden zu einer einzigen Bewegung zu vereinen, die darauf abzielt, den Reichtum, den die reiche Minderheit des Landes angehäuft hat, umzuverteilen.

Die Journalistin und englischsprachige Redakteurin des Medienmagazins Haite Liberte, Kim Ives, spricht mit Dan Cohen darüber, wer hinter der Ermordung von Moïse stecken könnte und über die revolutionäre Bewegung, die sich auf den Straßen zusammenbraut.

Kim Ives:

Meine Vermutung ist, dass es eher von der Bourgeoisie ausgeht. Und das liegt daran, dass in Haiti eine Revolution im Gange ist. Das riesige Lumpenproletariat von Port-au-Prince ist auf über drei Millionen Menschen angewachsen. Vor fünfzig Jahren war Haiti vor allem eine Agrargesellschaft, Kleinbauern. Aber aufgrund der neoliberalen Politik, dem Dumping von Reis unter der Clinton-Administration auf Haiti und der Zerstörung der haitianischen Reisproduktion, der Zerstörung der Zitronenproduktion, der Kaffeeproduktion, kommt ein großer Teil des Dumpings auch aus der Dominikanischen Republik.

Im Grunde ist die haitianische Landwirtschaft nur noch ein Schatten ihrer selbst, und all diese vertriebenen Bauern sind in den Städten in diesen riesigen Barackensiedlungen gelandet, wo die Menschen keine Arbeit haben, keine Dienstleistungen, und sie leben von einem Tag zum anderen. Infolgedessen sind in diesen Vierteln starke Männer entstanden, Banden, von denen einige in Entführungen und Verbrechen und schreckliche Dinge verwickelt sind und sogar ihre eigene Bevölkerung ausbeuten. Aber es ist eine andere Fraktion entstanden, die sich die G9 nannte, jetzt heißt sie die Revolutionären Kräfte der G9-Familie und Verbündete. Und sie waren gegen die kriminellen Elemente. Sie kämpften gegen die kriminellen Elemente und haben jetzt in der Tat zu einer Revolution aufgerufen.

Ihr Anführer, ein Typ namens Jimmy „Barbecue“ Cherizier – und wir können mehr über ihn reden – hat gesagt: „Wir werden zu den Banken gehen, wir werden das Geld nehmen, das uns dort gehört. Wir werden zu den Autohändlern gehen, um unsere Autos zu holen. Wir werden zu den Supermärkten gehen und unsere Lebensmittel nehmen. Er ruft also zu einer Revolution der Menschen in diesen Barackensiedlungen des Lumpenproletariats gegen diese Bourgeoisie auf, zwölf Familien, wie er sagt, die die gesamte Wirtschaft kontrollieren. Die Häfen, die Fabriken. Sie besitzen einen großen Teil des Landes usw. Ich glaube, sie hatten eine Todesangst vor diesem Kerl. Er hat sie zu Tode erschreckt. Hinzu kommt, dass einer der wichtigsten Oppositionsführer, oder sollte ich sagen, einer der oppositionellen Unterstützer der Bourgeoisie, ein gewisser Reginald Boulous, diese Woche einen Haftbefehl gegen ihn erwirkt hat.

Zwischen Cheriziers Revolution, die für sie wie das Ende der Welt aussah, und dem Haftbefehl halte ich es nicht für weit hergeholt zu denken, dass einige der Bourgeois, oder vielleicht einer oder vielleicht ein Konsortium von ihnen, denn diese Operation hat definitiv Geld gekostet, sich zusammengetan haben, diese Söldner angeheuert haben, sie gehen rein, erledigen den Job, räumen Jovenel aus dem Weg und werden sich jetzt darauf konzentrieren, diese Rebellion aus den Barackenstädten niederzuschlagen. Dieses Lumpenproletariat niederschlagen. Das große Problem dabei ist: Wie wollen sie das machen?

Sie brauchen eine starke Führungspersönlichkeit. Und das war Jovenel nicht. Jovenel war umkämpft, Jovenel war isoliert. Er hatte keine staatliche Autorität, also brauchen sie eine starke Führungspersönlichkeit. Sie müssen die 15.000-köpfige Polizeitruppe verstärken. Es gibt nur 500 Soldaten in der Armee. Das ist also vielleicht Plan A. Aber Plan B ist vielleicht eine vierte ausländische Militärbesetzung, bei der die USA reinkommen und sagen: „Schaut, es ist schrecklich. Sie haben den Präsidenten getötet. Sie haben es nicht geschafft, sie wissen nicht, wie man Demokratie ausübt, wir müssen wieder reinkommen. Wir hassen es, das zu tun. Und sie versuchen, eine weitere UN-Truppe hineinzuschicken. Ihr großes Problem dabei ist, dass sie China den Krieg erklärt haben. Also kann China sagen, scheiß drauf. Ihr macht nichts mit diesem Sicherheitsrat. Ihr macht gar nichts mit diesem Sicherheitsrat. Ihr bekommt kein neues Kapitel 7 für Haiti. Biden könnte also in dieser Sache zwischen Pest und Cholera zu wählen haben. Ich weiß nicht, ob sie in der Lage sein werden, eine vierte militärische Besetzung in einem Jahrhundert in Haiti durchzusetzen, und das haitianische Volk wird das sicherlich nicht akzeptieren. Wir haben also eine sehr komplizierte Situation.“

Dan Cohen ist der Korrespondent in Washington DC für Behind The Headlines. Er hat weit verbreitete Video-Reportagen und Print-Depeschen aus ganz Israel-Palästina produziert. Er twittert unter @DanCohen3000.

What’s Behind The Assassination Of Haitian President Moïses?

 

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