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Ausland, Welt

Die Schöne Neue Welt der Cancel Culture

von Pepe Escobar – http://www.theblogcat.de

Wenn wir ein Datum brauchen, an dem es im Westen ernsthaft schief zu laufen begann, so lasst uns mit Rom im frühen 5. Jahrhundert beginnen

Im Jahr 2020 sahen wir die Verherrlichung des Techno-Feudalismus – eines der übergreifenden Themen meines neuesten Buches, Raging Twenties.

https://www.amazon.com/Raging-Twenties-Politics-Techno-Feudalism-COVID-19-ebook/dp/B08WHKK3XN/ref=sr_1_1?dchild=1&keywords=Raging+Twenties&qid=1619759755&sr=8-1

In Windeseile metastasierte der Techno-Feudalismus-Virus in eine noch tödlichere, wild spiegelnde Variante, in der die Cancel Culture von Big Tech in allen Bereichen durchgesetzt wird. Wo Wissenschaft in den sozialen Medien routinemäßig als Fake News entwertet und der Durchschnittsbürger bis zum Punkt der Lobotomie verwirrt wird.

Giorgio Agamben hat dies als einen Neuen Totalitarismus definiert.

https://www.quodlibet.it/giorgio-agamben-nuove-riflessioni

Der hochkarätige politische Analyst Alastair Crooke hat versucht, eine scharfe Aufschlüsselung der breiteren Konfiguration vorzunehmen.

Geopolitisch gesehen würde der Hegemon sogar auf einen 5G-Krieg zurückgreifen, um seine Vormachtstellung aufrechtzuerhalten, während er eine moralische Legitimation durch die „Woke Revolution“ sucht, die er ordnungsgemäß in seine westlichen Satrapien exportiert.

Die „Woke Revolution“ ist ein Kulturkrieg – in Symbiose mit Big Tech und Big Business – der das wahre Ding zerschlagen hat: den Klassenkampf. Die atomisierte Arbeiterklasse, die ums nackte Überleben kämpft, wurde in der Anomie gelassen. (Anm.d.Ü.: Anomie = ein Zustand fehlender oder schwacher Normen, Regeln und Ordnung)

Das große Allheilmittel, eigentlich die ultimative „Chance“, die von Covid-19 angeboten wird, ist der von Herrn Schwab in Davos vorgeschlagene „Great Reset“: im Wesentlichen der Ersatz einer schwindenden Produktionsbasis durch Automatisierung, in Verbindung mit einem Reset des Finanzsystems.

https://www.ft.com/content/39c53b9f-f443-4dde-9cdb-07e8999ec783

Das begleitende Wunschdenken sieht eine Weltwirtschaft vor, die sich „einem saubereren kapitalistischen Modell annähert“. Eines der Merkmale ist ein herrlich wohlwollendes Gremium für integrativen Kapitalismus in Partnerschaft mit der katholischen Kirche.

https://www.inclusivecapitalism.com/

So wie die Pandemie – die „Chance“ für den Reset – durch das Event 201 im Oktober 2019 trainiert wurde, so gibt es bereits weitere Strategien für die nächsten Schritte, wie z. B. das Cyber Polygon, das vor den „Schlüsselrisiken der Digitalisierung“ warnt. Verpassen Sie nicht deren „technische Übung“ am 9. Juli, bei der „die Teilnehmer in Echtzeit ihre praktischen Fähigkeiten bei der Entschärfung eines gezielten Supply-Chain-Angriffs auf das Ökosystem der Konzerne verfeinern werden.“

Ein neues Konzert der Mächte?

Souveränität ist eine tödliche Bedrohung für die laufende Kulturrevolution. Das beunruhigt die Rolle der Institutionen der Europäischen Union – insbesondere der Europäischen Kommission – die nichts unversucht lässt, um die nationalen Interessen der Nationalstaaten aufzulösen. Und das erklärt weitgehend und in unterschiedlichem Ausmaß, wie Russophobie, Sinophobie und Iranophobie in eine Waffe verwandelt werden.

