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Ausland, Europa

Tschechien: Wird Präsident Zeman nach seiner Rede über die Vorwürfe gegen Russland wegen Hochverrat angeklagt?

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Die Posse um die tschechischen Vorwürfe, russische Agenten wären für Explosionen in einem tschechischen Munitionslager im Jahre 2014 verantwortlich, zieht immer absurdere Kreise. Nun geht es auch noch um Explosionen in Bulgarien und der tschechische Präsident soll wegen Hochverrat angeklagt werden.

Die Geschichte rund um die tschechischen Vorwürfe war auch so schon merkwürdig genug. Zur Erinnerung schauen wir uns noch einmal die Chronologie an, bevor wir auf die Meldungen der letzten Tage kommen.

Die tschechischen Anschuldigungen

2014 gab es Explosionen in einem Munitionslager in Tschechien, die auch nach sieben Jahren noch nicht aufgeklärt werden konnten.

Am 13. April 2021 wurden in Moskau drei Männer verhaftet, die einen Putsch in Weißrussland geplant haben. Das lässt sich nicht bestreiten, denn der russische Geheimdienst hat ihre Treffen gefilmt, bei denen sie die Putschpläne besprochen haben, und die Aufnahmen veröffentlicht. Und da es sich um bekannte Oppositionelle handelt, lässt sich die Echtheit der Aufnahmen nicht bestreiten. Die Festnahmen waren westlichen Geheimdiensten am gleichen Tag bekannt und der Putschversuch war Thema bei dem Telefonat zwischen Putin und Biden am 14. April.

Die Verhaftungen wurden von russischen Medien aber nicht sofort, sondern erst am 17. April gemeldet Die westlichen Geheimdienste hatten also fast eine Woche Zeit, sich eine Strategie zu überlegen, um von der Geschichte abzulenken.

Zum Schlüsseltag wurde der 17. April. An dem Tag haben die Geheimdienste Russlands und Weißrusslands die Festnahmen gemeldet und die Videos der Gespräche der Putschisten veröffentlicht. Die westlichen Medien haben das Thema aber praktisch komplett verschwiegen.

Tschechien hat ebenfalls am 17. April gemeldet, dass russische Agenten die Explosionen in einem tschechischen Munitionslager im Jahr 2014 verursacht haben sollen, Belege allerdings wurden nicht präsentiert, die tschechische Regierung hat sich auf Geheimdienstberichte berufen. Darüber haben die westlichen Medien – im Gegensatz zu dem vereitelten Putschversuch in Weißrussland – ausführlich berichtet.

Aus Sicht der Gegner Russlands war es ein positiver Nebeneffekt, dass der tschechische Vize-Ministerpräsident Jan Hamáček am folgenden Montag nach Moskau fliegen sollte, um über eine Lieferung des russischen Impfstoffs Sputnik-V zu verhandeln. Die Reise wurde wegen der angeblichen russischen Schuld an den Explosionen abgesagt.

Am Montag dem 19. April hat Tschechien mitgeteilt, gleich 18 russische Diplomaten auszuweisen. Dem Beispiel folgten auch andere EU-Staaten und Russland antwortete wie immer in solchen Fällen „gespiegelt“ und hat ebenfalls Diplomaten ausgewiesen. Mit den tschechischen Ausweisungen russischer Diplomaten begann eine politische Eskalation, wie sie wohl seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa ihresgleichen sucht, die Details können Sie hier nachlesen.

Die Rolle des Spiegel

Besonders lächerlich war bei der Geschichte mal wieder der Spiegel, dessen Aufgabe es anscheind ist, als Sprachrohr der westlichen Geheimdienste aufzutreten. Am 20. April hat der Spiegel allen Ernstes mitgeteilt, er und sein „Rechercheteam“ hätten Beweise für die russische Schuld an den Explosionen und im Detail über GPS-Daten, Flugbuchungen, Daten über Einreisen in die EU und so weiter berichtet. All diese Daten sind nicht frei verfügbar und stammen aus so vielen verschiedenen Datenbanken, dass der Spiegel sich das entweder alles ausgedacht, oder von einem Geheimdienst geliefert bekommen hat. Ob das alles der Wahrheit entspricht, kann niemand überprüfen.

Mit anderen Worten, der Spiegel hat erstens behauptet, er und sein „Rechercheteam“ hätten die Explosionen, die die tschechischen Behörden sieben Jahre lang nicht aufklären konnten, innerhalb von drei Tagen nach den tschechischen Anschuldigungen in einer eigenen Recherche aufgeklärt. Die Details dessen, was der Spiegel seinen Lesern als seine eigene Recherche verkauft hat, finden Sie hier.

Ich frage mich immer wieder, wie Spiegel-Leser solche Räuberpistolen für bare Münze nehmen können, aber das ist ein anderes Thema.

