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Ausland, Russland

Die komplette Übersetzung des Interviews, das Putin der NBC vor dem Gipfeltreffen mit Biden gegeben hat

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Der russische Präsident Wladimir Putin hat der NBC ein fast anderthalb-stündiges Interview gegeben, das ich komplett übersetzt habe. Dabei wurde Putin mit allen Vorwürfen des Westens gegen Russland aus den letzten Jahren konfrontiert.

Da im Westen stets der Eindruck erweckt wird, Putin sei ein böser Diktator, der keine Kritik oder kritischen Fragen zulasse, habe ich das Interview, das Keir Simmons von NBC mit Putin geführt hat, übersetzt. Simmons und die NBC sind sicher keine russischen Propagandisten, sondern Transatlantiker, Trump-Gegner und Unterstützer von Joe Biden. Entsprechend kritisch waren seine Fragen an Putin und er ist die ganze Palette der internationalen Politik und vor allem der Vorwürfe des Westens gegen Russland durchgegangen.

Beginn der Übersetzung:

Simmons: Herr Präsident, es ist lange her, dass Sie amerikanischen Journalisten ein Interview gegeben haben. Ich glaube, es ist drei Jahre her. Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Es gibt eine Menge Themen zu besprechen. Ich bin sicher, wir werden viel zu besprechen haben.

Ich fange mit dem hier an. Heute kamen Nachrichten aus den USA, die sagen, dass Russland in den nächsten Monaten neue Hacks in militärische Einrichtungen für das iranische Atomprogramm vorbereitet. Stimmt das?

Putin: Könnten Sie die Frage noch einmal wiederholen, bitte? Welche Hacks, welche Einrichtungen?

Simmons: Es gab heute einen Bericht, der besagt, dass Russland sich darauf vorbereitet, Satellitentechnologie an den Iran zu transferieren, die es dem Iran erlauben würde, militärische Ziele zu verfolgen und zu treffen.

Putin: Nein, wir haben keine solchen Programme mit dem Iran, das ist nur neuer Blödsinn. Wir haben Pläne für die Zusammenarbeit mit dem Iran, auch im Bereich der militärisch-technischen Zusammenarbeit, alles im Rahmen der Beschlüsse des iranischen Atomprogramms als Teil der UN-Beschlüsse, die zusammen mit unseren Partnern im Atomabkommen mit dem Iran vereinbart wurden, nach dem die Sanktionen gegen den Iran irgendwann aufgehoben werden sollen, auch bei der militärisch-technischen Zusammenarbeit. Wir haben bestimmte Programme, aber es geht nur um konventionelle Waffen, wenn es dazu kommt, aber bis jetzt ist es noch nicht einmal dazu gekommen. Wir haben keine wirkliche Zusammenarbeit bei konventionellen Waffen, also ist das, was sich jemand über moderne Weltraumtechnologien ausdenkt, nur Science Fiction, nur ein weiterer Fake. Davon weiß ich jedenfalls nichts. Die, die darüber sprechen, wissen darüber wahrscheinlich mehr als ich. Es ist Quatsch.

Simmons: Sie stimmen also zu, dass die Weitergabe solcher Satellitentechnologie an den Iran das US-Militär gefährden würde, wenn der Iran diese Technologie von Russland bekäme, denn er könnte Informationen an die Huthis im Jemen weitergeben, sie könnten solche Informationen an die Hisbollah weitergeben. Und die Weitergabe dieser Technologie an den Iran wäre eine gefährliche Entwicklung.

Putin: Hören Sie, warum reden wir über Probleme, die es nicht gibt? Das ist kein Thema für eine Diskussion. Da hat sich jemand etwas ausgedacht, ich weiß es nicht, vielleicht ist es ein Versuch, jede militärische und technische Zusammenarbeit mit dem Iran einzuschränken. Ich wiederhole noch einmal: Das ist nur eine Falschmeldung, ich weiß davon überhaupt nichts, ich höre das von Ihnen zum ersten Mal. Wir haben keine solchen Absichten. Ich weiß nicht mal, ob der Iran technologisch überhaupt bereit ist für eine solche Kooperation. Das ist eine eigene Angelegenheit, eine sehr hochtechnologische Angelegenheit.

Ja, wir schließen eine Zusammenarbeit mit vielen Ländern im Weltraum nicht aus. Aber unsere Position, dass wir kategorisch gegen die Militarisierung des Weltraums insgesamt sind, ist wohl jedem bekannt. Wir sind der Meinung, dass der Weltraum frei von Waffen jeglicher Art sein sollte, die im erdnahen Raum eingesetzt werden, und so weiter. Daher haben wir keine derartigen Pläne, insbesondere nicht für einen Technologietransfer auf dem von Ihnen genannten Niveau.

Simmons: Okay. Die nächste Frage betrifft den Gipfel mit Präsident Biden. Davor trifft er sich mit den Staats- und Regierungschefs der G7, mit den NATO-Partnern, mit den europäischen Staats- und Regierungschefs. Es ist seine erste Reise, sein erster Besuch in Europa. Dies wird als ein Versuch dargestellt, die Reihen der Demokratien der Welt zu vereinen. Und nun wird er sich mit dem Präsidenten treffen, der als Diktator, als Autokrat dargestellt wird.

Putin: Ich weiß nicht, irgendwer drückt es so aus, und irgendwer sieht die Situation und Ihre bescheidenen Diener auf eine andere Weise. All dies wird der Öffentlichkeit so präsentiert, wie es die herrschenden Klassen in diesem oder jenen Land für richtig halten.

Dass sich Präsident Biden mit seinen Verbündeten trifft, ist nichts ungewöhnliches. Was ist ungewöhnlich an einem G7-Treffen? Wir wissen, was die G7 ist, ich war schon oft dort, ich kenne die Werte dieser Plattform. Aber wenn Menschen zusammenkommen und etwas besprechen, ist das immer gut, besser als nicht zusammenzukommen und nicht zu sprechen. Weil es auch innerhalb der G7 Themen gibt, die ständiger Aufmerksamkeit und Überlegungen bedürfen, weil es Widersprüche gibt, so seltsam es auch erscheinen mag, und weil es unterschiedliche Bewertungen verschiedener Ereignisse auf der internationalen Bühne und zwischen ihnen gibt. Sollen sie sich doch treffen und reden.

Was die NATO betrifft, so habe ich schon oft gesagt: Sie ist ein Überbleibsel des Kalten Krieges. Die NATO wurde während des Kalten Krieges geboren, aber warum sie heute existiert, ist nicht ganz klar. Es war einmal die Rede von einer Transformation dieser Organisation, aber jetzt ist das irgendwie in Vergessenheit geraten. Wir sehen sie als eine militärische Organisation an, aber das sind Verbündete der Vereinigten Staaten, und ich denke, die müssen sich von Zeit zu Zeit miteinander treffen. Obwohl ich mir vorstellen kann, wie die Gespräche laufen. Natürlich wird alles im Konsens entschieden, aber es gibt sozusagen eine richtige Meinung und die anderen – drücken wir es vorsichtig aus – nicht so richtigen Meinungen. Ja und? Verbündete treffen sich, was ist daran ungewöhnlich? Ich sehe hier nichts Ungewöhnliches.

Umso mehr als es ein Zeichen des Respekts an ihre Verbündeten vor dem Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands ist. Vermutlich wird das als Wunsch dargestellt, ihre Ansichten zu den wichtigsten Themen der aktuellen Agenda zu erfahren, einschließlich der Themen, die wir mit Präsident Biden besprechen werden. Dennoch bin ich geneigt zu glauben, dass die USA trotz all der Politisierung mit Russland das vorantreiben werden, was sie für sich selbst und vor allem für ihre wirtschaftlichen, politischen und militärischen Interessen als notwendig und wichtig erachten.

Es schadet wahrscheinlich nie, sich anzuhören, was die Verbündeten darüber denken, also ist das okay, es ist ein Routineprozess.

Simmons: Dann noch ein paar Fragen zum Gipfel. Wie Sie wissen, hat Präsident Biden um dieses Treffen gebeten, er hat keine Vorbedingungen gestellt. War das keine Überraschung für Sie?

Putin: Nein. Unsere bilateralen Beziehungen haben sich in den letzten Jahren auf das niedrigste Niveau verschlechtert, aber es gibt trotzdem Themen, bei denen wir einen Uhrenvergleich machen müssen, und es müssen gemeinsame Positionen definiert werden, damit Fragen von gemeinsamem Interesse, im Interesse sowohl der Vereinigten Staaten als auch Russlands, effektiver angegangen werden können. Darum ist daran nichts Ungewöhnliches. Eigentlich hatten wir trotz der scheinbar harten Rhetorik mit solchen Vorschlägen gerechnet, denn die innenpolitische Agenda in den USA erlaubte es nicht, die Beziehungen auf einem akzeptablen Niveau wiederherzustellen. Das musste früher oder später passieren.

Jetzt hat Präsident Biden diese Initiative gezeigt. Vorher hat er sich, wie Sie wissen, für die Verlängerung des NEW-START-Vertrags ausgesprochen, was wir nur unterstützen konnten, weil wir der Meinung sind, dass dieser Vertrag gut ausgearbeitet ist und auf dem Gebiet der strategischen offensiven Rüstungskontrolle sowohl unseren als auch Amerikas Interessen entspricht. Aus diesem Grund war das ein durchaus erwarteter Vorschlag.

Simmons: Sie fahren zu dem Gipfel. Planen Sie gleich danach weitere Gesprächsrunden zur Rüstungskontrolle, denn Biden hat START um fünf Jahre verlängert, und es wird angenommen, dass dies der Anfang und nicht das Ende dieses Dialogs ist?