Der grundlegende Essay in „Raging Twenties“ analysiert die Lage in Eurasien genau im Hinblick auf den Hegemon, der gegen die drei Souveräne – Russland, China und Iran – antritt.

In diesem Rahmen wurde zum Beispiel kürzlich im US-Senat ein massiver, mehr als 270 Seiten starker Gesetzentwurf – der Strategic Competition Act – verabschiedet. Er geht weit über den geopolitischen Wettbewerb hinaus und entwirft einen Fahrplan für den Kampf gegen China im gesamten Spektrum. Er wird mit Sicherheit Gesetz werden, denn China-Feindlichkeit ist ein parteiübergreifender Sport in D.C.

Hegemon-Orakel wie der ewige Henry Kissinger machen zumindest eine Pause von ihrem üblichen „Teile und Herrsche“-Getue, um davor zu warnen, dass die Eskalation des „endlosen“ Wettbewerbs in einen heißen Krieg entgleisen könnte – vor allem in Anbetracht von KI und den neuesten Generationen intelligenter Waffen.

An der glühenden US-Russland-Front, wo Außenminister Sergej Lawrow den Mangel an gegenseitigem Vertrauen, ganz zu schweigen von Respekt, als viel schlimmer als während des Kalten Krieges ansieht, stellt der Analyst Glenn Diesen fest, dass der Hegemon „danach strebt, die sicherheitspolitische Abhängigkeit der Europäer in geoökonomische Loyalität umzuwandeln“.

https://sputniknews.com/us/202103231082419948-us-hegemony-depends-on-keeping-russian-energy-chinese-technologies-away-from-europe-prof-says/

Das ist der Kern einer „Make-or-Break“-Saga: Nord Stream 2. Der Hegemon setzt jede Waffe ein – einschließlich des Kulturkriegs, bei dem der verurteilte Gauner Nawalny eine wichtige Rolle spielt – um ein Energieabkommen zum Scheitern zu bringen, das für Deutschlands industrielle Interessen unerlässlich ist. Gleichzeitig wächst der Druck auf Europa, keine chinesische Technologie zu kaufen.

In der Zwischenzeit wird die NATO – die über die EU herrscht – über das Projekt NATO 2030 als globaler Robocop aufgebaut – selbst nachdem sie Libyen in eine von Milizen beherrschte Einöde verwandelt hat und ihr kollektiver Hintern in Afghanistan auf demütigende Weise versohlt wurde.

Bei allem Schall und Rauch der Sanktionshysterie und der Deklination des Kulturkriegs ist das Hegemon-Establishment nicht gerade blind dafür, dass der Westen „nicht nur seine materielle Dominanz, sondern auch seine ideologische Vormachtstellung verliert“.

So schlägt der Council on Foreign Relations – in einer Art Bismarck’schem Kater – nun ein Neues Konzert der Mächte vor, um mit „wütendem Populismus“ und „illiberalen Versuchungen“ fertig zu werden, die natürlich von jenen bösartigen Akteuren wie dem „kämpferischen Russland“ ausgehen, die es wagen, „die Autorität des Westens herauszufordern“.

https://www.foreignaffairs.com/articles/world/2021-03-23/new-concert-powers?utm_medium=newsletters&utm_source=fatoday&utm_campaign=The%20Singular%20Chancellor&utm_content=20210421&utm_term=FA%20Today%20-%20112017

So sehr dieser geopolitische Vorschlag auch in wohlwollende Rhetorik gekleidet sein mag, das Endspiel bleibt dasselbe: die „Wiederherstellung der US-Führung“, zu US-Bedingungen. Verdammt seien diese „Illiberalen“ Russland, China und Iran.

Crooke führt genau ein russisches und ein chinesisches Beispiel an, um zu illustrieren, wohin die erwachte Kulturrevolution führen kann.

