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Ausland, Welt

Die Bildung wurde in der Pandemiezeit dem Chaos preisgegeben Teil 4

von http://www.tkp-deutschland.com

53.
Wie in allen kapitalistischen Ländern befindet sich auch unser Land im Zuge der Pandemie in einer ernsthaften Bildungskrise. In dieser Periode nahmen die Ungleichheiten in der Bildung zu Ungunsten der Kinder von Arbeiterfamilien zu und das Recht von Millionen von Schülern*innen auf Zugang zu Bildung, geschweige denn zur qualifizierten und wissenschaftlichen Bildung, schwand dahin. Während alle Schüler*innen in unserem Land seit März vollständig der Schule fernbleiben müssen, sind Millionen von ihnen praktisch aus dem Bildungssystem rausgefallen

54.
Seit der Bekanntgabe des ersten Falls in der Türkei sind etwa zehn Monaten vergangen, in dieser Zeit konnten bzgl. der Eröffnung von Schulen kein Fortschritt erzielt werden. Die Schulen sind heute noch -nimmt man die Studierenden heraus- für etwa 20 Millionen Schüler*innen geschlossen, und das Ministerium für nationale Bildung (MEB) unternimmt keine Anstrengungen, sie für den Präsenz-Unterricht zu öffnen. Das MEB behandelt die Epidemie so als wäre sie ein normaler Prozess, und überlässt die staatlichen Schulen, deren Schüler*innen sowie die an diesen Schulen arbeitenden Erzieher *innen völlig ihrem Schicksal. Das alleinige Anliegen des MEB zu dieser Zeit schien die reibungslose Fortsetzung der Geschäfte von Privatschulen zu sein.

55.
Schulen sind nicht nur Einrichtungen, in denen Bildung angeboten wird; sie bieten auch Strukturen, in denen Schüler mit ihren Altersgenossen und ihren Lehrer*innen interagieren, ihre körperliche und geistige Entwicklung sicherstellen, zum Teil ihre Ernährungsbedürfnisse befriedigen, psychologische Unterstützung erhalten, zudem Schutz vor negativen Einflüssen in ihrem sozialen und familiären Umfeld erhalten. Die Schließung der Schulen führt dazu, dass für Zehntausende von Schüler*innen diese Schutzmechanismen ausfallen. Dieser Prozess führt dazu, dass benachteiligte Kinder mit besonderen Bedürfnissen mehr von der Bildung ausgeschlossen werden und die Ungleichheit in der Bildung zu ihren Ungunsten zunimmt.

56.
Der Zugang unserer Kinder zum Fernunterricht, der den Präsenzunterricht während der Pandemiezeit ersetzt hat, unterscheidet sich je nach Klassenzugehörigkeit ihrer Familien. Öffentliche Schulen nutzen im Fernunterricht hauptsächlich das EBA-System, das die Infrastruktur des Ministeriums für nationale Bildung darstellt, während Privatschulen andere Medien und unterstützende Strukturen nutzen. Schüler*innen der öffentlichen Schulen, die nicht über die erforderlichen Geräte und ausreichenden Internetanschlüssen verfügen, sind während des Fernunterrichts benachteiligt. Die Mehrheit der Schüler*innen, die irgendwie den Zugang finden, verlassen nach einer Weile wegen der niedrigen Qualität der vom Ministerium bereitgestellten Inhalte sowie der technischen Probleme der EBA und des Live-Unterrichtssystems den Fernunterricht.

