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Ausland, Europa

Lukaschenko wirft dem Westen die Inszenierung des Vorfalls um die Ryanair-Landung vor

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Der weißrussische Präsident Lukaschenko hat am 26. Mai eine lange Rede vor den Parlamentariern des Landes gehalten und schwere Vorwürfe gegen den Westen erhoben. Ich habe seine Rede übersetzt.

Wie unglaublich dreist „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel lügen oder alles weglassen, was nicht ins Bild passt, schockiert immer wieder. Der Spiegel hat über Lukaschenkos Rede getitelt „Gekaperte Ryanair-Maschine – Lukaschenko verteidigt erzwungene Flugzeuglandung“ und schon die Überschrift ist eine Lüge, dazu kommen wir gleich noch. Wieder einmal ist es interessant, wie sich die Überschrift gewandelt hat, weil sie der Spiegel-Redaktion zunächst nicht propagandistisch genug war. Sie lautete zunächst sachlicher: „Belarus – Alexander Lukaschenko verteidigt erzwungene Flugezuglandung als rechtmäßig.“ Aber das war der Spiegel-Redaktion offenbar nicht reißerisch genug, man will ja ein Feindbild aufbauen und nicht die Leser informieren.

In dem Artikel lässt der Spiegel alle Informationen darüber, was Lukaschenko tatsächlich gesagt hat, weg. Ich bin von dem ehemaligen Nachrichtenmagazin schon einiges gewohnt, aber so konsequent war der Spiegel beim Weglassen nach meiner Erinnerung noch nie. Ich will das hier nicht weiter kommentieren, ich empfehle Ihnen einfach, nach der Lektüre von Lukaschenkos Rede den Spiegel-Artikel zu lesen, damit Sie selbst bewerten können, ob der Spiegel seine Leser umfassend informiert.

Lukaschenkos Kernaussagen

Lukaschenkos Rede und die anschließende Fragestunde waren lang. Im Gegensatz zum Kreml, der Putins Reden immer komplett transkribiert, ist das in Weißrussland nicht üblich. Da ich heute vom weißrussischen Fernsehen interviewt wurde, habe ich bei der Gelegenheit nachgefragt, ob ich zu blöd bin, die Transkripte zu finden, aber man sagte mir, dass die normalerweise nicht veröffentlicht werden. Die Seite der weißrussischen Präsidialverwaltung veröffentlicht stattdessen Berichte über Lukaschenkos Auftritte und Reden, also habe ich den Bericht der weißrussischen Präsidialverwaltung über seine heutige Rede übersetzt. Der Bericht ist lang und enthält natürlich trotzdem sehr ausführliche und interessante Zitate.

Für die deutschen Leser, die vielleicht noch nie eine Rede Lukaschenkos gehört haben, wird die Rede teilweise schockierend sein. Lukaschenko, der letztes Jahr vom IWF 900 Millionen im Gegenzug für das Ausrufen eines Lockdown angeboten bekommen und abgelehnt hat (Details finden Sie hier), spricht offen davon, dass es sich bei der Pandemie nur um das „Interesse der globalen finanziellen Ambitionen von irgendwem gehandelt“ habe. Er spricht schon lange offen aus, dass es bei der Pandemie nur um Geld und Macht geht, und dass die heftigen Angriffe, die der Westen seit Lukaschenkos Ablehnung des Lockdown gegen Weißrussland führt, nur damit zu tun haben, dass er „dem Herdentrieb nicht nachgegeben, sondern in erster Linie im Interesse der Menschen“ habe.

Er sagt auch, dass der Westen mit seinen Angriffen auf Weißrussland nur von der Unzufriedenheit der eigenen Bevölkerungen ablenken will, die im Lockdown „eingesperrt“ wurden. Und er weist darauf hin, dass die Welt erst beginnt, „die Folgen der Abschaltung von allem – Produktion, Bildung und Handel – zu erkennen.“ Lukaschenko deutet also an, dass wir die Folgen all der Lockdown-Maßnahmen noch gar nicht überblicken können und dass da noch sehr viel mehr kommt, als man im Westen bisher bekannt gibt.