Im Fall der chinesischen Kulturrevolution war das Endergebnis Chaos, angefacht von den Roten Garden, die unabhängig von der kommunistischen Parteiführung begannen, ihr eigenes, besonderes Chaos anzurichten.

Und dann ist da noch Dostojewski in „Die Besessenen“, der zeigt, wie die säkularen russischen Liberalen der 1840er Jahre die Voraussetzungen für die Entstehung der 1860er Generation schufen: ideologische Radikale, die darauf aus waren, das Haus niederzubrennen.

Keine Frage: „Revolutionen“ fressen immer ihre Kinder. Es beginnt meist damit, dass eine herrschende Elite ihre neu gefundenen platonischen Formen anderen aufzwingt. Denkt an Robespierre. Er formulierte seine Politik auf sehr platonische Weise – „der friedliche Genuss von Freiheit und Gleichheit, die Herrschaft der ewigen Gerechtigkeit“ mit Gesetzen, die „in die Herzen aller Menschen eingraviert sind“.

Nun, als andere mit Robespierres Vision der Tugend nicht einverstanden waren, wissen wir alle, was geschah: der Terror. Genau wie Platon es übrigens in den Gesetzen empfahl.

https://iep.utm.edu/pla-laws/

Es ist also fair zu erwarten, dass die Kinder der Woke-Revolution schließlich von ihrem Eifer lebendig aufgefressen werden.

Aufhebung der Meinungsfreiheit

So wie es aussieht, kann man darüber streiten, wann der „Westen“ anfing, ernsthaft schief zu laufen – im Sinne einer Cancel Culture. Erlaubt mir die zynisch-soziale Sichtweise eines globalen Nomaden des 21. Jahrhunderts.

Wenn wir ein Datum brauchen, lasst uns mit Rom beginnen – dem Inbegriff des Westens – im frühen 5. Jahrhundert. Folgt dem Geld. Das ist die Zeit, in der die Einkünfte aus dem Besitz von Tempeln an die katholische Kirche übertragen wurden – und damit ihre wirtschaftliche Macht stärkten. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden sogar Schenkungen an Tempel verboten.

Parallel dazu war ein Zerstörungswahn im Gange – angeheizt durch den christlichen Ikonoklasmus (Bildersturm), der von in heidnische Statuen eingemeißelten Kreuzen bis zu in Kirchen umgewandelten Badehäusern reichte. Nackt baden? Quelle horreur!

Die Verwüstung hatte es in sich. Eine der wenigen Überlebenden war die fabelhafte Bronzestatue des Marcus Aurelius zu Pferd auf dem Campidoglio/Kapitolinischen Hügel (heute ist sie im Museum untergebracht). Die Statue überlebte nur, weil der fromme Mob dachte, der Kaiser sei Konstantin.

Das urbane Gefüge Roms wurde zerstört: Rituale, der Sinn für Gemeinschaft, Singen und Tanzen. Wir sollten uns daran erinnern, dass die Menschen immer noch ihre Stimmen senken, wenn sie eine Kirche betreten.

Jahrhundertelang hörten wir die Stimmen der Enteigneten nicht. Eine krasse Ausnahme findet sich in einem Text eines athenischen Philosophen aus dem frühen 6. Jahrhundert, zitiert von Ramsay MacMullen in Christianity and Paganism in the Fourth to Eight Centuries.

Der griechische Philosoph schrieb, dass die Christen „eine in jeder Leidenschaft aufgelöste Rasse sind, zerstört durch kontrollierte Selbstverliebtheit, kriechend und weibisch in ihrem Denken, der Feigheit nahe, sich in allen Schweinereien suhlend, entwürdigt, zufrieden mit der Knechtschaft in Sicherheit.“

Wenn das wie eine Proto-Definition der westlichen Cancel Culture des 21. Jahrhunderts klingt, dann ist das so.