Putin: Wir wissen, welche Themen und Probleme die Amerikaner mit uns besprechen wollen. Wir verstehen diese Fragen und Probleme, und wir sind bereit, gemeinsam daran zu arbeiten. Wir haben einige Meinungsverschiedenheiten, wenn nicht Meinungsverschiedenheiten, dann ein unterschiedliches Verständnis des Tempos und der Richtungen, in die wir uns bewegen sollten. Wir wissen, welche Prioritäten die amerikanische Seite setzt. Generell ist dies ein Prozess, der auf professioneller Ebene durch das Außenministerium, das State Department, das Pentagon und das russische Verteidigungsministerium vorangetrieben werden muss. Wir sind bereit für diese Arbeit.

Wir haben einige Signale gehört, dass die amerikanische Seite die Gespräche auf der Ebene der professionellen und fachlichen Experten wieder aufnehmen möchte. Wir werden sehen. Wenn nach dem Gipfel die Voraussetzungen dafür geschaffen sind – bitte, wir sagen nicht nein, wir sind bereit zu dieser Arbeit.

Simmons: Präsident Biden ist an Stabilität und Berechenbarkeit interessiert. Und Sie?

Putin: Das ist in internationalen Angelegenheiten, könnte man sagen, der wichtigste Wert. Wenn wir das schaffen könnten…

Simmons: Entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber er sagte, dass Sie derjenige sind, der Instabilität erzeugt und dass gerade Sie die Quelle der Unberechenbarkeit sind.

Putin: Er sagt das eine, ich sage das andere. Vielleicht ist unsere Rhetorik manchmal auseinander gegangen, aber wenn Sie jetzt nach meinem Standpunkt fragen, werde ich Ihnen sagen, was er ist: Der wichtigste Wert in den internationalen Beziehungen ist Stabilität und Berechenbarkeit. Ich denke, dass unsere amerikanischen Partner das in den vergangenen Jahren nicht erkannt haben. Wie können wir von Stabilität und Berechenbarkeit sprechen, wenn wir uns an die Ereignisse in Libyen im Jahr 2011 erinnern, als das Land zerstört wurde? Nun, welche Art von Stabilität und Berechenbarkeit war das?

Die ganze Zeit haben sie gesagt, dass die Truppen in Afghanistan bleiben werden. Dann plötzlich, bumms, werden die Truppen aus Afghanistan abgezogen. Ist das Stabilität und Berechenbarkeit?

Die Entwicklungen im Nahen Osten, ist das Stabilität und Berechenbarkeit? Wo führt das alles hin? Oder Syrien? Was ist hier stabil und berechenbar?

Ich habe meine amerikanischen Kollegen gefragt: Ihr wollt, dass Assad geht, aber wer kommt an seiner Stelle und wie geht es dann weiter? Die Antwort war seltsam: Ich weiß es nicht. Wenn Du nicht weißt, was als Nächstes passiert, warum willst Du ändern, was ist? Schließlich könnte es ein zweites Libyen oder ein zweites Afghanistan werden. Wollen wir das? Nein. Lasst uns zusammensetzen, reden, nach Lösungen, nach Kompromissen suchen, die für alle Seiten akzeptabel sind – so erreicht man Stabilität. Sie kann nicht dadurch erreicht werden, dass eine Sichtweise, die „richtige“, durchgesetzt wird, und alle anderen „falsch“ sind. So wird auch keine Stabilität erreicht.

Simmons: Lassen Sie uns zu einem anderen Thema übergehen. Ich wollte über Ihre Beziehung zu Präsident Biden sprechen. Dies ist nicht mehr der Helsinki-Gipfel, Biden ist nicht Trump. Sie haben einmal gesagt, dass Trump ein sehr talentierter Mensch ist. Wie würden Sie Präsident Biden beschreiben?

Putin: Ich denke immer noch, dass Herr Trump, der ehemalige US-Präsident, eine einzigartige und talentierte Person ist, sonst wäre er nicht Präsident der USA geworden. Er ist ein kluger Mann, man kann ihn mögen oder auch nicht. Er ist sicherlich kein Produkt des amerikanischen Establishments, er war vorher nie in der großen Politik. Natürlich mag ihn der eine, und der andere mag ihn nicht, aber so ist es nun mal.

Präsident Biden unterscheidet sich natürlich radikal von Trump, weil er ein Profi ist, er ist fast sein ganzes bewusstes Leben lang in der Politik gewesen. Er macht das seit vielen, vielen Jahren, ich habe das schon einmal gesagt, und es ist eine offensichtliche Tatsache: wie viele Jahre er Senator war, wie viele Jahre er sich mit, sagen wir, Abrüstung, internationaler Politik wirklich auf Expertenebene beschäftigt hat. Das ist ein anderer Mensch. Ich rechne bei diesem Präsident nicht mit so impulsiven Schritten – das hat Vor- und Nachteile – und ich rechne damit, dass wir bestimmte Regeln der Kommunikation einhalten, dass wir uns auf etwas einigen können und eine gemeinsame Basis finden. Das ist glaube ich alles. Aber was in Wirklichkeit passieren wird, das wird von der realen, praktischen Politik und ihren Ergebnissen abhängen.

Simmons: Präsident Biden sagte, dass Sie sich mal von Angesicht zu Angesicht getroffen haben und er sagte, so betont er, er sagte Ihnen dies: Ich sehe in Ihre Augen und ich sehe keine Seele. Und Sie sagten: Wir verstehen uns. Erinnern Sie sich an dieses Gespräch?

Putin: Wegen der Seele, weiß ich nicht, da muss ich nochmal nachdenken. Aber um ehrlich zu sein, kann ich mich an diesen Teil unseres Gesprächs nicht erinnern. Aber wenn wir uns treffen, reden, arbeiten, Entscheidungen treffen, handeln wir alle im Interesse unserer Staaten, unserer Nationen. Und das ist die Grundlage all unseres Handelns und Denkens und das ist das Motiv für Treffen dieser Art.

Was die Seele angeht, gehen Sie bitte in die Kirche.

Simmons: Ja, Sie werden oft als religiöser Mensch beschrieben und er sagt, er habe Ihnen das direkt ins Gesicht gesagt: Sie sind ein seelenloser Mensch.

Putin: Daran kann ich mich nicht erinnern. Da ist irgendwas mit meinem Gedächtnis nicht in Ordnung.

Simmons: Er sagt, das war vor 10 Jahren, als er Vizepräsident war.

Putin: Er hat ein gutes Gedächtnis, wahrscheinlich. Ich schließe es nicht aus, aber ich kann mich nicht daran erinnern. Im Allgemeinen versuchen Menschen, sich bei persönlichen Treffen korrekt zu verhalten. Ich kann mich an kein unangemessenes Verhalten meiner Kollegen erinnern, es ist bisher nichts dergleichen passiert. Vielleicht hat er irgendwas gesagt, aber ich erinnere mich nicht mehr.

Simmons: Halten Sie es für unangebracht, solche Dinge zu sagen?

Putin: Es kommt auf den Kontext an, auf die Form der Aussage. Verstehen Sie, man kann all das auf verschiedene Arten sagen und auf verschiedene Arten präsentieren. Aber eigentlich treffen sich Menschen, um Beziehungen aufzubauen und die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit zu schaffen, um irgendwelche positive Ergebnisse zu erzielen. Und wenn wir miteinander streiten müssen, einander anbellen, wie wir in Russland sagen, warum sollen wir uns dann treffen und Zeit verschwenden? Dann kann man sich besser um fiskale und sozialpolitische Fragen im eigenen Land kümmern. Wir haben eine Menge Probleme, die wir lösen müssen. Was macht das für einen Sinn? Es ist sinnlose Zeitverschwendung, das ist alles.

Man kann diese Themen natürlich für den innenpolitischen Konsumenten präsentieren und ich denke, das ist es, was in den letzten Jahren in den Vereinigten Staaten getan wurde, als die Beziehungen zwischen den USA und Russland für den erbitterten innenpolitischen Kampf in den Vereinigten Staaten selbst geopfert wurden.

Wir wissen das nur zu gut, was hat man uns nicht alles vorgeworfen: Einmischung in Wahlen, Cyber-Angriffe und so weiter. Und nicht ein einziges Mal haben sie sich die Mühe gemacht, irgendwelche Beweise zu zeigen, nur unbelegte Anschuldigungen. Ich frage mich, warum wir noch nicht beschuldigt worden sind, die Black-Lives-Matter-Bewegung angestiftet zu haben, das wäre auch eine gute Angriffslinie. Aber wir machen so was nicht.

Simmons: Was halten Sie von der Black-Lives-Matter-Bewegung?

Putin: Ich denke, dass das natürlich innenpolitisch von einer der politischen Kräfte während des Wahlkampfes benutzt wurde, aber es gibt auch bestimmte Gründe für die Bewegung. Erinnern wir uns an Colin Powell, der sowohl Außenminister als auch Chef des Pentagons war, und er schrieb in seinem Buch, dass selbst er, ein hochrangiger Beamter, sein ganzes Leben lang eine Art Ungerechtigkeit gegenüber sich selbst als Person dunkler Hautfarbe empfunden hat.

Noch seit der Sowjetzeit haben wir in Russland immer mit dem Kampf der Afroamerikaner für ihre Rechte sympathisiert und das hat gewisse Wurzeln, eine Grundlage. Aber gleichzeitig, egal wie edel die Ziele von jemandem sein mögen, wenn sie ins Extreme gehen, wenn sie Elemente des Extremismus annehmen, können wir sie nicht gutheißen. Und hier haben wir eine sehr einfache Haltung dazu: Wir unterstützen den Kampf der Afroamerikaner für ihre Rechte, aber wir sind gegen jede Art von Extremismus, den wir manchmal leider auch jetzt sehen.