Und natürlich spricht Lukaschenko von dem Ryanair-Flug. Und das ist ebenfalls interessant, denn ich habe gestern bereits den vom weißrussischen Verkehrsministerium veröffentlichten Funkverkehr übersetzt (Sie finden ihn hier) und man sieht darin ganz klar, dass es keinen Druck auf die Piloten gegeben hat, in Minsk zu landen. Diese Entscheidung haben die Piloten selbst getroffen, nachdem sie 17 Minuten mit ihrem Zielflughafen Vilnius und mit Ryanair gesprochen haben. Man muss davon ausgehen, dass ihnen am Ende dazu geraten wurde, nach Minsk zu fliegen. Da solche Funksprüche unverschlüsselt sind, vermute ich, dass Weißrussland wohl auch diese Funksprüche früher oder später veröffentlichen wird, dann wissen wir genaueres.

Außerdem sagte Lukaschenko, dass die Flughäfen Vilnius, Warschau und Lemberg sich geweigert hätten, die Ryanair-Maschine nach der Bombendrohung landen zu lassen, sodass nur Minsk als Flughafen übrig blieb. Auch das wird man noch überprüfen müssen.

Der Westen kann alle Aussagen und Vorwürfe Lukschenkos leicht widerlegen, indem er einfach den Funkverkehr veröffentlicht. Das tut der Westen aber nicht, nur Weißrussland hat das getan. Das bestätigt mich in meiner These, die ich am 25. Mai veröffentlicht habe, dass der Westen Lukaschenko eine Falle gestellt und den Oppositionellen Protasewitsch geopfert hat, um den Fall propagandistisch gegen Weißrussland auszuschlachten und als Vorwand für neue Sanktionen zu nutzen. Genau das passiert ja gerade und es ist nicht Lukaschenko, der von dem Vorfall profitiert, sondern der Westen, der Lukaschenko stürzen will.

Lukaschenko spricht offen von einem Krieg, den der Westen gegen Weißrussland (und Russland) führt und er begründet seine Aussage ausführlich. Und zuletzt beachten Sie noch, was Lukaschenko zum Ende seiner Rede über Europa und Eurasien sagt.

Damit genug der Vorrede, nun kommen wir zur Übersetzung von dem, was die weißrussische Präsidialverwaltung über Lukaschenkos Rede veröffentlicht hat.

Beginn der Übersetzung:

Am 26. Mai traf sich Präsident Alexander Lukaschenko mit Parlamentariern, Mitgliedern der Verfassungskommission und Vertretern der staatlichen Verwaltungsorgane im Ovalen Saal des Hauses der Regierung.

Das Staatsoberhaupt hat eine Erklärung abgegeben, woran sich eine ausführliche Diskussion anschloss.

Alexander Lukaschenko sagte, dass er es als Staatschef für seine Pflicht hält, gegenüber dem weißrussischen Volk und der internationalen Gemeinschaft seine Position zu den aktuellen Prozessen im Lande zu äußern und die Vektoren der zukünftigen Entwicklung auf der Grundlage der aktuellen Situation zu skizzieren.

„Wie wir vorausgesagt haben, haben die, die uns von außen und von innen schaden wollen, ihre Methoden für Angriffe gegen den Staat geändert. Sie haben viele rote Linien überschritten, haben die Grenzen des gesunden Menschenverstandes und der menschlichen Moral überschritten. Es handelt sich nicht mehr um einen Informationskrieg, sondern um einen modernen hybriden Krieg. Wir müssen unser Möglichstes tun, um zu verhindern, dass es zu einem heißen Krieg kommt.“, sagte Alexander Lukaschenko. „Sie können uns weder TNT (wurde von den Geheimdiensten in Weißrussland beschlagnahmt – Anm. d. Red.) noch die „Mankurts“ verzeihen, deshalb haben sie Angst vor neuen Enthüllungen in den Aussagen derer, die wir verhaftet haben. In naher Zukunft werden wir der Öffentlichkeit alles präsentieren, was sie gesagt haben, auch die Aussagen der kürzlich Festgenommenen.“ (Anm. d. Übers.: Das Wort „Mankurt“ musste ich auch nachschlagen, dabei handelt es sich um einen alten Ausdruck aus einer kirgisischen Legende für (Kriegs-)GefangeneFür alle, die davon nie gehört haben, sei noch auf den kürzlich vereitelten Putschversuch gegen Lukaschenko hingewiesen, über den westliche Medien kein Wort berichtet haben. Die Aussagen der Putschisten dürften interessant und sehr peinlich für den Westen werden.)