Auch in Alexandria war es ziemlich schlimm. Ein christlicher Mob tötete und zerstückelte die verführerische Hypatia, Mathematikerin und Philosophin. Das beendete de facto die Ära der großen griechischen Mathematik. Kein Wunder, dass Gibbon die Ermordung der Hypatia zu einem bemerkenswerten Versatzstück in Decline and Fall of the Roman Empire machte („In der Blüte ihrer Schönheit und in der Reife ihrer Weisheit lehnte die bescheidene Jungfrau ihre Liebhaber ab und unterwies ihre Schüler; die durch ihren Rang oder Verdienst berühmtesten Personen waren ungeduldig, die Philosophin zu besuchen“).

https://www.ccel.org/g/gibbon/decline/volume2/chap47.htm

Unter Justinian – Kaiser von 527 bis 565 – wurde das Heidentum mit aller Härte bekämpft. Eines seiner Gesetze beendete die kaiserliche Duldung aller Religionen, die seit Konstantin im Jahr 313 in Kraft war.

Wer heidnisch war, sollte sich auf die Todesstrafe gefasst machen. Heidnische Lehrer – vor allem Philosophen – wurden verbannt. Sie verloren ihre parrhesia: ihre Lizenz zum Lehren (hier die brillante Analyse von Foucault).

https://foucault.info/parrhesia/foucault.DT1.wordParrhesia.en/

Parrhesia – frei übersetzt als „freimütige Kritik“ – ist ein ungeheuer ernstes Thema: Nicht weniger als tausend Jahre lang war dies die Definition der Redefreiheit (Kursivschrift von mir).

Da haben wir es: In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts, als die Meinungsfreiheit im Westen abgeschafft wurde.

Der letzte ägyptische Tempel – zu Ehren der Isis, auf einer Insel im Süden Ägyptens – wurde 526 geschlossen. Die legendäre Platon-Akademie – mit nicht weniger als 900 Jahren Lehre in ihrem Lehrplan – wurde 529 in Athen geschlossen.

Ratet mal, wohin sich die griechischen Philosophen ins Exil begaben: nach Persien.

Das waren die Tage – im frühen 2. Jahrhundert – als der größte Stoiker, Epiktet, ein freigelassener Sklave aus Phrygien, Bewunderer sowohl von Sokrates als auch von Diogenes, von einem Kaiser, Hadrian, konsultiert wurde; und er wurde das Vorbild eines anderen Kaisers, Marcus Aurelius.

Die Geschichte zeigt uns, dass die griechische intellektuelle Tradition im Westen nicht einfach verblasste. Sie war Ziel der Cancel Culture.

Brave New Cancel Culture World

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/cancel-culture-01-05-2021/

Diskussionen

4 Gedanken zu “Die Schöne Neue Welt der Cancel Culture

  1. Ein interessantes Detail ist nach wie vor: Sowohl Pepe als auch sein Freund Andreij theSaker leben im anglo-zionistischem Imperium, welches die pazifistischen Iraner terrorisiert.

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    Verfasst von Pavel | 8. Mai 2021, 10:12
    • Nun ja, das muß nicht viel heißen, irgendwo auf diesem Irrenhaus-Planeten muß Mensch sich ja aufhalten. Körperlich, meine ich. Eine andere Frage, wo er sich geistig aufhält. Der Pepe sich offenbar im Reich von Gut und Böse. Für ihn gibt es gute kapitalistische Staaten, und es gibt böse. Völliger Quatsch, denn das Kapital ist weder gut noch böse, sondern ein Set von Handlungsanweisungen, die bei Strafe des Bankrotts zu befolgen sind.