Simmons: Sie haben die Cyberangriffe erwähnt und bestreiten eine Beteiligung Russlands an diesen Angriffen. Aber Herr Präsident, es gibt jetzt eine riesige Menge an Beweisen, und es gibt bestimmte Cyber-Angriffe, die offenbar staatlich gesponsert wurden. Ich gebe fünf Beispiele.

Der US-Geheimdienste sagen, dass Russland im Jahr 2016 in die Wahl eingegriffen hat und die Verantwortlichen für die Wahl sagten, dass Russland im Jahr 2020 in die Wahl eingegriffen hat. Die Verantwortlichen für Cybersicherheit sagen, dass Hacker in die Verwendung und Entwicklung des Coronavirus-Impfstoffs eingegriffen haben.

SolarWinds war auch eine der schlimmsten Cyberattacken, die schwerste Cyberattacke, es waren neun US-Behörden betroffen. Und kurz vor dem Gipfel sagte Microsoft, dass es einen weiteren Angriff gab und die Ziele Organisationen waren, die Ihnen gegenüber kritisch eingestellt waren, Herr Präsident.

Herr Präsident, führen Sie einen Cyberkrieg gegen Amerika? Stimmt das?

Putin: Verehrter Keir, Sie haben gesagt, dass es eine ganze Reihe von Beweisen für Cyberangriffe durch Russland gibt, und dann haben Sie die offiziellen US-Behörden aufgelistet, die das gesagt haben, richtig?

Simmons: Ich gebe Ihnen nur die Information, wer es gesagt hat, damit Sie antworten können.

Putin: Ja, Sie geben die Information an mich weiter, wer das gesagt hat. Aber wo ist der Beweis, dass dies tatsächlich geschehen ist? Ich sage Ihnen was: dies und das und jenes wurde gesagt, aber wo ist der Beweis? Ich kann auf solche haltlosen Anschuldigungen antworten: Sie können sich bei der Internationalen Liga für Sexualreform beschweren. Stellt Sie das zufrieden?

Das ist doch alles nur Gerede über nichts. Legen Sie wenigstens irgendetwas auf den Tisch, das wir uns ansehen und auf das wir reagieren können. Aber es gibt nichts.

Soweit ich weiß, war einer der letzten Angriffe der auf das US-Pipelinesystem.

Simmons: Ja.

Putin: Soweit ich weiß, haben die Aktionäre dieser Firma sogar beschlossen, ein Lösegeld zu zahlen. Sie haben die Cyber-Banditen ausgezahlt. Aber wenn Sie die ganze Reihe der angesehenen US-Geheimdienste aufzählen, sie sind mächtig und global, können sie diejenigen finden, die am Ende das Lösegeld bekommen haben oder nicht? Ich hoffe, sie überzeugen sich davon, dass Russland nichts damit zu tun hat.

Jetzt ein Cyberangriff auf irgendeine Fleischverpackungsanlage. Und dann steht auf gefärbten Eiern, dass der Angriff abgeschlossen ist, verstehen Sie? Es wird einfach zu einer Art Farce, einer endlosen Farce. Sie sagten: viele, viele Beweise, aber Sie haben keine genannt. Es ist nur leeres Gerede. Wovon reden wir hier?

Simmons: Sie sind zum Thema dieses Lösegelds und der Kriminellen übergegangen. Es heißt immer, russischsprachige Kriminelle bedrohen den American Way of Life, Krankenhäuser, Wassersysteme, Lebensmittelversorgung. Was glauben Sie, warum diese Kriminellen die russische Diplomatie zerstören? Wollen Sie verstehen, wer generell dahinter steckt, damit die das Image Russlands nicht ruinieren?

Putin: Wissen Sie, am einfachsten wäre es, wenn wir uns in Ruhe hinsetzen und uns darauf einigen würden, im Cyberspace zusammenzuarbeiten. Wir haben es der Obama-Regierung vorgeschlagen…

Simmons: Im September.

Putin: …irgendwann im Oktober. Wir haben im September begonnen und es im letzten Jahr seiner Präsidentschaft angeboten. Zuerst waren sie still, aber im November sagten sie, ja, das ist interessant. Dann haben sie die Wahlen verloren. Wir haben den Vorschlag an die Regierung von Herrn Trump wiederholt. Uns wurde gesagt, dass es interessant sei, aber es kam nicht zu wirklichen Verhandlungen.

Es gibt Grund zu der Annahme, dass wir mit der neuen Administration in dieser Sache zusammenarbeiten können. Ich hoffe, dass die innenpolitische Situation in den Vereinigten Staaten uns nicht daran hindern wird, dies zu tun.

Aber wir haben diese Arbeit vorgeschlagen: Lasst uns gemeinsam sehen, was wir tun können, lasst uns die Prinzipien der gemeinsamen Arbeit vereinbaren und lasst uns vereinbaren, wie wir den Widerstand gegen diesen Prozess, der an Fahrt gewinnt, aufbauen können. In der Russischen Föderation selbst ist die Zahl der Cyberkriminalität in letzter Zeit um ein Vielfaches gestiegen, und zwar innerhalb des Landes. Wir versuchen, entsprechend zu reagieren, wir suchen nach diesen Cyberkriminellen, und wenn wir sie finden, bestrafen wir sie. Wir sind auch bereit, mit internationalen Akteuren zusammenzuarbeiten, auch mit den USA, aber sie weigern sich. Sie weigern sich, zusammenzuarbeiten. Was können wir tun? Wir können diese Arbeit nicht im Alleingang machen.

Simmons: Ich bin nicht die Regierung, Herr Präsident, ich bin nur ein Journalist und ich stelle ein paar Fragen. Aber wenn Sie verhandeln wollen, sollten Sie vielleicht um einen Waffenstillstand bitten, denn es herrscht gerade Krieg. Was für Verhandlungen kann es geben, wenn ein Krieg herrscht?

Putin: Wissen Sie, was den Krieg betrifft, hat die NATO offiziell – ich möchte Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken – offiziell erklärt, dass sie den Cyberspace als ein Gebiet für Kampfhandlungen betrachtet und militärische Übungen im Cyberspace durchführt. Wir reden nie darüber.

Simmons: Und Sie sind ein Teilnehmer an diesen militärischen Aktionen.

Putin: Nein.

Simmons: Russland befindet sich auf diesem Gebiet im Krieg. Ist das nicht so?

Putin: Nein, das ist es nicht. Das ist nichts so.

Simmons: Wirklich?

Putin: Wenn wir das tun wollten… Die NATO hat gesagt, dass sie den Cyberspace als eine Sphäre von Kampfhandlungen betrachtet und sie bereitet sich darauf vor und führt sogar Übungen durch. Was hält uns zurück, wir könnten auch sagen, wenn Ihr es tut, werden wir es auch tun. Aber das wollen wir nicht. So wie wir den Weltraum nicht militarisieren wollen, wollen wir auch den Cyberspace nicht militarisieren. Und wir haben viele Male angeboten, bei der Sicherheit in diesem Bereich zusammenzuarbeiten, aber Ihre Regierung weigert sich.

Simmons: Ich habe Ihre Vorschläge vom September gesehen, sie wurden im September gemacht. Sie schlagen also vor, dass, wenn Sie zu einer Vereinbarung kommen können, eine Vereinbarung über Hackerangriffe und Wahleinmischung, dann werden Sie alle diese Aktionen zurückziehen, wenn Amerika Ihre politischen Aktionen nicht kommentiert und sich nicht in Ihre politischen Handlungen und politischen Gegner einmischt?

Putin: Wir setzen darauf, dass sich niemand in die innenpolitischen Prozesse eines anderen Landes einmischen sollte: nicht Amerika in unsere, nicht wir in die Amerikas und in kein anderes Land. Es ist notwendig, den Menschen aller Länder die Chance zu geben, sich friedlich zu entwickeln. Auch wenn es eine Krisensituation gibt, sollte sie von den Menschen im Lande selbst gelöst werden, ohne Einmischung von außen.

Aber es scheint mir, dass dieser Appell an die amerikanischen Regierungen, einschließlich der aktuellen, wenig wert ist. Denn es scheint mir, dass sich die US-Regierung weiterhin in die innenpolitischen Prozesse in anderen Ländern einmischen wird und es ist sehr unwahrscheinlich, dass dieser Prozess gestoppt werden kann, weil er so viel Fahrt aufgenommen hat. Aber es ist durchaus möglich, sich auf eine gemeinsame Arbeit im Cyberspace und die Verhinderung einiger inakzeptabler Aktionen von Cyberkriminellen zu einigen. Wir rechnen fest damit, dass wir diesen Prozess mit unseren amerikanischen Partnern etablieren können.

Simmons: Wenn Sie in Amerika wären, wovor hätten Sie als nächstes Angst – davor, dass die Lichter ausgehen? Sind das zum Beispiel einige der Aktionen, die 2015 in der Ukraine stattgefunden haben?

Putin: Ich verstehe nicht: Wenn ich in Amerika wäre, wovor sollte ich Angst haben? Wenn ich ein Amerikaner wäre oder was?

Simmons: Wovor sollten sich die Amerikaner fürchten und Angst haben? Was kann passieren, wenn es keine Einigung über die Bekämpfung von Cyber-Kriminalität gibt?

Putin: Genau wie die Militarisierung des Weltraums ist das ein sehr gefährlicher Bereich. Es war ja einmal so, dass die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten, um im nuklearen Bereich, im Bereich der Konfrontation auf dem Gebiet der Atomwaffen, etwas zu erreichen, vereinbart haben, dieses Wettrüsten einzudämmen. Aber der Cyberspace ist ein sehr sensibler Bereich. Heute sind viele menschliche Aktivitäten und die Ausübung staatlicher Funktionen mit digitaler Technologie verbunden. Natürlich können Eingriffe in diese Prozesse ernsthafte Schäden verursachen, das ist jedem klar. Ich wiederhole zum dritten Mal: Lassen Sie uns zusammensetzen und uns darauf einigen, gemeinsam für die Sicherheit auf diesem Gebiet zu sorgen, das ist alles. Was ist daran schlecht?