„Das ist der Grund, warum sie von der Organisation von Unruhen in die Würgephase übergegangen sind. Es wird nach neuen Schwachstellen gesucht, und das zielt nicht nur auf uns: Wir sind ein Testgelände für sie, ein Versuchsfeld, bevor sie in den Osten stürmen. Nachdem sie es an uns getestet haben, werden sie dorthin gehen“, bemerkte das Staatsoberhaupt.

Er bemerkte, dass einer der extremistischen Telegram-Kanäle, die im Ausland arbeiten, begonnen hat, gegen Russland zu arbeiten. Dies, so betonte der Präsident, zeige die wahre Absicht der westlichen Strategen.

Alexander Lukaschenko wies darauf hin, dass die weißrussische Regierung in erster Linie im Interesse der Menschen handelt und nicht aufgrund finanzieller Ambitionen von irgendjemandem. „Während des Jahres 2020 gab es einen noch nie dagewesenen Druck auf Weißrussland. Kein anderes Land der Welt hat es mit einem so vielschichtigen, geplanten Terror zu tun“, sagte das Staatsoberhaupt. „Warum haben sie sich auf Weißrussland gestürzt? Weil es nicht getan hat, was alle anderen getan haben, es hat dem Herdentrieb nicht nachgegeben, sondern in erster Linie im Interesse der Menschen und nicht im Interesse der globalen finanziellen Ambitionen von irgendwem gehandelt.“

Der Präsident stellte fest, dass die Welt erst beginnt, die Folgen der Abschaltung von allem – Produktion, Bildung und Handel – zu erkennen. „Nicht umsonst gibt es das Sprichwort, dass man über den Tellerrand hinausschauen, nach vorne schauen muss, wenn alle auf ihre Füße schauen. In einer Zeit, in der fast die ganze Welt abgeschaltet war, haben wir es geschafft, den Betrieb aller wichtigsten Systeme sicherzustellen und die Menschen nicht in die Enge zu treiben“, fügte Alexander Lukaschenko hinzu.

Das Staatsoberhaupt wies darauf hin, dass die Zeit gezeigt habe, dass die von der weißrussischen Regierung getroffenen Maßnahmen richtig waren. Die groß angelegte, harte Arbeit zum Schutz der Menschen geht heute weiter.

„Es ist offensichtlich, dass die westliche Gesellschaft in der Endphase der Pandemie nicht zufrieden mit der Art und Weise ist, wie die Pandemie abgelaufen ist, wie sie geschützt wurden, wie die Gelder im Westen verteilt wurden, wie die Impfungen durchgeführt werden. Kurz gesagt, wie die Menschen gerettet und behandelt werden. Deshalb ist es für den Westen wichtig zu zeigen, dass es keine besseren Beispiele gibt, wo man sich gegenüber den Menschen, ihren Rechte und ihrer Gesundheit besser verhält, als bei ihnen“, sagte der weißrussische Staatschef. „Es geht darum, von dem abzulenken, was dort geschieht. Unsere Position zur Pandemie ist eine für sie unerwünschte Erfahrung. Schließlich müssen sie sich vor ihren Bürgern für Lockdown und das Einsperren der Menschen verantworten. Vor allem, dass Weißrussland wirtschaftlich lebendig ist, steht ihnen bis zum Hals. Also greifen sie an.“

Alexander Lukaschenko stellte auch fest, dass der weißrussische Staat durch härteste Maßnahmen eine Welle des Neonazismus im Keim erstickt hat.

„Den Krieg der Weltbilder haben wir wahrscheinlich gewonnen. Wir haben die Welle des Neonazismus im Keim erstickt, indem wir härteste Maßnahmen ergriffen haben“, sagte Alexander Lukaschenko. „Sie wollen jetzt eine Revision. Ihr verlogener Glaube an die Rechtsstaatlichkeit ist wertlos vor dem Hintergrund der Versuche, den Nazismus zu rechtfertigen und die Geschichte umzuschreiben. Aber unsere Stärke liegt in der Wahrheit, während ihre Wahrheit sozusagen in ihrer Stärke liegt.“

Der Präsident betonte, dass die Weißrussen als Nation so weit gewachsen sind, dass sie die Wurzeln ihrer nationalen Identität sehen. „Sie wachsen aus dem Großen Sieg, als sich unser Volk dem Völkermord widersetzte. Jetzt haben wir dieses Thema aufgegriffen und ermitteln, wir verheimlichen nichts und präsentieren dem Volk die Täter. Wir werden uns nicht mehr schämen, wie zu Zeiten der Sowjetunion. Wir werden alles aufdecken, was hier passiert ist“, sagte das Staatsoberhaupt. „Unsere Maßnahmen zur Entlarvung von Verbrechern mögen denen, die ihre Gräueltaten rechtfertigen, übertrieben erscheinen. Aber diese Strategie ist lebenswichtig für das Land.“

Er stellte fest, dass Weißrussland ein starkes und unabhängiges Land mit besonderen, stolzen Menschen und einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit ist.

