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Ausland, Europa

Ryanair-Landung in Minsk: Alle Jahre wieder: Der Spiegel, Chodorkowski und gefälschte E-Mails

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Es gibt Meldungen, die Mail mit der Bombendrohung sei erst nach der Umleitung des Ryanair-Fluges nach Minsk beim Flughafen eingegangen. Wie solche Meldungen zu Stande kommen, wollen wir an dem Spiegel-Artikel zu dem Thema analysieren.

Beim Spiegel ist ein Artikel mit der Überschrift „Interne E-Mail – Belarus drängte Ryanair-Jet zur Landung – schon vor Eingang der vermeintlichen Bombendrohung“ erschienen, an dem natürlich Christina Hebel, die Lügenbaronin des Moskauer Spiegel-Büros, mitschreiben durfte. Frau Hebel lügt manchmal so dreist, dass der Spiegel dann gezwungen ist, ihre Artikel still und heimlich umzuschreiben, wie ich hier aufgezeigt habe. Natürlich werden die Spiegel-Leser über die nachträglichen inhaltlichen Änderungen solcher Artikel nicht informiert.

In dem aktuellen Spiegel-Artikel wird dem Leser zunächst wahrheitsgemäß erklärt, dass der Ryanair-Flug gegen 12.30 Uhr in den weißrussischen Luftraum eingeflogen ist und sofort von der Flugsicherung über die Bombendrohung informiert wurde, die per Mail kurz zuvor beim Flughafen Minsk eingegangen sein soll. Dann kann man lesen (Link wie im Spiegel):

„Eine gute Viertelstunde später, um 12.47 Uhr, wechselt das Flugzeug den Kurs und fliegt Minsk an. So geht es aus einem Transkript des Gesprächs zwischen dem Piloten und den Fluglotsen des belarussischen Hauptstadtflughafens hervor, das das Verkehrsministerium des Landes veröffentlicht hat.“

Geschickt gemacht

Ich habe den Funkverkehr, den der Spiegel hier nebenbei verlinkt hat, übersetzt und die für Laien unverständlichen Abkürzungen erklärt, damit auch ein Laie verstehen kann, was Piloten und Flugsicherung besprochen haben, den Artikel finden Sie hier. Aus dem Funkverkehr geht eindeutig hervor, dass es keinen Druck von der Flugsicherung gab, in Minsk zu landen. Es war die freie Entscheidung der Piloten, die sich zuvor 17 Minuten lang parallel mit dem geplanten Zielflughafen Vilnius und mit Ryanair beraten haben, bevor sie die Entscheidung zur Landung in Minsk getroffen haben. Die MiG-29, die das Passagierflugzeug angeblich zur Landung gezwungen hat, wird nirgends erwähnt.

Natürlich haben die „Qualitätsmedien“ vergessen, über diesen Funkverkehr zu berichten oder ihren Lesern seinen Inhalt zu erklären. Die Verlinkung in dem Spiegel-Artikel führt zur korrekten Seite des weißrussischen Verkehrsministeriums, aber wer den Link anklickt, sieht nur kyrillische Schriftzeichen, die ein Deutscher gar nicht versteht. Erst wenn man weit runterscrollt, findet man auch den englischen Originaltext, den ein Laie aber nicht verstehen kann, weil all die Abkürzungen von Piloten und Flugsicherung kaum jemand ohne Erklärungen versteht.

Das hat der Spiegel geschickt gemacht, denn nun kann man ihm nicht mehr vorwerfen, die Veröffentlichung des Funkverkehrs zu verheimlichen, sie wurde ja in einem Nebensatz erwähnt und sogar der Link wurde korrekt gesetzt. Nur wird dem Spiegel-Leser eben nicht erklärt, was da eigentlich besprochen wurde.

Propaganda durch suggestive Formulierungen

Der Spiegel berichtet weiter, dass „oppositionelle belarussische Blogger Roman Protassewitsch“ nach der Landung in Minsk festgenommen wurde und fügt hinzu:

„Belarus‘ autoritärer Staatschef Alexander Lukaschenko steht wegen der erzwungenen Zwischenlandung unter massivem internationalem Druck. In einer Rede vor dem belarussischen Parlament am Mittwoch wies der Machthaber aber sämtliche Vorwürfe zurück. Er habe rechtmäßig gehandelt, um Menschen zu schützen, behauptete er. Belarus habe aus der Schweiz die Information bekommen, dass sich ein Sprengsatz an Bord der Ryanair-Maschine befinde.“

Hier kann man sehr schön sehen, wie die Leser des Spiegel durch suggestive Formulierungen unterbewusst in die gewollte Richtung beeinflusst werden sollen. Lukaschenko ist kein Präsident, sondern ein „autoritärer Staatschef.“ Die, wie der Funkverkehr eindeutig zeigt, freiwillige Landung der Piloten in Minsk, ist weiterhin eine „erzwungene Zwischenlandung“ und das, was Lukaschenko in seiner Rede gesagt hat, „behauptete er.“ „Behauptung“ ist ein negativ besetzter Begriff und suggeriert dem Leser, dass Lukaschenko lügt. Es wird also alles ganz bewusst so formuliert, dass der Leser negativ über Weißrussland denken soll.