Ich bitte nicht Sie darum, ich will Sie nicht in eine schwierige Lage bringen, aber für mich als normalen Bürger wäre es unverständlich, warum Ihre Regierung sich weigert, das zu tun. Die Anschuldigungen häufen sich, bis hin zur Einmischung in Cyberattacken auf irgendeine Fleischfabrik, während unsere Vorschläge, Verhandlungen zu diesem Thema aufzunehmen, abgelehnt werden. Das ist doch Unsinn! Aber genau das passiert doch gerade.

Ich wiederhole nochmals: Ich hoffe, dass wir auch in diesem Bereich positiv arbeiten können.

Wovor sollte man sich fürchten? Warum schlagen wir eine Vereinbarung vor? Weil das, was in Amerika gefürchtet wird, auch bei uns gefürchtet werden könnte. Die Vereinigten Staaten sind ein High-Tech-Land. Wenn die NATO angekündigt hat, dass der Cyberspace ein Kampfgebiet ist, bedeutet das, dass sie etwas plant und vorbereitet. Natürlich sind wir darüber besorgt.

Simmons: Haben Sie Angst, dass der US-Geheimdienst tief in das russische System eingedrungen ist und Ihnen im Cyber-Bereich schaden kann?

Putin: Ich habe keine Angst, aber ich meine, es ist möglich.

Simmons: Lassen Sie mich eine Frage zu den Menschenrechten stellen. Das ist eine Frage, die Präsident Biden aufwerfen wird. Er wird über Alexej Navalny sprechen, verschiedene Morde, darüber, wer jetzt im Gefängnis ist. Warum haben Sie so viel Angst vor der Opposition, Herr Präsident?

Putin: Wer hat Ihnen gesagt, dass die Opposition uns oder mir Angst macht? Wer hat Ihnen das gesagt? Wissen Sie, das ist sogar lächerlich.

Simmons: Entschuldigen Sie, ein russisches Gericht hat jetzt eine Organisation verboten, die mit Herrn Navalny verbunden ist. Und die gesamte nicht-systemische Opposition sieht sich nun strafrechtlichen Anklagen ausgesetzt, auch Journalisten, viele haben den Status eines ausländischen Agenten erhalten, und das bedeutet in der Tat einen schweren Rückschlag für ihre Aktivitäten. Andersdenkende werden in Russland also nicht mehr geduldet.

Putin: Sie stellen dies als Andersdenkende und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden in Russland dar. Wir sehen das ganz anders. Und Sie haben das Gesetz über ausländische Agenten erwähnt. Aber das war nicht unsere Erfindung, das war ein Gesetz über ausländische Agenten, das in den USA in den 1930er Jahren verabschiedet wurde, und es ist viel strenger als unseres, einschließlich des Ziels, Einmischung in das politische Leben der Vereinigten Staaten zu verhindern. Und alles in allem halte ich das für gerechtfertigt.

Simmons: Herr Präsident, wir nennen das, was Sie in Amerika tun, einfach „look at yourselves“, wie man in Amerika sagt. Ich werde eine direkte Frage stellen, eine offene Frage.

Putin: Lassen Sie mich antworten, Sie haben mir eine Frage gestellt. Meine Antwort gefällt Ihnen nicht und Sie unterbrechen mich sofort. Das ist nicht der richtige Weg.

In Amerika wurde dieses Gesetz vor langer Zeit verabschiedet, es ist jetzt in Kraft, und die Strafen sind viel härter als bei uns, bis hin zu Haftstrafen und so weiter.

Simmons: Sie sprechen wieder von den Vereinigten Staaten.

Putin: Ja, ich werde auf uns zurückkommen, keine Sorge, ich werde nicht bei den US-Themen bleiben. Ich werde zurückkommen und kommentieren, was bei uns vorgeht.

Simmons: Ich dachte, Sie wären der Meinung, dass sich Länder nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischen und die Politik nicht kommentieren sollten, und jetzt tun Sie es wieder.

Putin: Nein. Wenn Sie einfach Geduld haben und mich ausreden lassen, wird Ihnen alles klar. Aber Sie mögen meine Antwort nicht, Sie wollen nicht, dass Ihre Zuschauer meine Antwort hören, das ist das Problem. Sie knebeln mich. Ist das Meinungsfreiheit? Oder ist das Meinungsfreiheit auf amerikanische Art?

Simmons: Antworten Sie bitte.

Putin: Nun, es gibt ein Gesetz, das in den USA verabschiedet worden ist. Wir haben es erst vor kurzem verabschiedet, um unsere Gesellschaft vor Einmischung von außen zu schützen. In einigen US-Bundesstaaten sagt der Staatsanwalt, wenn sich ausländische Beobachter einem Wahllokal nähern, dass sie sie ins Gefängnis stecken wird, wenn Sie sich dem Wahllokal noch einige Meter nähern. Ist das normal? Ist das Demokratie in der modernen Welt? Und in einigen Bundesstaaten ist das die Praxis. So etwas haben wir hier nicht.

Wenn ich über diese Gesetze spreche, über Nichteinmischung oder Einmischungsversuche, was meine ich dann in Bezug auf Russland? Viele sogenannte zivilgesellschaftliche Strukturen… Warum sage ich „sogenannte“? Sie werden aus dem Ausland finanziert, Aktionsprogramme werden vorbereitet, Aktivisten werden im Ausland ausgebildet, und wenn unsere staatlichen Strukturen das sehen, verabschieden wir die entsprechenden Beschlüsse und Gesetze, um eine solche Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten zu verhindern und die sind milder als Ihre.

Wir haben ein Sprichwort: Gib nicht dem Spiegel die Schuld, wenn du ein schiefes Gesicht hast. Es hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun, aber wenn jemand uns beschuldigt, schauen Sie sich selbst an, Sie werden sich selbst im Spiegel sehen und nicht uns. Daran ist nichts Ungewöhnliches.

Was die politische Aktivität und das politische System betrifft, so entwickelt es sich. Bei uns sind 34 Parteien registriert, ich glaube, im September nehmen 32 an verschiedenen Wahlen im ganzen Land teil.

Simmons: Aber das ist die registrierte Opposition.

Putin: Es gibt eine nicht-systemische Opposition. Sie sagten, dass jemand inhaftiert wurde, dass jemand im Gefängnis ist – ja, auch das kommt vor. Sie haben einige Namen genannt.

Simmons: Ja, die meinte ich.

Putin: Ja, ja, das sage ich gleich. Ich sage es Ihnen gleich, ich werde keine Ihrer Fragen auslassen, keine Sorge.

Simmons: Sein Name ist Aleksej Navalny.

Putin: Das ist unwichtig.

Simmons: Ich werde Ihnen eine direkte Frage stellen: Haben Sie seinen Mord angeordnet oder nicht?

Putin: Natürlich nicht. Wir haben nicht die Angewohnheit, jemanden zu töten, das ist das erste.

Zweitens möchte ich Ihnen eine Frage stellen: Haben Sie die Tötung der Frau angeordnet, die in den Kongress ging und von einem Polizeibeamten erschossen wurde? Und wissen Sie, dass bei Ihnen 450 Personen nach dem Betreten des Kongresses verhaftet wurden? Und sie kamen nicht, um dort einen Computer zu stehlen, sie kamen mit politischen Forderungen. 450 Menschen wurden verhaftet, ihnen drohen 15 bis 25 Jahre Gefängnis und sie kamen mit politischen Forderungen. Ist das nicht eine Verfolgung wegen politischer Ansichten? Einige werden der Verschwörung zur Machtergreifung beschuldigt. Einige werden sogar des Raubes beschuldigt. Sie sind nicht zum Plündern gekommen.

Die Leute, die Sie erwähnt haben – ja, sie wurden verurteilt, weil sie gegen ihre Bewährungsauflagen verstoßen haben. Zweimal wurde eine Person zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. De facto sind das nur Verwarnungen, nicht gegen die in Russland geltenden Gesetze zu verstoßen. Nein, sie haben die gesetzlichen Vorschriften vollkommen ignoriert. Schließlich erließ das Gericht ein entsprechendes Urteil und hob die Bewährung auf. Ich kann Ihnen sagen, dass es in Russland jedes Jahr Tausende solcher Menschen gibt, die die Bewährungsauflagen verletzen, die das Gesetz ignorieren. Es gibt Tausende von ihnen! Und sie haben nichts mit politischer Aktivität zu tun. Und wenn sich jemand hinter politischer Aktivität versteckt, um seine Angelegenheiten, auch kommerzielle, zu erledigen, dann muss er dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Simmons: Sehen Sie, Sie sagen es schon wieder: Und wie ist das in Amerika? Ich werde Ihnen diese Frage stellen. Sie sprachen über den amerikanischen Kongress. Nochmals eine einfache Frage: Die Anschuldigungen werden gehört, sie werden in den USA immer wieder gehört, der verstorbene John McCain hat Sie im Kongress direkt einen Mörder genannt, und Biden hat das auch nicht bestritten, und selbst Trump hat das nicht bestritten. Und als Biden direkt gefragt wurde, antwortete er ebenfalls. Also, Herr Präsident, sind Sie ein Mörder?

Putin: Hören Sie, im Laufe meiner Arbeit habe ich mich daran gewöhnt, bei vielen Gelegenheiten angegriffen zu werden, bei vielen Gelegenheiten, in unterschiedlicher Qualität und Schärfe. Das überrascht mich nicht. Wir sind nicht Braut und Bräutigam, wir schwören uns mit diesen Menschen, mit denen wir auf dem internationalen Parkett arbeiten und streiten, nicht ewige Liebe und Freundschaft. Wir sind Partner und wir konkurrieren in mancher Hinsicht miteinander.

