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Ausland, Europa

Wie in Russland über die Flüchtlingswelle in Ceuta berichtet wird

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

In Deutschland wurde in den letzten Tagen immer wieder über die Ereignisse in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika berichtet, die von Migranten regelrecht gestürmt wurde. Daher will ich zeigen, wie in Russland darüber berichtet wird.

In der Sendung „Nachrichten der Woche“ hat das russische Fernsehen am Sonntag einen Korrespondentenbericht aus der spanischen Exklave Ceuta gebracht. Die russische Korrespondentin Anastasia Popova war vor Ort und hat mit Einwohnern und Flüchtlinge gesprochen. Ich habe den Bericht des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Illegale haben ein neues Schlupfloch nach Europa gefunden

Ceuta ist eine spanische Enklave an der afrikanischen Küste von Gibraltar. Das kleine Gebiet von 18 Quadratkilometern ist durch eine Mauer mit Stacheldraht von Marokko getrennt. Tausende von illegalen Einwanderern stürmen die Enklave. Ihre Logik ist einfach: Wenn sie es bis Ceuta geschafft haben, sind sie automatisch auf dem Territorium Spaniens, werden offiziell zu Flüchtlingen und zu einem Problem der Europäischen Union. Die Spanier sind nicht sehr gastfreundlich gegenüber den ungebetenen Gästen.

Ein Bericht von unserer Europakorrespondentin Anastasia Popova.

Auf dem Höhepunkt des diplomatischen Konflikts zwischen Spanien und Marokko saßen die marokkanischen Grenzsoldaten auf ihren Stühlen und sahen seelenruhig zu, wie ein Tsunami von Menschen an ihnen vorbei nach Europa strömte. Nach zwei Tagen Chaos an der Grenze erhielten sie schließlich den Befehl, das „Ventil“ der Migration zu schließen. Sie setzten sofort Schlagstöcke ein. Die Antwort war ein Hagel aus Steinen. Am Abend wurde ein Scooter in Brand gesetzt. Im Morgengrauen versuchten die Menschen erneut, die Grenze zu überqueren. In kleinen Gruppen. Diejenigen, die es schafften, wurden vom spanischen Militär empfangen, die einen wurden ins Wasser geworfen, andere wurden mit Tränengas verjagt.

„Die Spanier haben mit Gummigeschossen und mit Gas auf uns geschossen, ich weiß nicht warum, sie haben geschossen, sie haben meine Tochter zurück gejagt, sie ist 13 Jahre alt. Das ist eine Schande, sie sollten sich schämen“, sagte eine der Migrantinnen.

Die Soldaten bewachen die Grenzmauer direkt am Strand, auch das militärische Gerät wurde nicht abgezogen. Die Zahl der Menschen, die bereit zum Durchbruch sind, hat spürbar abgenommen.

Aber auch über das Meer kommt eine große Welle, die Migranten warten auf die Nacht. In diesen Tagen gelang es 2.000 weiteren Menschen, nach Ceuta, diese spanische Enklave in Nordafrika, zu gelangen. Dazu mussten sie etwa 200 Meter um die Mauer schwimmen, die die Grenze darstellt. Da, auf der anderen Seite, ist Marokko, auf dieser Seite ist bereits Spanien.

Insgesamt sind etwa 8.000 Flüchtlinge in der Enklave, so genau hat sie niemand gezählt, aber es ist auf jeden Fall schon ein absoluter Rekord.

„Die Leute dachten, es sei eine Invasion, sie hatten Angst, die Menschen sind müde. Wir haben selbst eine hohe Arbeitslosigkeit in Spanien, mit der Krise, mit der Pandemie. Wie wird das für uns alle enden, wenn noch mehr Leute von woanders kommen?“, sagt ein Anwohner.

Nach dem Ausbruch der Pandemie hatten selbst Taxifahrer keine Kunden mehr, mehrere Monate lang haben die Menschen wegen Covid ihre Häuser gar nicht mehr verlassen. Die Ankunft von zusätzlichen 8.000 Menschen in einer Stadt mit 84.000 Einwohnern, auch wenn einige von ihnen bereits weggeschickt wurden, ist also immer noch sehr heikel.

„Diese Migranten schaffen nur Probleme, entschuldigen Sie, aber es ist so. Mir ist es egal, soll man mich doch dafür einen Rassisten nennen, aber sie schaffen nur Probleme. Mein Handy wurde mir aus den Händen gerissen, ich habe mir im April Fotos angeschaut, da haben sie mein Handy gestohlen. Und von ihnen sagen zu mir: Was willst du hier mit der spanischen Flagge, geh zurück in dein Land. Aber ich bin schon in meinem Land!“, entrüstet sich einer der Einheimischen.

Migranten überschwemmten die Straßen und Parks, schlafen im Gras oder auf Bänken, belästigten Passanten, betteln.

„In Marokko ist es schlechter, meine Eltern haben dort ein kleines Haus, es gibt nicht viel zu essen, hier sind die Leute besser, der Präsident ist gut“, sagt dieser Migrant. Dabei sind sowohl Marokko als auch Spanien königliche Monarchien und haben keine Präsidenten.