„Schauen Sie sich den beispiellosen Druck an, der auf dem Land lastet, wie sie uns aggressiv belehren, uns in die Schranken weisen, uns mit den schmutzigsten Methoden und Techniken provozieren wollen. Die ganze Eskalation auf Seiten des Westens ist ihr Neid, ihre Hilflosigkeit und ihre Wut über ihre Unfähigkeit, einen bewaffneten Staatsstreich in Weißrussland durchzuführen. Und es wird ihnen nicht gelingen. Wissen Sie, warum? Nicht, weil ich oder Sie, wir alle so tolle Typen sind, oder wir die besten Geheimdienste der Welt haben, obwohl das teilweise so ist. Sondern weil Weißrussland ein starkes und unabhängiges Land von besonderen, stolzen Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit ist“, sagte Alexander Lukaschenko.

Der Präsident betonte, dass der weißrussische Staat immer die Interessen des Volkes und jedes Menschen schützen wird, während jeder Versuch, das Wohl der Menschen zu zerstören, bekämpft wird. „Es gibt viel Geschrei über Diktatur. Worin zeigt sie sich? Darin, dass wir keinen Vandalismus und Missbrauch der staatlichen Symbole zulassen? Sollen wir die nationalen Grundlagen und Traditionen zerstören?“, fragte er. „Und in der Situation mit der lettischen Botschaft, deren gesamtes Personal ausgewiesen wurde, hat Weißrussland als souveräner Nationalstaat gehandelt, der das Recht hat, dies zu tun.“

(Anm. d. Übers.: Auch diese Geschichte ist im Westen unbekannt: Bei der Eishockeyweltmeisterschaft, die in Weißrussland stattfinden sollte, nun aber in Lettland stattfindet, haben der Bürgermeister von Riga und der lettische Außenminister am Montag die Staatsflagge Weißrusslands eingeholt und durch die weiß-rote Flagge ersetzt, die im Zweiten Weltkrieg die weißrussischen Kollaborateure der Nazis benutzt haben und unter der sich die im Ausland sitzende, vom Westen hofierte weißrussische Opposition versammelt. Über den Vorfall wurde in Deutschland kaum berichtet, hier finden Sie einen der wenigen Berichte darüber. Als Reaktion auf diese Vorfall hat Weißrussland das gesamte Personal der lettischen Botschaft des Landes verwiesen.)

Er kommentierte auch den Vorfall mit dem Flug Athen-Vilnius und verriet weitere Details. „Wie hätten wir handeln sollen, insbesondere vor dem Hintergrund einer Kaskade von Bombendrohungen gegen unsere Einrichtungen? Sie leben in Weißrussland, also wissen Sie: Jeden Tag gibt es Bombendrohungen gegen Schulen, Universitäten, Unternehmen und so weiter. Und Fluggeräte mit IP-Adressen aus Polen, Litauen und Lettland. In jedem Fall haben wir angemessen auf die erhaltenen Informationen reagiert“, sagte Alexander Lukaschenko.

Der Präsident stellte fest, dass im Fall des Fluges Athen-Vilnius die Nachricht über die Bombendrohung aus dem Ausland – aus der Schweiz – kam. Außerdem kam die Nachricht gleichzeitig auf den Flughäfen von Athen, Vilnius und Minsk an. Die weißrussische Seite hat der Besatzung des Flugzeugs die Information in Übereinstimmung mit den internationalen Regeln sofort mitgeteilt. „Weil das Flugzeug zu diesem Zeitpunkt die Grenze zu Weißrussland überquerte und sich in unserem Luftraum befand. Wir haben diese Information an die Piloten des Flugzeugs weitergegeben, mussten sie veröffentlichen. Ob es die Hamas war, oder nicht – das spielt heute keine Rolle. Die Besatzung hatte Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Wir hatten 123 Passagiere aus verschiedenen Ländern und sechs Besatzungsmitglieder in der Luft. Unser Atomkraftwerk befindet sich im Bereich des Fluges. In seiner Nähe hat das Flugzeug umgedreht. Aber man stelle sich vor… Hat uns Tschernobyl nicht gereicht? Und wie würden die USA in einer solchen Situation reagieren, angesichts ihrer traurigen Erfahrung?“, stellte das Staatsoberhaupt eine rhetorische Frage.