57.
Das Ministerium gab die Nutzungsdaten des Fernunterrichts EBA für den Zeitraum vom 23. März bis 11. Dezember bekannt. Diesen Daten zufolge betrug die Anzahl der Schüler, die eba.gov.tr pro Monat besuchten, im März ungefähr 7 Millionen, und im November ca. 10 Millionen. Wenn man bedenkt, dass im November jedoch ca. 18 Millionen Schüler*innen in dem System eingeschrieben waren, zeigen diese Zahlen, dass ungefähr 8 Millionen Schüler*innen das EBA-System noch nie betreten haben. Völlig unbekannt ist, wie viele Schüler*innen, die nicht an der EBA-Bildungsplattform partizipieren können, ob sie wenigstens der EBA-TV folgen, mit ihren Lehrern kommunizieren oder ob sie Unterstützung von ihren Familien oder Verwandten in Bezug auf ihre Bildung erhalten.

58.
Kinder, die während der Pandemiezeit nicht in Präsenz unterrichtet wurden, sind mit Problemen wie Inaktivität, Ernährung, Schlaf und verstärkter Bildschirminteraktion konfrontiert. Darüber hinaus gehen Experten davon aus, dass die negativen Auswirkungen sozialer, emotionaler, psychologischer und erzieherischer Probleme, die Kinder aufgrund ihrer Abwesenheit von der Schule haben, in der kommenden Zeit möglicherweise deutlicher sichtbar werden.

59.
In dieser Zeit nahmen die Arbeitsbelastung, der Druck und die Ausbeutung der Privatschullehrer*innen zu. Viele Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen der Privatschulen wurden in den unbezahlten Urlaub geschickt, mussten trotz ihrer Vollzeitstelle sich mit Kurzarbeitsgeld begnügen oder das Auslaufen-Lassen ihrer befristeten Verträge hinnehmen. Der Fernunterricht hingegen wird an staatlichen Schulen dazu genutzt, den Weg für flexible Arbeitsbedingungen zu ebnen. Trotz aller Hingabe und Bemühungen der Lehrer*innen, die Bildung der Kinder fortzusetzen, werden sie zum Sündenbock für das Chaos in der Bildung gemacht.

60.
Während der Pandemiezeit sind die Häuser zur Schule für die Kinder und zum Büro für die sich im Home Office befindenden Eltern geworden. In dieser Zeit müssen die werktätigen Familien einerseits mit den verheerenden Auswirkungen der Pandemie auf ihre Arbeit, ihr Einkommen und auf ihre Gesundheit fertig werden. Andererseits müssen sie sich mit den durch die Ungleichheiten in der Bildung entstandenen Zukunftssorgen für ihre Kinder beschäftigen. Da das Risiko für die ältere Bevölkerung während der Pandemie höher ist, war es für sie nicht möglich, Unterstützung von den Großeltern für die Betreuung der Kinder zu erhalten. Insbesondere Frauen, auf denen die Last der Verantwortung für den Fernunterricht zukommt, sind in einem großen Konflikt zwischen ihrem Arbeitsleben, den Bildungsbedürfnissen ihrer Kinder und anfallenden Hausarbeiten.

61.
Die Pandemiezeit zeigte erneut den Bankrott des kapitalistischen Systems und ihrer Institutionen. Die Quelle dessen, warum die Schulen nach Hygienevorschriften kein Präsenzunterricht anbieten, und die Kinder der Werktätigen durch Fernunterricht benachteiligt werden, liegt daran, dass in unserem Land die öffentlichen Schulen durch reaktionäre und von Privatisierung besessene Machthaber seit Jahrzehnten systematisch kaputtgemacht wurden. Das Bildungssystem, schon seit Jahren in der Belagerung durch reaktionäre und marktliberale Kräfte, wurde durch die Pandemie dem Chaos preisgegeben. Die Verstaatlichung des Bildungssystems ist der einzige Weg, um Bildung dem Chaos zu entreißen und unseren Kindern auf planbare, wissenschaftliche und auf Gleichheit basierend zu vermitteln.

