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Inland, Medien

LZ-Redakteur und Mitgründer Norbert Nelte verstorben

von Jens Flöck

Ein Leben für wahren Marxismus und Ar­beiterräte – ein Nachruf auf Norbert Nelte

„Grenzen des Marktes“, „Todeszuckungen des Kapitalismus“, „Ende der kapi­talistischen Pro­duktion“ oder auch „Arbeiterrätedemokratie“ als eine rettende Alternative zum Kapitalismus in der Zukunft – er sprach dabei oft vom „Reich der Vernunft“ – waren Stichwörter, von denen der kürzlich am 17. Mai 2021 verstorbene Norbert Nelte in seinen Büchern, Vorträgen und Internetpodcasts stets sprach. „Flipper“, wie er von uns oft liebevoll genannt wurde, analy­sierte den Kapitalismus anhand von Karl Marx‘ Theorien, unter anderem der Theorie des ten­denziellen Falls der Profitrate sowie von Rosa Luxemburgs Theorie der „Schranke der Akku­mulationsbewegung“ und kam dabei grundsätzlich zum Schluss, dass das kapitalistische Wirt­schaftssystem an sein historisches Ende gelangt ist.

Für ihn war es selbstverständlich an der Zeit, dass der Kapitalismus von der in den Industrielän­dern überwiegenden Mehrheit der Be­völkerung, den normalen Lohnempfängern (Arbeiter wie Angestellte), abgelöst werden müsse durch ein System der Arbeiterrätedemokratie, ba­sisdemokratisch organisiert von unten. Es soll der Menschheit den Weg in eine freie Gesell­schaft ohne Unterdrückung und Ausbeutung weisen, in dem die Widersprüche des Ka­pitalismus aufgehoben sind und die Menschen ein­fach nur Menschen sind, ohne Unterteilung in Kapitalisten, Kleinbürger und Proletarier. Dies alles kann man ohne Um­schweife als sein Lebenswerk bezeichnen.

Mit Bü­chern wie „Marxis­tische Wirtschaftstheorie leicht gemacht“, „Das Kapital von Karl Marx leicht gemacht“, „Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes und die Todeszuckungen des Kapitalis­mus“ oder „Ge­schichte und Logik der Ar­beiterräte“ hinterließ er sein theoretisches Funda­ment der Nach­welt. Auch seine Analysen des „real existierenden Sozialismus“ als Staatskapi­talismus mit schonungsloser Kritik am totalitären Stalinismus waren außergewöhnlich.

Schon früh war Norbert Nelte politisch aktiv und schloss sich innerhalb der Studentenbewegung in den 1960er-Jahren der deutschen Sektion der Internationalen So­zialisten um Tony Cliff an. Er war lange Zeit einer der wichtigsten Mitglieder der Sozialistischen Arbeitergruppe (SAG). Seine Tä­tigkeit als Wirt­schaftlichkeitsrechner in einem Autozulieferer­betrieb, wo er auch Vertrau­ensobmann war, ließ ihn das kapitalistische Wirtschaftssystem durchschauen. Ebenso war er Sprecher der Anti-Atom-Bewegung in Hessen. Später gründete „Flipper“ eigene Initiativen der Internationalen Sozialisten vorwiegend in Köln sowie nach dem 11. September 2001 das Anti-Kriegs-Komitee „Kein Blut für Öl“. Leider blieben die Initiativen der Internationalen Sozialisten vorwiegend regional auf Köln beschränkt und nur wenig erfolg­reich.

Die letzten Jahre vor sei­nem Tod be­schränkte sich daher seine Tätigkeit als Autor für marxistische Ökonomie für die Linke Zeitung und seinen Blogs „Marktende“ und „Markten­denews“. Trotz des Schicksals seit Anfang der 2000er-Jahre wegen der Krankheit Multiple Skle­rose an den Rollstuhl gefesselt zu sein, verlor er nie den Lebensmut und arbeitete akribisch weiter an seiner Vision einer freien Gesellschaft. Manchmal auch nicht um bissige Kommen­tare verlegen erlebte ich Norbert Nelte als einen Ideengeber und Mentor zum Verständnis des Marxismus und zur Gestaltung einer neuen Welt jenseits von Kapitalismus und Ausbeutung. Sein Tod kam nicht ganz überra­schend und reißt dennoch eine Lücke. Sein Erbe soll dennoch helfen, die klassenlose Gesell­schaft irgendwann entstehen zu lassen. Dafür wird sein Name auch nach seinem Ableben künftig stehen.

Flippers Life

Ein Film über das Leben von Norbert Nelte

Diskussionen

Ein Gedanke zu “LZ-Redakteur und Mitgründer Norbert Nelte verstorben

  1. Donnernden Salut!

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    Verfasst von No_NWO | 29. Mai 2021, 13:17

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