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Überwachung, Inland

Von wegen sicher verschlüsselt: Der Verfassungsschutz darf bei WhatsApp mitlesen

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Es wird immer wieder behauptet, dass Ende-zu-Ende verschlüsselte Messenger-Dienste wie „WhatsApp“ sicher seien. Wie (un-)sicher sie in Wahrheit sind, zeigt das Gesetz zur Anpassung des Verfassungsschutzrechts.

Der Gesetzentwurf „zur Anpassung des Verfassungsschutzrechtes“ wurde am Donnerstag mit der Mehrheit der Regierungsfraktionen im Bundestag angenommen. Dass dieses Gesetz in den „Qualitätsmedien“ praktisch nicht erwähnt wird, lässt tief blicken, denn das Gesetz bedeutet nichts weniger, als die totale Überwachung der Deutschen durch den Verfassungsschutz zu legalisieren. Was der Verfassungsschutz nun darf, war der feuchte Traum der Stasi. Aber wenn es um den Aufbau des totalen Überwachungsstaates in Deutschland geht, sind die „Qualitätsmedien“ ja traditionell ausgesprochen schweigsam, dabei wäre es ihre Aufgabe als kritische Beobachter der Regierung und als vierte Macht im Staat, gegen die Überwachung in Deutschland Sturm zu laufen.

Nach dem neuen Gesetz darf der Verfassungsschutz nun ganz legal auch Chats in Messenger-Diensten mitlesen.

Was das Gesetz „nebenbei“ bestätigt

Ich will auf das Gesetz hier nicht näher eingehen, daran dürfen sich andere Kollegen abarbeiten, zum Beispiel bei RT-Deutsch gab es dazu einen interessanten Artikel. Mir geht es um etwas anderes.

Uns wird immer gesagt, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp und anderen Messenger-Diensten sicher sei. Die Tatsache, dass das nicht so ist, sehen wir daran, dass der Verfassungsschutz nun ganz legal die Chats solcher Dienste mitlesen kann. Dass das technisch möglich ist, konnte man beim Anti-Spiegel schon im Juli 2020 erfahren, als ich berichtet habe, dass der spanische Geheimdienst die WhatsApp-Chats von Oppositionellen in Katalonien mitgelesen hat, die Details finden Sie hier.

Interessant ist, dass die „Qualitätsmedien“ solche Meldungen nicht thematisieren. Man muss sich fragen, warum sie vor ihren Lesern verheimlichen, dass die Geheimdienste des angeblich freien Westens ganz legal alles überwachen (können und dürfen), was in angeblich sicheren Chats besprochen wird. Privatsphäre und Datenschutz scheinen keine Anliegen der „Qualitätsmedien“ zu sein.

Es ist sogar noch schlimmer

Technisch scheint es so zu sein, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung tatsächlich sicher ist, die Geheimdienste wenden einen Trick an, der noch schlimmer ist. Sie schleusen einen Trojaner in die entsprechenden Handys oder Computer ein, auch bekannt als „Staatstrojaner“, der den Bildschirm des Gerätes mitlesen und so die Chatnachrichten erfassen kann, bevor sie abgeschickt oder nachdem sie empfangen worden sind. Das bedeutet im Klartext, dass die Geheimdienste nicht nur die Chats mitlesen können, sondern alles sehen (und speichern), was auf dem Bildschirm passiert.

Theoretisch gehen die Möglichkeiten dieser Viren noch weiter. Man kann so auch gleich den ganzen Speicher des Gerätes lesen und sichern, inklusiver persönlichster Daten, Passwörter und so weiter. Offiziell darf der Geheimdienst das nicht tun, aber wer soll das kontrollieren? Der Verfassungsschutz und andere westliche Geheimdienste verheimlichen vor der Politik, die sie angeblich kontrolliert, alles, was sie verheimlichen wollen. Und sie machen aus, was sie wollen.

Damit ist in der „besten Demokratie, die Deutschland je hatte“ eine Überwachung durch den Geheimdienst legalisiert worden, von der Stasi und Gestapo nicht einmal zu träumen gewagt haben.

Abhören ist für die „Qualitätsmedien“ kein Problem

Dass die „Qualitätsmedien“ sich längst damit abgefunden haben, dass der angeblich freie Westen insgesamt zu einem totalen Überwachungsstaat verkommen ist, konnten wir gerade erst wieder erleben, als der neue NSA-Abhörskandal bekannt geworden ist. Als Edward Snowden seinerzeit die totale Überwachung aller Menschen im Westen durch die NSA öffentlich gemacht hat, da war das noch ein Skandal, über den die Medien berichtet haben.

Inzwischen scheint man ihnen klar gemacht zu haben, dass die totale Überwachung im Westen kein Thema ist, über das sie ihren Lesern allzu viel erzählen sollen. Der neue Abhörskandal wurde von den Medien so schnell unter den Teppich gekehrt, dass viele Menschen wahrscheinlich nicht einmal von ihm gehört haben.

Bei der Pressestelle der US-Regierung in Deutschland, also beim Spiegel, gab es über den neuen Abhörskandal nur zwei kleine Artikel, einen am 30. und einen am 31. Mai. Danach war das Thema wieder vergessen.

So geht kritischer „Qualitätsjournalismus“ heute in Deutschland.

Von wegen sicher verschlüsselt: Der Verfassungsschutz darf bei WhatsApp mitlesen

Diskussionen

2 Gedanken zu “Von wegen sicher verschlüsselt: Der Verfassungsschutz darf bei WhatsApp mitlesen

  1. während in Belaruss Reporter aus extra dafür abgefangenen Flugzeugen gezerrt werden.
    Lange nicht mehr so gelacht.

    Gefällt mir

    Verfasst von Torben Schwurbel | 13. Juni 2021, 8:37
  2. Ein paar Dinge lassen sich sofort ändern…

    Wehren Sie sich gegen die großen Tech- und Medienkonzerne.

    https://reclaimthenet.org/free-speech-friendly-discord-alternatives/

    Gefällt mir

    Verfasst von RUI | 12. Juni 2021, 12:15

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