Was die harsche Rhetorik angeht, so scheint mir, dass das überhaupt eine Erscheinung der allgemeinen amerikanischen Kultur ist. Natürlich gibt es zum Beispiel in Hollywood – und wir haben am Anfang unseres Gesprächs über Hollywood gesprochen – einige tiefgründige Dinge, die man durchaus der Filmkunst zuordnen kann. Aber meistens ist es eine Art von Machogehabe. Das wird in der amerikanischen Kultur, auch in der politischen Kultur, irgendwie als normal angesehen. Bei uns übrigens nicht. Aber wenn auf diese Rhetorik ein Angebot folgt, sich zu treffen und bilaterale Fragen und internationale Politik zu besprechen, dann verstehe ich das als den Wunsch, zusammenzuarbeiten. Wenn dieser Wunsch ernst gemeint ist, sind wir bereit, ihn zu unterstützen.

Simmons: Aber ich glaube, Sie haben die Frage nicht direkt beantwortet.

Putin: Das habe ich. Ich werde jetzt mehr hinzufügen, wenn Sie erlauben.

Ich habe Dutzende solcher Anschuldigungen gehört, insbesondere während der schwierigen Ereignisse in unserem Kampf gegen den Terrorismus im Nordkaukasus. Ich habe immer die Interessen des russischen Staates und des russischen Volkes verfolgt und ich kümmere mich nicht um diese Maximen, wer wen und wie und was nennt.

Simmons: Bitte schön, hier ist eine Liste von Namen: Anna Politkowskaja wurde erschossen, Litwinenko wurde mit Polonium vergiftet, Sergej Magnitskij wurde angeblich zusammengeschlagen und starb im Gefängnis, Boris Nemzow wurde wenige Meter vom Kreml entfernt erschossen, Michail Lesin starb an seinen Verletzungen in Washington. Das sind alles Ihre Opfer.

Putin: Wissen Sie was, ich will nicht grob klingen, aber das sieht aus wie eine Art Verdauungsstörung, nur eine verbale.

Sie haben eine Menge Menschen aufgezählt, die wirklich gelitten haben und zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen durch die Hände verschiedener Menschen gestorben sind.

Lesin, den Sie erwähnt haben. Er hat früher für mich in der Verwaltung gearbeitet und ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Ich weiß nicht, ob er in den USA gestorben ist oder nicht, aber wir müssen Sie fragen, wie er dort gestorben ist. Ich für meinen Teil bin immer noch traurig, dass er gestorben ist. Meiner Meinung war er nach ein sehr anständiger, ehrbarer Mann.

Was die anderen betrifft, so haben wir einige der Verbrecher gefunden, die diese oder jene Verbrechen begangen haben, einige sind im Gefängnis. Wir sind bereit, auf die gleiche Art und Weise weiterzuarbeiten und jeden zu identifizieren, der gegen das Gesetz verstößt und durch seine Handlungen Schaden verursacht, auch für das Image Russlands. Aber alles einfach so in einen Topf zu werfen, macht keinen Sinn, ist falsch und entbehrt jeglicher Grundlage. Wenn Sie das für eine Angriffslinie halten, lassen Sie es mich bitte noch einmal hören. Ich wiederhole, ich habe das ich schon oft gehört, aber es beirrt mich nicht im Geringsten. Ich weiß, welche Richtung wir einschlagen müssen, um die Interessen des russischen Staates zu sichern.

Simmons: OK, ich werde für Sie das Thema wechseln.

Ukraine und Weißrussland – diese beiden Länder werden natürlich bei dem Treffen mit Präsident Biden zur Sprache kommen. Wussten Sie im Voraus, dass es eine Notlandung eines Verkehrsflugzeugs geben würde, dass zwei Personen verhaftet werden würden, dass sie aus dem Flugzeug steigen und verhaftet werden würden?

Putin: Davon habe ich nichts gewusst. Ich wusste nichts über irgendein Verkehrsflugzeug und ich habe auch nichts über die Leute gehört, die verhaftet wurden. Ich habe es aus den Medien erfahren. Ich wusste nichts von irgendwelchen Verhaftungen, ich habe keine Ahnung. Das ist für uns nicht von Interesse.

Simmons: Sie scheinen zuzustimmen, als ob Sie diese Handlung gutheißen. Sie hatten sofort danach ein Treffen mit Lukaschenko.

Putin: Ich billige oder verurteile das nicht. Es ist so geschehen. In einem Gespräch, das ich kürzlich mit einem europäischen Kollegen führte, habe ich ihm die Version von Herrn Lukaschenko erzählt, dass sie dort Informationen erhalten hätten, dass sich ein Sprengsatz an Bord befinde. Sie informierten den Piloten, sie zwangen ihn nicht zu landen, und der Pilot entschied sich für eine Landung in Minsk. Das war alles.

Simmons: Und Sie glauben, dass das wahr ist?

Putin: Warum sollte ich ihm nicht glauben? Fragen Sie den Piloten. Am einfachsten ist es, den verantwortlichen Piloten zu fragen: Wurdest Du zur Landung gezwungen, oder nicht? Fragen Sie ihn. Haben Sie ihn gefragt? Ich habe nie ein Interview mit dem verantwortlichen Piloten gehört, der in Minsk gelandet ist. Warum fragen Sie ihn nicht: Wurden Sie zur Landung gezwungen? Das ist sogar seltsam. Alle beschuldigen Lukaschenko, aber sie fragen nicht den Piloten.

Wissen Sie, ich kann mich an einen anderen Fall dieser Art erinnern, nämlich an den, in dem das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten auf Anordnung der US-Regierung in Wien zur Landung gezwungen wurde. Das Flugzeug eines Präsidenten wurde zur Landung aufgefordert, einfach so. Der Präsident wurde aus dem Flugzeug geholt, das Flugzeug wurde durchsucht, und Sie erwähnen das nicht einmal. Denken Sie, dass das normal ist? Das war gut, aber Lukaschenko hat etwas Schlechtes getan? Sehen Sie, lassen Sie uns irgendwie die gleiche Sprache sprechen und die gleichen Begriffe verwenden. Hier heißt es, „Lukaschenko ist ein Bandit“. Aber dort ist das gut? Das wurde damals in Bolivien als nationale Demütigung empfunden, aber alle haben dort geschwiegen, um die Beziehungen nicht zu verschlimmern. Niemand erinnert sich daran und das ist übrigens nicht der einzige Fall. Es ist nicht der einzige. Also, was ist mit Lukaschenko? Sie haben ihm ein Beispiel gegeben.

Simmons: Sie haben das angesprochen, aber das ist ein ganz anderes Beispiel. Herr Präsident, wir reden hier über einen kommerziellen Flug. Sehen Sie, die Menschen sollten das Recht haben, ein Flugticket zu kaufen und sicher zu fliegen, ohne Angst, von einem Kampfjet getroffen zu werden, ohne zur Landung gezwungen zu werden, ohne abgeschossen zu werden oder Journalisten verhaften zu lassen.

Putin: Hören Sie mir zu, ich sage Ihnen noch einmal, was mir Präsident Lukaschenko gesagt hat. Ich habe keinen Grund, ihm nicht zu glauben. Fragen Sie den Piloten, ich sage es Ihnen jetzt zum dritten Mal. Warum fragen Sie ihn nicht? Wurde er genötigt, wurde er eingeschüchtert? Die Tatsache, dass die Information im Umlauf war, dass sich ein Sprengsatz an Bord befand, dass Menschen, Passagiere, Bürger, die nichts mit Politik oder mit inneren Konflikten oder mit irgendetwas anderem zu tun haben, das vielleicht negativ wahrgenommen haben, vielleicht deshalb verängstigt waren – das ist natürlich schlecht. Was ist daran gut? Wir verurteilen natürlich alles an diesem Fall: den internationalen Terrorismus mit dem Einsatz von Flugzeugen und so weiter. Natürlich sind wir dagegen.

Sie haben mir gesagt, dass die Landung des Flugzeugs mit dem Präsidenten von Bolivien ein anderer Fall ist. Anders, ja, nur ist es eben zehnmal schlimmer als das, was in Weißrussland gemacht wurde, wenn überhaupt etwas gemacht wurde. Und Sie wollen es nicht einfach zur zugeben, es durchgehen lassen und wollen, dass Millionen von Menschen auf der ganzen Welt das nicht bemerken oder am nächsten Tag vergessen. Das wird nicht funktionieren.

Simmons: OK, die Ukraine ist Ihr Nachbar. Anfang dieses Jahres erklärte die EU, dass es eine große Aufstockung des russischen Militärs, Truppen an der Grenze zur Ukraine gab. Was war der Grund dafür? Wofür war das?

Putin: Sehen Sie, zunächst einmal hat die Ukraine selbst Truppen und militärische Ausrüstung in das Konfliktgebiet in der Südostukraine, in den Donbass, gebracht, und ich denke, sie tut das auch jetzt noch.

Zweitens haben wir planmäßige Manöver auf unserem Territorium durchgeführt, nicht nur im Süden der Russischen Föderation, sondern auch im Fernen Osten und im Norden, in der Arktis. Es fanden zeitgleiche Manöver in mehreren Regionen der Russischen Föderation statt. Zur gleichen Zeit führten die USA Manöver in Alaska durch, nur um das festzuhalten. Wissen Sie etwas darüber? Nein? Wahrscheinlich nicht. Ich sag’s Ihnen, ich weiß es. Das ist auch direkt an unserer Grenze, aber es ist auf Ihrem Gebiet. Wir haben das nicht einmal beachtet.