      Alle aus dem Kapital hervorkommenden Handlungsanweisungen sind unbestreitbar logisch. Doch beginnt jeder logische Denkgang mit einer Grundannahme, die frei gewählt ist. Die Grundannahme des Kapitals ist, daß Menschen materielle Dinge sind, aus denen sich Energie extrahieren läßt, Mehrwert. Jene extrahierte Energie ist geldlich bezifferbar, und wer am meisten Energie aus den Menschenleibern extrahiert hat, der kann sich am meisten kaufen. Bis ihm die ganze Welt gehört. Und dieser kapitalistische Logik MÜSSEN alle folgen, die kapitalistisch produzieren — bei Strafe ihres Bankrotts bzw. Untergangs. Ganz gleich, welche Hautfarbe, Religion oder Nationalität ein Sammler von Menschenenergie hat. Am Ende müssen alle diese Menschenjäger und -sammler die NWO wollen. Bei Strafe ihres Untergangs.

      Eben darum bezeichnete Marx die Kapitalisten auch als „Agenten und Charaktermasken des Kapitals“. Sie sind Agenten der Handlungsanweisungen einer logisch arbeitenden Energieextraktionsmaschine.

      Das sollte man schon wissen. Auch, daß das am Ende nicht gutgehen kann, weil über dieser ganzen kapitalistischen Zirkusnummer das Zelt zusammenfallen und die Warenproduktion zum Stillstand kommen wird (tendentieller Fall der Profitrate). Darum ja die NWO.

      So denn die Geldakkumulation aufhört, muß die Warenproduktion über nacktes Kommando betrieben werden. Was allgemein als Sklaverei bekannt ist. Wobei das Kommando des „Mach, Sklave!“ nicht mehr von natürlich dummen Agenten oder Charaktermasken des Kapitals mündlich ausgesprochen wird! Sondern von einem von einer künstlichen Intelligenz errechneten digitalen Signal übermittelt wird. Insofern liegt Pepe Escobar mit der Aussage sehr richtig: «Das begleitende Wunschdenken sieht eine Weltwirtschaft vor, die sich „einem saubereren kapitalistischen Modell annähert“.»

      Genau, ist Wunschdenken! Oder sogar irreführen wollende Propaganda. Der Great Reset bzw. die UN-Agenda2030 bzw. die Neue Weltordnung sind KEIN Kapitalismus mehr, sondern nackte Sklaverei. Die rechnerische Bindung der Höhe des Einkommens an den Meßwert «Stückzahl pro Zeiteinheit» wird lediglich noch erhalten bleiben, um die Sklaven zur Verausgabung ihrer Energien anzutreiben.

      Kurz: Mit dem finalen Ende einer ausreichend hohen globalmarktlich durchschnittlichen Profitrate endet zugleich das Kapital. Und es beginnt die nackte Sklaverei einer digital gesteuerten Kommandowirtschaft. Und wir würden nie erfahren, wer der Herrenmenschenclub ist, dem dann wir und die Welt gehören. Elite hat keine Hautfarbe und Nationalität. Nur eine Religion: Ich bin der Herr dieser Welt.

      Sind irre, diese Irren.

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      Verfasst von No_NWO | 8. Mai 2021, 13:10
  2. Interessanter Blick auf jene historisch wenig erforschte Zeit, in der mit dem Verbot von freier Rede und freier geistiger Betätigung aus dem niedergehenden antiken römischen Imperium ein nachfolgendes römisches Imperium hervorwuchs.

    Im sodann vom Vatikan dirigierten Imperium Romanum 2.0, dem nun „Heiligen“ Römischen Reich, waren eins plus eins nicht mehr zwei — Rationalität war suspendiert, der Wahnsinn salonfähig geworden. Blutiger Wahnsinn, blutkultiger. Der mit dem industriellen Kapital schließlich imperialistisch wurde und zuletzt vamperialistisch, blutsaufend.

    Die Algonquin und andere indigene Völker bezeichneten die Geisteskrankheit des weißen Mannes, der im 15. und 16. Jahrhundert in ihren Heimatländern ankam, als „Wetiko“. Wörtlich übersetzt bedeutet das Kannibalismus: Konsum eines anderen Lebens für den eigenen privaten Nutzen oder Profit.