„Was haben Sie bei sich?“, frage ich einen der Flüchtlinge.

„Ich habe nichts, nur Allah“, antwortet er. Aber es gibt noch alle möglichen humanitären Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Regierungsorganisationen und das Rote Kreuz.

„Viele haben einen Sonnenbrand, viele waren zu lange im Wasser. Wir haben allen geholfen, haben sie mit sanitärer und humanitärer Hilfe versorgt, mit Masken, Ärzte haben Antikörpertests gemacht und geprüft, ob sie Krankheiten hatten, wir haben ihnen trockene Kleidung, Decken und Essen gegeben“, sagt Isabel Bracero vom Roten Kreuz.

Was die Ärzte besonders erstaunt, ist, dass sich unter den Flüchtlingen etwa 1.500 Kinder unterschiedlichen Alters befinden. Ein Offizier der spanischen Guardia Civil rettete ein Baby vor dem sicheren Tod, indem er ins Meer sprang und es aus dem Wasser zog. Die Jugendlichen werden nicht sofort abgeschoben, man versucht, ihre Eltern in Marokko zu finden.

„Zunächst müssen wir bei jedem von ihnen spezielle medizinische Verfahren durchführen, um ihr genaues Alter zu bestimmen. Polizeibeamte müssen jeden ins Krankenhaus begleiten und Röntgenaufnahmen machen. Das kostet alles eine ganze Menge Zeit und Geld“, sagte einer der Polizisten.

Und sie alle müssen regelmäßig auf Covid getestet werden. All diese Verfahren sind eine zusätzliche Belastung für das Gesundheitssystem und den Staatshaushalt.

So wurde Premierminister Pedro Sanchez diese Woche in Ceuta begrüßt. Einheimische meinen, dass der neue Migrations-Tsunami seine Schuld ist. (Anm. d. Übers.: Im Beitrag ist zu sehen, wie eine Menschenmenge das Auto des Premierministers angreift)

Die Regierung half heimlich einem Feind Marokkos, dem Generalsekretär der Frente Polisario, Brahim Ghali, der für die Unabhängigkeit der ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara von Marokko kämpft. Er erhielt einen falschen Pass und wurde in ein spanisches Krankenhaus gebracht, wo er wegen Covid behandelt wurde, wie der marokkanische Geheimdienst erfuhr. Rabat nahm Anstoß daran und beschloss, Spanien mit Flüchtlingen zu bestrafen. Die Europäische Union setzte für Madrid ein.

„Das Wichtigste ist jetzt, dass Marokko weiterhin Maßnahmen ergreift, um illegale Ausreisen zu verhindern, damit diejenigen, die nicht zum Aufenthalt berechtigt sind, effektiv und ordnungsgemäß abgeschoben werden. Die spanischen Grenzen sind europäische Grenzen. Die EU möchte die Beziehungen zu Marokko auf der Grundlage von Vertrauen und gemeinsamen Verpflichtungen aufbauen. Die Migrationspolitik ist ein Schlüsselelement in dieser Beziehung“, betont Ylva Johansson, EU-Kommissarin für Inneres.

Allerdings sind Migranten seit langem zu einer Waffe gegen die EU geworden, sowohl in den Händen der Türkei, die eine Vereinbarung mit Brüssel erreicht und 6 Milliarden Euro bekommen hat, um den Flüchtlingsstrom zu drosseln, als auch in den Händen von Marokko, wo dem Königshaus nahe stehende Experten offen warnen: Wenn nötig, können sie 100.000 nach Ceuta schicken.

Die Pandemie hat das Thema der Migranten überschattet, aber die Aussicht auf bald offene Grenzen und die durch das Virus verursachte Wirtschaftskrise haben zu einem starken Anstieg des Zustroms in die EU geführt.

In Marokko zum Beispiel ist die Armutsrate nach Schätzungen um das Siebenfache gestiegen. Seit Anfang des Jahres sind 4.500 Menschen auf die Kanarischen Inseln geflohen – doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gezwungenermaßen wurden die Menschen in den leeren Hotels untergebracht. Der Strom aus Libyen an die Küsten Italiens ist um 157 Prozent gestiegen.

Es gibt keine einheitliche europäische Lösung. Es gibt den Vorschlag, Migranten auf freiwilliger Basis solidarisch auf die Länder zu verteilen. Denjenigen, die sich weigern – Polen, Ungarn, die Slowakei und die Tschechische Republik – wird angeboten, für die Heimkehr der Migranten zu zahlen. Wenn sie das nicht innerhalb von 8 Monaten schaffen, müssen sie die Leute aufnehmen. Diese Bedingungen passen den Ländern nicht. Die so genannten Länder der zweiten Reihe – Deutschland, Belgien, die Niederlande und Frankreich – ziehen es vor, dass die Migranten in den Ländern der ersten Reihe bleiben, in denen sie die Grenze zur EU überschritten haben. Zypern, Malta, Griechenland, Italien und Spanien wollen aber nicht zu einem Flüchtlingslager werden, zumal diese Länder bereits wirtschaftlich am meisten unter der Pandemie gelitten haben.