Und das ist es, was jetzt passiert: An unserer südlichen Grenze findet ein Manöver namens Defender Europe statt. 40.000 Soldaten, 15.000 Stück militärische Ausrüstung, einige von ihnen wurden vom amerikanischen Kontinent bis an unsere Grenzen verlegt. Haben wir unsere Ausrüstung an die amerikanische Grenze verlegt? Nein. Warum sind Sie besorgt?

Simmons: Sehr oft sind diese Manöver, die wir durchführen, eine Reaktion auf Ihre Aktionen und Ihre Manöver. Ihre Konfrontation mit der NATO hat diese Situation in vielerlei Hinsicht verschlimmert und die NATO spielt sozusagen die Verteidigung.

Putin: Na das ist doch mal eine Verteidigung! In der Zeit der Sowjetunion wurde Gorbatschow – Gott sei Dank ist er noch gesund und am Leben – versprochen, fragen Sie ihn danach, mündlich versprochen, aber trotzdem haben sie versprochen, dass sich die NATO nicht nach Osten ausweiten wird. Und was ist mit diesen Versprechen? Zwei Erweiterungswellen.

Simmons: Wo steht das geschrieben, wo wurde dieses Versprechen verankert?

Putin: Das haben Sie gut gemacht! Richtig, Sie haben den Dummkopf mit vier geballten Fäusten betrogen, wie man bei uns sagt. Man muss alles auf Papier festhalten. (Anm. d. Übers.: Das von Putin benutzte Sprichwort ist schwer zu übersetzen)

Aber wozu war es notwendig, die NATO nach Osten zu erweitern und die Infrastruktur näher an unsere Grenzen zu bringen? Und Sie sagen, dass wir uns aggressiv verhalten. Mit welcher Begründung? Stellte Russland auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine Bedrohung für die USA oder ein anderes europäisches Land dar? Wir haben freiwillig alle unsere Truppen aus Osteuropa abgezogen, direkt auf die grüne Wiese. Die Menschen in unserem Land litten, Militärfamilien lebten dort jahrzehntelang ohne normale Lebensbedingungen, auch für ihre Kinder. Uns sind enorme Kosten entstanden. Und was haben wir als Gegenleistung bekommen? Militärische Infrastruktur hier an unseren Grenzen. Und Sie sagen, dass wir jemanden bedrohen? Ja, wir führen regelmäßig Manöver durch, darunter auch Manöver, die für unsere Streitkräfte unerwartet sind. Warum sollte das unseren NATO-Partnern Anlass zur Sorge geben? Ich verstehe das einfach nicht.

Simmons: Aber jetzt würden Sie sich verpflichten, nicht mehr russische Truppen auf das souveräne Territorium der Ukraine zu schicken, ein separates Land?

Putin: Hören Sie mir zu, haben wir gesagt, dass wir unsere Truppen irgendwo hinschicken werden? Jetzt sagen Sie: Könnten Sie es jetzt machen? Wir halten Manöver auf unserem eigenen Territorium ab. Wieso ist das nicht verständlich? Ich sage es noch einmal und ich möchte, dass Ihre Zuschauer, Ihre Zuhörer an den Fernsehern und im Internet es hören: Wir haben auf unserem Territorium Manöver durchgeführt.

Stellen wir uns vor, wir würden unsere Truppen sehr nahe an Ihre Grenzen schicken, wie würden Sie reagieren? Das haben wir nicht getan, wir sind auf unserem eigenen Gebiet. Sie haben in Alaska Manöver abgehalten und Gott mit Ihnen! Aber Sie haben den Ozean in Richtung unserer Grenze überquert und Tausende von Soldaten und Tausende von Militärfahrzeugen mitgebracht. Und Sie meinen, dass wir uns aggressiv verhalten, aber Sie nicht. Hallo, geht´s noch?

Simmons: Okay. Nächstes Thema.

Beamte der Biden-Administration haben gesagt, dass Paul Whelan und Trevor Reed bei diesem Gipfel ausgetauscht werden. Das sind ehemalige US-Marines. Trevor Reid hat sich im Gefängnis mit dem Coronavirus infiziert. Wäre diese Geste des guten Willens Ihrer Meinung eine gute Geste?

Putin: Ich weiß, dass bei uns einige US-Bürger inhaftiert und verurteilt sind. Aber wenn Sie die Zahl der Bürger der Russischen Föderation nehmen, die in den Vereinigten Staaten im Gefängnis sitzen, ist das eine unvergleichbare Zahl. Die Vereinigten Staaten haben in den letzten Jahren die Praxis übernommen, russische Staatsbürger in Drittländern zu fangen, sie unter Verletzung allen internationalen Rechts in ihr Land zu verschleppen und zu inhaftieren.

Gleich, Sekunde.

Simmons: Wir haben einfach Zeitdruck. Aber wenn man uns mehr Zeit gibt, werden wir uns gerne unterhalten.

Putin: Okay. Hier bestimme über die Zeit, also keine Sorge.

Ihr Junge, der Marine, ist nur ein Säufer und ein Chaot. Er hat sich besoffen, wie wir sagen, er hat sich mit Wodka betrunken und hat eine Schlägerei begonnen, bei der er auch einen Polizisten geschlagen hat. Das ist nichts Besonderes, das ist alltäglich.

Was mögliche Verhandlungen über dieses Thema angeht, bitte, wir können darüber reden. Wir werden natürlich das Thema unserer Bürger ansprechen, die in den Vereinigten Staaten im Gefängnis sitzen. Das ist ein Gesprächsthema. Bitte sehr. Allerdings hat die US-Regierung das Thema nicht angesprochen, aber wir sind bereit, darüber zu sprechen.

Unser Pilot Yaroshenko sitzt bei Ihnen schon 15 oder fast 20 Jahre im Gefängnis. Auch dort scheint es sich um einen reinen Kriminalfall zu handeln. Müsste man drüber reden. Aber wir reden nicht darüber. Vielleicht ergibt sich ja eine Gelegenheit. Wenn die amerikanische Seite bereit ist, dieses Thema zu diskutieren, sind wir bereit, bitte.

Simmons: Wissen Sie, es schmerzt seine Familie, solche Worte zu hören, dass er ein Chaot ist. Ziehen Sie die Möglichkeit eines „Gefangenenaustausches“ in Betracht?

Putin: Was ist hier schmerzhaft? Er hat sich mit Wodka betrunken, eine Schlägerei angefangen und sich mit Polizeibeamten geprügelt. Was ist daran schmerzhaft? Das kommt vor im Leben, das ist nichts Schlimmes. Nun, das passiert auch unseren Männern: Sie trinken Wodka und geraten in eine Schlägerei. Na und? Er hat das Gesetz gebrochen und er wurde ins Gefängnis gesteckt. Aber in Ihrem Land würde er bei einer Schlägerei mit Polizeibeamten auf der Stelle erschossen werden und damit wäre die Sache erledigt, nicht wahr?

Simmons: Was den Gefangenenaustausch betrifft, könnten Sie erwägen, das während des Treffens mit Präsident Biden zu besprechen?

Putin: Natürlich. Noch besser wäre es, über die Möglichkeit des Abschlusses eines Abkommens über die Auslieferung von Personen zu sprechen, die sich im Gefängnis befinden. Das ist eine weltweit übliche Praxis, wir haben solche Vereinbarungen mit mehreren Ländern. Wir sind bereit, das auch mit den Vereinigten Staaten zu diskutieren.

Simmons: Ich möchte nur wissen, welche russischen Staatsangehörigen, die sich in den USA aufhalten, welche von ihnen wollen Sie nach Russland zurückholen? Namentlich.

Putin: Wir haben eine ganze Liste. Ich habe jetzt den Piloten Yaroshenko genannt, der aus einem Drittland in die USA gebracht wurde und dort eine ziemlich lange Strafe bekommen hat. Er hat große gesundheitliche Probleme, aber irgendwie schenkt die Gefängnisverwaltung dem keine Beachtung. Sie haben dem Coronavirus Ihrer bei Ihrem Bürger Aufmerksamkeit geschenkt, aber niemand erwähnt die Krankheiten unserer Bürger.

Wir sind bereit, diese Themen zu diskutieren. Mehr noch, ich denke, das wäre sinnvoll. Es gibt, wie Sie zu Recht sagten, und da stimme ich Ihnen völlig zu, Fragen humanitärer Natur. Warum nicht darüber reden? Es geht um die Gesundheit und das Leben von konkreten Menschen und deren Familien. Natürlich.

Simmons: Bevor ich zum nächsten Thema übergehe… Noch einmal zu Alexej Nawalny: Können Sie versprechen, dass er das Gefängnis lebend und gesund verlassen wird?

Putin: Hören Sie, das ist nicht die Entscheidung des Präsidenten, es ist eine Gerichtsentscheidung, jemanden freizulassen oder nicht freizulassen. Für die Gesundheit von Menschen, die sich in Haft befinden, ist die Verwaltung des Haftortes verantwortlich. Die medizinischen Einrichtungen in den Haftanstalten sind wahrscheinlich nicht im besten Zustand, in Einrichtungen dieser Art. Die Gefängnisbehörden sind diejenigen, die ein Auge darauf haben. Ich hoffe, sie tun das in angemessener Weise.

Um ehrlich zu sein, ist es schon lange her, dass ich an einem solchen Ort war, ich war einmal in St. Petersburg in so einem Ort und die medizinische Versorgung in Haftanstalten hat einen schlechten Eindruck auf mich gemacht. Aber ich hoffe, dass in der Zwischenzeit etwas getan wurde, um die Situation zu verbessern. Ich gehe davon aus, dass bei der von Ihnen genannten Person die gleichen Methoden angewandt werden, keine schlechteren, das kann man mit Sicherheit sagen, als bei allen anderen Personen in Haft.