Übrigens haben die westlichen Medien über die Rede Lukaschenkos aus gutem Grund keine längere Passagen zitiert, sondern alles so aus dem Zusammenhang gerissen, dass es eben zu „Behauptungen“ wird. Ich habe den Bericht des weißrussischen Präsidialamtes über die Rede übersetzt, Sie können hier nachlesen, was Lukaschenko wirklich gesagt hat.

Die E-Mail

Danach schreibt der Spiegel:

„Ein internes Dokument nährt indes erhebliche Zweifel an dieser Darstellung: Die E-Mail, die die vermeintliche Bombendrohung enthielt, ging am Sonntag erst um 12.57 Uhr auf einem Account des Flughafens Minsk ein – fast eine halbe Stunde nachdem die belarussische Flugkontrolle den Ryanair-Piloten auf einen vermeintlichen Sprengsatz an Bord hingewiesen hatte. Die E-Mail wurde dem Londoner »Dossier Center« zugespielt; der SPIEGEL konnte Inhalt und Zeitangaben einsehen.“

Der Spiegel zeigt kein Bild der Mail, er behauptet, habe sie einsehen können. Das klingt wichtig. Ich konnte sie auch einsehen und Sie können es auch, bitte schön.

Das Problem ist, dass ein solches Bild nichts beweist (und der Spiegel zeigt es seinen Lesern wohl genau aus diesem Grund nicht). Die Uhrzeit hängt davon ab, wo der empfangende Computer steht. Außerdem beweist ein solches Foto nicht die Echtheit der Mail, ich kann genauso ein Foto produzieren. Und auch der Text beweist nichts, denn den Text der Mail und auch die Tatsache, dass sie von einem Proton-Mail-Account gekommen ist, hat der Minsker Flughafen schon vor Tagen veröffentlicht.

Das bedeutet, diese gezeigte Mail kann echt sein, sie kann aber auch eine Fälschung sein. Wir wissen es nicht, wir sollen dem Spiegel und dem Dossier Center blind glauben. Aber man muss sich fragen, sind die glaubwürdig und vor allem, wer ist das Dossier Center?

Das Dossier Center

Das Dossier Center wurde von dem laut Europäischem Gerichtshof zu Recht verurteilten Betrüger Michael Chodorkowski gegründet und sein einziger Existenzzweck ist es, Putin zu bekämpfen. Chodorkowski finanziert so ziemlich jeden, der gegen Putin ist. Das ist natürlich sein gutes Recht, nur macht es ihn und seine NGOs (davon hat er neben den Dossier Center noch einige andere) eben nicht zu einer neutralen Quelle. Das aber erfährt der Spiegel-Leser nicht.

Stattdessen unterstützen die Medien Chodorkowski, der mit Millionenbeträgen eigene Medien in Russland finanziert, die seinen Krieg gegen Putin weiterführen (und das in Russland auch dürfen). Auch werden wir weiterhin im Westen kaum etwas davon hören, dass Chodorkowski Navalny und Pussy Riot mit finanziert oder dass er mit seinem Dossier Center in London auch schon mal versucht, sich in die europäische Politik einzumischen. Das prominenteste Beispiel in Deutschland dafür war 2019 der „Fall Frohnmaier.“

Das Dossier Center, der Spiegel und E-Mails

Es gab schon mal eine Geschichte, bei der das Dossier Center mit gefälschten E-Mails gearbeitet hat, das war der „Fall Frohnmaier.“ Damals haben der Spiegel und das ZDF auf Grundlage des Dossier Centers behauptet, ein AfD-Abgeordneter sei von Russland gekauft worden. Der einzige Beleg für den Vorwurf war eine E-Mail, die das Dossier Center „zugespielt“ bekommen hat. Nicht einmal das Dossier Center hat damals behauptet, sie sei echt, es hat auf Nachfrage mitgeteilt, nicht zu wissen, von wem sie gekommen ist. Aver das sie gefälscht war, war sehr leicht zu überprüfen. Die Details finden Sie hier.