Der tschechische Präsident Zeman tanzt aus der Reihe

Es lief aus Sicht der anti-russischen Kräfte im Westen alles perfekt. Von dem vereitelten Putschversuch in Weißrussland hat das westliche Publikum nichts erfahren, die Bestellung des russischen Impfstoffs war abgeblasen, die Medienkampagne gegen Russland lief perfekt.

Dann aber funkte der ausgerechnet der tschechische Präsident Zeman dazwischen und erklärte am Sonntag dem 25. April, dass in dem Geheimdienstbericht kein Beleg für die Vorwürfe gegen Russland zu finden sei. Stattdessen sprach der tschechische Präsident davon, dass wegen fahrlässigem Umgang mit der Munition ermittelt wird. Das war doof, denn Zeman hat geheimen Bericht ja gelesen. Und so hat ihn anschließend auch niemand in Tschechien beschuldigt, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Was also tun?

Die absurden Reaktionen in Tschechien

Der tschechische Vize-Ministerpräsident Jan Hamáček hat noch am gleichen Abend im tschechischen Fernsehen reagiert und gesagt:

„Die Hälfte seiner Rede wäre in Ordnung gewesen, aber die zweite Version über Fahrlässigkeit war meiner Meinung nach unnötig. Ich weiß nicht, warum der Präsident das getan hat. Es hat der Tschechischen Republik nicht geholfen“

Hamáček hat also nicht etwa behauptet, Zeman hätte die Unwahrheit gesagt, er hat Zemans Aussage im Gegenteil sogar indirekt bestätigt. Nur fand er es nicht gut, dass Zeman das öffentlich gesagt hat. Darauf hat der Sprecher von Präsident Zeman am Montag dem 26. April reagiert und an die Adresse von Hamáček und der tschechischen Regierung auf Twitter geschrieben:

„Die Kritiker von Zeman brauchen keine klaren Beweise für die Beteiligung russischer Geheimdienste? Im Jahr 2003 (beim Irakkrieg) wollten sie auch keine. In Syrien und Libyen wollten sie auch keine. Das Ergebnis waren Hunderttausende von Toten, ein schreckliches Massaker an Christen, die Entstehung des verbrecherischen sogenannten Islamischen Staates und eine riesige Flüchtlingswelle. Das Gewissen hämmert an die Tür und es wird Fragen stellen. Es gibt kein Entkommen.“

In einem weiteren Tweet fügte er noch hinzu:

„Warten wir also die Ergebnisse der Untersuchung ohne Hysterie und Spekulationen ab und entscheiden dann.“

Ohne Hysterie und Spekulationen abwarten“ will aber Vize-Ministerpräsident Hamáček nicht. Er erklärte ebenfalls am 26. April:

„Soweit ich weiß, gibt es bei den Explosionen nur eine Version in den Ermittlungen und in der geht es um die Bewegungen ausländischer Agenten in Tschechien.“

Wieder hat Hamáček Zeman nicht vorgeworfen, die Unwahrheit gesagt zu haben. Und am 27. April legte die tschechische Regierung nach. An dem Tag wurde gemeldet, der Senat, das Oberhaus des tschechischen Parlaments, prüfe bereits, den Staatspräsidenten wegen Hochverrats anzuklagen. Das muss man als weitere Bestätigung dafür sehen, dass Zeman die Wahrheit gesagt hat, denn immer noch wirft ihm niemand vor, die Unwahrheit gesagt zu haben. Es gibt also in dem Geheimdienstbericht keine Belege für die russische Spur.

Zemans „Hochverrat“ besteht folgerichtig darin, die Wahrheit gesagt zu haben. Orwell hätte seinen Spaß an der Geschichte.

Es geht aber noch absurder

In der EU scheint es einen neuen Wettbewerb darin zu geben, wer sich die irrsinnigsten anti-russischen Anschuldigungen ausdenkt. Am 28. April hat Bulgarien die Herausforderung angenommen und gemeldet, dass der russische Geheimdienst gleich an vier Explosionen in Munitionslagern in Bulgarien zwischen 2011 und 2020 schuld sein soll. Auch hier wieder das gleiche Spiel, wie in Tschechien: Ausgerechnet zu diesem für die anti-russischen Kräfte in der EU so perfekten Zeitpunkt wurden Explosionen aufgeklärt, die die Behörden seit bis zu zehn Jahren nicht aufklären konnten. Und natürlich wurden wieder keinerlei Belege präsentiert.

Jetzt wollen wir mal abwarten, ob der Spiegel und sein „Rechercheteam“ wieder in der Lage sind, auch diese Explosionen in wenigen Tagen aufzuklären. Man darf sich ja bei den Super-Journalisten aus Hamburg über gar nichts mehr wundern.