„Es geht überhaupt nicht und um diesen Kampfjet, der absolut gemäß allen Regeln in die Luft geschickt wurde. Es ist geht auch noch um etwas, worüber wir noch nicht gesprochen haben, nämlich dass auf meinen Befehl hin alle Schutzsysteme für das Kernkraftwerk, einschließlich der Flugabwehr, sofort in volle Alarmbereitschaft versetzt wurden. Meine offizielle Pflicht war es, Menschen zu schützen; meine Gedanken waren bei der Sicherheit des Landes. Und verstehen Sie eine einfache Sache: Wenn in dem Flugzeug eine Bombe gewesen wäre und die Terroristen den Wunsch gehabt hätten, es in die Luft zu jagen, hätten wir kaum helfen können. Aber ich konnte das Flugzeug nicht auf die Köpfe unserer Menschen fallen lassen. Und danach… Wir haben sie nicht vergessen… Diese beiden Jungs starben, als sie ihr Flugzeug von Wohnhäusern wegsteuerten. Geben Sie also nicht mir die Schuld. Ich habe rechtmäßig gehandelt und mein Volk beschützt. So wird es auch in der Zukunft sein“, betonte der weißrussische Staatschef. (Anm. d. Übers.: Lukaschenko spricht von einem anderen Flugzeugunglück, bei dem die Piloten gestorben sind, aber dank ihrer Handlungen keine Opfer am Boden zu beklagen waren.)

Alexander Lukaschenko wies darauf hin, dass es in solchen Notsituationen nur einen Algorithmus des Handelns gibt: sofortige Landung und Rettung der Menschen. „Wir haben in strikter Übereinstimmung mit den Flugsicherheitsvorschriften gehandelt. Dies wird von Fachleuten und Experten anerkannt. Aber die Entscheidung wurde nicht von uns getroffen. Gemäß allen Regeln und Anweisungen wird die Entscheidung vom Flugzeugkommandanten getroffen, und wir haben Hilfe angeboten. Der Flugzeugkommandant hat eine Viertelstunde lang nachgedacht, sich mit seinen Chefs beraten – das wissen wir – und mit den Mitarbeitern des Flughafens in Vilnius. Sollen sie die Daten veröffentlichen. Nicht wir müssen sie veröffentlichen. Stellen Sie sich das vor, in dieser Situation hat er 15 Minuten lang – vielleicht sogar noch mehr – telefoniert und sich beraten.“, bemerkte der Präsident.

Gleichzeitig bezeichnete der Staatschef das Vorgehen der Piloten als unlogisch. Nach all dem Nachdenken und den Telefonaten haben sie sich entschieden, in Minsk zu landen, als Vilnius nur noch 70 Kilometer entfernt war. Die weißrussische Seite habe nicht damit gerechnet, dass das Flugzeug sich für die Rückkehr entscheiden würde. „Und nun die wichtigste Frage: Warum wollte niemand das Flugzeug aufnehmen? Als wir über den Sprengstoff berichteten, wollten weder Vilnius, wohin er flog, noch Warschau, noch Lemberg oder Kiew das Flugzeug aufnehmen. Warum haben die Leute, die jetzt so leiden und heulen das Flugzeug nicht aufgenommen? Hatten sie Angst vor der Verantwortung? Oder wollte irgendjemand unbedingt, dass es in Minsk landet?“, fragte der Präsident.