DIE PANDEMIE ERWISCHTE DIE ARBEITERKLASSE SOWOHL KULTURELL WIE IDEOLOGISCH UNVORBEREITET

62.
Die Pandemie hat uns den Preis vor Augen geführt, wenn die Arbeiterklasse weltweit nicht die Initiative ergreift, sich nicht organisiert und im Allgemeinen die Linke sich in den Grenzen des Systems beschränkt. Die Kritik an der gegenwärtigen internationalen Ordnung verfehlt das Wesentliche des Problems, und der anhaltende Wunsch, die Lösung als ineffektives „Reform“-Paket zu schnüren, wirkt nicht überzeugend, wenn man das Bild der globalen Verzweiflung betrachtet, welches der Kapitalismus gerade abgibt. Klar ist jedoch die fehlende Anstrengung der revolutionären Kräfte auch unter Pandemiebedingungen, die Auswirkungen dieser reformistischen Haltung zu verringern.

63.
Obwohl die weite Verbreitung von antikapitalistischen Positionen Diskussionen darüber aufwirft, wie das „postkapitalistische“ System aussehen könnte, zeigt sich bei der Analyse dieser Diskussionen insgesamt, dass nur sehr wenige eine klare Zukunftsperspektive haben. In diesem Sinne ist zu beobachten, dass die Mehrzahl der Thesen, die Antikapitalismus zum Thema haben, sich mitten im System bewegen. Die Antworten auf die durch die Pandemie aufgeworfenen Fragen sind durch Unstimmigkeiten geprägt, die sich aus unklaren Positionen der Opposition ergeben.

64.
Einer der von der Pandemie an den stärksten betroffenen Branchen ist die Kunst und Kultur. Von der Bühne bis zum Backstage, von Ateliers bis Studios, von Kulissen bis zu den Büros sind viele Berufe, Betriebe und Kunsttreibende in diesem riesigen Industriezweig von den ersten Tagen der Pandemie an und weiter zunehmend davon betroffen.

65.
Die Covid-19-Pandemie und die anschließende „Schließung“ in diesem Sektor haben viele Probleme, die bereits im Bereich Kultur und Kunst bestehen, auf sehr tragische Weise hervorgehoben. Die meist einer Arbeitssicherheit, gerechtem Lohn und sozialen Absicherung beraubten Kultur- und Kunstarbeiter*innen wurden durch die Pandemie fast völlig hilflos. Der Staat verhielt sich der wirtschaftlichen Depression den Kultur- und Kunstarbeiter*innen gegenüber völlig gleichgültig. Kultur- und Kunstarbeiter*innen, die ohne weiteres unter Pandemiebedingungen ihre Arbeit fortführen könnten, werden gezwungen, unter gesundheitlich höchst bedenklichen Bedingungen ohne Vorsichtsmaßnahmen zu arbeiten.

66.
Klar ist, dass bei den unter verheerenden Auswirkungen der Pandemie leidenden Kultur- und Kunstarbeiter*innen die Erkenntnis reift, dass sie Teil der Arbeiterklasse sind. Auch wenn noch unzureichend, allein die noch nie da gewesene, zunehmende Suche nach Organisation und Kampfmöglichkeiten liefern genügend Beweise dafür.

67.
Wieweit sich die zunehmend proletarisierten Intellektuellen einschließlich der Kunst- und Kulturarbeiter*innen als Teil der revolutionären Suche begreifen werden, wird eine der grundlegenden Fragen der kommenden Zeit sein. Die Zahl der Lohnabhängigen unter Wissenschaftlern, Pädagogen, Angehörigen der Gesundheitsberufe, Ingenieuren und technischen Mitarbeitern, Anwälten, Journalisten sowie Kultur- und Kunstleuten ist sehr hoch, und die Pandemie hat dazu beigetragen, sich dieser Tatsache bewusst zu werden. Das Verhältnis dieser Denk- und Meinungsführer und das Klassenbewusstsein sind sowohl in der Türkei wie auf der ganzen Welt noch unklar. Das Horizont mancher Intellektueller, die gegen bestehende Weltordnung opponieren, geht noch bei Weitem nicht über die Grenzen des Kapitalismus hinaus.
Obwohl das Verhältnis dieser Denk- und Meinungsführer und das Klassenbewusstsein sowohl in der Türkei wie auf der ganzen Welt noch unklar ist, ist es ganz offensichtlich, dass das Horizont mancher Intellektueller, die gegen bestehende Weltordnung opponieren, noch bei Weitem nicht über die Grenzen von Kapitalismus hinaus geht.