Verbotene Munition in dem Lager

Die „Welt“ hat einen Artikel über die tschechischen Vorwürfe einen sehr verräterischen Absatz geschrieben, der aber anscheinend im Westen niemanden interessiert:

„Das Munitionslager wurde von kommerziellen Rüstungsfirmen genutzt. Gelagert waren dort unter anderem Hunderte Antipersonenminen. Nach den Explosionen waren Tausende Soldaten zwei Jahre lang damit beschäftigt, Blindgänger und Munitionsbestandteile zu entschärfen und das Areal wieder sicher zu machen.“

Antipersonenminen sind international geächtet und verboten. Wie kann es sein, dass ein bulgarischer Waffenhändler in Tschechien verbotene Waffen lagert, die dem Vernehmen nach für die Ukraine bestimmt waren? Das geht nämlich aus den Meldungen aus Bulgarien hervor, denn als Motiv für die angeblichen russischen Anschläge auf bulgarische Waffenlager wird angeführt, die Waffen seien für die Ukraine und Georgien bestimmt gewesen und dem gleichen Waffenhändler gehörten auch die Waffen in dem tschechischen Lager.

Fragen zu verbotenen Waffen stellen die westlichen Medien aber nicht.

Russland fordert nun von den EU-Staaten Aufklärung darüber, wie es sein kann, dass private Waffenhändler in der EU mit verbotenen Waffen handeln und die Behörden in den EU-Staaten sich dafür nicht interessieren.

Lawrow erträgt es nur noch mit schwarzem Humor

Von Journalisten auf die Vorwürfe aus Bulgarien angesprochen, wunderte sich der russische Außenminister Lawrow darüber, dass die Bulgaren zehn Jahre lang nichts herausfinden konnten, nun aber anscheinend diese alten Geschichten nehmen, um die Tschechen bei ihren anti-russischen Vorwürfen noch zu übertrumpfen und er fügte trocken hinzu:

„Nur gut, dass wir Erzherzog Ferdinand noch nicht ermordet haben, aber wie es aussieht kommt das auch noch.“

Die Ermordung von Erzherzog Ferdinand war der Auslöser des Ersten Weltkriegs.

Russischer Humor

Das russische Internet geht aber noch weiter. Da an den Explosionen in Tschechien die gleichen angeblichen russischen Agenten (Alexander Petrow und Ruslan Boschirow) beteiligt sein sollen, wie auch an der angeblichen Vergiftung der Skripals, kocht der Humor in Russland hoch, wie ich mit ein paar Beispielen aufzeigen möchte.

Ein User schrieb auf Twitter:

Historiker haben mit Sicherheit festgestellt, was Caesar zum Zeitpunkt seiner Ermordung geschrien hat:
„Auch Ihr, Petrow und Boschirow!!!

Ein anderer schrieb:

Wo waren Petrow und Boschirow zum Zeitpunkt der Ermordung Kennedys?
Jeder weiß, dass Oswald Kennedy nicht getötet haben kann!

Oder:

Petrow und Boschirow haben zugegeben, dass sie am 7. Dezember 1941 Pearl Habor angegriffen haben

Oder dieser Dialog zwischen Putin und den beiden.

Putin: „Wenn Ihr mit den Skripals fertig seid, macht auf dem Rückweg noch irgendwas in Tschechien!“
Antwort: „Wladimir, wir müssen auch noch Navalny vergiften, was denn noch alles!“

Ein anderer User hatte eine weitere Frage:

Wo waren Petrow und Boschirow als das Coronavirus aufgetaucht ist?

Auch in Ägypten waren die beiden wohl kürzlich aktiv, wie ein anderer Twitter-User aufgezeigt hat:

Schau Petrow, wie fahren in den Suezkanal.
Alles klar, Boschirow. Wir machen alles richtig!

Mein persönlicher Favorit war dies hier:

Petrow und Boschirow brauen in Prag Nowitschok.
Das zeigen Aufnahmen des tschechischen Geheimdienstes

Bei der ganzen Geschichte muss man den Russen eines lassen: Diese im Internet veröffentlichten Geschichten sind durch mehr Belege in Form von Fotos und Videos belegt, als die Vorwürfe des tschechischen Geheimdienstes. Daher dürfte es wirklich nur eine Frage der Zeit sein, bis Laworw recht bekommt und ein westlicher Geheimdienst Beweise dafür vorlegt, dass die Urgroßväter von Petrow und Boschirow Erzherzog Ferdinand erschossen haben.

Wird Präsident Zeman nach seiner Rede über die Vorwürfe gegen Russland wegen Hochverrat angeklagt?

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Tschechien: Wird Präsident Zeman nach seiner Rede über die Vorwürfe gegen Russland wegen Hochverrat angeklagt?

  1. Zeman ist ein selbtsgefälliges Arschloch und lügt wenn er den Mund aufmacht.
    Kritische Reporter würde er am liebsten an die Wand stellen lassen.
    Der Grossteil aller Tschechen hasst ihn wie die Pest.

    Gefällt mir

    Verfasst von Peggi | 30. April 2021, 22:08

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