Weißrussland wird vorgeworfen, einen Kampfjet geschickt zu haben, der das Passagierflugzeug zur Landung gezwungen haben soll. Alexander Lukaschenko erklärte, dass diese Andeutungen eine absolute Lüge sind. Die MiG-29 stieg in Übereinstimmung mit dem Algorithmus der Luftverteidigungskräfte und zur Gewährleistung der Sicherheit des Fluges auf. „Er durfte auf keinen Fall zulassen, dass das zivile Flugzeug mit Sprengstoff – so haben wir es wahrgenommen, bis wir es durchsucht haben – vom Kurs abweicht. Wenn plötzlich etwas passiert wäre, hätte die MiG-29 die Koordinaten an unsere Retter, vor allem Hubschrauber, übermitteln müssen, die sofort an der Absturzstelle des Flugzeugs hätten eintreffen müssen. Außerdem hätte dieses Flugzeug bei Bedarf die Kommunikation des zivilen Flugzeugs mit den Fluglotsen sicherstellen müssen. Und wenn, Gott bewahre, etwas passiert wäre und die Piloten Probleme bei der Landung gehabt hätten, hätte er das Flugzeug zur Landebahn des Flughafens in Minsk geleiten müssen“, erklärte das Staatsoberhaupt.

Gleichzeitig bemerkte Alexander Lukaschenko: der weißrussische Jäger startete erst, nachdem das Passagierflugzeug sich entschieden hatte, in Minsk zu landen und in Richtung der weißrussischen Hauptstadt zu drehen.

An die internationale Gemeinschaft gerichtet, betonte der Präsident, dass es keinen Sinn hat, Weißrussland erschüttern zu wollen.

„Wir müssen unser Land bewahren und es in einem normalen Zustand an unsere Kinder weitergeben. Wir dürfen unseren Kinder und Enkelkinder keine Probleme übergeben, wir müssen sie lösen. Darum hat die Zeit uns ausgewählt. Wir befinden uns an der Frontlinie eines neuen, nicht kalten, sondern bereits eisigen Krieges. Dem Druck des hybriden Krieges kann nur ein Staat widerstehen, der nicht nachgeben wird.“, sagte Alexander Lukaschenko. „Unsere Stärken sind unsere Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und unser Anstand. Aber sie sind auch unsere Verwundbarkeit, die sie für ihre eigenen Interessen nutzen. Aber ich appelliere an die gesamte Weltgemeinschaft: Es hat keinen Sinn, an Weißrussland zu rütteln!“, betonte der weißrussische Präsident.

„Wir haben uns längst von allen Schocks erholt, wir versuchen, uns zu entwickeln, haben Immunität gegen Schocks gewonnen. Straßenproteste sind schon deshalb unmöglich, weil die Menschen verstanden haben, worum es geht. Unser Bewusstsein ist in letzter Zeit stärker geworden. Das Gefühl der Würde des weißrussischen Volkes wird nicht zulassen, dass Terroristen und Extremisten uns manipulieren“, ist das Staatsoberhaupt überzeugt. „Die Emotionen haben sich beruhigt, die Menschen haben die Situation verstanden. Patriotische Organisationen – es gab sie schon, man könnte sagen, sie sind aufgewacht – und wirklich bissige Medien und Journalisten sind aufgetaucht. Sie begannen, nicht nur im staatlichen Fernsehen, sondern auch im Internet zu arbeiten, und zwar erfolgreich. Die Position des Staates wurde allen klar. Sie treten für die nationalen Werte ein, die dann in der Gesetzgebung verankert wurden“, sagte Alexander Lukaschenko.

Alexander Lukaschenko stellte auch fest, dass die Position der weißrussischen Nation in einer Reihe von Fragen prinzipieller geworden ist. Sicherheitslücken wurden geschlossen, der Schutz derjenigen, von denen Stabilität und Entwicklung abhängen, wurde verstärkt. Zudem erholt sich die Wirtschaft, Reallöhne und Renten steigen. „Nicht so schnell, wie wir es uns gewünscht hätten, aber das war nach der Raserei der Menschen auf der Welt aufgrund dieser Pandemie auch nicht anders zu erwarten. Aber denken Sie daran: Wir werden nie wieder hungern wie in den 90er Jahren“, betonte der weißrussische Staatschef.

Gleichzeitig warnte der Präsident alle vor Selbstgefälligkeit und Selbstverliebtheit: „Heute müssen wir noch schneller laufen, uns maximal mobilisieren!“

Er wies darauf hin, dass die West-Ost-Beziehungen im letzten Jahr auf den Tiefpunkt gefallen sind und in Weißrussland hohe Spannungen herrschen, die von den großen Ländern geschürt werden. „Sie versuchen, uns zu zerreißen und uns zu sich hinüberzuziehen. Aber es ist wichtig, durchzuhalten und dadurch stärker zu werden. Ich habe es schon oft gesagt: Souveränität und Unabhängigkeit sind teuer. Heute kann jeder Weißrusse den Preis unserer Unabhängigkeit angesichts der härteren Konkurrenz in der Welt spüren, nicht in Worten, sondern in Taten“, sagte Alexander Lukaschenko.