Spiegel und ZDF haben die Geschichte schnell wieder begraben, als viele Leser und Zuschauer sich bei ihnen wegen der plumpen Manipulation beschwert haben. Und nun wieder das gleiche Spiel: Das Dossier Center bekommt eine Mail zugespielt, von der niemand weiß, ob sie echt ist, aber der Spiegel macht daraus eine Schlagzeile.

Die Verbindungen

Den Screenshot der Mail habe ich von einer US-Seite namens NEWLINES. Die Seite beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Themen aus dem Nahen Osten, auch deren Redakteure haben fast alle ihre Wurzeln dort. Gegründet und finanziert wird die Seite von der privaten Fairfax University of America. Interessant ist der Redakteur, der den Artikel mit dem Screenshot geschrieben hat. Sein Name ist Michael Weiss und er ist bei NEWLINES offensichtlich für anti-russische Propaganda zuständig, wie die Auflistung seiner Artikel dort zeigt. Und – oh Wunder – er ist auch für die Free Russia Foundation tätig, wie man dort ebenfalls lesen kann. Und die Free Russia Foundation wird von wem finanziert? Richtig: Von Michael Chodorkowski.

Vizepräsident der Free Russia Foundation ist Wladimir Kara-Mursa, von dem Anti-Spiegel-Leser schon einiges gehört haben, Details finden Sie hier. Kara-Mursa, der seit langem in den USA lebt, ist auch ein alter Bekannter von Chodorkowski.

Wie die leicht die Manipulation des Spiegel zu entlarven ist

In dem Spiegel-Artikel heißt es:

„Nach Informationen aus dem Umfeld des Flughafens Vilnius ging um 12.25 Uhr, kurz bevor das Flugzeug den belarussischen Luftraum erreichte, eine inhaltsgleiche E-Mail vom selben Account beim Airport der litauischen Hauptstadt ein.“

Wir erinnern uns: Lukaschenko hat in seiner Rede gesagt hat, dass die E-Mail zeitgleich bei mehreren Flughäfen eingegangen ist, kurz bevor das Flugzeug um 12.30 Uhr in den weißrussischen Luftraum eingeflogen ist. Minsk und Vilnius liegen in der gleichen Zeitzone und Vilnius bestätigt den Eingang der Mail genau zu dem Zeitpunkt, den Lukaschenko genannt hat.

Was ist überzeugender? Dass die Verfasser der Mail (wer immer sie sind) die Mail zu verschiedenen Uhrzeiten an die Flughäfen geschickt haben und sie erst an Minsk verschickt wurde, als das Flugzeug den weißrussischen Luftraum planmäßig schon wieder verlassen haben sollte? Oder dass Chodorkowski mal wieder eine Mail gefälscht hat, um das gewollte anti-russische Narrativ des Westens zu stützen?

Die Tatsache, dass der Flughafen Vilnius die Mail genau zu dem Zeitpunkt bekommen hat, wie auch der Flughafen Minsk, verschweigt der Spiegel. Offensichtlich setzt man beim Spiegel darauf, dass der Leser nicht mitdenkt, sonst würde das ganze in dem Artikel aufgebaute Lügengebäude zusammenbrechen.

Statt auf diesen Widerspruch zwischen der Mail in Vilnius und den Angaben Chodorkowskis hinzuweisen und das kritisch zu hinterfragen, beruft sich der Spiegel mal wieder blind auf Chodorkowski, der seine „Belege“ nachweislich gerne mal fälscht, als Quelle.

Die Tatsache, dass Vilnius die Mail genau zu dem Zeitpunkt bekommen hat, den auch Minsk gemeldet hat, zeigt, dass wir es hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder mal mit einer von Chodorkowski manipulierten Mail zu tun haben.

Alle Jahre wieder: Der Spiegel, Chodorkowski und gefälschte E-Mails

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Ryanair-Landung in Minsk: Alle Jahre wieder: Der Spiegel, Chodorkowski und gefälschte E-Mails

  1. Danke dafür. Lange nicht mehr so herzlich gelacht. 😀

    Und demnächst nimmt Erdogan bei einer Razzia auf der Suche nach kurdischen Terroristen „rein zufällig“ den mit internationalen Haftbefehl gesuchten Neonazi und Holocaustleugner Avocadolf Hildmann vom verganen NSU fest und liefert ihn an die BRD aus?

    https://www.der-postillon.com/2016/01/zum-schutz-russischer-burger-vermummte.html

    Gefällt mir

    Verfasst von Pavel | 30. Mai 2021, 15:19

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