Simmons: Sein Name ist Alexej Navalny. Sind Sie nicht bereit zu sagen, dass er aus dem Gefängnis entlassen werden wird?

Putin: Hören Sie mir gut zu. Er kann heißen, wie er will, er ist einer der Menschen im Gefängnis. Für mich ist er ein Bürger der Russischen Föderation, der von einem russischen Gericht verurteilt wurde und im Gefängnis sitzt, davon gibt es viele. Übrigens hat sich unsere so genannte Gefängnispopulation, also die Menschen, die im Gefängnis sind, in den letzten Jahren fast halbiert. Ich denke, das ist ein großer Sieg für uns und ein ernsthaftes Zeichen, dass unser Rechtssystem humaner wird. Es ist also nicht schlechter als bei anderen. Wir dürfen niemandem eine Ausnahmeregelung gewähren, das wäre falsch, alle sollten gleichgestellt sein, das nennt man „Meistbegünstigungsprinzip“, nicht schlechter als jeder andere. Und für die Person, die Sie erwähnt haben, gilt das auch.

Simmons: Danke für Ihre Zeit, Herr Präsident, wir waren zwei Wochen in Quarantäne, dies ist ein sehr wichtiges Interview für uns.

Ich möchte eine Frage zu China stellen. China arbeitet jetzt an seinem vierten Flugzeugträger, sie haben zwei, und Russland hat einen, und der ist im Moment nicht in Bereitschaft. China weigert sich, an Verhandlungen teilzunehmen, es hat sich letztes Jahr geweigert, über Rüstungskontrolle zu verhandeln. Sie beschweren sich über die NATO im Westen. Warum beschweren Sie sich nicht über Chinas Militarisierung im Osten?

Putin: Das erste, was ich sagen möchte, ist, dass wir in den letzten Jahren, in den letzten Jahrzehnten, eine strategische Partnerschaft mit China gebildet haben, wie wir sie in der Geschichte unserer Staaten noch nie erreicht haben. Ein großes Maß an Vertrauen und Zusammenarbeit, und zwar in allen Bereichen: in der Politik, in der Wirtschaft, in der Technologie und in der militärisch-technischen Zusammenarbeit. Wir meinen nicht, dass China eine Bedrohung für uns darstellt. Es ist ein freundliches Land. Es erklärt uns ja nicht zum Feind, wie es die Vereinigten Staaten getan haben. Wissen Sie davon denn gar nichts? Das ist das Erste.

Zweitens: China ist ein riesiges, mächtiges Land, eineinhalb Milliarden Menschen. Gemessen an der Kaufkraftparität hat Chinas Wirtschaft die der Vereinigten Staaten überholt. Beim Handelsumsatz mit Europa lag China im vergangenen Jahr auf Platz eins, die Vereinigten Staaten auf Platz zwei. Haben Sie das gewusst?

China entwickelt sich. Ich verstehe, dass sich eine Konfrontation mit China anbahnt. Wir sehen das alles. Jeder versteht das. Was gibt es hier zu verstecken und wovor sollte man Angst haben? Aber wir sind nicht ängstlich, weil wir denken, dass unsere Verteidigungsfähigkeit, wie wir sagen, auf einem sehr hohen Niveau ist, auch deshalb. Aber das Wichtigste sind der Charakter und das Niveau der Beziehung zu China.

Sie sagten, dass China vier Flugzeugträger haben wird. Wie viele Flugzeugträger haben die Vereinigten Staaten?

Simmons: Viel mehr.

Putin: Das ist es, wovon ich spreche. Warum sollten wir Angst vor China und seinen Flugzeugträgern haben? Zu allem Überfluss haben wir auch noch eine riesige Grenze zu China, aber es ist eine Landgrenze. Glauben Sie etwa, dass sie ihre Flugzeugträger durch unser Gebiet schicken werden? Und dass sie vier haben werden, das ist richtig.

Simmons: Sie haben dort auch eine Küste.

Putin: Was ist mit der Küste? Es mag zwar eine riesige Küstenlinie sein, aber die Hauptgrenze zu China verläuft im Landesinneren. Dass es vier Flugzeugträger gibt, ist eine gute Sache, denn einer wird gewartet, einer ist im Einsatz, einer soll repariert werden, und so weiter. Hier gibt es nichts überzähliges bei China.

Und was Sie sagten: China lehnt Gespräche ab – es lehnt Gespräche über die Reduzierung der Atomwaffen ab. Sie sollten die Chinesen fragen, ob das gut oder schlecht ist, das müssen sie selbst entscheiden. Ihre Argumente sind einfach und klar: Die USA und Russland sind China sowohl bei der Anzahl der Sprengköpfe als auch bei der Anzahl der Trägersysteme weit überlegen. Die Chinesen fragen zu Recht: „Warum sollten wir sie reduzieren, wenn wir sowieso kleiner sind als Ihr? Wir haben von allem weniger. Oder wollen Sie unsere nukleare Abschreckung einfrieren? Warum sollten wir sie einfrieren? Warum können wir, ein Land mit anderthalb Milliarden Einwohnern, nicht versuchen, zumindest Ihr Niveau zu erreichen?“ Dies sind kontroverse Fragen, die alle eine sorgfältige Abwägung erfordern. Aber die Verantwortung für Chinas Position auf uns abzuwälzen, ist lächerlich.

Simmons: Was denken Sie über die Art und Weise, wie China die nationalen Minderheiten in Xinjiang, die Uiguren, behandelt?

Putin: Wissen Sie, ich habe mich mit einigen Uiguren getroffen. Sie können immer Leute finden, die kritisch gegenüber der Zentralregierung sind. Aber ich habe mich bei meinen Besuchen in China mit Uiguren getroffen. Und ich versichere Ihnen, zumindest was ich mit meinen eigenen Ohren gehört habe, dass sie die Politik der chinesischen Regierung in dieser Hinsicht insgesamt begrüßen. Sie sind der Meinung, dass China viel für die Menschen in dieser Region getan hat, was die Wirtschaft, die Kultur und so weiter betrifft. Was kann ich also sagen, wenn ich die Situation von außen betrachte?

Simmons: Wirklich, Sie wissen, dass viele Uiguren das nicht sagen, dass Amerika China des Völkermordes beschuldigt hat und der Außenminister hat China des Völkermordes beschuldigt, eine Million Uiguren sind jetzt im Konzentrationslager. Und welche Botschaft möchten Sie in dieser Situation an die muslimische Gemeinschaft in der ehemaligen Sowjetunion senden?

Putin: Als Botschaft an die muslimische Gemeinschaft in Russland möchte ich die Politik der russischen Regierung schicken. Russland hat einen Beobachterstatus in der Organisation der Islamischen Konferenz. Wahrscheinlich haben wir 10 Prozent, oder sogar mehr, islamische Bevölkerung.

Das sind Bürger der Russischen Föderation, die kein anderes Vaterland haben. Sie leisten einen großen Beitrag zur Entwicklung unseres Landes. Das gilt für normale Bürger und das gilt für religiöse Autoritäten. Warum sollte ich mit diesem Teil unserer Bevölkerung mit Verweis auf die Situation in China diskutieren und Beziehungen aufbauen, ohne im Detail zu verstehen, was dort vor sich geht?

Ich denke, Sie sind besser dran, wenn Sie sich mit all diesen Fragen im Außenministerium oder im Außenministerium der Volksrepublik China melden.

Simmons: Es ist nur die Frage, ob Sie bereit sind, China zu kritisieren. Zum Beispiel enthielt sich China im Sicherheitsrat in der Krim-Frage und Chinas größte Banken unterstützen die US-Sanktionen nicht. Sie haben also 100-prozentige Unterstützung aus China, meinen Sie das?

Putin: Wissen Sie, wir sind Nachbarn, man kann sich seine Nachbarn nicht aussuchen. Wir freuen uns über das beispiellos hohe Niveau unserer Beziehungen in den letzten Jahrzehnten, wie ich schon sagte, und es ist uns sehr wertvoll. Wir schätzen es genauso wie unsere chinesischen Freunde, und das sehen wir auch. Warum versuchen Sie also, uns in Themen hineinzuziehen, die Sie für den Aufbau Ihrer Beziehungen zu China so einschätzen, wie Sie es tun?

Ich werde es Ihnen ganz offen sagen – darf ich offen sein?

Simmons: Ja.

Putin: Wir sehen die Versuche, die Beziehungen zwischen Russland und China zu zerstören, wir sehen das in der praktischen Politik. Und damit hängen auch Ihre Fragen zusammen.

Ich habe Ihnen meine Position dargelegt. Ich denke, das ist genug und ich bin sicher, dass die chinesische Führung, die die Gesamtheit dieser Probleme, einschließlich des uigurischen Teils der Bevölkerung, versteht und die notwendigen Lösungen finden wird, um sicherzustellen, dass die Situation stabil und zum Nutzen des gesamten Multi-Millionen-Volkes Chinas, einschließlich des uigurischen Teils, bleibt.

Simmons: Sie verstehen natürlich, dass ich Ihnen nur eine Frage zu Russlands Position gegenüber China und den Vereinigten Staaten stellen möchte. Ich frage mal anders: Spalten Sie sich vom US-Raumfahrtprogramm ab und gehen in Richtung China?

Putin: Nein, warum? Wir sind bereit, mit den USA im Weltraum zusammenzuarbeiten und ich glaube, der Leiter der NASA sagte kürzlich, dass er sich die Entwicklung von Weltraumprogrammen ohne eine Partnerschaft mit Russland nicht vorstellen kann. Wir begrüßen diese Aussage und halten sie in Ehren.

