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Ausland, Europa

‚Rule Britannia, Britannia rule the waves …‘

von Eric Margolis – http://www.antikrieg.com

(‚Herrsche Britannien, Britannien herrsche über die Meere …‘)

Es gab eine Zeit, da beherrschten die mächtigen Flotten Großbritanniens ein Viertel der Erdoberfläche. Ich habe mir die Namen seiner Dreadnoughts und Schlachtkreuzer wie George V, Prince of Wales, Hood, Princess Royal, Iron Duke und einer Vielzahl anderer berühmter Kriegsschiffe zu Gemüte geführt.

Letzte Woche gab der imperiale britische Löwe ein letztes, schwaches Brüllen von sich, indem er einen seiner neuen Flugabwehr-Zerstörer, „Defender“, schickte, um die Russen zu ärgern, indem er vor der südwestlichen Küste der Krim patrouillierte.

Russland und die Ukraine beanspruchen beide die Krim, die seit 1783 russisch war. Nach einem betrunkenen Abendessen „verschenkte“ der verstorbene sowjetische Führer Nikita Chruschtschow die Sowjetrepublik Krim an die Ukrainische Sowjetrepublik.

Russland besetzte die Krim, einen der wichtigsten russischen Marinestützpunkte, wieder, nachdem ein von den USA angeführter Putsch die prorussische Regierung der Ukraine 2014 gestürzt hatte. Das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten von Amerika und der Rest der NATO bestehen darauf, dass die Krim zur Ukraine gehört. Natürlich tun sie das. Sie haben das so eingerichtet.

Der Versuch der HMS „Defender“, den russischen Bären herauszufordern fand statt, während die NATO Marine und Luftstreitkräfte drohende Kriegsspiele über dem südlichen Schwarzen Meer abhielten, um Russland einzuschüchtern und Verbündete wie Rumänien, Bulgarien und Polen, die drei schwachen Schwestern von Osteuropa zu ermutigen.

Dieser Sturm im Wasserglas wurde plötzlich zu einer Farce, nachdem ein Stapel aufgeweichter geheimer britischer Marinedokumente hinter einer Parkbank in Kent gefunden wurde. Darin wurde die Mission der „Defender“ diskutiert, die mögliche Reaktion Russlands und, ausgerechnet, mögliche neue britische Operationen in Afghanistan. Alles natürlich nur, um Onkel Sam zu gefallen.

Diese peinlichen Dokumente sorgten für einen Aufruhr in Großbritannien, ließen die Regierung wie einen Trottel dastehen und widerlegten die Behauptungen von Whitehall, die Marineoperation sei nur eine unschuldige Patrouille gewesen. Die Briten sind sehr intelligente Menschen, neigen aber dazu, schlampig und schlecht organisiert zu sein. Großbritannien ist seit dem Krieg ein glückliches Jagdrevier für sowjetische/russische Spione gewesen.

Kein Wunder, dass die Franzosen Großbritannien als „perfides Albion“ bezeichnen. Die Briten sind Meister der Intrige, des Doppelspiels und der Propaganda. Britische Propaganda hat die Vereinigten Staaten in zwei Weltkriege hineingezogen. In unserer Zeit hat Großbritannien die Führung der westlichen Propagandabemühungen gegen Russland und seine Verbündeten übernommen.

Die meisten Russen, die üblicherweise gut gebildet sind, wissen von der Invasion Großbritanniens auf der Krim im Jahr 1853, im Bündnis mit Frankreich, dem Osmanischen Reich und dem damaligen Königreich Sardinien. Der Krimkrieg war ein blutiger, drei Jahre anhaltender Krieg, der dazu diente, die strategisch wichtige Halbinsel der zaristischen Kontrolle zu entreißen und Russlands Expansion auf dem Balkan zu vereiteln.

In diesem hässlichen Krieg stürmten die Briten schließlich die Festung Sewastopol und reduzierten vorübergehend den Einfluss Russlands im Schwarzen Meer und auf dem Balkan. Für Frankreich war der Krieg eine aufregende Rückkehr zu militärischen Siegen nach den dunklen Jahren der Napoleonischen Kriege. Auch für Großbritannien war es ein Triumph, trotz der Katastrophe bei Balaclava und schwerer Verluste durch Krankheiten. Doch am Ende erwies sich der Krieg als Patt: Die ausländischen Mächte zogen sich von der Krim zurück und überließen Russland das Lecken seiner Wunden.

Die nächste ernsthafte Invasion kam 1941 von Deutschland und Rumänien, angeführt von dem deutschen General Erich von Manstein. Die zweite Belagerung von Sewastopol dauerte 250 Tage. Ich bin über viele der alten sowjetischen Festungen gelaufen, die so lange den deutschen Angriffen widerstanden. Die Krim war eine der am härtesten umkämpften Kampagnen des Zweiten Weltkriegs. Sewastopol wurde für seinen legendären Widerstand zu einer der „Heldenstädte“ der Sowjetunion ernannt.

Niemand, der die Geschichte kennt, sollte überrascht sein, dass die westlichen Angriffe auf Sewastopol und die Krim eine so starke russische Reaktion hervorriefen. Stellen Sie sich vor, wie die USA auf ein russisches Marinegeschwader reagieren würden, das Kriegsspiele im Golf von Mexiko oder vor New York City abhält.