„Früher gab es viele Touristen, aber jetzt gibt es niemanden mehr, die Geschäfte sind geschlossen, nichts arbeitet mehr, alles ist teurer geworden. Früher haben wir marokkanisches Gemüse für zwanzig Cent gekauft, jetzt sind 1,50 Euro. Alles verändert sich. Es gibt keine Arbeit. Es gibt Hilfe – 400 Euro, aber das reicht nicht, um die Miete, den Strom und die Rechnungen zu bezahlen“, klagt ein Spanier.

Spanien hat die Landgrenze zu Marokko zu Beginn der Pandemie geschlossen, auch für Grenzgänger. Im Allgemeinen leben die Grenzorte vom Handel, hier war er recht lebhaft, aber jetzt sind alle Geschäfte geschlossen, nichts arbeitet, es ist niemand da, das Leben ist buchstäblich eingefroren, natürlich ist das Leben viel schwieriger geworden. Die Läden sind mit Brettern vernagelt, sie stehen zum Verkauf, und an den Lagerhallen des ehemals riesigen Marktes fahren jetzt gepanzerte Mannschaftswagen der Armee vorbei.

Die Marokkaner, die diesseits der Grenze leben, haben eine erstaunlich schlechte Meinung über die jungen Leuten, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben illegal hierher durchschlagen: „Das Essen ist dort billig, die Mieten auch. Diese Jungs, die hierher geschwommen sind, sind selbst schuld, wenn sie nicht arbeiten, nicht kämpfen wollen, das Land schuldet ihnen nichts. Und für die Minderjährigen ist ihre Familie verantwortlich, sie muss auf sie aufpassen, sie nicht so einfach schwimmen lassen, die Eltern sind schuld. Wenn sie arbeiten wollten, würden sie Arbeit finden, aber sie schlafen den ganzen Tag, wollen nicht lernen, rauchen Haschisch, trinken Wein und wollen nach Europa gehen. Man kann Mechaniker, Elektriker lernen, aber sie wollen nicht, sie sitzen rum und sagen nur: abhauen, abhauen, abhauen, um dort Haschisch zu rauchen und rumzusitzen. Frankreich, Belgien – dort ist es das Gleiche. Sie gehen dorthin und es gibt große Probleme.

Und tatsächlich landen diese Jugendlichen in Frankreich in den benachteiligten Vorstädten, wo sie sich oft in kriminellen Kreisen wiederfinden, ein Problem, das durch das Wachstum des Islamismus noch verschärft wird. Aber es ist nicht einmal einfach, auch nur diejenigen zurückzuschicken, die verurteilt worden sind. Marokko hat diesmal ausnahmsweise ein paar tausend Menschen zurückgelassen. Eine andere Gruppe wartete den ganzen Tag in der prallen Sonne darauf, dass die marokkanischen Grenzbeamten sich herabließen, die Türen zu öffnen. Meistens werden all diese Flüchtlinge, sobald sie in der EU sind, zu einem Problem für die europäischen Regierungen, die noch keine Lösung für das Problem haben.

Ende der Übersetzung

Wie in Russland über die Flüchtlingswelle in Ceuta berichtet wird

Diskussionen

3 Gedanken zu “Wie in Russland über die Flüchtlingswelle in Ceuta berichtet wird

  1. Warum gibt es keine Einwanderer in Russland?

    Gefällt mir

    Verfasst von Michail | 27. Mai 2021, 23:26
  2. Sehr guter zutreffender Bericht.

    Gefällt mir

    Verfasst von Pablo Hanore Herrera | 24. Mai 2021, 22:39
  3. Das ist ja Das was man den durchaus bedauernswerten Menschen
    sagen muß:: Warum kämpft Ihr nicht in Euren Lande für vernünftige
    Verhältnisse!?
    Die Antwort ist einfach:: Sie wollen nicht! Sie wollen nicht in Ihrem Lande,
    geschweige denn in den Ländern, wo es Sie hinzieht!
    Sie höhren auf die Propaganda Ihrer Landsleute, Die sagen, in vielen
    Europhäischen Ländern, brauchen Sie nicht Arbeiten und bekommen
    noch Geld dafür.auch wenn Sie nicht Arbeiten dürfen!
    Die Krankenversorgung ist auch gewährleistet und Ihre Nahrung ist
    auch gesichert.!
    Und wenn Sie mal strafrechtlich auffallen, na und ,die Gefängnisse
    sind im Gegensatz zu den Ihren, die reinsten Wellnessplantagen.

    Auf der Anderen Seite aber muß man sagen, das Wir Mitteleuropäer
    eine Große Mitschuld an den Verhältnissen, gerade in Afrika haben !
    Jetzt bekommen Wir das was Wir Gesät haben, in Form der Überflutung
    von Flüchtlingen zurück!
    Deshalb bin ich für eine Verpflichtung Unserer Politiker, mindestens
    Einen dieser Flüchtlinge in Ihrer Heimstatt aufzunehmen und für eine
    vernünftige Unterbringung und Versorgung zu sorgen!

    Gefällt mir

    Verfasst von wolfgang fubel | 24. Mai 2021, 11:57

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