Simmons: Lassen Sie es mich erklären. Der Chef der russischen Raumfahrtbehörde drohte, dass sich Russland im Jahr 2025 aus dem internationalen Raumfahrtprojekt zurückziehen werde. Er hat über Sanktionen gesprochen, als er über diese Drohung gesprochen hat.

Putin: Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass Herr Rogozin, das ist der Nachname des Chefs von Roskosmos, irgendjemandem in dieser Hinsicht gedroht hat. Ich kenne ihn seit vielen Jahren und weiß, dass er ein Befürworter der Entwicklung von Beziehungen mit den Vereinigten Staaten in diesem Bereich, im Weltraum, ist.

Der Leiter der NASA sagte kürzlich, ich wiederhole es, das Gleiche. Ich persönlich unterstütze das sehr und wir haben über die Jahre sehr gerne zusammengearbeitet und ich bin bereit, das fortzusetzen.

Die Internationale Raumstation nähert sich aus technischen Gründen allmählich dem Ende ihrer Lebensdauer, daher hat Roskosmos vielleicht keine Pläne, diese Arbeit fortzusetzen. Aber soweit ich von unseren amerikanischen Partnern gehört habe, haben sie auch ihre eigenen Ansichten über die zukünftige Zusammenarbeit in diesem Bereich, aber insgesamt ist die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten im Weltraum, denke ich, ein gutes Beispiel dafür, wo wir es trotz aller Probleme in den politischen Beziehungen in den letzten Jahren geschafft haben, unsere Partnerschaft aufrechtzuerhalten, und wir schätzen sie auf beiden Seiten. Ich glaube, Sie haben den Leiter unserer Raumfahrtbehörde einfach falsch verstanden.

Ich möchte Ihnen versichern, dass wir daran interessiert sind, weiterhin mit den Vereinigten Staaten in diesem Bereich zusammenzuarbeiten und das auch tun werden, sofern unsere amerikanischen Partner sich nicht weigern, dies zu tun. Das heißt aber nicht, dass wir unsere Arbeit nur in den USA lokalisieren müssen. Wir arbeiten auch mit China zusammen und werden das auch weiterhin tun. Das gilt für alle Arten von Programmen, einschließlich der Erforschung des Weltraums. Ich denke, das ist nur positiv. Um ehrlich zu sein, sehe ich hier nicht einmal Widersprüche.

Simmons: Lassen Sie mich eine weitere Frage stellen. Ich möchte einfach die Beziehung zwischen China und Russland und Amerika verstehen. Wenn zum Beispiel die Chinesische Befreiungsarmee nach Taiwan einrückt, wie wird Russland darauf reagieren?

Putin: Wissen Sie etwa was von Chinas Plänen, das Taiwan-Problem militärisch zu lösen? Mir ist davon nichts bekannt.

Wie wir oft sagen, ist der Konjunktiv in der Politik irrelevant. Deshalb kann ich „was wäre wenn“ nicht kommentieren, wenn es nichts mit den Realitäten der heutigen Welt zu tun hat. Ich denke, das ist nur – seien Sie mir bitte nicht böse – eine Frage aus dem Nirgendwo. So etwas gibt es nicht. Hat China erklärt, dass es das Taiwan-Problem militärisch lösen wird? Bislang ist das nicht geschehen. Seit so vielen Jahren entwickelt China die Beziehungen zu Taiwan, es gibt unterschiedliche Einschätzungen: die USA haben ihre eigene, China hat seine eigene, Taiwan kann seine eigene haben. Aber Gott sei Dank ist es nicht zu einer heißen Phase gekommen.

Simmons: Mir wurde gesagt, dass es an der Zeit ist, zum Schluss zu kommen. Aber ich möchte Ihnen noch ein paar Fragen stellen.

Andrea Mitchell war diesen Monat in Syrien. Sie hat gesehen, wie Menschen leben… Sie sagen, dieser Grenzübergang wird im Juli geschlossen, der Sicherheitsrat hat darüber gesprochen. Warum tun Sie das, wo es doch zum Tod von Flüchtlingen führen wird?

Putin: Sehen Sie, leider gibt es dort schon viele Tragödien. Alle unsere Aktionen sollten darauf abzielen, die Situation zu stabilisieren, sie wieder auf Kurs zu bringen. Mit der Unterstützung Russlands hat die syrische Regierung die Kontrolle über mehr als 90 Prozent des syrischen Territoriums zurückgewonnen.

Und jetzt müssen wir einfach humanitäre Hilfe für die Menschen organisieren, unabhängig von jedem politischen Kontext. Aber unsere Partner im Westen, im vereinten Westen – sowohl die USA als auch die Europäer – sagen, dass sie Assad keine Hilfe leisten werden. Aber was hat das mit Assad zu tun? Helfen Sie Menschen, die diese Hilfe benötigen, geben Sie ihnen die grundlegendsten Dinge. Schließlich heben Sie nicht einmal wegen des Coronavirus die Sanktionen für medizinische Geräte und Medikamente auf. Das ist einfach unmenschlich. Nichts kann eine solch grausame Haltung gegenüber Menschen erklären.

Was diese Übergänge zur Lieferung von humanitärer Hilfe angeht: Es gibt das Gebiet Idlib, die Militanten plündern dort einfach alles, Menschen werden dort bis heute getötet und vergewaltigt und den Westen stört das nicht. Das Lager Al-Tanf, die Zone wird übrigens vom amerikanischen Militär kontrolliert. Kürzlich haben wir auch eine Gruppe von Banditen gefangen, sie kamen von dort und sagten direkt, dass sie eine bestimmte Aufgabe gegen russischer Militäreinrichtungen haben.

Was die Grenzübergänge betrifft, so ist unsere Position, dass wir die Hilfe, wie es überall auf der Welt der Fall sein sollte, wie es das humanitäre Völkerrecht vorschreibt, über die Zentralregierung leisten müssen und sie nicht diskriminieren dürfen. Wenn es Grund zu der Annahme gibt, dass die syrische Zentralregierung etwas stiehlt oder plündert, sollte das Internationale Rote Kreuz und der Rote Halbmond für die Überwachung zuständig sein. Aber ich glaube nicht, dass irgendjemand in der syrischen Regierung daran interessiert ist, irgendetwas von dieser humanitären Hilfe dort zu stehlen, man sollte das einfach durch die Zentralregierung machen lassen. Wir unterstützen Präsident Assad in diesem Sinne, denn die andere Art, sich zu verhalten, ist die Untergrabung der Souveränität der Arabischen Republik Syrien, das ist alles.

Was Idlib betrifft, so kontrollieren die türkischen Truppen dort de facto die Grenze zwischen Syrien und der Türkei und es gibt Konvois, die in unbegrenzter Zahl hin und her fahren.

Simmons: Ich weiß, dass es in Russland eine Verfassungsänderung gegeben hat: Sie können bis 2036 Präsident sein. Was denken Sie, je länger Sie an der Macht sind, desto länger es keinen Nachfolger gibt, kann es nicht passieren, dass ein Nachfolger gefunden wird, und dann bricht alles über Nacht zusammen?

Putin: Und was soll über Nacht passieren? Wenn man sich die Situation im Jahr 2000 ansieht, als Russland kurz davor stand, seine Souveränität und territoriale Integrität zu verlieren, war die Zahl der Menschen unterhalb der Armutsgrenze kolossal und katastrophal, das BIP stürzte ins Bodenlose, wir hatten 12 Milliarden an Devisenreserven und wir hatten Schulden in Höhe von 120 Milliarden Dollar.

Aber jetzt ist die Situation anders. Es gibt jetzt eine Menge Probleme, aber die Situation ist völlig anders. Eines Tages wird sicher eine andere Person meinen Platz einnehmen. Aber warum sollte alles zusammenbrechen? Wir haben den internationalen Terrorismus bekämpft und wir haben ihn Gott sei Dank mit der Wurzel entfernt. Soll das etwa wieder zurückkommen? Ich glaube nicht. Eine andere Sache ist, dass verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Ansichten auf der politischen Bühne auftreten können. Gut so.

Wissen Sie, ich habe mein ganzes Leben so sehr mit dem Schicksal meines Landes verbunden, dass es keine andere Aufgabe in meinem Leben gibt, die bedeutsamer ist als die der Stärkung Russlands.

Wenn ich also sehe, dass jemand, auch wenn er einigen Aspekten meiner Arbeit kritisch gegenübersteht, aber ich sehe, dass er ein Mensch ist, der konstruktive Ansichten hat und dem Land gegenüber loyal ist und bereit ist, nicht nur Jahre, sondern sein ganzes Leben auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern, unabhängig von seiner persönlichen Einstellung zu mir, werde ich alles tun, um Unterstützung für solche Menschen zu bekommen.

Irgendwann werden wir natürlich – das ist ein natürlicher Prozess, ein biologischer – alle ersetzt: Sie an Ihrer Stelle, ich an meiner. Aber ich bin sicher, dass die Grundlagen der russischen Staatlichkeit, der russischen Wirtschaft und des politischen Systems so beschaffen sein werden, dass sie auf ihren Füßen stehen und mit Zuversicht in die Zukunft blicken werden.

Simmons: Und jetzt sehen Sie diesen Mann an. Werden Sie von ihm die gleiche Art von Schutz erwarten, die Sie Präsident Jelzin zu seiner Zeit angeboten haben, dass er auch Sie schützen wird?

Putin: Ich denke nicht einmal darüber nach, das sind Fragen von geringer Bedeutung. Das Wichtigste ist das Schicksal des Landes und seiner Menschen.

Simmons: Ich verstehe.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, Herr Präsident. Ich weiß, es war schon ein langes Interview. Vielen Dank für das sehr interessante Gespräch.

Ende der Übersetzung

Die komplette Übersetzung des Interviews, das Putin der NBC vor dem Gipfeltreffen mit Biden gegeben hat

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