Der Sinn der Übung der „Defender“ war es, Russland zu demütigen und seine Schwäche zu zeigen, alles Teil der längerfristigen Strategie der USA, Großbritanniens und der NATO, die verbleibende Russische Föderation auf ähnliche Weise zu zersplittern, wie die alte Sowjetunion auseinandergerissen wurde. Darum geht es bei den großen Manövern der NATO im Schwarzen Meer. Solche wird es noch viele weitere geben.

erschienen am 5. Juli 2021 auf > Eric Margolis‘ Website Artikel

http://www.antikrieg.com/aktuell/2021_07_06_rulebritannia.htm

Diskussionen

3 Gedanken zu “‚Rule Britannia, Britannia rule the waves …‘

  1. @ZIVILISTIN
    Sehr gut….diese Darstellung des „perfiden Albion“……

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    Verfasst von walter finger | 26. Juli 2021, 19:00
  2. gestern habt ihr den brexit noch bejubelt.
    heute beschwert ihr euch darüber, dass nicht alles so läuft wie es euch gefällt.
    Willkommen in der Realität ausserhalb vom sozialistischen Streichelzoo

    Gefällt mir

    Verfasst von fred milkereit | 11. Juli 2021, 3:35
  3. Sorry, da stimmt aber Einiges nicht.

    Die Britische Flotte hat die Weltmeere beherrscht und unter den Fittichen des stärksten Militärs sammelte sich das Handelskapital. Das Zentrum war von der Ostsee über Lübeck, Breman, Hamburg nach Amsterdam gerutscht, aber Holland hat keine natürlichen Tiefwasserhäfen und darum waren die Handelsschiffe klein und gaben, mit Kanonen bestückt, nur kleine, schwache Kriegsschiffe ab. Das Britische Flotte hat die Seidenstaße ersetzt und zuletzt den Chinesischen Staat gefailt.

    Die Dreadnoughts (fürchtet euch nicht) waren bereits ein Teil des Niederganges, zum ersten mal hat eine Westliche Macht eine nicht Westlichen Macht kopiert beim Kriegsschiffsbau, nämlich Japan: Schneller fahren, weiter Schießen.

    Die Krim war Osmanisch und die Ukraine war Polnisch und Polen existierte nicht

    Chrustchew hat nicht die Krim verschenkt, es war lediglich eine Verwaltungsreform in der SU, verschenkt hat die Krim Jelzin. Russland ist nicht einmarschiert, sondern die rote Armee war dort stationiert.

    Den ersten Krim Krieg entfesselten die Briten, weil Ru die Christen im Osmanischen Reich schützen wollte, es ging darum, das Osmanische Reich zu stützen, weil es die Seidenstrasse so gut blockierte und damit den alternativen Britischen Seehandel unterstützte. Dann haben Deutsche Ingenieure die Bagdadbahn gebaut, um den Persischen Golf mit dem Europäischen Eisenbahnnetz zu verbinden, (der Welt Eisenbahnbauer Nr1, das UK hielt sich da sehr zurück) damit wäre die maritime Seidenstraße wieder offen gewesen. Darum haben die Briten erst mal Kuwait vom Osmanischen Joch befreit, wo der Hafen sein mußte. Dann hat Scheich Dynamit, auch bekannt als Lawrence of Arabia, die neuen Eisenbahnbrücken gesprengt, ein Vorläufer also des Londoners Bagdadi.

    ab 1913 war dann der Hafen Kuwait wieder sehr nützlich, denn die Umstellung der Britischen Navy auf Öl war abgeschlossen (und die Dreadnoughts fuhren damit schneller und weiter) und das Öl sprudelte in Kirkuk aus dem Boden, den Französischen Suez Kanal hatte man bereits gekauft, für Stahl- Dampfschiffe war die kürzere Strecke wichtig und die Piraterie keine ernste Bedrohung. Die Briten waren jetzt also an der Zerstörung des Osmanischen Reiches interessiert und formten um Kirkuk den Irak und WC unterwarf die Bevölkerung mit Giftgas aus Flugzeugen.

    WC hatte sich bereits auf Gallipoli blamiert (dem neuen Troja), wo er die Kiwis gegen Atatürk verheizte. Atatürk war der einzige Türkische General, der eine Akademie von innen gesehen hatte, und zwar eine Deutsche und er hatte Deutsche Waffen. Er hat dann den Siegermächten in die Suppe gespuckt, indem er ihnen die Türkei abtrotzte, und zwar zusammen mit den Kurden. Drei Jahre später hat er sie dann verraten und ihre Versorgung war nicht mehr auf der Siegermächte Agenda. Auch die SU hat sich nicht am Verteilungsplan der Siegermächte beteiligt, danach sollte nämlich der Bosporus Russisch werden, stattdessen hat Trotzki diese Geheimverträge publiziert. Der blamierte Westen hat dann mit Wilsons 14 Punkten gekontert, einem blassen Abklatsch der Revolutions Agenda.

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    Verfasst von zivilistin | 6. Juli 2021, 9:21

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