    Wetiko, Leitstern einer atheistisch gewordenen Moderne, von der Nietzsche sagte, sie sei „höchste Blüte des Christentums“. Wetiko ist politisches Thema. Wer Englisch kann, findet es in Verbindung mit Machtelite, Blutkulten und Adrenochrom untersucht bei Prof. Hamamoto auf YouTube. Anders heran ging Erich Neumann anno 1948 in «Ursprungsgeschichte des Bewußtseins». Blutkulte sind dort als Ausdruck von frühen Kosmologien beschrieben. Letztere wiederum Ausdruck eines niedrigen materiellen gesellschaftlichen Entwicklungsstandes (Erdfruchtbarkeitskulte früher bäuerlicher Kulturen), wenn auch nicht dessen notwendiger kultureller Ausdruck. Neumann verwies auf nordamerikanische Indigene, die ethisch hochstehend, materiell aber unentwickelt sind. Wohingegen materiell (technisch) entwickelte Kulturen in archaische Blutkulte zurückfallen können (Blut und Boden).

    Dies alles mag in gewisser Weise sicherlich zutreffen, übersieht aber wohl etwas grundlegend Einfaches. Nämlich daß jener «Konsum eines anderen Lebens für den eigenen privaten Nutzen oder Profit» allerallgemeinstes Phänomen ist in allen(!) Herrschaftsverhältnissen. Herr zu sein, bedeutet immer, Sklaven um ihren Eigenwillen zu bringen. Eigenwillen ließe sich mit Vitalität gleichsetzen, mit Lebens- und Schöpferkraft. Deren markantestes Symbol Blut ist.

    Vielleicht ist genau dieses Nehmen der Vitalität eines anderen eine Art Erbsünde aller „höheren“ Zivilisiertheit. Unpopuläre These hier wäre, daß es die Herrschenden selbst sind, die in der allerhintersten Ecke ihres Bewußtseins ihr Herrschaftshandeln, das Nehmen von Eigenwillen bzw. Vitalität, als sündig empfinden. Und dann – nicht zuletzt auch für ihr eigenes Seelenheil – nach Rechtfertigungsideologien suchen, welche Herrschaft als gottgewollt darstellen: Ein Papst setzt einem Kaiser die Krone auf. Und der Kaiser schläft gut.

    Was letzteres sich häufig mit militärischen Vorteilen für alle verbindet, wenn es um Abwehr von Aggressoren oder imperialer Ansprüche von außen geht. Ist eine hierarchisch geordnete Gesellschaft mit klaren Befehlsstrukturen doch wehrfähig.

    Einfachstes Beispiel ist das im mitteleuropäischen Mittelalter, im 10. Jahrhundert, im Pariser Raum erstmals entstehende Lehnswesens. Dieses begann als ein militärisches Beistandswesen, um die desaströsen Raubzüge der Wikinger erstmals abwehren zu können. Herrschaft legitimiert sich also auch lebenspraktisch, indem sie hilft, Leben zu schützen. Die Leben der von außen angegriffenen Bewohner eines Territoriums. Jenes Lehnswesen fand seine Legitimation jedoch nicht in Rationalität, sondern in päpstlicher Patronage. Und es wurde selbst dann zum militärischen Hebel zur politischen Ausbreitung des Christentums. Jene «Erbsünde» der „Zivilisation“ beginnt also da, wo ein Aggressor andere zwingt, hierarchische Strukturen auszubilden. Und pflanzt sich nun fort, da Herrschaft nicht nur zum Zwecke der Verteidigung genutzt werden kann. Sondern auch für den Angriff.

    Und dennoch. So gut Herrschaft sich auch immer legitimieren und rationalisieren läßt. Es bleibt das schlechte Gewissen der Herrschenden, mit ihrem Herrschen die Vitalität der Beherrschten zu untergraben, die Beherrschten sogar verblöden zu müssen. Die dem Menschen artgemäß zueigene Psyche empfindet ein solches Tun als sündig.