Der Präsident stellte fest: Es ist für die ganze Welt klar, dass eine mehrdimensionale, mehrstufige hybride Kriegsführung gegen Weißrussland entfesselt wird. „Der Zweck ist klar. Wer von der Dämonisierung Weißrusslands profitiert, wissen wir auch. Wir sind ein kleines Land, aber wir werden adäquat reagieren. Es gibt ähnliche Beispiele auf der Welt. Und bevor Sie voreilige und unbedachte Schritte unternehmen, denken Sie daran, dass Weißrussland das Zentrum Europas ist. Und wenn hier etwas aufflammt, wird das ein weiterer Weltkrieg.“, sagte er.

Der Präsident stellte fest: Weißrussland erwartet nicht, diesen Krieg zu gewinnen. Aber selbst wenn es allein bleibt, was nach Meinung des weißrussischen Staatschefs nicht passieren wird, ist das Ziel, dem Gegner einen inakzeptablen Schaden zuzufügen. „Das steht in den militärischen Dokumenten geschrieben. Deshalb sollte man es sich zweimal überlegen, bevor man in der Nähe unserer Grenzen mit den Waffen rasselt. Vernünftige Menschen verstehen, was hier passiert. Und ich frage diejenigen, die hinter dieser Provokation stehen: Verstehen Sie wirklich nicht, welche katastrophalen Folgen drohen? Sind Sie sich Ihrer Handlungen bewusst? Sie wissen doch, dass die Gerechtigkeit auf unserer Seite ist und man sich am Ende verantworten muss. Hören Sie auf!“, drängte das Staatsoberhaupt. (Anm. d. Übers.: Das ist keine Übertreibung, denn ebenfalls unbeachtet von den westlichen Medien haben polnische Kampfflugzeuge in den letzten Wochen mehrfach den weißrussischen Luftraum verletzt. Das war keine weißrussische Propaganda, Warschau hat sich für die „Versehen“ jedes Mal entschuldigt)

Alexander Lukaschenko erklärte, dass schwierige Zeiten bevorstehen. „Wir werden auf alle Sanktionen, Angriffe und Provokationen hart reagieren. Nicht, weil wir einen Kampf im Zentrum des Kontinents austragen wollen. Das wollen wir nicht, davon hatten wir schon genug. Sondern weil sie dort, im Westen, uns keine andere Wahl lassen“, sagte er.

„Irgendwelche Sanktionen, vorübergehende Schwierigkeiten, damit werden wir fertig, so wie bisher auch“, sagte der weißrussische Präsident.

Dabei betonte der Präsident, dass die drei Milliarden, die Weißrussland seit langem für Reformen versprochen werden, zum Beispiel nur ein Drittel der Kosten das neue Atomkraftwerk sind. Im Gegenzug fordern sie „Reformen“, deren Kern die Zerstörung der weißrussischen Wirtschaft ist. „Als Ergebnis werden wir eine Plünderung des Landes bekommen, bei der es an einem Tag verarmen wird“, sagte das Staatsoberhaupt.

„Wir müssen zusammenstehen und durchhalten. Wir müssen unseren eigenen Weg dahin gehen, wo man auf uns wartet. Dahin, wohin wir exportieren, wo wir uns wohlfühlen werden und wo die Türen für uns offen sind. Wir haben die Maßnahmen skizziert. Es geht um unsere Entwicklung.“, sagte Alexander Lukaschenko. „Im außenwirtschaftlichen Bereich ist heute alles gar nicht so schlecht, sogar ganz unerwartet gut. Wenn der Westen nicht unser Nachbar sein will, dann nicht. Wir werden die Sanktionen durch unser aktives Handeln in anderen Bereichen und auf anderen Märkten kompensieren. Wir werden das unaufhaltsam alternde Europa durch das schnell wachsende Asien ersetzen. Psychologisch ist unsere Gesellschaft bereit, Teil des neuen Eurasiens, sein Vorposten, zu werden.“

Er bemerkte, dass die Einheit des Volkes für die Menschen wichtig ist. „Wir sollten in der Lage sein, auf alle Veränderungen zu reagieren, ohne vom Kurs abzuweichen“, sagte das Staatsoberhaupt.

