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Ausland, Russland

Wie das russische Fernsehen über die Eskalation zwischen Israel und den Palästinensern berichtet

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Da sich die Medienberichte in Russland und Deutschland oft stark unterscheiden, habe ich einen Beitrag der russischen Abendnachrichten vom 15. Mai über die Eskalation in Israel übersetzt.

Anti-Spiegel-Leser wissen, dass das russische Fernsehen oft völlig anders berichtet, als das deutsche Fernsehen. Da derzeit die Eskalation in Israel weltweit die Schlagzeilen beherrscht und ich gefragt werde, wie in Russland darüber berichtet wird, habe ich den Bericht des russischen Nahost-Korrespondenten Evgeni Poddubnyi aus den Abendnachrichten des russischen Fernsehens vom 15. Mai übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

In der palästinensischen Enklave finden reihenweise Beerdigungen statt. Täglich fallen Dutzende Bewohner des Gazastreifens den israelischen Angriffen zum Opfer. Wohngebäude und Bürogebäude werden beschossen. Die israelische Armee zerstört absichtlich Hochhäuser im Zentrum von Gaza. Die Liste der eingestürzten Türme umfasst Al-Shuruq, Al-Jawhara und Al-Hanadi. Und heute ist das internationale Medienzentrum eingestürzt. Jüdische Flugzeuge haben den Komplex getroffen, in dem weltweite und arabische Medien untergebracht waren.

Die israelische Armee rechtfertigt sich: Angeblich war in dem Gebäude eine militärische Einrichtung der Hamas. Aber die Organisation ist seit 2007 die regierende Kraft in Gaza, und es wäre seltsam, wenn Strukturen der Regierung von Gaza nicht in den Bürozentren der Enklave angesiedelt wären.

Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte erhöhen täglich den Einsatz und zerstören methodisch die zivile und militärische Infrastruktur der palästinensischen Enklave, während die politische Führung der Hamas ihre militärischen Möglichkeiten bereits ausgeschöpft hat. Alle israelisch-palästinensischen Vermittler haben über diplomatische Kanäle aus Gaza erfahren, dass die Bewegung zu Verhandlungen bereit ist, sobald Tel Aviv seine aggressiven Aktionen einstellt. Offenbar gibt die Hamas der israelischen Führung die Gelegenheit, die Pläne für eine Bodenoperation aufzugeben, ohne das Gesicht zu verlieren. Die Frage ist: Will Israel eine solche Gelegenheit?

Die Hamas antwortet auf die israelischen Angriffe weiterhin mit wahllosen Raketenangriffen auf jüdische Städte. Der militärische Flügel der Bewegung setzt auch Kamikaze-Drohnen ein. Dabei konnten Gazas Artilleristen die israelische Raketenabwehr teilweise überwinden. Knapp die Hälfte aller in den letzten 24 Stunden auf Israel abgefeuerten Raketen haben ihr Ziel erreicht.

Die offizielle Reaktion der islamischen Länder in der Region auf die israelischen Schläge ist noch eher verhalten. Dafür protestieren palästinensische Flüchtlinge im Libanon, in Jordanien und Syrien aktiv und versuchen sogar, Israels Grenzgebiete anzugreifen. Die libanesische Armee ist zum Beispiel gezwungen, Straßen im Süden zu blockieren, um zu verhindern, dass palästinensische Aktivisten erneut den Norden Israels angreifen.

Im Westjordanland marschierten Kämpfer der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, dem bewaffneten Flügel der Fatah, mit Waffen in der Hand durch die Straßen von Jenin. Sie riefen die Bewohner der Autonomie auf, ihren Kampf gegen die israelischen Sicherheitskräfte zu verstärken. Unter dem Einfluss der Eskalation sind radikalisierte Kämpfer zurück auf den Straßen der Städte im Westjordanland. Es ist schon jetzt klar, dass die Regierung der Westbank irgendwie auf die Konfrontation zwischen Gaza und Tel Aviv muss.

Ende der Übersetzung

Wie das russische Fernsehen über die Eskalation zwischen Israel und den Palästinensern berichtet

Diskussionen

3 Gedanken zu “Wie das russische Fernsehen über die Eskalation zwischen Israel und den Palästinensern berichtet

  1. Der Autor hätte dem hierzulande als Reich des Bösen dargestellten Russland einen Gefallen getan, wenn er diesen Fernsehbericht nicht übersetzt hätte. Im Bericht heißt es – so seine Übersetzung – „Jüdische Flugzeuge haben den Komplex getroffen“. Das waren keine „jüdischen“ Flugzeuge, sondern bestenfalls „zionistische“. Diese Verwechslung könnte als ein unbeabsichtigter Fehler eingestuft werden. Alleine die unbestreitbare Tatsache, dass der im Zarenreich herrschende Antisemitismus, den bei Bedarf zu instrumentalisieren sich auch der „Genosse“ Stalin nicht schämte, ein wesentlicher Faktor für die Entstehung des jüdischen Nationalismus („Zionismus“ )war, sollte jedoch hellhörig werden lassen. Es gibt leider keinen Grund zu glauben, dass Judenfeindlichkeit („Antisemitismus) unter der russischen Bevölkerung ausgestorben sei. Eine aufgeklärte und progressive Position zur Palästina/Israel-Frage sollte hingegen unbedingt auf dem grundlegenden Unterschied zwischen „Juden“ (sei der Begriff religiös oder „ethnisch“ oder wie auch immer definiert) und „Zionisten“ (eine – wie zahlreich auch immer – politische Strömung unter Juden) bestehen. Dass die offizielle russische Politik (die unter Stalin wohlgemerkt die Gründung des zionistischen Siedlerstaates auf dem Boden der an den antijüdischen Verbrechen des „christlichen Abendlandes“ unschuldigen Palästinenser mitgetragen hat) seit langem – wohl primär aus geostrategischen Gründen – eine vergleichsweise pro-palästinensische Linie verfolgt, ist zu begrüßen

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    Verfasst von A.Holberg | 17. Mai 2021, 10:24
    • Na ja, jederzeit wird ohne Anfechtungen von „russischen Flugzeugen“ oder „deutschen Panzern“ geschrieben, ohne daß unterschieden wird zwischen dem jeweiligen Volk und seiner Regierung. Gemeint ist schlicht das Militär des jeweiligen Staates. Sie heißen immerhin Deutschland und Rußland, also Staat der Deutschen bzw. Staat der Russen. Beim zionistischen Gebilde soll das nun anders sein, obwohl es sich ausdrücklich als „jüdischer Staat“ versteht, obwohl es sich Israel und nicht Judenland nennt. Hier ist man sofort Antisemit, wenn man mit den gleichen begriffen operiert, mit denen man sämtliche anderen Staaten bezeichnet.

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      Verfasst von LZ | 17. Mai 2021, 11:27
      • Die „Fehler“ der hiesigen Propaganda sollten doch kein Grund sein, sie zu kopieren, oder? Und: natürlich halte ich Thomas Röper keineswegs für einen „Antisemiten“. Seine Arbeit schätze ich im Allgemeinen durchaus. Dass die Zionisten ihre Position – unbegründeter Weise – mit „den“ Juden gleichsetzen, ist bekannt und ein durchsichtiger Trick. Wir sollten nicht darauf reinfallen.

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        Verfasst von A. Holberg | 18. Mai 2021, 10:54

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