    Letzteres um so mehr, wenn Herrschaft sich infolge materiell prosperierender und bei sich politisch beruhigender Entwicklung schließlich nicht mehr rational, sondern allein noch ideologisch legitimieren läßt. Dann braucht es einen kultischen Psycho-Booster, um dem schlechten Gewissen und seinen herrschaftsgefährdenden Folgen der Depression bzw. einer Abnahme von Vitalität beim Herrschaftspersonal entgegenzuwirken: Kultisches Blutvergießen, satanistische Rituale oder auch Konsum von aus Blut gewonnenen Aphrodisiaka bzw. Vitalisierungspräparaten wie zum Beispiel Adrenochrome. Was alles süchtig machen wird und dann Blutorgien erklären könnte, kultische und kriegerische. Oder eugenische und genozidale im Sinne eines l’art pour l’art — Kult um des Kults willen.

    Die Legitimation von Herrschaft sinkt mit der materiellen Höhe einer Kultur. Weil damit die Anlässe für kriegerische Handlungen sinken. Und so auch die militärische Notwendigkeit von Herrschaft. Also wird die Erbsünde stärker empfunden auf der Seite des Herrschaftspersonals. Und das Bedürfnis nach Blutkult wächst. Nicht!?

    Eine vielgehörte weitere These ist, Herrschaftspersonal panzere seinen Nachwuchs emotional gegen Schuldempfinden und Depression, indem es seinen Kindern rituellen sexuellen Mißbrauch angedeihen ließe. Dies würde psychisch verändern in Richtung auf Lust an Brutalität gegenüber Unterlegenen.

    Was alles zunehmen dürfte, je mehr die Chancen der Menschheit wachsen, friedlich miteinander auszukommen. Logisch, nicht!? Obwohl eigentlich total unlogisch. Richtig wäre zu sagen: Kultisch logisch, rational unlogisch.

    Wäre jedenfalls schön, wenn Wetiko nicht epidemisch würde. Was es gerade tut. Der Virus der Impfstoff, der Impfstoff der Virus. Ist jener „Impfstoff“ doch garkein Impfstoff, sondern ein zellveränderndes nanokleines technisches Gerät. Das krankmacht und tötet. Das sich sicherlich auch über die Luft ausbringen lassen dürfte. Und dann „Virus“ heißt.

    Ach, übrigens — Neumann stellt jene Jünglinge, die in frühbäuerlichen Blut-Boden-Kulten der Wachstums- und Fruchtbarkeitsgöttin zu Ehren geopfert wurden, als beseeligte Freiwillige vor. Sie bejahten es, geschlachtet zu werden. Sie bejahten es, daß ihr Fleisch und Blut – Hic est corpus! – kultisch feierlich über die Ackergründe verteilt würde, um diese fruchtbar zu machen. Ganz ähnlich wie die kriegsbegeisterten Jünglinge des Ersten und Zweiten Weltkriegs innerlich beseeligt an die Front zogen. Bitteschön, da unsere Bundeskanzlerin ja gewisse Ähnlichkeiten mit der Venus von Willendorf hat, einer archaischen plastischen Darstellung einer Wachstums- und Fruchtbarkeitsgöttin — könnte es da nicht sein, daß die Impfwilligkeit, um nicht zu sagen die Impflüsternheit, bei Männern auffallend über der von Frauen liegt? Mir jedenfalls hat bisher noch keine Frau freudig und mit einem seltsamen Glänzen in den Augen berichtet, sich „impfen“ lassen zu wollen. Und nicht eine einzige mir bekannte Frau hat sich impfen lassen. Aber mehrere mir bekannte Männer.

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    Verfasst von No_NWO | 4. Mai 2021, 10:38

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