Er erklärte auch, dass „wir unter den Bedingungen handeln werden, die sich ergeben.“

Bei der Beantwortung der Fragen bemerkte der Präsident, dass Weißrussland weiterhin eine multi-vektorale Politik verfolgen wird, und das bedeutet nicht nur den Aufbau von Beziehungen mit dem Osten und dem Westen.

„Sie erinnern sich an unsere These: Unsere Multi-Vektor-Politik kommt von den wirtschaftlichen Interessen. Wir sind ein exportorientiertes Land, das ist nun mal so. Von dem, was wir produzieren, verkaufen wir deutlich mehr als wir verbrauchen. Deshalb diktiert die Wirtschaft unsere multi-vektorale Orientierung“, sagte Alexander Lukaschenko.

Gleichzeitig bemerkte der Präsident, dass einige Leute die These über die Multi-Vektor-Politik falsch verstehen, nach dem Motto, ein Vektor wäre der Westen, und der andere der Osten. „Die Multi-Vektor-Politik ist die Fähigkeit, in alle Richtungen zu handeln und nicht nur die vier Himmelsrichtungen zu berücksichtigen“, sagte er.

Alexander Lukaschenko betonte, dass Weißrussland und Russland als souveräne Staaten ein leistungsfähiges System der Beziehungen aufbauen können.

Der Präsident sprach auch über die Popularisierung der Staatssymbole, darunter über den Vorfall mit der Entfernung der weißrussischen Nationalflagge in Riga. Er merkte an, dass die Zeit nicht künstlich beschleunigt werden kann, wenn es um die Popularisierung von Staatssymbolen geht, aber Situationen wie in Riga provozieren eine Welle von Patriotismus und Respekt für nationale Symbole unter den Bürgern.

Alexander Lukaschenko sagte, dass der lettische Außenminister und der Bürgermeister von Riga die weißrussische Nationalflagge durch das weiß-rot-weiße Symbol ersetzt hätten, ohne überhaupt daran zu denken, wer davon profitiert, und die große Mehrheit der Letten unterstütze diese Aktionen nicht.

„Das sind die Momente, die ein Gefühl von Patriotismus und Loyalität in uns wecken. Wir werden zu Staatsbürgern, zu einem Volk.“, betonte das Staatsoberhaupt. Gleichzeitig bemerkte Alexander Lukaschenko, dass zum Beispiel an der gegenseitigen Ausweisung von Diplomaten aus den Botschaften von Weißrussland und Lettland nichts Gutes sei.

Das Staatsoberhaupt wies darauf hin, wie wichtig es ist, die Staatssymbole regelmäßig aktiv zu popularisieren. Es ist wichtig, dass die Menschen diese Symbole zu einem erschwinglichen Preis anschaffen können.

„Wir müssen dazu reifen. Wir müssen die Gleichgültigkeit ausrotten, wenn wir eine Nation, ein souveräner und unabhängiger Staat sein wollen. Wir müssen aktiver sein“, resümierte der weißrussische Staatschef.

Ende der Übersetzung

Und nun lesen Sie den zu Beginn dieses Artikels verlinkten Spiegel-Artikel. Fühlen Sie sich da gut informiert?

Es geht ja noch nicht einmal um die Frage, ob man Lukaschenko glaubt oder nicht. Der Spiegel kann all das ja als Lügen bezeichnen und widerlegen. Aber das tut er nicht, er verschweigt es stattdessen einfach.

Es zeigt sich wieder einmal:

Spiegel-Leser wissen weniger!

Lukaschenko wirft dem Westen die Inszenierung des Vorfalls um die Ryanair-Landung vor

Diskussionen

2 Gedanken zu “Lukaschenko wirft dem Westen die Inszenierung des Vorfalls um die Ryanair-Landung vor

  1. Haisenko ist schon vor zwei Tagen, mit weniger Information, aber mehr Erfahrung, zu denselben Schlüssen gekommen

    https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20211/erzwungene-landung-in-minsk-die-geschichte-stinkt/

    Heute schreibt er, der Wesetn müsse sich entschuldigen, er hat zwar Recht, aber was schert das diesen Westen ?

    Bezüglich Corona vertritt Lukaschenko keine Linke(Zeitung) Position.

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    Verfasst von zivilistin | 27. Mai 2021, 16:14

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