68.
Nach offiziellen Meldungen über den Beginn des Covid-19-Ausbruchs in der Türkei, verordnete das Innenministerium am 16. März 2020, alle Kultur- und Kunstaktivitäten wie Theater, Galerien, Konzertsäle und Aktivitäten in Kulturzentren zu schließen. Mit dem gleichen Dekret zur Schließung von Musik-Restaurants, Cafés und Hochzeitssälen, verloren die in allen Bereichen des Kunstbetriebs arbeitenden Werktätigen ihre Arbeit auf unbestimmte Zeit. Viele dieser Bühnen- und Kunstarbeiter wurden arbeitslos.

69.
Die Antwort auf die Frage, wie die alternative Welt aussehen könnte, mit anderen Worten, welchen Platz der Kommunismus dort einnehmen könnte, bleibt unklar, solange die Betonungen auf die Rolle der internationalen Solidarität und die Nutzung sowohl öffentlicher Bereiche als auch gemeinsamer Ressourcen für das Gemeinwohl, sowie die Notwendigkeit der regulierenden Rolle des Staates die Existenz und die Mechanismen des Kapitalismus in jedem einzelnen Staat und auf internationaler Ebene nicht als Hauptziel ins Visier nimmt.
Diese Tatsache macht es für breite Massen schwierig, die Warnungen, die aufgeworfenen Fragen und die Aufrufe zu erfassen, selbst wenn diese bei der internationalen Öffentlichkeit auf Interesse stoßen

70.
Andererseits misst ein Teil der Gesellschaft, der aus dem aktuellen Wanken des Kapitalismus ein negativeres Resümee zieht, auf gesellschaftlicher Ebene der Zukunft der „Isolationsgesellschaft“, der Macht technologisch-repressiver Methoden, kurz gesagt den Positionen, die die Kapitalistenklasse und der Staat durch die Pandemie erreicht hat, eine größere Bedeutung bei, und konstruieren ihre Widerstandsstrategien als Folge dieser Einschätzung. Ein weiterer Aspekt davon könnte sein, auf internationaler Ebene der Illusion zu verfallen, dass bestimmte Kräfte innerhalb des Systems Veränderungen bewirken könnten.

71.
Schließlich ist es möglich, dass die bei den Intellektuellen beobachtete Dynamik auf unterschiedliche Weise auf die Politik der Arbeiterklasse trifft, und auf eine radikalere Lösung hindeutet. Das heißt, in den kommenden Tagen können Brüche erwartet werden, die zur Überwindung der Unklarheit unter den Intellektuellen führen. Die Größe und den Umfang dieser Brüche werden durch die Eingriffe der kommunistischen Bewegung auf internationaler Ebene bestimmt.

TKP – Zentral Komitee

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Die Bildung wurde in der Pandemiezeit dem Chaos preisgegeben Teil 4

  1. Schulen sind seit Corona sehr offensichtich Orte des Wahnsinns und der Indoktrination. Das ist politisch so gewollt. Diese Schulen braucht kein Kind, die Herrschenden brauchen sie zur Untertanenerziehung.

    Ebensowenig geht es im pervertierten Gesundheitssystem noch um Gesundheit, es geht darum Profit zu machen. Auch und gerne mit experimentellen, gentechnisch veränderten Viren und gentechnisch veränderten menschlichen Geweben, die, ganz ohne Tierversuche oder einem Lohn für die Teilnehmer des Experiments, „geimpft“ werden.

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    Verfasst von musikforlife | 6. Mai 2021, 19:04

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